Ich bin grundsätzlich ein großer Anhänger der Idee des Zertifikate-Handels. Allerdings gibt es mehrere Probleme, darunter
Haben die Preise eine realistische Höhe? Antwort von Klima- und Umweltexperten unisono: Nein, die Tonne CO2 ist deutlich zu preiswert
Viele Emissionen sind (noch) vom Zertifikate-Handel ausgenommen
Wer stellt sicher, dass beim Zertifizieren nicht gemogelt wird? Wirksame, weltweit greifende Kontrollsysteme existieren auf absehbare Zeit nicht, und wie könnte man Nicht-Einhaltung sanktionieren?
Das folgende Negativ-Bsp. bei der Zertifizierung von Biodiesel macht mich leider sehr skeptisch…, gerade auch in Hinblick auf die Rolle der VR China, aber ich traue das auch Demokratien zu:
Und dieser Artikel klingt auch nicht gerade ermutigend:
Oder alles nur die berühmten Einzelfälle? Der Dieselskandal ist noch nicht so lange her und juristisch noch nicht abgeschlossen. Millionen PKWs haben mehr Schadstoffe ausgestoßen, als durch eine fragwürdige Norm „zertifiziert“. Ich frage mich: Wo bleibt der (Wille nach) Kontrolldruck, und wie wäre er überhaupt umzusetzen?
Nochmal: Es geht hier um die sehr spezifische Idee, an de EU-Grenzen dafür zu sorgen, daß unser Zertifikathandel in der EU nicht dafür sorgt, daß bei uns kein Stahl und andere Industriegüter mehr hergestellt werden, wenn unsere CO2-Preise steigen.
Betrüger gibt es überall. Wer stellt sicher daß Banken nicht mit mit Cum-Ex oder Cum-Cum den Staat beklauen?
Das habe ich verstanden und ich halte deine Idee auch für gut! Aber mir fehlt der glaube an wirksamen Kontrollmechanismen. Jetzt möchte also ein Land wie Indien Stahl in die EU einführen und eine EU-Zoll-Behörde überprüft nun die CO2-Bilanz dieses Stahl. Und der indische Importeur behauptet: „Alles richtig sauber produziert. Hier als Nachweis unsere Bescheinigungen und Zertifizierungen, ausgestellt von der Agentur xy, Sitz China/Indien/USA.“ Wir reden hier über ein Milliardengeschäft, da wird man vermutlich Wege finden, ein passendes Label zu erhalten. Ich erinnere mich an die vernichtende Bilanz der Stiftung Warentest als sie Label für Kleidung überprüft hat, die angeblich ökologisch+sozial hergestellt worden sein sollen.
Für einen Vergleich mit CumEx/CumCum-Skandalen fehlt mir die Expertise, aber immerhin können hier - theoretisch - deutsche Gerichte Verstöße gegen deutsche Gesetze ahnden, mit den (vielleicht beschränkten) Möglichkeiten, die dt. Staatsanwaltschaften besitzen.
Oder sollen EU-Firmen und Behörden im Ausland überprüfen, inwieweit sich die Produzenten an die EU-Regeln halten und die korrekten CO2-Emissionen ermitteln? Ich bin da wirklich ratlos, aber wenn jemand Mechanismen kennt… gerne.
Das lässt sich speziell bei großen Importen schon einigermaßen kontrollieren.
Es werden eben nur Nachweise von zertifizierten Agenturen anerkannt.
Zumindest stichprobenartige Kontrollen helfen da die Disziplin aufrecht zu erhalten. Wer bescheißt verliert seine Zertifikation und die ausgestellten Nachweise ihre Gültigkeit.
Alles vielleicht nicht 100%. aber besser als nichts.
Nein, der Ansatz ist wohl, daß die Unterlagen zur CO2-Bilanz dieses Stahl geprüft werden. in der ursprünglichen Initiative stand:
Die Berechnung der grauen Emissionen obliegt dem Im- bzw. Exporteur und ist öffentlich zugänglich. Um den Berechnungsaufwand zu reduzieren können die grauen Emissionen auch geschätzt werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Schätzung mindestens den tatsächlichen Klimagasemissionen entspricht.
In der EU ist das jetzt wohl anders und einfacher geregelt:
Die Idee ist, dass die Abgabe dem entspricht, was europäische Unternehmen durch den Europäischen Emissionshandel für ihren CO2-Ausstoß zahlen. Das entfällt nur, wenn der Exporteur nachweisen kann, dass er im Ausland schon entsprechend für den CO2-Ausstoß gezahlt hat.
