ich glaube nicht, dass Marktversagen das Problem bei den Immobilien ist.
Aber das kommt wohl drauf an, was man unter einem funktionierenden Markt versteht oder sich davon erwartet.
Rein ökonomisch funktioniert der Markt gut, für viele zu gut.
Die Nachfrage ist hoch und steigt in vielen Gebieten (Paradebeispiel München), das Angebot wächst kaum, also steigen die Preise. Das ist Markt in Reinkultur.
Sozialpolitisch bringt der Markt aber nicht die gewünschten Ergebnisse.
Ich denke, das hat @Dorfprojekt-Sarnow gemeint.
Zuviele Menschen bezahlen einen zu hohen Anteil ihres Einkommens fürs Wohnen und/oder bekommen nicht die Wohnung, die sie benötigen (oder haben möchten).
Gefordert wird daher ein Eingreifen des Staates in den Markt, also das Abschwächen der Marktmechanismen.
Überspitzt gesagt soll der Staat dafür sorgen, dass der Markt ein wenig versagt.
Das ist letztlich der Kern jeder Sozialpolitik:
Hilfe für die, die ein Problem haben, wenn man sie ohne Schutz dem Markt überlässt.
Wenn man bei den Immobilien ein Marktversagen finden will, dann am ehesten bei der Frage, warum nicht mehr gebaut wird.
Nachfrage und Preise sind hoch, das Angebot zu gering => da müsste jeder Unternehmer drauf anspringen.
Aber da gibt es eben zuviele Markteingriffe und Begleitumstände, die das verhindern.
- kompliziertes Baurecht,
- Rechtszersplitterung (16 Länderbauordnungen und -zigtausende von kommunalen Satzungen),
- überhöhte Anforderungen an einen Neubau,
- hohe Arbeitskosten,
- zu wenig verfügbare Flächen mit Baurecht
- ein Mietrecht, das für den Eigentümer die Gefahr birgt, sich gegen böswillige oder zahlungsunfähige Mieter nicht wehren zu können,
- hoher Verwaltungsaufwand
- steigende Zinsen und
- einfachere und bessere Möglichkeiten, sein Geld anzulegen.
Mit Aktien hat man in den letzten 10 Jahren mehr Geld verdienen können als mit Wohnungen, selbst in München.
Und das
- mit geringeren Transaktionskosten (kein Makler, keine Grunderwerbssteuer, kein Notar),
- geringeren Verwaltungskosten (nur Depotgebühr und Verwaltungskosten des ETF),
- ohne Mieterprobleme,
- ohne die Gefahr von Räumungsprozessen und unbezahlten Mieten,
- ohne Sanierungskosten fürs Dach, die Heizung, den Aufzug, die Dämmung.
Und Aktien /ETFs kann ich täglich verkaufen und umschichten, bei einer Wohnung ist das ein Riesenakt.
Ich war schon mehrfach drauf und dran, meine Wohnungen zu verkaufen.
Aber einen Nachteil haben Aktien: Börsenkurse stürzen schneller ab als Wohnungspreise.
Immobilien geben insofern eine gewisse Sicherheit.
Jedenfalls sind die Randbedingungen in Summe offenbar so, dass weniger gebaut wird, als es marktwirtschaftlich zu erwarten wäre.