Er hat Recht, was die autoritäre Persönlichkeit angeht, und dass Statusverlust eine große Rolle spielt.
Er irrt bei der Bedeutung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Ich habe im anderen Thread über die Wurzeln des Faschismus geschrieben und die Forschung kurz zusammengefasst.
Dort ging es um zwei Wurzeln, die kulturelle und die ökonomische. Was in dem Video sehr gut beschrieben wird, ist die kulturelle Wurzel des Faschismus. Wenn man Arbeiter, die sich von der Politik entfremdet haben, nach ihren Ansichten fragt, kommt beides zum Vorschein: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/08969205251353116#core-bibr35-08969205251353116-.
Ich möchte daher zur ökonomischen Wurzel ergänzen:
Die Angst oder die Unzufriedenheit, die die autoritäre Persönlichkeit aktivieren können, speist sich auch daraus, ökonomisch (relativ) zurückzufallen und/oder aus ökonomischer Unsicherheit.
Für beides gibt es in den USA Zahlen, die das unterstützen.
Zwischen 1940-1970 hat die Ungleichheit in den USA rapide abgenommen, es hat sich eine stabile Mittelschicht aufgebaut, mit der Möglichkeit aufzusteigen. Die 70er waren ein Wendepunkt, mit dem Beginn einer völlig anderen Wirtschaftspolitik, in der Theorie und praktisch.
Der Stundenlohn hat sich inflationsbereinigt seit den 1980ern von der Produktivität abgekoppelt. Die Vermögensungleichheit hat zugenommen, die Vermögen der unteren Hälfte sind nicht mehr gewachsen. Gleichzeitig wurden anti-trust Gesetze aufgeweicht, die Gewerkschaften geschwächt, das Verbot des Aktienrückkaufs zurückgenommen, die Steuern für Vermögende und corporations gesenkt, der Finanzmarkt liberalisiert, öffentliche Einrichtungen privatisiert, den corporations Wahlspenden erlaubt, der Erfolg eines Unternehmens nicht mehr an den stakeholdern gemessen, sondern am shareholder value (auch gerichtlich, so dass Führungskräfte, die das nicht befolgten, wegen Untreue belangt werden können), usw.
Das führte zu einer anderen Art des Kapitalismus als vorher. Er ähnelt dem Gilded Age, in dem es eine ungeheure Konzentration von Vermögen gab, gegenüber großer Armut. Seit den 90ern wurde der Profit nicht mehr hauptsächlich reinvestiert, sondern in Aktienrückkauf gesteckt, mit denen auch die Führungskräfte bezahlt wurden, deren Gehalt gegenüber den Angestellten in die Höhe schoss, während normale Arbeitnehmer am Firmenerfolg nicht mehr teilhaben konnten.
Das Realeinkommen der unteren Hälfte ist kaum noch gestiegen, das Vermögen stagniert, die Mittelschicht geschrumpft, sozialer Aufstieg immer schwerer. Dass das ein Gefühl von Statusverlust hervorruft, ist nachvollziehbar. Vor allem, wenn Schwarze, Latinos und Frauen noch eine Steigerung ihres durchschnittlichen Lohns haben, von einem sehr kleinen Ausgangswert, während der Lohn weißer Männer real abgenommen hat.
Das Ergebnis: Trump.
Wir sollten von den USA lernen. Man kann es an der Ungleichheit festmachen, oder die einzelnen Bestandteile der Wirtschaftspolitik durchgehen, die zu dem Desaster geführt haben. Vieles dieser Wirtschaftspolitik ist auch zu uns geschwappt. Piketty hat die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den angelsächsischen Ländern und Kontinentaleuropa gut beschrieben. Aber er und andere warnen uns, die Ungleichheit, zusammen mit der Wirtschaftspolitik, die dazu geführt hat, als zentrales Problem zu bekämpfen. Das kann durchaus populistisch aussehen. Soll es doch.
wie ist das gemeint?
er warnt davor, die Ungleichheit zu bekämpfen, weil sie nicht das zentrale Problem ist?
oder genau andersrum?
