Wie seht Ihr die Zukunft der SPD? Todeskampf oder Wiederauferstehung?

Schreiber titelt sehr drastisch, wenn auch mit Fragezeichen, aber inhaltlich wägt er m.E. schon sehr schön ab und differenziert.
Ich bin nicht sicher, wo er politisch steht, aber das ist ja vielleicht auch gut so.

Die Frage nach dem Schicksal der SPD finde ich auch deswegen interessant, weil nach meiner Vorstellung die Grünen ihren ehemaligen Platz als soz. „geborene“ 1. oder 2. Regierungspartei einnehmen könnten.

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Ich finde seine Argumente zutreffend, das habe ich auch woanders ähnlich gelesen, und er hat es gut komprimiert.
Für meinen Geschmack legt er sehr viel Gewicht auf die „Erzählungen“, aber Narrative sind ja sehr modern. Mit dem Kern, dass der Partei nicht mehr geglaubt wird, hat er aber Recht.
Ich glaube aber nicht, und das folgt auch aus seinen Ausführungen, dass die Grünen die einzige Nachfolge antreten können, oder auch nur den Großteil. Dazu sind zu viele verschiedene Milieus beteiligt.
Ich bin auch überzeugt, dass die SPD eine gefährliche Lücke hinterlässt: Eine populistische linke Partei, die den Leuten das Gefühl gibt, ihre Interessen glaubhaft zu vertreten und ihnen auf diese Weise Hoffnung gibt.

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Viele kluge Gedanken, exzellente Präsentation.

Fü mich war die SPD in meiner Jugend (70er Jahre) die Partei des gesellschaftlichen Fortschritts, der sozialen Sicherheit, der Gerechtigkeit und vor allem auch der Aussöhnung mit der Sowjetunion. Sie gab mir das sehr heimelige Gefühl eines staatlich behüteten Lebens und berfriedigte meinen moralischen Anspruch, auf der richtigen Seite zu stehen. Und sie war die einzige Partei, die das konnte. Weder Union noch FDP waren eine Alternative.

Dann kamen die Grünen. Sie waren für mich SPD plus Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, gesunde Wälder, saubere Flüsse und schadstofffreie Luft. Das war für mich eine überzeugende Alternative, zumal ich meine sozialdemokratische Prägung nicht aufgeben musste, sondern bei den Grünen gut aufgehoben wusste.

Dann erlitt die SPD eine weitere Abspaltung mit Lafontaine und seiner WASG, die inzwischen in der Linken aufgegangen ist.

Wenn man die Umfrageergebnisse beider Abspaltungen zu dem der SPD addiert kommt man immer noch auf ca. 35%. Das ehemalige Milieu, bzw die Milieus denen die SPD früher eine gemeinsame Heimat war, sind also nicht verschwunden, sie haben aber andere „Identitäten“ gefunden, sie haben sich zersplittert und sind nur noch bedingt konsensfähig.

Ein guter Teil hat sich auch weiter radikalisiert sowohl zu den Rechtsextremen wie zu den Linksextremen.

Bleibt die Frage, wofür die SPD heute steht und ob sie sich überhaupt noch von der Union, bzw derem sozialen Flügel unterscheidet.

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die Rechnung habe ich bei der letzten Umfrage auch gemacht.
Die ganze AfD-Diskussion wäre uU erledigt, wenn die SPD sich nicht aufgespalten hätte.

Für mich ist diese Spalterei/Wählerwanderung SPD-WASG/Linke-BSW ein Beispiel dafür, dass überzogener Individualismus und Egoismus am Ende allen schadet.
Heute sind es 3 Kleinparteien, die wenig zu melden haben (bei der SPD: „werden“).
Wären die SPD-Wähler zusammen geblieben, wären sie heute nach wie vor eine starke Partei, vielleicht die stärkste.
Aber jeder hätte innerparteilich Kompromisse machen müssen, das wollten viele offenbar nicht.
Jetzt machen sie ganz andere „Kompromisse“, weil ihnen die Machtoptionen abhanden kommen oder sie noch nie welche hatten.

Weiterhin ist es ein Beispiel dafür, dass es vielen Menschen mittlerweile wichtiger zu sein scheint, dass sie die (nach ihrer Auffassung) korrekte Haltung vertreten, als ob sie praktisch etwas bewirken. Die gesamte Linke und das BSW leben nach dem Motto, Teile der SPD ebenfalls.
Die folgenlose Rechthaberei muss man sich erstmal leisten können!
Den Leuten geht´s offenbar zu gut.

