Ich würde das gar nicht als Fehler sehen, wie die Einigungen 1991 nach dem Zerfall der UdSSR gewesen waren. Das würde darauf schließen können, dass es um Fehler sich handeln würde, die nachträglich schwer nur noch, oder im Anblick des fürchterlichen Krieges auch gar nicht mehr korrigierbar wären, weil ohnehin alles vom Anfang her falsch gewesen war.
Es ist vom Grunde her gedacht einfacher: Die Entwicklungen beider Staaten, Russland und Ukraine, drifteten auseinander, welches das erste Mal sich in der Orangenen Revolution im Herbst 2004 und dann in den Protesten auf dem Maidan 2014 ausdrückte.
Anders wie in anderen Teilen Osteuropas schon früh, zeichnete sich der Prozess nach nationaler Identität in der Ukraine gegenüber Russland, und damit verbunden den Anschluss an den Westen später ab.
Ich bin der Ansicht, dass die Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im Dezember 1991, die nach dem Ende der UdSSR folgte, wozu die Ukraine und Russland, sowie eine Reihe anderer Staaten gehörte, die Erosion des Zusammenhalts zwischen Ukrainer und Russen, wie es ihn innerhalb der UdSSR gegeben hatte, verlangsamte. Immerhin gab es von 1999 bis 2019 (in den letzteren Jahren sicherlich nur noch auf dem Papier) einen Freundschaftsvertrag beider Staaten.
Der Krieg, den wir heute sehen, ist daher einer Zeit zuzuordnen, in die auch die Kriege im ehemaligen Jugoslawien gehören - nur mit einer Verzögerung.
Es kann nicht in unserem Interesse sein, dass Staaten der ehemaligen UdSSR gegeneinander Krieg führen, daher sollten wir mehr als bisher gegenüber der Ukraine und Russland auf unsere Vermittlung drängen. Als Merz mit Macron, Starmer und Tusk unlängst in Kiew war, hatte Putin danach reagiert und die Verhandlungen in Istanbul vorgeschlagen.
Russland hat ein größeres geostrategisches Interesse an der Ukraine. Dahinein fällt auch der Krieg. Es geht darum diesen Teil des überhöhten geostrategischen Interesses Russlands herauszunehmen, indem der Westen sich um ein eigenes geostrategisches Interesse bemüht, an dem die Ukraine wiederum Interesse hat. Erster Schritt wäre ein komplett durchdachter Waffenstillstand von 30 Tagen mit einer wirklichen Verhandlungsperspektive, einem Verhandlungsplan.
Dadurch kann der Westen und insbesondere die führenden Staaten der EU den Wind aus den Segeln nehmen und diesen Krieg beenden und Lösungen vorschlagen, die dann Russland und die Ukraine selber in Begleitung der internationalen Staatengemeinschaft, insbesondere auch von uns Europäern aushandeln können.
Der Westen hatte sich mit Rücksicht auf Russland zunächst zurückhaltend auf die Belange z.B. von Litauen, Estland, Litauen und eine Reihen anderer Staaten, die damals in die Nato und auch in die EU wollten gezeigt. Viele dieser Staaten haben aber eine schwere Vergangenheit mit Russland hinter sich und Russland führte nach der Wende schnell Krieg in Tschetschenien. In Osteuropa herrschte nach der Wende schnell auch eine Stimmung, die von Russland abgewandt war. Dann wurde 1997 mit Russland die Nato-Russland-Grundakte geschlossen, die das Anliegen vieler Staaten, die der Nato beitreten wollten, in Moderation mit Russland regeln sollten.
2000 unter dem Präsidenten Putin überlegte Russland ernsthaft der Nato beizutreten, aber die Stimmung war bei einigen Staaten Osteuropas reserviert gegenüber einem Beitritt Russlands und trotz besserer Beziehungen zu den Staaten Westeuropas und den USA wurden Überlegungen mit Russland, vielleicht sogar unter dem Dach der Nato eine neue Weltsicherheitsarchitektur zu begründen, verworfen.
Ja, und das wäre für Putin sogar eine Hilfe, die Selenskyj zuerst verstehen muss.