Warum schreibst Du einen langen Beitrag über Kriegswirtschaft. Die irrtümliche Bezugnahme zur Kriegswirtschaft aus dem von Dir eingestellten Video war geklärt.
Für mich ist es letztendlich allerdings annähernd eine Kriegswirtschaft (natürlich ist es keine nach Definition) falls sich ein Staat, oder viele Staaten ausschließlich oder nahezu ausschließlich, auf ihre militärischen Möglichkeiten konzentrieren.
Übrigens war auf diesem Weg der 1. Weltkrieg ausgebrochen und versteht man Chamberlains Appeasement Haltung vor dem 2. Weltkrieg so, dass er seinen Briten Zeit zur Aufrüstung geben wollte, dann auch zusätzlich zum Wahnsinn Hitlers, der 2. Weltkrieg.
(Abgleichungen wann in den Staaten vor, bzw. mit Beginn des 1. Weltkrieges oder in Großbritannien die Kriegswirtschaft nach Definition vor dem 2. Weltkrieg eingesetzt hatte, unterlassen ich an dieser Stelle.)
Ich bin mal so drüber geflogen und unsere Biologin wie auch massand haben da schon einen - in meinen Augen - „kleinen“ Punkt.
Der Unterschied zu WK1 und WK2 ist, dass es jetzt Atomwaffen gibt, die nur unter der Maßgabe als Abschreckung funktionieren, dass die Systeme selbst überleben möchten.
Ist das noch der Fall beim Iran und wie sieht es im Falle Russlands aus? Würde es wirklich zu einem atomaren Zweitschlag kommen, wenn da irgendwo in Europa (nicht in FR/UK) eine Atomwaffe eingesetzt werden würde - sagen wir auf Berlin … Eine echte Abwehr einer solchen Rakete ist ja nahezu unmöglich. Möglicherweise schauen Putin+Führung dann aus dem Bunker zu und es ist ihnen (fast) egal, wie viele Russen dabei untergehen. Auch Hitler wollte ja das dt. Volk lieber untergehen sehen, als die Kapitulation zu unterschreiben. Wer weiß, was ein atomar bewaffnetes Deutschland hätte 1945 getan.
Ja - ich finde auch, dass wir als Europäer uns entsprechend schützen müssen und dafür brauchen wir eine möglichst starke Truppe + die nötigen Waffensysteme.
Aber … wir sollten auch IMMER den Russen (und Iranern …) klarmachen, dass wir mit ihnen gut auskommen möchten, wenn sie sich (im wesentlichen) an das Völkerrecht halten.
Höchstwahrscheinlich geht nur Beides - massive Aufrüstung und maximale Gesprächsoffenheit sowie ein „Eindämmen“ des Ukrainekrieges auf den kleinstmöglichen Bereich - praktisch funktioniert das ja momentan auch wenn die Verluste natürlich katastropahl sind.
Es wird eine Zeit nach Putin kommen und dann hoffe ich stark auf den Überlebens- und Entwicklungswillen der russ. Bevölkerung.
Ich finde den Begriff europäischen Pazifismus pauschalisierend. Weder vor Ende des Kalten Krieges, noch nach dem Ende des Kalten Krieges gab es eine grundsätzliche Haltung, die europäischer Pazifismus genannt werden kann.
Zunächst hatten wir die Wehrpflicht und Nachrüstung im Kalten Krieg, später Auslandseinsätze der Bundeswehr.
Dass Pazifismus eine Strömung in der Gesellschaft war, hatte für mich stets den Vorteil, dass es zum Nachdenken angeregt hatte, dass militärische Interventionen Ultima Ratio bleiben sollten. Und das fand ich gut.
Dass mit dem Angriffskrieg Russlands sich die Vorzeichen geändert haben, reißt nicht sämtliche Institutionen, die Frieden schaffen und ausweiten könnten, wie EU, Nato und UN nieder.