Ja, das weiß niemand.
Die SPD versucht immer noch, ein Programm für 40% der Wähler zu machen.
Das ist dann alles und nix.
Sie müsste begreifen, dass ihr Potential derzeit bei 15% liegt, max. 20.
Für diese 15% muss sie Themen identifizieren und die herausstellen.
Dann kann sie wieder ein Profil und eine Identität finden.
Das bedeutet aber, dass sie sich vom Anspruch befreien muss, eine Volkspartei zu sein.
Das ist die entscheidende Hürde, glaube ich.

Ja, da ist was wahres dran. Würden SPD, Grüne und Linke sich (wieder) zusammenschließen, wären sie vielleicht stärker, aber andererseits sind die Unterschiede doch so, dass eine solche „wiedervereinigte SPD“ sich wahrscheinlich als eine ziemlich zerstrittene Partei darstellen würde. Da herrscht relative Einigkeit im Großen, aber doch eine ziemliche Divergenz im Detail. Und zum Glück haben wir hier in Deutschland das Verhältniswahlrecht, so dass es gar keinen so großen Unterschied macht, ob das nun eine Partei ist oder drei. Aber es stimmt: SPD, Grüne und Linke sollten ein Bündnis eingehen, um der Rechten geeint entgegen zu treten. Wie ich überhaupt der Meinung bin, dass in der progressiven Politikszene zu viel Nebeneinander und zu wenig Miteinander zu beobachten ist. Da wollen die einen das Klima schützen, die anderen die AfD bekämpfen, und wieder andere setzen sich für sexuelle Selbstbestimmung ein usw.; die sollten mehr an einem gemeinsamen Strang ziehen - weil das alles einander bedingt, und man das nur alles zusammen haben kann, oder gar nicht.

Das würde aber ohne die Union auch nicht reichen.

Der Kern des Problems bleibt die Spaltung der Gesellschaft, die sich in einer starken Betonung von ideologischer Identität und Partikularinteressen ausdrückt.

Man besteht darauf, Sozialdemokrat, Linker, Grüner, Liberaler oder Konservativer zu sein und sucht Lösungen der Probleme nur innerhalb der jeweiligen Gesinnung.

Das war im letzten Jahrhundert sinnvoll, um die Folgen der Industrialisierung sozial zu gestalten und gereichte zum überwiegend allgemeinen Wohl der Gesellschaft, heute, nachdem wir ein sehr hohes soziales Niveau erreicht haben, ist die hartnäckige Verteidigung jeder einzelnen, noch so kleinen „Errungenschaft“ kontraproduktiv.

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Das stimmt. SPD, Grüne und Linke bringen derzeit keine Mehrheit zustande. Deshalb muss man auch auf die CDU/CSU zugehen, was nicht heißt, jeden Mist mitzumachen, den die verbocken. Ich bin aber durchaus zuversichtlich, dass es zu keinem Bündnis von CDU/CSU und AfD kommt, denn bei allen Unterschieden hat die CDU/CSU mehr Gemeinsamkeiten mit der SPD als mit der AfD, beispielsweise in der Außen- und Europapolitik sowie natürlich hinsichtlich der Demokratie. Außerdem haben sie so oft beteuert, nicht mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen, dass sie nicht mehr hinter ihr Wort zurückgehen können. Sollten sie doch versuchen, mit der AfD gemeinsame Sache zu machen, gäbe das einen Riesenskandal, und sie würden Millionen von Wählern der SPD und den Grünen zutreiben, und auch viele Mitglieder verlieren. Das können die sich nicht leisten.

Das Problem liegt in der Tat in der Spaltung der Gesellschaft, viele Leute sind für die Fakten kaum noch zugänglich, (des)informieren sich bei RT Deutsch oder in irgendwelchen obskuren Facebook-Gruppen statt in der Tagesschau. Früher haben wir - zu Recht - über die Bild-Zeitung geschimpft, aber die ist dagegen harmlos. Wir Demokraten müssen alle zusammenstehen, um den Autoritarismus zu bekämpfen!

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Nur mal gesponnen: es könnte die Union zerreißen, der rechtslastige Teil um Spahn könnte sich abspalten. Dann wäre die Rest-Union ein guter Koalitionspartner für SPD und Grüne. Dann würde man sehen, ob diese Koaltion mehrheitsfähig ist, oder ob eine Mehrheit der Wähler eine rechte Koaltion der Abspaltung mit der AfD vorzieht.

