Wo bleibt die Zuversicht?

Wir stecken in einer tiefen Krise. Das Wetter spielt verrückt, Öl und Gas werden immer teurer, die Wirtschaft lahmt, in der Ukraine ist kein Ende des Krieges in Sicht, und Rechtsextremisten heimsen Wahlerfolge ein. Und was machen die Progressiven? Sie lamentieren und verzweifeln. Progressiv politisch engagierte Science-Fiction-Autoren schreiben Dystopien, Erfolge werden kleingeredet, auf Demonstrationen spürt man mehr ohnmächtige Wut als Aufbruchstimmung, und in diesem Forum muss man Sätze lesen wie „Jede Regierung wird versagen“ oder „Die Nationen der Welt werden sich nie auf CO2-Reduktion einigen“. Salonmarxisten schwafeln davon, dass das alles „Nebenwidersprüche“ seien, die einerseits nicht ohne Auflösung des „Hauptwiderspruchs“ zwischen Arbeit und Kapital zu lösen seine, andererseits sich bei Lösung des „Hauptwiderspruchs“ von allein lösen würden. Reformen würden nichts bringen; allein die Revolution sei eine Lösung, die aber sei zum Scheitern verurteilt, weil „keine revolutionäre Situation“ bestehe. Also könne man gar nichts tun, außer die Klassiker zu lesen und über ihre Theorien zu diskutieren.

So wird das nichts mit der Rettung der Welt, mit der Wende zur Nachhaltigkeit! Wo bleibt die Zuversicht? Denn die brauchen wir, um die Welt zu verändern! Es reicht nicht, die Probleme zu bekakeln und Bußpredigten zu halten. Es müssen glaubwürdige Visionen her! Denn unsere Gegner haben eine Vision: sie wollen eine vermeintlich bessere Vergangenheit wieder herstellen, und damit finden sie bei Leuten, die glauben, die Zukunft werde schlechter sein als die Gegenwart (und das sind sehr viele), viel Resonanz und werden gewählt. Viele Leute scheinen zu glauben, die Wahl sei zwischen einer Renaissance der sauberen, ordentlichen Wirtschaftswunderwelt der 50er Jahre und einer dystopischen Zukunft à la Blade Runner. Wer würde sich da nicht für die 50er entscheiden? Aber das ist nicht die Wahl, die vor uns steht. Es führt kein Weg zurück in die 50er Jahre. Die Wahl ist vielmehr zwischen einer dystopischen Zukunft (wenn die Probleme ungelöst bleiben) und einer blühenden, bunten Welt, wie es sie noch nicht gab (wenn die Probleme gelöst werden).

Es gibt aber Lichtblicke. Es gibt sie, die Lösungen der Probleme, sie liegen bereits auf dem Tisch, aber sie sind noch nicht tief genug in das Bewusstsein der Mehrheit vorgedrungen, sondern schlummern in Sachbüchern und wissenschaftlichen Studien, die nur wenige lesen. Die Energiewende und damit die Lösung der Klimakrise macht Fortschritte, auch wenn manche Politiker sie „zurückstellen“ wollen, weil andere Dinge „wichtiger“ seien. Gegen die extreme Rechte regt sich Opposition. Einige Science-Fiction-Autoren haben aufgehört, Dystopien zu schreiben, und schreiben optimistische Geschichten von einer besseren Zukunft. Solarpunk nennt man das, auch wenn mir persönlich die Bezeichnung nicht so recht gefällt, denn „Punk“ klingt für mich nach Pessimismus, nach Dystopie, also nach genau dem, was Solarpunk nicht ist. Wir wissen nicht, ob wir den Kampf noch gewinnen können, aber wir müssen daran glauben, denn sonst ist der Kampf schon verloren. Denn nur mit Zuversicht können wir erreichen, was wir erreichen wollen!

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„… Von Ausweglosigkeit kann jedoch keine Rede sein. Das Gegenteil ist der Fall. Die Notausgänge stehen so weit offen wie Scheunentore. Die Wege, die uns sogleich aus aller Gefahr führen würden, sind ohne Schwierigkeiten zu erkennen. Die Maßnahmen zu unserer Rettung liegen so offensichtlich auf der Hand, daß man sie einem Kind erklären kann. Trotzdem sind wir, wenn nicht alles täuscht, verloren. Die Erklärung für diesen paradoxen Umstand beruht auf einer absurd anmutenden Ursache: Wir werden von all diese Möglichkeiten zu unserer Rettung schlicht und einfach keinen Gebrauch machen. …“

Es gibt also einerseits die „Zuversicht“, dass es eine Lösung der Probleme gibt. (das meine ich wirklich uneingeschränkt. Gerade die Grünen haben durchaus in den letzten Jahrzehnten imme wieder Vorschläge gemacht, die alle darauf abzielten echte „Nachhaltigkeit“ auf den Weg zu bringen. (Nachhaltigkeit im Sinne, - weltweit - nicht mehr zu verbrauchen als sich - weltweit - regeneriert).