Die Staaten an der Nato-Ost-Flanke reagieren empfindsamer auf Bedrohungen Russlands, aber wir stehen Ihnen inzwischen nicht nach, dabei könnten wir das Faustpfand unserer Geschichte zusammen mit unseren Bündnispartnern, insbesondere denen an der Nato-Ost-Flanke, gegenüber Russland geltend machen, um der Ukraine auch politisch zu helfen.
Nein, die Frage ist völlig sinnfrei und realitätsfremd.
Wir verteidigen kein „System“, wir verteidigen uns, unsere Familien, unsere Freiheit, unseren Wohlstand, unseren Rechtsstaat, unsere Verfassung, unsere Demokratie gegen äußere Feinde.
Wer hier lebt, ist Teil all dessen, er ist Teil des „Systems“.
Die Spaltung in „dort das System“ vs „hier ich“ ist völlig sinnfrei und fiktiv.
Wer diese Gesellschaft, diesen Staat nicht gegen äußere Feinde verteidigen will, der will auch sich selbst nicht verteidigen.
Oder glaubt jemand, dass eine russische Drohne einen Unterschied macht, je nachdem ob man sich zum „System“ bekennt oder nicht?!
Das ist alles Fiktion, Weltflucht, Realitätsverleugnung, Ideologie, Emotion ohne Logik.
Wenn jemandem das System nicht gefällt, so dass er es nicht gegen äußere Feinde verteidigen möchte, dann muss er auswandern und sich ein System suchen, das er verteidigen kann und damit auch sich selbst wieder verteidigen kann.
Alles andere ist Gelaber.
Kontrollfrage:
wer findet es falsch, dass wir uns, unsere Familien, unsere Gesellschaft, unsere Freiheit, unseren kollektiven Wohlstand, unseren Rechtsstaat, unsere Verfassung, unsere Demokratie gegen äußere Feinde verteidigen?
Das ist richtig und halte ich geradezu für eine Selbstverständlichkeit.
Es geht nie um den Kampf gegen ein Volk, gegen „die Iraner“ oder „die Russen“.
Sondern um die Abwehr konkreter Bedrohungen.
Wenn die enden, ist mir jeder Iraner genauso lieb wie jeder Russe und jeder Chinese oder Amerikaner oder was auch immer.
Du vergisst, dass Russland wahrscheinlich nachrüsten wird!
Es erscheint mir nicht unwahrscheinlich, dass die - zudem noch unterwegs mit Zielen, die sie auch dort als kritisch in Hinblick auf unsere Reaktionen bewerten, Stichwort ihr Vorgehen gegen die Ukraine - sich in dieser Oberflächlichkeit bedroht durch den Block (Narrativ Putins) der Nato fühlen.
Das ist eine ewige Spirale, die sich heißer drehen könnte, als wir das aus Zeiten des Kalten Krieges heraus gekannt hatten - den eigentlich wollen die Russen Reputation aus dem Kalten Krieg nachholen.
Ich widerspreche eindrüklich der Auffassung, unser Sozialstaat sei marode. Ja, es gibt Reformbedarf mit Blick auf die Zukunft, aber bei einem jährlichen sozialen Transfervolumen von 1,3 Billlionen Euro ist marode einfach das falsche Wort.
Wann wäre denn ein Sozialstaat als nicht marode, als gesund zu bezeichnen?
P.S. Aus Versehen habe ich hier mit meinem Mod Account geantwortet. Zur Klarstellung: ich spreche hier als normaler Benutzer
Dann lassen wir das mit dem System mal weg. Ich werte das mal als Zustimmung, dass es keinen Sinn ergibt.
Unsere Familien und unsere Freunde könnten wir theoretisch auch in einer Oligarchie verteidigen. Von der Art und Weise, wie die Gesellschaft aktuell organisiert ist, bin ich nicht mehr zu 100% überzeugt, und wenn wir sie demnächst überwiegend darauf bauen, für die ganze Welt (gern auch beide Seiten eines bewaffneten Konflikts) Waffen zu produzieren, um unseren Wohlstand halten zu können, wird meine Begeisterung für diese Gesellschaft weiter sinken. Der Rechtsstaat ist auch dringend reformbedürftig, das sehe ich aktuell eher als Chance, statt ihn in diesem desolaten Zustand zu zementieren.