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Zum Thema Ungleichheit habe ich was Interessantes gelesen.
Danach ist nicht das Ausmaß der tatsächlichen Ungleichheit entscheidend, sondern das (davon unabhängige, offenbar eher kulturell bedingte) subjektive Empfinden der Ungleichheit, das in verschiedeen Gesellschaften sehr unterschiedlich ist.
Psychologie
Wie gefühlte Ungleichheit unser Wohlbefinden prägt ==================================================
Eine globale Studie zeigt, wie stark der subjektive Eindruck von Ungleichheit auf die Zufriedenheit wirkt. Nur in ärmeren Ländern zeigt sich dieser Effekt nicht. Dahinter steckt Hoffnung.
Von Sebastian Herrmann
Das Verhältnis der Nicht-ganz-so-Reichen und Nicht-ganz-so-Schönen zu den Reichen und Schönen zeichnet sich durch Ambivalenz aus. Auf der einen Seite stellen diese Hochglanzfiguren eine Projektionsfläche für die Durchschnittsträume der Durchschnittsmenschen dar: Die bewunderten Figuren besitzen Immobilien, Automobile, Yachten und anderen Statuszierrat, der von ihrem Reichtum kündet und ihre Schönheit unterstreicht. Diese Menschen werden bewundert, angehimmelt und begehrt. Dann ist da die andere Seite: Die Reichen und die Schönen gelten außerdem als Feindbild, als gewissenlose Bonzen und Kapitalisten, deren Wohlstand obszön sei, deren Immobilienbesitz enteignet und deren Vermögen besteuert werden sollte. Mal so, mal anders, es lässt sich nicht zuverlässig sagen, welche Reaktionen die Privilegierten bei den weniger Wohlhabenden auslösen.
Letzteres gilt auch für den Zusammenhang zwischen ökonomischer Ungleichheit in einer Gesellschaft und dem durchschnittlichen Wohlbefinden der Bevölkerung. Die Studienlage dazu ist ambivalent: Manche Analysen legen nahe, dass ökonomische Ungleichheit das Wohlbefinden reduziert, andere Publikationen finden keinen oder sogar den gegenteiligen Zusammenhang.
Wie kann das sein, warum sind die Forschungsergebnisse so widersprüchlich?
Eine Erklärung liefern jetzt Psychologen im Fachjournal Social Psychological and Personality Science: weil sich Studien zum Thema meist auf objektive Kenngrößen ökonomischer Ungleichheit stützen, das gefühlte Ausmaß sozialer Unwucht aber einen stärkeren Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden habe, so argumentieren sie in ihrem Aufsatz.
Für die aktuelle Studie strengte ein internationales Team um Ángel Sánchez-Rodríguez von der Universität Salamanca Versuche mit fast 22 000 Probanden aus 71 Ländern an.
Die Ergebnisse legten nahe, dass die gefühlte ökonomische Ungleichheit besonderen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hatte. Das galt unabhängig vom Wohlstandsniveau der entsprechenden Länder. Andere Parameter hingegen hingen von der Wirtschaftskraft ab: Probanden aus wohlhabenden Staaten gaben reduzierten Lebenssinn, geringere Harmoniegefühle und Spiritualität zu Protokoll, wenn die empfundene Ungleichheit für sie ausgeprägt war. In ärmeren Ländern zeigte sich der umgekehrte Zusammenhang.
Das könnte daran liegen, dass gefühlte Ungleichheit in ärmeren Ländern in Menschen womöglich Hoffnung weckt und als Ansporn wirkt, selbst einmal Großes zu erreichen, so die Psychologen.