Ich wage da keine Prognose.

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Erst einmal ist das ein Problem, dass beim Wähler liegt - ich habe mich seinerzeit beim Weggang Lafontaine’s gefragt, ob Personenkult wichtiger ist als Parteiprogrammatik, da ich den Eindruck hatte, das viele zur Linken bzw. zum BSW übergelaufen sind, weil sie Lafontaine-Fans waren - ohne, dass sie hinterfragen, welche geänderte Progammatik sie sich dabei einhandeln.

Auf der Parteiebene müssen zunächst die Rechthaber (das ist Sache des Parteivolks als Wähler) abgewählt werden - auch hier ist mein Eindruck, dass „mitreißende Dogmatiker“ gegenüber Sachorientierten eher den Vorzug bekommen - trotzdem primär nicht Sache der gewählten, die dann durch die Wahl mit ihrem rel. freien Mandat die Entscheidungen treffen, die sie für richtig halten, sondern derjenigen, die sie wählen.

Insofern ist das nicht folgenlos - aber im Konzept mit enthalten, allein deswegen, weil es auf der individuellen Seite später keiner gewesen sein will.

Daher glaube ich gar nicht, dass

der Grund für

ist. Es liegt einfach daran, dass viele, die nicht zuletzt, weil der Solidargedanke in der sozialdemokratischen Politik ihnen seinerzeit sinnvoll erschien, inzwischen als „Aufsteiger“ die letzten 20 Jahre den Solidargedanken abgelegt haben, weil sie selbst zu „Nettozahlern“ zu werden drohen oder bereits sind.

So gesehen hast Du nicht ganz unrecht damit, dass es dafür nur noch ein 20%iges Potential in der Bevölkerung gibt, dass man konsequent innerhalb der SPD verfolgen sollte…

Sie können sich nicht mehr zusammenschließen, weil die Kientel, die sie bedienen, das nicht akzeptieren würde. Hier zeigt sich die „wahre“ Spaltung der Gesellschaft - das auch die Guppen, die vermehrt von Solidarität profitieren (würden), ihre Individualität in der Politik wiederfinden wollen. Die Kompromisslosigkeit liegt am Wähler - die politische Kompomisslosigkeit der Parteien ist die Folge davon - wir dürfen Ursache und Wirkung hier nicht miteinander verwechseln!

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Ja, das sind verschiedene Milieus, und die setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Und darum sind das eben drei Parteien und nicht eine. Und das klassische SPD-Milieu - der gewerkschaftlich organisierte Industriearbeiter - ist durch den Strukturwandel der Wirtschaft stark zusammengeschrumpft. Diesem Milieu fühlen sich weder Büroangestellte noch Langzeitarbeitslose zugehörig, also warum sollen sie deren Partei wählen?

Was (sollte) die Motivation sein, bei einer Wahl seine Stimme(n) einer Partei bzw. einem DirektkandidatIn zu geben - natürlich die Vertretung der eigenen Interessen.

So weit, so gut… Die Frage ist nur noch, welche Interessen man vertreten haben will (zumal es keine Partei gibt, die auf ein individuelles Gesamtpaket eingehen kann?

Hier gilt es natürlich, erstens Prioritäten zu setzen, und zweitens kritisch zu überprüfen, ob das erstens bei einer Partei überhaupt im Angebot hinreichend vertreten ist, und zweitens, ob das Angebot überhaupt plausibel ist.

Sowohl in der Finanzierbarkeit als auch in der Durchsetzbarkeit (z.B. GG-Konformität).

Da viele von uns keine wissenschaftlich/wirtschaftlichen Juristen sind, geht es wirklich nur um eine grobe Plausibilität!

Das gilt auch für den Arbeitslosen oder Büroangestellten.

Denn wenn man sich lediglich auf diffuse Bauchgefühle und/oder reine Fiktionen verlässt, ist die Gefahr (man kann das gerade schön in den USA beobachten), geht man ein hohes Risiko ein, dass rel. schnell sich Dinge und Strukturen verschlechtern, das Schutzmechanismen ausgehebelt werden, etc.

So lange sich die Mehrheit vor 50€ inzwischen mehr oder vor allem weniger in der eigenen Portokasse Sorgen machen, statt sich vor langfristigen destruktiven gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, (egal, ob nun wirtschaftlich und/oder ökologisch), kommt auch keine gesamtgesellschaftliche Lösung eines (solidarischen?!) Miteinanders mehr heraus - sondern der Zerfall in eine kleinteilige klientelpolitische Zersplitterung, auf deren Boden keine Lösungen mehr möglich sind.