Hmh - ich sehe uns eher als die „Nachrüstenden“ an. Ja - wenn es um die finanzielle Seite geht, sind wir „ebenbürtig“. Wenn es aber um echte Fähigkeiten geht, dann gibt es da viele offene Flanken, die ich gern geschlossen sehen möchte - und dies nach Möglichkeit bevor Russland aufhört, sich in der Ukraine zu verkämpfen.
Was passiert, wenn Putin morgen feststellt, dass die Ukraine den Kampf nicht (mehr) Wert ist und stattdessen einfach weiter Waffen produzieren lässt und die Armee „besser“ aufstellen kann …
Dafür brauchen wir Antworten und ja - auch ein Abrüstungsangebot. Aber das muss eingebettet sein in eine starke Position auf unserer Seite.
ja, die Überschrift ist reißerisch und überoptimistisch.
Aber vergiss die einfach mal.
Seine Grundgedanken scheinen mir plausibel zu sein, im Sinne einer Chance, einer Möglichkeit.
Natürlich sind wir zu langsam, zu bürokratisch, zu feige usw.
Aber ein Teil der Änderungen geht auch ohne Politik.
Rheinmetall verkauft seinen Kram alleine und schafft alleine Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.
Und wenn die Autoindustrie auf Rüstung umsteigt, braucht sie dazu auch keinen Beschluss des Bundestages.
Wenn deutsche Firmen auf dem Weltmarkt gute Angebote machen, verringern sie alleine dadurch die Dominanz der USA und Israels im Rüstungssektor und verringern die Abhängigkeit von diesen Anbietern. Ganz ohne Politik.
Die Politik kann aber vieles beitragen, zB deutsche Waffen kaufen und langfristige Verträge darüber abschließen und in der EU dafür sorgen, dass möglichst viele Rüstungsgüter aus EU-Produktion gekauft werden.
Aber auch da sieht man an dem Rumänien-Beispiel, dass das von selbst läuft.
Der dreifache Druck (USA, Russland, China) könnte (und muss) die Politik in Bewegung bringen.
Auch dafür gibt es erste Anzeichen.
siehe
Ich würde nicht mein Haus drauf wetten, dass es funktioniert, aber es gibt eine Chance.
Die müssen wir 1. erkennen und 2. ergreifen.
Niemand ist das. Nichts ist 100%ig.
Ist dein Mann 100% so, wie Du ihn Dir erträumst? Deine Kinder? Deine Eltern? Dein Job?
Von welcher Gesellschaft bist Du denn 100%ig überzeugt?
100% ist der Maßstab eines verzogenen Teenagers, der seinen Eltern ihre Unzulänglichkeiten vorwirft und dabei vergisst, dass er ihnen sein gesamte Existenz verdankt.
Galt das Deiner Meinung anch auch für den Frontsoldat der deutschen Wehrmacht?
Er hatte zugegeben keine wirkliche Wahl, aber den Kampf, den er da (mit) geführt hat, war weder gut für seine Familie (jeder Tag, der er mit seinem Kampfeseinsatz den Krieg hat mit verlängern helfen, bedeutete auch, die Qualen der Zivilbevölkerung (und damit auch seiner Familie) unnötig zu verlängern).
Der Wehrmachtssoldat war also bei seiner Unterstürzung des Angriffskrieges, den er damit mit unterstützt hat (auch in Zeiten, in denen aus dem Angriffskrieg längst ein Rückzugskrieg geworden war) in einem echten Dilemma: einerseits gab es bereits eine bewaffnete Auseinadersetzung, in der man „um das eigene aber auch um das Überleben anderer seines Landes“ weiter gekämpft hat - anderseits hat er die „Befreiung“ (im Weizsäckersehen Sinne) unnötig in die Läge gezogen und damit auch die Toten, die bei einer früheren Kapitulation noch leben könnten, mit zu verantworten.