Mit steigendem Reichtum, so ein weiterer Befund der Forscher, wachsen auch die durchschnittlichen Glücksansprüche der Menschen. In den Daten aus wohlhabenden Ländern zeigte sich, dass die Probanden im Schnitt ein höheres Glücksniveau als erstrebenswert oder ideal bezeichneten: Der Unterschied zwischen „Ist“ und „Soll“ kann eben auch groß sein und bleiben, wenn der Lebensstandard schon sehr hoch ist. Womöglich gilt das vor allem dann, wenn der Glitzerwelt der Reichen und Schönen besondere Aufmerksamkeit geschenkt und gleichzeitig aufgeregte Gleichheitsdebatten geführt werden: Dann steigen Ansprüche und gefühlte Ungleichheit – mit allen Konsequenzen.
Das erinnert mich an die Calman gap:
Nach dem Onkologen Kenneth Calman ist das Maß für Lebensqualität die Differenz zwischen Erwartung und Realität.
Ok, das mit der Warnung ist blöd formuliert. Führende Ökonomen warnen schon lange vor der zunehmenden Ungleichheit und der Politik, die dazu führt.
Zur gefühlten Ungleichheit: Ja, diese oder eine ähnliche Studie ist mir auch untergekommen. Das zeigt ein grundsätzliches Problem. Wenn man wirtschaftliche Faktoren mit psychologischen wie Wohlbefinden, extremistischen Tendenzen oder Aktivierung autoritärer Persönlichkeitszüge zusammenbringen will, hat man immer ein Element der Bewertung dazwischen. Geht gar nicht anders. Zudem ist diese Reaktion dynamisch. Man kann sich an eine Situation gewöhnen, und mit einem Anlass kann eine neue Reaktion auftauchen. Solche Anlässe hat es zB mit Covid gegeben.
Wohlbefinden oder Zufriedenheit pendeln sich meist irgendwo in der Mitte ein, dennoch gibt es Effekte, die sich feststellen lassen. (Irgendwo im Forum habe mal über ein Buch über Wohlbefinden geschrieben). Auch die Methoden, die Fragen, die man stellt, spielen eine Rolle. Und viele der Faktoren, die einen Einfluss haben, treten in bestimmten Bevölkerungsschichten gehäuft auf.
Es gibt natürlich einen Zusammenhang zwischen gefühlter Unzufriedenheit und objektiven Beschwerlichkeiten. Wirtschaftliche Unsicherheit spielt dabei eine große Rolle, wie auch “krank machende” Lebensbedingungen. Außerdem sagt die Forschung über die Entwicklung von Faschismus, dass die Leute über einen längeren Zeitraum frustriert sind, und dann kommen Auslöser dazu, und sie bekommen von einem “Führer” eine Erklärung und ein Identifikationsangebot. Aber eine wiederholte Frustration bildet den Nährboden. Frustration entsteht, wenn Bedürfnisse immer wieder nicht erfüllt werden, selbst wenn man sich anstrengt.
Ein verbindendes Element zwischen Frustration, wirtschaftlicher Unsicherheit, Ungleichheit und Faschismus ist der Vertrauensverlust gegenüber den Eliten (zB Entscheider in Politik und Wirtschaft). Das ist ein wiederkehrendes Ergebnis der Forschung. Daher können Faschisten Teile der Bevölkerung so leicht zum Kampf gegen “die da oben” aufstacheln.
Soweit jetzt. Ich bin sicher, es sind noch viele Fragen offen
Ist subjektive Wahrnehmung nicht immer für Empfindungen entscheidend? Brauche ich dafür eine Studie aus 71 Ländern?
Insofern würde ich die Definition des Calman Gap präzisieren: Das Maß für die Lebensqualität ist die Differenz zwischen Erwartung und gefühlter Realität.
sie bekommen die Legitimation, sich als Opfer fremder Mächte zu fühlen, und dieser Opferstatus berechtigt zu „Widerstand“, Rache, vermeintlicher "Gegen"gewalt.
Die Rechten ziehen ihre Legitimation immer aus einem Opfermythos (siehe die Dolchstoßlegende, nach dem 1. WK, „im Feld unbesiegt“, dann die Deutschen als Opfer der jüdischen Weltverschwörung usw usw).
betr. Trump wird das hier ganz gut erklärt.
