Es ging mir tatsächlich um egoistische Motive - als Abgrenzung zu egozentrischen Motiven.
Das ist für mich keine Wortklauberei.
Beispiel: Ich habe ein großes eigenes (egoistisches) Interesse daran, dass es keine bürgerkriegsähnlichen Zustände bei uns gibt, weil die existenziellen Nöte der Armen zu groß werden, so dass sie - bevor sie verungern - meinen Keller aufbrechen und meinen Tiefkühlschrank plündern
Also werde ich aus diesem eigenen Interesse Steuern zahlen, die ausreichen, diesen stabilen Zustand auch weiterhin aufrecht zu erhalten (was nicht zwingend bedeutet, davon nur Arbeitslose davon zu ernähren, sondern - noch besser - einen großen Teil der Steuern in Strukturförderung zu stecken, dass mehr Arbeitsplätze entstehen - das war und ist im Grunde SPD-Konzept!).
Ich werde also aus eigenem Interesse eine Partei wählen, die vielleicht mehr Steuern verlangt - mir aber plausibel darlegt, dass die damit einher gehende mögliche Förderung das Gesellscahftmodell (von dem ich direkt profitiere) in diesem Punkt stabil erhält, und die Wahrscheinlichkeit eines Überfalls auf meinen Kühlschrank deutlich senkt.
Im übrigen müsste ich wahrscheinlich deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, wenn ich statt des Staates eine Securityfirma direkt mit der Bewachung meines Kühlschranks betraue - es ist also hoffentlich - bei allen finaniellen Sickergruben, die unser Staat leider hat - immer noch billiger, Steuern zu zahlen, als die Sicherheitsfrima zu engagieren.
Der AfD’ler wählt in diesem Kontext die AfD in der (irrigen) Meinung, es wäre für das Gemeinwohl besser, die aus der Not geborenen Kriminellen wegzusperren, zu erschießen oder abzuschieben, so das am Ende eine „Elite“ übrig bleibt, die sich künftig nicht mehr vor Übergriffen fürchten muss.
Auch verkennt er dabei, dass das erstens ein Arbeiten am Symptom ist, zweitens dazu führt, das evtl. mehr Diebe etc. aus der größer werdenden Not entstehen, als abgeschoben, inhaftiert oder erschossen werden können, und er verkennt, dass wir diese Leute brauchen, wenn sie durch Arbeit und eigene Zufriedenheit nur besser integriert würden. Von der Frage, ob das GG- oder Menschenrechtskonform ist, mal ganz abgesehen, deren Einhaltung auch allesamt in meinem Interesse liegen, da ich auch schließlich mal Pech haben, und mich plötzlich auf der „anderen“ Seite der Macht wiederfinden könnte.
Natürlich kostet das erst einmal Geld (Steuern), die ich nicht mehr zur freien Verfügung habe.
Aber viele verkennen, dass die Leistung der Sicherheit und der damit einher gehenden Unterstützung der sozial Schwachen erbringt, und die in ihrem ureigensten Interesse nach Sicherheit und Stabilität liegen, eben nur möglich sind, wenn sie dafür auch einen Teil ihres sonst zur freien Verfügung stehenden Einkommens versteuern.
Das wird vor allem dann sichtbar, wenn man selbst unverschuldet die Seite wechselt, weil man arbeitslos oder krank wird.
Wenn also aus der Gebersituation plötzlich eine Nehmersituation wird. Ich habe tatsächlich Leute kennen gelernt, die als Arbeitnehmer immer über die zu hohen Beiträge und Steuern geklagt haben - und als sie arbeitslos wurden, sich plötzlich über zu geringe Förderung beschwerten - ein echtes Paradox…
Das Bewusstsein, dass es sich also lohnt und im eigenen (egoistischen) Interesse liegt, „genügend“ Steuern zu zahlen, ist leider unterrepräsentiert.
Hier wechseln wir dann ganz schnell zum egozentrischen Teil, der in guten Tagen möglichst keine Steuern zahlen will aber unter schlechteren Lebensumständen möglichst z.B. als Arbeitsloser fast gleich viel bekommen möchte wie als Arbeitnehmer.