Was nun die Glaubwürdigkeit angeht, ob wir Konzepte werden erarbeiten können, die „früh und nachhaltig“ genug sind, um unsere eigene Existenz (im Sinne der nächsten paar Generationen des Homo sapiens sapiens) zu gewährleisten, sind doch erhebliche Zweifel angesagt. Zu groß sind angesichts rapide schwindender Ressourcen die - auch noch stetig wachsenden Anforderungen an technischen Fortschritt oder gar an unsere Verzichtbereitschaft.

Zu groß auch die Problematik, einen diesbezüglichen langfristigen Erfolg einerseits zu garantieren, wo wir doch anderseits ebenso - wenn nicht gar noch wichtigeren - kurzfristigen Erfolg bei Ausbau oder zumindest den Status Quo erhaltendend fordern.

Wie (rational begründbar) plausibel ist also die rechtzeitige Umsetzung besagter Nachhaltigkeit?

Wenn es dagegen um die Form der Zuversicht geht, die Luther einst meinte, als er sagt „… und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen! …“, so finde ich, dass es für diese Form der Zuversicht durchaus wieder aus sehr plausiblen Gründen nohch genügend Raum vorhanden ist.

Leider wird das vielen nicht genügen, wenn es wirklich eng wird (die Waldbrände deises Jahres sind ein gutes Beispiel dafür).

Wir wissen alle, das diese Konzepte (sofern man überhaupt von Konzepten sprechen kann, einer kritischen Überprüfung allesamt nicht standhalten.

So gesehen gibt es derzeit keine glaubwürdigen Visionen, die Zuversicht vermitteln könnten.

Auch hier gebe ich Dir durchaus recht. Aber Du beschreibst selbst das Dilemma: was nützen nachhaltige Konzepte, wenn bei der Mehrheit bis heute gar nicht durchgedrungen ist, dass der Kühlschrank irgendwann leer ist, wenn man ihm dauerhaft mehr entnimmt, als man nachfüllt?

Das ist sehr weit gefasst, aus meiner Sicht ebenfalls richtig - aber woran orientiert sich die Messlatte für die Zuversicht?

„Weltrettung“? - Sicher nicht. Dazu sind wir als Individuen zu bedeutungslos und als Menschenmenge zu sehr in unseren archaischen Wurzeln gefangen, die es uns offensichtlich nicht ermöglichen, genug Eigeninitiative zu entwickeln, soange unklar ist, wie viele mitmachen.

Was hingegen ein großer, psoitiver Motivator sein könnte, ist, selbst etwas zu tun in der Übrzeugung, dass es „das richtige“ ist - auch wenn Millionen von Menschen das (derzeit noch!) anders sehen.

Das ist allerdings auf der politischen Ebene ein „schwieriges“ Argument, da sich politischer Erfolg (zumindest kurzfristig) nicht an gemeinsamer Überzeugung misst, sondern an Parlamentseinzügen, Regierungsbeteiligungen und Gesetzgebung zum Erreichen der definierten politischen Ziele.

Ich gebe zu, dass ich etwas ratols bin, wenn es um diese politische Zuversicht geht und deren Maßstab des (kurzfristigen) politischen „Erfolgs“.

Hast Du eine Idee, wie der Weg von den Büchereien in das Problemlösungsbewusstsein der Menschen aussehen könnte?