Was dann übrig bleibt, ist der Frust darüber, dass ein Wechsel von Partei A nach B nicht zur „versprochenen“ (kurzfristigen?!) Verbesserung der eigenen Situation geführt hat - also gleitet man Stück für Stück weiter zu immer radikaleren „Alternativen“.

Ich kenne doch einige AfD-Wähler, die von der SPD erst zur CSU gewechselt sind, und inzwischen „überzeugte“ AfD’ler geworden sind (natürlich nicht repräsentativ!!!)

Ich weiß, das das etwas arg schematisch ist, und sich so nie generalisieren lässt!!!

Aber ich bin immer wieder erstaunt (auch diese Beobachtung ist nicht repräsentativ!), wie viele sich so wenig Zeit nehmen, sich überhaupt oben genannten Fragen zu stellen, und ihre Wahlentscheidung mit Verweis auf eine von ihnen vorgenommene grobe Plausibilisierung (egal, ob sie mir persönlich einleuchten oder nicht) zu begründen wissen.

Andererseits müssen hinter einer funktionierenden Regierungskoalition mindestens 50 % der Wähler stehen. Das erfordert Kompromisse, die beim Wahlvolk meistens Frust und Enttäuschung bewirken, auch wenn viele irgendwie dafür Verständnis haben. Ob nun Alleinregierung, Zweier-Koalition oder flotter Dreier - an einer mehrheitsfähigen Politik führt eigentlich kein Weg vorbei. Um also eine breite Akzeptanz zu erreichen, ist es notwendig, die Zumutungen einigermaßen gleichmäßig zu verteilen. Vor allem bedarf es guter Konzepte. Doch daran hapert’s gewaltig. Nicht nur bei der SPD.

Nachstehend die aktuellen Berliner Umfragewerte:

Hier die genauen Zahlen (in Prozent; in Klammern die Ergebnisse der Wiederholungswahl; alle anderen unter 5 %; Befragungszeitraum: 25.6. bis 29.6.).
Linke 20 (12,2)
Grüne 19 (18,4)
AfD 18 (9,1)
CDU 17 (28,2)
SPD 13 (18,4)

Tagesspiegel-Newsletter „CheckPoint“ vom 2.7.

Gute Nacht!

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Ich glaube nicht, dass es den meisten Menschen darum geht. Es geht um grundlegendere Zukunftssorgen, Ängste vor dem Abstieg, vor dem Verlust des „Althergebrachten“, vor der „Überfremdung“, vor dem Wandel, der sich immer mehr beschleunigt, usw.

Da bietet die AfD einen vermeintlichen Halt.

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Wenn es darum geht, dass die „Überfremdung“ deswegen als eine Bedrohung wahrgenommen wird, weil wieder einmal (wie seit der ersten „Gastarbeiterwelle“) keine soziale Integration stattfindet, dann wählt man doch eher SPD als AfD.

Und dass wir Zuwanderung brauchen, geht aus den demografischen Zahlen hervor; wenn man also die demografischen Zahlen mit der eigenen Angst (übrigens auch vor Abstieg) kombiniert, dann ist AfD das falsche und SPD das richtige Angebot. Das ist ein Beispiel dafür, das in der Analyse der Fakten in Kombination mit der Analyse der eigenen Ängste etwas grob schief läuft.

Entweder beschäftigen sich die Leute zu wenig mit der Demografie - oder sie schaffen es nicht, ihre diffusen Ängste zu differenzieren (oder beides :wink:

Der Verlust des Althergebrachten ist dann so eine zusätziche Sache. Eine Änderung kann ein großes Risiko aber auch eine Chance darstellen. Auch hier ein einfaches Beispiel: wenn man studiert, ist klar, dass man erst einmal einen Abstieg (im vergleich zu denen, die ein Lehre machen) hinnehmen muss, weil die Leute, die eine Lehre machen, schneller Geld verdienen.

Auch hier gibt es die Chance, wenn man nur lange genug durchhält (und nicht gerade Altphilologe wird :sweat_smile: , dass man danach dauerhaft mehr Gald verdient als der, der eine Lehre hinter sich hat. Allerdings kann man als Risiko auch scheitern, einen Unfall haben, oder doch mangels Nachfrage als Taxifahrer enden. Das Festhalten am Althergebrachten birgt das Risiko, dass die gesellschaftlichen Änderungen irgendwann das Altherbegrachte einfach wegrationalisieren, auch wenn es kurzfristig eine scheinbare Sicherheit vermittelt.