Ich will mich gar nicht als Maßstab etablieren - ich frage mich nur, wie eine „angemessene“, an den eigenen Bedürfnissen ausgerichtete Wahlentscheidung getroffen werden kann, wenn weder die eigenen Ängste klar genug herausgearbeitet wurden, noch diese den Angeboten der Parteien differenziert gegenüber gestellt werden können.
Wenn ich eine motorisierte Verbindung von A nach B brauche, und weder weiss, was für einen Führerschein ich habe, noch, ob es am Zielort Parkmöglichkeiten gibt, kann es passieren, daß der gekaufte Hubschrauber erstens sehr teuer ist und ich pleite bin, und zweitens beim Start die Polizei einschreiten, weil ich gar keinen Pilotenschein habe (was ich aber selber gar nicht weiß). Wie also soll das gut funktionieren, wenn diese Basics nicht vorhanden sind?
Das erinnert mich an das kabarettistische Motto von Küpersbusch: „irgendwas mit … eigenem Vorteil“.
und deswegen ist dein steuerbeispiel auch konstruiert und wenig realitätsnah. niemand wählt eine partei, die die steuern und dann die sozialleistungen erhöht, weil er dadurch seinen kühlschrank vor plünderungen schützen will. wer davor angst hat, wählt eine partei, die harte innere sicherheitspolitik macht.
wer höhere steuern und sozialleistungen wählt, tut das aus hilfsbereitschaft oder wegen seines gerechtigkeitssinns oder ähnlichen motiven. das muss deswegen noch keine gute politik sein, aber ich würde das nicht egoistisch nennen. der begriff meint etwas völlig anderes.
Das gilt für die meisten Entscheidungen, die die Zukunft betreffen. Da diese sich kaum voraussagen lässt, sind solche Entscheidungen meistens mit einem sehr hohen Maß an Unsicherheit betroffen. Dies Unsicherheit bekommt man auch mit noch so differenziertem Herausarbeiten nicht weg.
Was macht der Mensch also? Er entscheidet aus dem Bauch heraus. Manche machen erst nachdem
Aber zum Schluss: aus dem Bauch, weil unser Verstand die Zukunft einfach nicht voraussagen kann.
Das zweifele ich an. Jeder, der z.B schon mal woanders, z.B. in den USA gelebt hat, hat den direkten Vergleich zum dortigen Sozialsystem und würde es nicht kopieren wollen, um nicht in einer gated community oder (im anderen Extremfall) auf der Straße zu enden.
Ich gebe zu, ich bin da etwas geprägt von vielleicht etwas einseitigen Schlüssen aus meinen Gesprächen mit Menschen an Infoständen aber auch mit Kollegen oder auch nur bei zufälligen Begegnungen… und natürlich sind es nicht alle, und da ich kein Buch führe, kann es auch sein, dass ich hier den Fehler mache, die „negativen“ Rückmeldungen überzugewichten
Was speziell das Thema AfD-wählen angeht, so bleibe ich aber dabei, dass, wenn man die Angebote und auch die Äußerungen vieler Funktionäre ansehe, (von den Aussagen des Verfassungsschutzes ganz zu schweigen), dann basiert die Wahl der AfD auf einer fehlerhaften oder erst gar nicht erfolgten Analyse - oder einer zutiefst menschenverachtenden. Undemokratisch Grundhaltung.
Das bedeutet natürlich nicht, daß die SPD (oder die Grünen die einzig wahre Alternative ist. Es gibt nach wie vor gute Gründe, auch andere Parteien aus eigenem Interesse zu wählen.
Und es gibt auch gute Gründe, sich derzeit von der SPD abzuwenden - der Wechsel zur AfD gehört allerdings nicht dazu.
und deswegen wählen die amerikaner immer parteien, die die steuern und sozialleistungen erhöhen wollen?!?
merkste selber, oder?
gerade die wählen „tough on crime“, wenn sie angst vor aufständen haben oder hätten.