Vor allem dann, wenn die Bildungspolitik demächst von Bildungsministern der AfD gestaltet wird …

Ich habe selbst keine glorreiche Idee, wie das aussehen kann, auch wenn ich denke, dass viele Progressive eben zu negativ kommunizieren. Sie haben den Unterhaltungswert eines Bußpredigers, wenn sie sagen, „Ihr müsst dies tun, ihr müsst das tun, sonst versinkt die Welt im Chaos!“. Das motiviert nicht! Es gibt da draußen immer noch zu viele Menschen, die glauben, die Zukunft werde schlechter sein als die Gegenwart, und wer so denkt, denkt leicht (wenn auch nicht zwangsläufig), dass die Vergangenheit besser war. Und solche Leute gehen eben leicht denen auf den Leim, die diese bessere Vergangenheit wieder herzustellen versprechen, und genau das tun AfD & Co. Wie gesagt, die „Wahl zwischen 50er Jahren und Blade Runner“, die die 50er Jahre mit großer Mehrheit gewinnen würden - die aber eine falsche Wahl ist, denn die Wahl ist in Wirklichkeit zwischen Blade Runner und einer neuartigen, lebenswerten Zukunft, und die sehe ich im Bewusstsein der Menschen noch zu wenig.

Ich denke aber, dass spannende Erzählungen von einer besseren Zukunft helfen können, den dies betreffenden Bewusstseinswandel herbeizuführen, etwa so, wie im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Science Fiction in vielen vor allem jungen Menschen eine große Begeisterung für den technischen Fortschritt weckte. Mancher Wissenschaftler oder Ingenieur wäre wohl Rechtsanwalt oder Businessman geworden, wenn er in seiner Jugend keine Science Fiction gelesen hätte (zumindest in den USA, wo die Science Fiction schon früh viel populärer war als hier, war das der Fall). Warum soll das die Science Fiction heute nicht mehr können? Und es gibt ja schon eine Bewegung in der Science-Fiction-Szene, die genau das versucht - der in meinem Eingangspost erwähnte Solarpunk. Auch wenn diese Bewegung noch jung und wenig bekannt ist und noch keine Blockbuster hervorgebracht hat, sondern nur ein paar Kurzgeschichten in kleinen, wenig gelesenen Magazinen. Aber das kann sich ändern! Auch die „klassische“ Science Fiction hat so klein und bescheiden angefangen.

Nein, das Problem ist nicht, dass irgendwelche Lösungen unbekannt sind.

  • Nimm Corona: jeder konnte wissen, wie das mit der Impfung usw ist.
    Man konnte an dieser Information nicht vorbeikommen.
    Aber es hat 20-30% (Zahlen geraten) der Menschen einfach nicht interessiert.
  • Nimm die AfD: jeder weiß, dass der Verfassungsschutz sie für verfassungswidrig hält.
    Es ist auch nicht so schwer, dafür aus eigener Lektüre und durch schlichtes Fernsehen Belege zu finden.
    Aber es interessiert 20-30% (Zahlen nicht geraten) der Menschen einfach nicht.
  • nimm das Klima: jeder weiß usw usw.
    und hier würde ich sagen, dass es 60-70% der Leute in dem Sinne nicht interessiert, dass sie nicht bereit sind, ihr Leben wegen des Klimas völlig umzukrempeln.

Diese Leute wollen die angebotenen Lösungen einfach nicht.
Die sterben lieber (siehe Covid).

Der Glaube, dass es nur an mangelnder Information liegt, ist eine Beruhigungspille der „progressiven“ Bevölkerungsteile / Parteien.
Diese Fiktion gibt manchen Hoffnung, dass es besser wird, irgendwann irgendwie.
Wenn wir nur genug Demos machen, Plakate kleben, Vorträge halten, Aufklärung betreiben.
Ich halte das bis zu einem gewissen Grade für Selbstbetrug.
Kaum jemand scheint bereit zu sein, den Menschen so zu sehen und zu nehmen, wie er ist.
Dumm, faul, gefräßig :slight_smile:

Aber ernsthaft: Der Mensch ist nicht so gestrickt, dass er Probleme durchweg rational löst.

Bei den kleinen Problemen klappt das gut: wie öffne ich eine Flasche, wie kühle ich Lebensmittel?

Bei den großen Problemen hakt es, weil die häufig mit evolutionären Prägungen und Gefühlen verbunden sind. Krieg, Ausländer, Religion, Sexualität, Macht, Reichtum, Überleben.
Da scheitert der Verstand und es herrscht der Trieb.
Und das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Wo bleibt die Zuversicht?
Man könnte sagen:

  1. bisher hat die Menschheit immer noch eine Lösung gefunden, sie wird es auch diesmal schaffen.
  2. Aber genauso wichtig ist ein wenig fatalistische Demut:
    wenn die Menschheit sich „überlebt“ hat, dann verschwindet sie vielleicht (oder wird drastisch reduziert). Auch das wäre ein natürlicher Prozess, den wir ernsthaft als Möglichkeit erkennen müssen. Wir sollten uns als Spezies und als Individueen nicht so wichtig nehmen.
    Bei jedem wildlebenden Säugetier ist der persönliche Tod und die mögliche Ausrottung der Art Teil des Lebens. Warum soll das bei uns anders sein?