Wenn man es genau nimmt, ist allerdings auch hier die AfD keine Alternative (zumindest für langjährige SPD-Wähler), da die Erzählung der AfD auf der Hoffnung basiert, dass es bald wieder so wird, wie es nie war. Es mangelt also an der Analyse, wie es denn - abseits der eigenen romantischen Verklärung - tatsächlich früher war.

Du schreibst selber:

Das ist nichts anderes als meine Aussage, dass es den Wählern, die die SPD gegen die AfD eintauschen, an der Fähigkeit mangelt, eine entsprechende Analyse durchzuführen, denn alle analytischen Betrachtungen schließen eine Partei wie die AfD aus - egal, wie groß das Risiko auch immer sein mag.

Was ich verstärkt höre, ist, dass die Wahl der AfD die „ultimo ratio“ wäre, der „Notausstieg“ also aus einem Gesellschaftsmodell, dass nicht mehr zu retten sei. Aber auch diese Betrachtung ist nach der Analyse dessen, was die AfD politisch verändern will, nicht haltbar, da der vorgeschlagene Weg, den die AfD anbietet, nicht nur aus oben genanntem sondern auch aus vielen weiteren Gründen nicht aufgehen kann.

Wir landen also wieder - wie '45 - bei der Aussage, dass man davon gar nichts gewusst hat, wenn es denn einen Niedergang gäbe, der durch eine künftige AfD-Mehrheit entstünde. Die Aussage war damals falsch - und sie bleibt bis heute falsch!

Bei allem menschlichen Verständnis für die aktuellen Ängste, Sorgen und Nöte der Menschen (die definitiv als real existierend nicht einfach wegdiskutiert werden können!), kann die Antwort nicht AfD sein. Warum haben wir aber dann 30+x% AfD-Wähler?

Weil die SPD, die Union oder die Grünen was grundsätzlich falsch machen? Oder weil - zugegeben etwas plakativ verkürzt! - die Wähler scheinbar keine Vorstellung davon haben (Geschichte lässt grüssen), wie sich eine Gesellschaft, die von Rechtsaußen regiert wird, sich langfristig nachteilig entwickelt?

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wirklich?
Ich habe bei der Wahl noch nie darüber nachgedacht, ob mir das einen unmittelbaren persönlichen Vorteil bringt. Natürlich, wenn keine AKWs gebaut werden, verringere ich auch das persönliche Risiko eines Unfalls mit Strahlenbelastung, aber das sind Vorteile für die Gemeinschaft, nicht für mich im Besonderen.
Ich wähle das, was ich gesamtgesellschaftlich für vernünftig halte.
Innerhalb des Rahmens, der sich dann ergibt, bin ich dafür verantwortlich, für mich selber zu sorgen.
Die Vorstellung, zB für eine Senkung des Spitzensteuersatzes zu wählen, weil ich dann vielleicht ein paar tausend Euro im Jahr spare, finde ich absurd.
Ich will erstmal ein funktionierendes Ganzes haben, einen Staat und eine Gesellschaft, die stabil, rechtsstaatlich, demokratisch, liberal und wirtschaftlich erfolgreich sind.

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Könnte schlimmer sein.
Grüne 19 + CDU 17 + SPD 13 sollte reichen.
Genau das, was ich immer sage.

Auch das (Hervorhebung von mir) sind Eigeninteressen, die mit Interessen anderer Wähler kollidieren können, die zum Beispiel eine Gesellschaft bevorzugen, die vor Allem flexibel, gerecht, und entspannt ist (was dann natürlich ebenfalls auch Eigeninteressen sein können)

Es ist deswegen „vernünftig“, weil Du einen Vorteil davon hast - und sei es der Vorteil, dass die Gesellschaft langfristig stabil bleibt, was dann auch wieder Auswirkungen auf Dein Leben hat, dass Du langfristig anstrebst - die Vorteile der Gemeinschaft sind sofort auch Deine Vorteile, so lange Du weißt, dass Du ohne die Dich umgebende Gesellschaft nicht lebensfähig bleibst, und sogar darüber hinaus eine Gesellschaft droht, die Dich (z.B. durch aktiven Ausschluss) evtl. garr existenziell gefährdet (die Juden im 3ten Reich sind ein krasses Beispiel dafür).