Trump und seine Wähler verbindet ein „Opfergefühl“, wobei der Opferstatus bei Trump objektiv nicht vorliegt, bei vielen Wählern ist er echt.
Man muss nicht alles in dem Video unterschreiben, und der Mann nuschelt leider ziemlich, aber er trifft m.E. etliche Punkte ganz gut.
m.E. ist der Witz daran, dass immer die objektive Ungleichheit beklagt wird (irgendein Milliardär verdient 87.325 so viel wie ein Fabrikarbeiter), dass es darauf aber nicht ankommt.
Wenn die Leute aus kulturellen Gründen sensibel für dieses Ungleichheitsempfinden sind, macht es keinen Unterschied, ob der 87.325 oder „nur“ 41.899 mal so viel verdient.
D.h. „tax the rich“ beseitigt nicht die zugrundeliegende Empfindung und damit nicht das politische Problem, das daraus entsteht.
hier einige nette Ideen, wie man die AfD piesacken kann.
zB domains und X- Namen belegen, Kommentare schreiben, Plakatplatz belegen, alles Kleinigkeiten, aber dafür leicht machbar
Kinder, die mal im Freilichtmuseeum waren, lernen, dass man „früher“ aufs Plumsklo gehen musste, Wasser aus der Pumpe geholt wurde, Kinder mitarbeiten mussten und keine eigenen Kinderzimmer hatten und der Lehrer die Schüler mit dem Stock schlug.
Das bewahrt sie vor Sätzen wie: „Früher war alles besser“.
Lernen und damit die Fähigkeit zum differnzierten Denken beginnt mit solchen Erfahrungen.
Schulbücher und Lernblätter können dies nicht vermitteln.
Das Problem der „Bildungsunterschicht“ besteht in der Schwellenangst bei Museen, Theater, Vorträgen. Sie glauben, dass diese Kultureinrichtungen nur für die Bildungselite gemacht sind, aber nicht für einfache Hauptschüler und haben Angst davor. Auch wenn das praktisch gar nicht mehr stimmt. Museen machen sehr volksnahe, interessante Angebote.
Dieses Unterlegenheitsgefühl der weniger Gebildeten, die z.B. Fremdwörter nicht verstehen, zu wenig Grundlagenwissen (Corona: was ist ein Virus) führt automatisch zu einem „Wir hier unten“ und „Oben die (politische) Elite, die macht was sie will“.
Genau diese Denke bedient die AFD mit einfachen, verständlichen Parolen.
Und sehr überheblich …
Das merken die schon und es bestätigt sie, dass „Die Grünen“ eine überhebliche Moralelite sind.
Manchmal hilft es schon, ernsthaft auf deren Argumente einzugehen und sie mal zuende zu denken.
Wieviel Personal, Mauern, Stacheldraht, Grenzschützer brauchen wir, um Deutschland vollständig abzuriegeln?
Wenn Russland den Krieg gegen die Ukraine gewinnt, kommen noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland, wollen sie das?
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Die Eltern von heute hängen nicht vorm TV, sondern über ihrem Handy in sozialen Netzwerken.
Man könnte in jedem Kindergarten jährlich 2-3 kostenlose Vorträge für Eltern zur Entwicklung der Kinder im jeweiligen Lebensalter und der nützlichen Unterstützung geben, parallel zur Kinderbetreuung. Das würde reichen und das Schlimmste verhindern. Und in der Schule für die Eltern auch. Soviel Geld würde das auch nicht kosten.
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Die sind schon bereit, sich mit Themen der Welt auseinanderzusetzen, sonst würden sie ja nicht die AFD Deutungen übernehmen. Es liegt nicht an der Bereitschaft, sondern an der Fähigkeit sich mit komplexen Sachverhalten zu beschäftigen. Vielleicht wäre eine Ausgabe des „Spiegels“ in einfacher Sprache mit vielen Bildern die Lösung
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Die spürbaren Preissteigerungen und Mietsteigerungen spielen zusätzlich zu Einkommenseinbußen eine große Rolle beim Rechtsruck der Gesellschaft.