Die Kombination aus 1. und 2. erlaubt es uns, weiterhin an Lösungen zu arbeiten, aber nicht zu verzweifeln, wenn es nix wird.
Genau das steckt hinter dem Apfelbäumchen :slight_smile:

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Kannst du Empfehlungen geben, welche dieser Geschichten ich mir mal ansehen könnte?
Einen aktuellen Spielfilm zum Beispiel oder eine Serie?

Leider ist es ja so, dass die Handlung in den typischen Hollywoodformaten meistens endet, wenn die dort thematisierte Krise erledigt ist, und dass man das „Leben danach“ nicht mehr gezeigt bekommt.

Sehr gut gelungen waren für mich zum Beispiel damals die Teile 1 und 2 der Triologie „Zurück in die Zukunft“, weil dort auch verschiedene Varianten lebendig gezeigt wurden, wie sich die Zukunft entwickeln könnte, wenn man jetzt so oder so handelt, ohne dass es irgendwie lehrmeisterhaft rüber gekommen wäre.

Ja, das ist so. Aber sehr oft bahnt sich die Ratio doch irgendwann den Weg. Sonst wäre der Mensch nicht so erfolgreich.

Das ist richtig. Aber du vergisst die „Sozialen Medien“ und Influencer, die offenbar sehr kräftig zum Aufstieg der Rechtspopulisten beitragen. Schau dir doch mal die unzähligen Videos auf YouTube an, in denen gegen alles vermeintlich links-grüne und sogar die CDU gehetzt wird. Wie Tucker Carlsson in den USA und wie es hier der unsägliche Julian Reichelt versucht. Das wirkt doch ganz offensichtlich.

Warum können wir das nicht auch? (Ernsthafte Frage) Sind unsere Botschaften nicht geeignet Emotionen zu wecken? Wenden wir uns immer nur an die Ratio? Können wir keine emotinal packkende Zukunftsvision entwickeln?

Nein, sind sie nicht.
Negative Botschaften erregen mehr Aufmerksamkeit, bringen mehr Klicks.
Sprich eine der grundlegenden Ängste der Leute an und Du hast ihre Aufmerksamkeit.
Das ist doch ein alter Hut.
Darauf beruht der Erfolg der Bild-Zeitung seit 70 Jahren (oder wieviel auch immer).
Und der Erfolg der AfD seit 10 Jahren.

Klimaschutz weckt offenbar nicht eine der grundlegenden Ängste.
Migration und Krieg hingegen schon.

und deswegen wirken eben

wie Du richtig sagst.

Das geht aber auch auf der linken Seite.
Schau Dir die absurde Diskussion im Nebenthread darüber an, ob die deutsche Regierung einen Krieg anfängt, um nicht abgewählt zu werden.
Die deutsche Regierung!
Die Regierung des Landes, das sich in 70 Jahren jede Spur von Kriegslüsternheit systematisch abtrainiert hat.

Die Angst vor dem Krieg lähmt das logische Denken und verzerrt die Wahrnehmung.
Das ist intellektuell gesehen derselbe Mechanismus wie bei der AfD, nur dass es bei denen die Angst vor dem Migranten ist statt die Angst vor dem Krieg.
Und bei den Coronaleugnern ist es die Angst vor der Impfung oder Bill Gates.
Die Angst wird verabsolutiert und dann die ganze Welt so interpretiert, dass sie diese Angst rechtfertigt und bestärkt.
Und dann gibt es nur noch eine Lösung:
Bei den einen Remigration um jeden Preis.
Bei den anderen Pazifismus um jeden Preis.

Ich habe zunehmend nur noch eine Erklärung für diese Misere:
Das allgemeine Verfügbarkeit des Internets und die damit verbundene Möglichkeit, diese irrationalen, aber unausrottbaren Ängste bei vielen Menschen gezielt und in einer Intensität anzusprechen, die es bislang nicht gab.
Die digitalen Möglichkeiten überfordern den Menschen, dafür haben wir kein Rezept.
Das ist in etwa so, wie wir anfangs Auto gefahren sind ohne Sicherheitsgurt und überall geraucht haben.
Die Hoffnung ist, dass wir auch beim Internet irgendwann merken, dass die ungeschützte, unbegrenzte Nutzung gefährlich ist und sie irgendwie beschränken.
Aber da ist es noch lange hin.