Das funktioniert eben nur, wenn eine Gesellscahft DIch umgibt, die dir prinzipiell immer noch so wohlgesonnen ist, dass sie Dir diese Freiheit der eigenverantwortlichen Entscheidungen auch einräumt - und das ist so sehr in Deinem Sinne, dass Deine Wahlentscheidung bereits einige Dinge (z.B. die AfD) kategorisch ausschließt.

Ich bin völlig Deiner Meinung - das ist deswegen absurd, da die paar Euros erst dann (vielleicht) an n-ter Stelle relevant werden, wenn die äußeren Rahmenbedingungen stimmen. All diejnigen, die AfD oder auch die Linke wählen (beide als Konkurrenz zur SPD in diesem KOntext) davon ausgehen, dass diese Rahmenbedingungen nicht angetastet werden - da sind sie aber bei beiden Parteien auf dem Holzweg, wie ein Blick in deren programmatische Aussagen und Progarmme zeigt. Es fehlt auch hier an der Analyse(fähigkkeit?!) vieler Wähler, das eigene angeommene Axiom, es würde sich gesellschaftspolitisch nicht sonst nichts weiter groß verändern, schlicht falsch ist.

Ich war einige Zeit für die Idee, dass sich SPD und Linke zusammenschließen könnten. Diese Idee finde ich inzwischen wiederum nicht gut. Beide Lager gehen doch auseinander. Teilweise treten die Mitglieder der Partei, die Linke, mir zu radikal auf. Die Lösung der SPD liegt doch eher darin, sich als sozial- verantwortlich innerhalb der schwarz-roten Regierung zu zeigen.

Die Kindergelderhöhung, die Heranziehung von sehr Reichen bei der Einkommenssteuer, auch der 8-Stunden Arbeitstag bleibt unangetastet - das geht auf das Konto der SPD. Ich glaube, dass die SPD innerhalb der Koalition sich so fangen kann und wieder wahrgenommen wird.

Die SPD ist im Grunde genommen, sozialpolitisch der große Entwurf gegenüber dem, was der sozialpolitische Flügel der Union im Kleinen ist.

Ein sozialpolitischer Ansatz kann groß sein und das alles umfassen. Manchmal sind mir die Äußerungen etwas zu unglücklich. Lars Klingbeil war unlängst in einer Sendung, wo er von Bürgern zum Zuzug innerhalb der EU in das soziale Sicherheitsnetz befragt wurde. Er ging
dazu nicht ein, sondern antwortete zur Ausnutzung des Sicherheitsnetzes, Thema Schwarzarbeit. Die Fragestellung war jedoch allgemein. Da stellen sich die Fragen, was ist EU-Recht. Meine berufliche Erfahrung war die gewesen, dass Zugezogene aus anderen EU-Staaten maximal ein halbes (korrigiert mich gerne) Jahr, Bürgergeld (früher ALG II), gewährt wird. Das ist aber einige Jahre her, wahrscheinlich ist die Handlungsweise inzwischen strenger geworden. Aber dazu sollte der SPD-Chef dann eine Antwort parat haben. Denn diese Bürger entscheiden sich sonst für die AfD.

Auch war mir der Juso-Vorsitzende aufgefallen, der den SPD-Ansatz der Reform des Ehegattensplittings bei Markus Lanz nicht erklären konnte. Das sind natürlich dann keine potenziellen Wähler, die er für die SPD dazu gewinnt, obwohl der SPD-Ansatz zur Reformierung des Ehegattensplittings gut ist.

Es geht um soziale Gerechtigkeit dabei. Nicht darum, soziale Errungenschaften auf Teufel komm raus zu verteidigen. Manche dieser Errungenschaften, halten aber unsere Demokratie in einem Gleichgewicht. Es muss dabei in die Gesellschaft hinein kommuniziert werden. Notwendige Reformen müssen erklärt werden. Politiker sollten nach ihrem Gewissen handeln.

lasst doch mal die Wortklauberei.
Das ist doch nicht das, was hiermit gemeint war:

Natürlich kann man sagen, dass alles mein Eigeninteresse ist, schon alleine weil und wenn ich es mir wünsche.
Beispiel: ich wünsche mir, dass niemand in Deutschland mehr arm ist => Eigeninteresse, weil es meinen politischen Zielen entspricht.
Das lässt sich sprachlich und philosophisch nett diskutieren, ist aber praktisch gesehen Quatsch.

@HarmsCar
auf solche Fälle bezog sich Deine Aussage nicht, oder?

Es ging Dir doch (m.E.) um egoistische Wahlmotive.