Doch der Konsumzwang, um sich den „Eliten“ äußerlich anzupassen (neustes Handy, Adidasschuhe für Kleinkinder, Markenprodukte) führt auch zur Verarmung durch falsches Wirtschaften.
Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Ungleichheit zu Reichtumseliten als Problem wahrgenommen wird, sondern die Ungleichheit zu dem eigenen Lebensstandard vor 10 Jahren und die drohende Altersarmut, obwohl man lebenslang in die Rente eingezahlt hat.
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Ich glaube eher, dass Corona die Menschen in den Rechtsruck getrieben hat. Einerseits durch die persönliche Erfahrung der Hilflosigkeit gegenüber einer existenziellen Bedrohung, andererseits durch nicht nachvollziehbare Einschränkungen des Staates gegenüber dem Einzelnen.
Leere Lebensmittelregale, Kontakt- und Ausgangssperren, Schul- und Betriebsschließungen und die Unwirksamkeit der Maßnahmen haben eine tiefe Verunsicherung und Mißtrauen in den „Staat“ geschaffen.
Es war auch unlogisch, warum man z.B. in Hamburg ab 21 Uhr Ausgangssperre hatte, während es in Schleswig Holstein keine gab. Die uneinheitlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer schafften nicht nur Verunsicherung, sondern auch Unglaubwürdigkeit.
Daher ist vielleicht der Wunsch entstanden, dass es politisch eine Person gibt, die eine klare Ansage macht, an die sich alle halten müssen.
der Vergleich mit Jeff Bezos ist ja auch völlig witzlos.
Ob der 1 Mio. mal reicher ist als ich oder 100 Mio. mal, ist völlig egal.
Aber der Vergleich mit dem Nachbarn oder den Eltern oder der eigenen Vergangenheit ist real.
Dazu hier ein Erklärungsansatz
Menschen, die beruflich unter dem Niveau ihrer Eltern geblieben sind, wählen deutlich häufiger rechtspopulistische Parteien. Das zeigt eine internationale Studie der Politikwissenschaftler Mark Kayser (Hertie School, Berlin) und Alan Jacobs (University of British Columbia), über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.
Die Forscher haben Daten von mehr als 89.000 Befragten aus elf westeuropäischen Ländern analysiert. Im Fokus: der berufliche Status der Wähler im Vergleich zu dem ihrer Eltern, also ob sie aufgestiegen, gleich geblieben oder abgestiegen sind.
Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang bei den Abstiegsbiografien.
Menschen, die im Berufsleben schlechter dastehen als ihre Eltern, unterstützten rechtspopulistische Parteien in zwölf Prozent der Fälle. Bei Personen mit sozialem Aufstieg lag der Anteil bei nur 4,6 Prozent.
„Woher man kommt – und ob man gefallen ist“
Für Deutschland flossen in die Auswertung nicht nur AfD-Wähler ein, sondern auch Stimmen für die Partei „Die Heimat“ (früher NPD) und für die Republikaner. Die Studie deckt den Zeitraum von 2002 bis 2020 ab.
„Unsere Studie zeigt deutlich, dass es vor allem der Verlust an sozialem Status ist – und nicht allein wirtschaftliche Not oder kulturelle Ressentiments –, der die Unterstützung für rechtspopulistische Parteien vorhersagt“, sagte Kayser. Der soziale Vergleich spiele demnach eine zentrale Rolle: „Politisch entscheidend ist nicht nur, wo man steht, sondern woher man kommt – und ob man gefallen ist.“
Da schließt sich auch der Kreis zur Globalisierung:
wenn der globale Süden usw aufholt, schwächt das (relativ gesehen) unsere wirtschaftliche Position. Paradebeispiel China. Indien ist der nächste in der Reihe, in 5 Jahren.