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Du bringst es schön auf den Punkt:
Es dürfte einer der größten Irrtümer (vermeintlich) progressiver Politik der letzten Jahrzehnte sein: das „Informationsdefizitmodell“.
Die Vorstellung: ‚falsches‘ politisches Denken/Wählen basiere auf zu wenig Wissen und wenn man nur mehr Aufklärung betreibe gäbe es bessere Entscheidungen.
Selbst bei naturwissenschaftlichen Sachfragen (wo doch im Unterschied zu z.B. Ökonomie oder Sozialwissenschaften die Evidenzbasis doch erheblich solider ist), funktioniert das fast nicht, sobald es um Identitäten, pers. Kosten, Gruppenzugehörigkeiten oder irgendeine Moral geht.

Die Reaktionen auf Covid oder den Klimawandel sind da beispielhaft … im abschreckenden Sinn. Unser Problem ist also nicht, dass wir nicht wüssten, was zu tun wäre, sondern man bekommt keine dauerhafte gesellschaftliche Koalition dafür zustande.
Das ist die wirklich deprimierende Diagnose.

Wenn wir schon hier Science Fiction bemühen (die ich früher gern gelesen haben):
Homo sapiens ist ein sehr merkwürdiges Tier - ein Organismus der Weltraumsonden baut und die Bahnen präzise berechnen kann, der Teilchenbeschleuniger oder mRNA-Impfstoffe funktionieren lässt, aber beim Klimawandel mit einem Zeithorizont von 2-3 Jahrzehnten unglaublich begriffsstutzig erscheint.
Es kann doch keine Frage mangelnder Intelligenz und deren ungleiche Verteilung innerhalb unserer Spezies sein. Aber offensichtlich ist die viel gelobte Rationalität des aufgeklärten Bürgers sehr stark … freundlich ausgedrückt - kontextabhängig?

Ein funktionierende Demokratie muss leider gerade mit mittelmäßigen Bürgern, eitlen Politikern, gierigen Lobbyisten, sensationshungrigen Medien und gelegentlich kompletten Idioten funktionieren können. Es gilt offen einzugestehen, dass Menschen beschränkt, tribalistisch, kurzsichtig und manipulierbar sind und wir nicht gegen menschliche Dummheit immunisieren können.
Wir werden Desinformation nicht abschaffen, wir können allenfalls versuchen, ihre politische Wirksamkeit reduzieren.
Und wir werden den Menschen nicht verbessern. Das war ja wohl sowieso eines der schlimmsten politischen Projekte der Geschichte.
Wir werden den Klimawandel wahrscheinlich nicht „lösen“. Wir können ihn aber begrenzen.

Ich glaube inzwischen, dass eine Demokratie nicht vollkommen rational sein kann/muss, um erheblich besser zu sein als eine Diktatur. Wenn es nur mit dem idealtypischen aufgeklärten und wohlinformierten Menschen funktioniert, kann es keine belastbare Staatsform sein.

Merkwürdigerweise sind wir trotzdem außerordentlich erfinderisch (nicht nur in SciFi), erfinderisch, kooperationsfähig und manchmal auch institutionell lernfähig. Ich wäre also inzwischen schon damit zufrieden, wenn unser ‚Demokratiebetrieb‘ wenigstens morgen noch genügend institutionelle Substanz besitzen, um sich übermorgen korrigieren zu können.

Ansonsten gibt es passend zum Thema noch das Buch aus den späten 70er Jahren von Artur Koestler: ‚Der Mensch - Irrläufer der Evolution‘.
Wenn er recht hat… die Evolution hat schon viele Irrläufer aussortiert und ich bin genug Biologe, um das moralfrei zur Kenntnis zu nehmen. Vor dem nächsten Massenaussterben einer Spezies habe ich keine Angst, möchte aber - frei nach Woody Allen - beim Ableben nicht unbedingt dabei sein.

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interessant finde ich immer wieder, die Hoffnungen anderer Menschen zu erfahren, in diesem Fall deine…

Auch das ist eine Form von Zuversicht, die von meiner abweicht.
Ich fände es gut, wenn Homo sapiens eine zweite Chance bekommen würde.