Deine Aussage ist insofern aus meiner Sicht richtig, wel es bereits die Dinge implizit voraussetzt, für die sich ein Widerstand gegen einen fremden Angriff lohnt.
Die Frage muss man sich aber natürlich trotzdem stellen bzw. ist trotzdem erst einmal zu stellen, ob diese Voraussetzungen noch gelten - aktuell ist das für mich also schon eine Frage, die ich aber derzeit rel. schnell und eindeutig mit „JA“ beantworten kann. Und jeder, der hier lebt, und das (eindeutig mit „Nein“ beantwortet, müsste das erst einmal erläutern, warum er zu einem solchen „Nein“ kommt.
deswegen ist also nicht
aber nach kurzem Betrachten aus meiner Sicht ebenfalls
stimmt aus meiner Sicht auch nicht so ganz, weil natürlich die anderen Punkte, die Du nennst, die Motivation einer Verteidigung wären - sie führt dann aber dazu, dass auch das „System“ (ein Begriff, der in diesem Kontext eigentlich genauer definiert werden müsste), in dem wir leben, mitverteidigt wird (also z.B. die Demokratie).
Auch hier wider gilt: der rusische Soldat verteidigt (auch) die Oligarchie/Diktatur Putins - und all die Toten (z.B.: Nawallny) die dabei „vom System“ generiert werden; der Wehmachtsoffizier hat eben durch seinen EInsatz mit dafür gesorgt, das der Genozid in seinem Heimatland und der besetzen gebiete weitergehen konnte. Warum sollte ein Soldat, der im Krieg kämpft, nicht auch noch ein politischer Entscheidungsträger sein (auch wenn das deutlich in den Hintergrund tritt).
Die besagte Spaltung sehe ich für mich zwar aktuell genauso - ob ich das zur Zeit meiner Großeltern auch so gesehen hätte - ich habe da meine Zweifel…
Aber nach kurzer Prüfung stelle ich eben fest, dass ich eben nicht in einem System wie das meiner Großeltern lebe - ergo trifft die Spaltung nicht zu. Auch diese Frage ist zumindest nicht sinnfrei - aber sie erscheint mir nach besagter kurzer Prüfung eher theoretischer Natur.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir im Grunde sogar einer Meinung sind - ich reagiere nur etwas empfindlich bei solchen Begriffen wie „sinnfrei“, mit denen Du wahrscheinlich das gleiche ausdrücken willst wie ich
Kann er das wirklich? Oder impliziert seine Haltung, dass diese „Opfer des Systems“ zu akzeptieren sind?!
Aber selbst ohne die Haltung eines „lupenreinen“ Pazifisten…
Wenn man sich die 6 Mio toter Juden, die das dritte Reich hervorgebracht hat, ansieht, habe ich meine Zweifel. Und selbst, wenn man sich die von der Anzahl der Toten sicherlich geringere Anzahl der Fälle in Russland (z.B.: Navallny) ansieht, so finde ich es schwierig, den Angehörgen zu sagen, dass er trotz dieses Systems, dass in Russland herrscht, noch am Leben sein könnte, wenn nur genug Zivilcourage in Russland vorhanden gewesen wäre. Das verschiebt die Verantwortung für solche Gräultaten (und der Umgang mit Navallny war aus meiner Perspektive bereits eine Gräultat) von den Verantortlichen weg zur diffusen Zivilgesellschaft, in der der/die Einzelne(n) schnell mit dieser Schutzfunktion überfordert sein könnten).
(@ErnstBGi : Das wäre mal ein interessantes eigenes Thema für das „Thema des Monats“, denn ich bin da durchaus ambivalent, zumal ich den Vorwurf an die Generationen vor mir durchaus in diesem Sinne gerichtet habe).