Egal, welche Regel angewendet wird ist klar, daß dabei auch gelogen und betrogen wird, doch neben dem Staat gibt es auch genug Akteure, die solche Fälschungen entlarven könnten. Das lohnt natürlich nicht beim Import eines Containers mit Gummienten aber bei Stahl schon. Man sollte auch bedenken, das z.B. Stahl ja auch die innereuropäischen Hersteller ein Interesse haben, das Importeuer ihre CO2-Angaben nicht fälschen
Der Ansatz ist aus meiner Sicht nicht ausreichend. Wir müssen Beides parallel machen. Beides dauert lange und wenn es nicht gelingt, parallel mit der Errichtung einer Kreislaufwirtschaft und einer CO2 freien Energieversorgung, einen neuen Wirtschaftszweig der CO2 Senke aufzubauen, dann sind alle Maßnahmen die wir zur Zeit ergreifen nichts anderes als ein kleiner Zeitgewinn. Wir müssen mehr als 300 Gt CO2 aus der Atmosphäre entnehmen. Sonst ist die Aufheizung der Erde nicht zu vermeiden und das bedeutet einen gestiegenen Wasserpegel von über 20m weltweit.
Neben all den begleitenden Unwettern.
Die Schiedsgerichte der WTO sind schon lange nicht mehr arbeitsfähig, da unser großer Wertepartner die Besetzung dieser Gerichte weiterhin behindert.
Ausnahmsweise muss ich Kalo mal zustimmen. Zertifikate sind letztlich nicht geeignet CO2 zu reduzieren und aus der Erdatmosphäre in dem Masse heraus zu nehmen, wie es erforderlich wäre. Sie würden auch eine falsche Sicherheit erzeugen und tatsächlich Spannungen in der Gesellschaft erzeugen, da Vermögende sie sich leisten könnten, aber Ärmere eben nicht.
Carsten, willst Du damit sagen dass auch China nicht mit zieht?
Ein Blick in den UN Emission Gap Report https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2023
zeigt, dass besonders China im Vergleich zu Europa und erst recht den USA die größten Fortschritte in den vergangenen Jahren im Klimaschutz gemacht hat und auch weiter voran treibt. Ich verstehe wirklich nicht, warum wir immer so ausgeprägt mit Vorurteilen hier diskutieren müssen.
Um zu verstehen was China wirklich macht, empfehle ich den Energy Transformation Outlook 2023 anzuschauen.
(China Energy Transformation Outlook 2023 (CETO 2023) - China Energy Transformation Program)
Der hätte von den GRÜNEN geschrieben worden sein können. Und genau dieser Report wird in China umgesetzt, viel schneller als in dem Bericht prognostiziert.
Das wir unterschiedliche Einschätzungen der Lage haben würde ich jetzt nicht unterschreiben. Aber Du hast völlig recht, wenn Du schreibst, der Klimawandel würde nicht nur Demokratien zerreißen. Genau weil dem so ist, sehe ich die GRÜNE Klima Außenpolitik als gescheitert an. Klimapolitik und Außenpolitik sind angesichts der Situation ein und dasselbe. Deshalb ringe ich bei den GRÜNEN für eine Neubestimmung besonders der Chinapolitik. Anstatt China als Rivalen zu verteufeln müssen wir angesichts Deiner zutreffenden Bewertung der Klimafrage, unbedingt partnerschaftlich mit China zusammen arbeiten. Die oben von mir zitierten Dokumente lassen keinen anderen Schluss zu.
China ist nun mal in dieser überragenden Frage der zuverlässigste internationale Partner mit dem größten Impact. Spätestens seid der US Wahl sollte eine realistische Bewertung Platz greifen.
Nach der letzten Wahl sind die USA wohl bis auf Weiteres kein Wertepartner mehr. Ich sehe sie jetzt eher auf einer Stufe mit China.
Das ist nicht das Grundproblem der Zertifikate, das könnte man durch das Klimageld ausgleichen. Das Grundproblem ist eher ein technisches, genauer gesagt ein steuerungstechnisches. Dem Zertifikatpreise als Stellgröße in einem Regelkreis folgt eine viel zu lange Regelstrecke. Also bevor der hohe Preis die erwünschte Wirkung (Transformation) erzeugt, dauert es zu lange. Ein solches Regelsystem neigt zu extremen Ausschlägen. Die wären aber politisch nicht durchzuhalten, ergo würde die Zertifikatmenge erhöht, das sorgt sofort für eine Regelung.
Und ist Dir bewusst, das China 2024 seinen Peak überschritten hat ?
Kennst Du dieses Szenario aus China das nach heutigem Stand (Peak 2024) über erfüllt wird?
Wie kommst Du auf diese Aussage ? Wo hast Du die Fakten dazu ? Oder hast Du mir gerade gesagt, dass in der Vergangenheit die Chinesen und andere Länder unsere Autos gekauft haben, weil BMW, Mercedes, VW und Audi sie bei uns nicht mehr los geworden sind ?
Ach nee… So schnell verlischt Deine Liebe? Nach der nächsten Wahl ändert sich das wieder ? Oder sollte vielleicht die Kategorie Wertepartner vielleicht doch aus der Außenpolitik entfernt werden ?
Mod_Biologin
(Biologin)
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