Passiert doch! Du musst nur genauer und auf die richtigen Links schauen.

Beispielsweise Felix Banaszak und auch andere sind seit Wochen auf Wahlkampftour.

Nur leider, wenn etwas in den Sozialen Medien veröffentlicht wird, werden diese Beiträge von AxD-Deppen und russischen Bots zugetrollt.

Zuversicht durch Hetze?

Ich glaube nicht, dass diese Rechnung aufgeht.

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Ja, aber die AfD verknüpft die negativen Botschaften und Ängste mit einer emotional wirksamen Vision: wir werden dafür sorgen, dass es wieder so wird, wie es früher [nie] war, als du jung warst, als es noch keine Migranten bei uns gab, als deine Oma noch die guten Kartoffelklöße gemacht hat.

Und wir reden von der Klimahölle, dem Aussterben der Menschheit und verlangen angeblich massiven Verzicht auf [fast] alles, um das zu verhindern. Weil wir ja auch auf Technologie verzichten sollen. (ich spitze zu)

Die enthielten viel zu viele Kohlenhydrate (SCNR)

Kein Problem, wenn man noch bzw. wieder jung ist.

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Ja, die Grünen erzählen viel vom Klimaschutz und vom menschengemachten Klimawandel, macht ja sonst fast niemand, obwohl es eine Tatsache ist, aber Fakten interessieren ja nicht.

Aber inzwischen wird anscheinend sogar die SPD wach und Merz spricht sogar inzwischen vom Klimawandel. :grinning_face::thinking:

Im Übrigen ist das völliger Quatsch!

Und dann passiert auch noch so etwas:

Grünen-Chef Felix Banaszak ist bei einem Wahlkampfauftritt in Wernigerode verbal angegriffen und bedroht worden.

https://www.focus.de/politik/nach-verbalem-angriff-gruenen-chef-reagiert-ich-denke-seit-tagen-drueber-nach_6673e0c2-797b-4b17-88bf-c172c68f6405.html?utm_term=Autofeed&utm_medium=Social&utm_source=Facebook&fbclid=IwdGRjcAT7eqJjbGNrBPt6O3Bkb2YFZXh0bgNhZW0CMTEAc3J0YwZhcHBfaWQMMzUwNjg1NTMxNzI4AAEemmXe1UGKpxE71CziQJdDWheG48y6E29XKdm-J5yI66y_eoho_Dkp6fZ0s0s_aem_0_jZinNDVa0VRRa2NmhELw#Echobox=1787633992

Lass uns das versuchen:
entwirf doch mal ein Szenario eines grünen Utopia, in dem die Menschen wieder (oder endlich) sicher und glücklich sind.
Wie sieht das aus?
Liste von mir aus stichwortartig 10 Punkte auf.

der ist gut :smiley:

Ich nenne mal 8, das sollte vorerst reichen.

  1. Der weltweite Hunger ist weitgehend besiegt, außer in den Regionen in Afrikas in denen Kriege das verhindern.

  2. Wir können Krankheiten immer besser bekämpfen. außer in den Regionen in Afrikas in denen Kriege das verhindern.

  3. Europa, mit Ausnahme Russlands/Ukraine, hat es geschaftt, 80 Jahre im Frieden zu leben. Wir können darauf aufbauen.

  4. Milliarden Menschen in Asien haben die Aufstieg von bitterer Armut in den Mittelstand geschafft

  5. Weite Teile der europäischen und nordamerkanischen Bevölkerung leben in einem bis dati unvorstellbaren Wohlstand.

  6. Wir haben zwar eine Klimakrise, aber wir haben das Wissen und die Technologie, die Erwärmung zu begrenzen. Und wir können uns heute besser als früher vor der Hitze schützen.

  7. Der Klimawandel beeinträchtigt die Landwirtschaft stark, aber wir haben Technologien, das abzumildern (Bewässerungsanlagen, Meerwasserentsalzung, Züchtung hitzereistenter Sorten)

  8. Wir erleben dank Internet und KI eine Wissensexplosion, die uns befähigen kann, zukünftige Herausforderungen und Krisen weit besser als bisher zu lösen.

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Die Leute glauben das (oder nehmen nur das auf) was ihren Lebenswandel als richtig erscheinen lässt um nichts ändern zu müssen. Das ist der bequemere Weg, auch wenn die Rechnung später umso höher ausfällt. Die bezahlen ja dann wahrscheinlich andere.