Wenn wir es nicht schaffen, in diesem Aufholprozess einen Vorsprung zu behalten, wird die Zahl der Menschen steigen, die im Vergleich zu ihren Eltern wirtschaftlich und sozial absteigen und anfälliger für die AfD-Politik werden.
Eine Variante von Clintons „it´s the economy, stupid“.
Die Rechten wollen die Globalisierung sozusagen aussperren, durch Beschränkung des Freihandels, Zölle usw.
Das ist dümmlich und wird nicht funktionieren. Trumps Zölle zB werden die US-Wirtschaft in etlichen Bereichen aus dem Markt kegeln, weil die anderen Länder dann eben unter sich Handel treiben, ohne diese Zölle.
Dem müssen wir ein Wirtschaftsmodell entgegensetzen, dass nationale Interessen wahrt (kein Zugriff der Chinesen auf sicherheitsrelevante Industrien), aber grds. dennoch auf globalem Freihandel beruht. Und auf wirtschaftlichem Erfolg, d.h. derzeit wohl Wachstum.
Das würde den Rechts-Wählern aus der Unterschicht aber gar nicht gefallen, weil sie alle bei TEMU bestellen und bei ACTION / KiK einkaufen, um ihre verminderte Kaufkraft zu kompensieren.
Meine persönliche Studie in meinem Wohnumfeld sagt mir eine ganz andere Ursache für wirtschaftlichen Abstieg: Trennung vom Partner.
Mein Mietshausteil hat 5 Wohnungen, davon sind 3 Mieter aus Hauseigentum wegen einer Trennung ausgezogen. Im Block leben 25 Haushalte, nicht alle Nachbarn sind mir bekannt, aber ich weiß von 7 Haushalten, dass sie wegen einer Trennung aus Hauseigentum umziehen mussten.
Die AFD setzt sehr auf Ehe und Familie und spricht damit auch „Opfer“ gescheiterter Partnerschaften an, die dadurch in einen wirtschaftlichen Abstieg geraten sind.
Das ist ein Aspekt, der vielleicht auch mal wissenschaftlich beleuchtet werden muss. Das betrifft nicht nur Alleinerziehende, sonder auch den unterhaltspflichtigen, alleinlebenden anderen Elternteil.
Wenn es um rabiate Antworten auf Faschisten geht: Hier eine schräge Aktion von Kaliforniens Gouverneur Newsoms Team auf X, so richtig unter der Gürtellinie:
Ich habe es mit archivePunktph lesen können.
Interessant ist auch, dass der bluesky Account von ihm vernünftig ist mit Informationen und politischen Botschaften. Er baut sich offenbar erfolgreich zum Anführer der Demokratischen Staaten und der Opposition auf und scheint smart genug dafür zu sein.
aber ist er auch grob genug?
ich finde die nummer mit den tweets gut. aber man weiß, der ist nicht so, der tut nur so. er parodiert nur.
das schwächt die kampagne.
man fragt sich: hält er das durch, wenn’s drauf ankommt? kann er genauso ignorant und brutal vorgehen wie Trump?
meine testfrage wäre: lässt er trump verhaften, wenn er es kann, auch wenn er dabei uU gegen das Gesetz verstößt?
wer dazu nicht bereit ist, wird mit Trump und MAGA nicht fertig, befürchte ich.
Grobheit als Attitüde wird nicht reichen.
Aber dann würden wir doch den Teufel mit Belzebub austreiben. Auch wenn es seine Kampagne schwächt, wenn sie immer noch stark genug ist, Trump weh zu tun, finde ich es klasse. Absolut nachahmenswert.
ich habe mir gewünscht dass Biden es schafft, Trump einzusperren, und es wäre mir egal gewesen, ob er dabei alle regeln beachtet hätte oder nicht.
es geht nicht um einen juristischen sauberkeitswettbewerb, sondern um die rettung der demokratie in den usa.
das ist das alte Thema mit dem tyrannenmord: es bleibt ein mord, aber es ist moralisch und politisch nicht nur akzeptabel, sondern wünschenswert