Russland ist ein Terrorstaat

Es ist immer problematisch Erpressungen nachzugeben. Was fordert Putin dann als nächstes?

Nein, zu dem Ergebnis kommt man nicht, „wenn man das ein bisschen abstrahiert“, sondern wenn man es völlig missversteht und verdreht.

Wenn es Regeln zur Wehrpflicht gibt (was bei uns so ist und was ich bei der Ukraine unterstelle), sollten die einfach gelten und durchgesetzt werden.
Dabei gilt das ukrainische Recht für Urkainer.
Unsere Regelungen zur Wehrdienstverweigerung gelten nicht für Ukrainer.

Aber selbst wenn wir sie analog anwenden wollen (mit welchem Recht eigentlich?), bezweifle ich, dass 168.000 Ukrainer plötzlich rein aus Gewissensgründen vor dem Wehrdienst fliehen.
Die wollen halt nicht kämpfen und sterben, die Angst ist doch völlig normal.
Es ist völlig unangebracht, das mit großer Menschenrechtsrethorik aufzuladen.
Wir können auch nicht bei 168.000 Ukrainern eine Gewissensprüfung durchführen.

Die Frage ist einfach, ob wir die Ukraine daran hindern, ihre Gesetze durchzusetzen und uns zum Richter innerukrainischer Fragen aufschwingen, weil wir besser angeblich wissen, warum die Deserteure desertieren.
Und damit die Ukraine militärisch schwächen, während wir sie auf der anderen Seite militärisch unterstützen. Soll die Ukraine sich jetzt effektiv verteidigen und gewinnen oder nicht?!

Schon um diesen Widerspruch zu vermeiden und uns nicht anzumassen, solche innerukrainischen Fragen zu beantworten, würde ich die Deserteure so behandeln, wie die Ukraine es nach ihren Gesetzen verlangt.

Was hier und anderswo unter dem wohlklingenden Begriff des Pazifismus läuft, entlarvt sich zunehmend als ideologische Verirrung, die in der Praxis zu katastrophalen Folgen führen würde. Hier würde die Ukraine einer Armee von 168.000 Menschen beraubt, nur weil man 168.000 Deserteuren ungeprüft und entgegen allem gesunden Menschenverstand hehre Gewissensgründe unterstellt. Die eigene pseudo-moralische Verblendung ist wichtiger als das Schicksal des ukrainischen Volkes und Staates.

In einem Land festgehalten zu werden, ist ja an sich noch unproblematisch. Tödlich wird es, wenn das Stück Land das aktuelle Gefechtsfeld ist, in dem die vorgesetzte militärische Führung unbedingt einen Vormarsch erzwingen will. Wenn ein taktischer Rückzug sinnvoll ist, um das Leben der Soldaten zu schonen für einen folgenden Angriff, wird das von der Ukraine in der Regel praktiziert. Von der russischen Seite kommt dagegen immer wieder Sperrfeuer, was den Soldaten die Wahl lässt, entweder durch die ukranische Gegenwehr oder durch eigene Geschosse zu sterben.

Aktuell so wieder passiert beim Versuch der erneuten Eroberung von Robotyne.

Was wäre denn nach Deiner Meinung ein Identitätsgesetz, klingt irgendwie nach CSU? Ich fühle mich als Deutscher und bin das gerne, mag dieses Land und hatte dafür nie ein Identitätsgesetz gebraucht. Bei mir geht das soweit, dass ich allen erzählen möchte, was dieses Land ausmacht - mit seinen Stärken und Schwächen, und Menschen, die anders aussehen, wie der herkömmliche Deutsche als Deutsche in mein Herz schließe und froh bin, Sympathie empfinde, dass wir sie hier haben.

Ich hatte das schon mal woanders gebracht: „Putin, leck mich en de Täsch“ Das gibt genügend Motivation die Amis von ihrer Uran-Munition abzubringen und mit der Ukraine und allen Nato-Staaten, inklusive der USA (sind ja ein paar) ein Verhandlungsangebot zu machen, wo man sogar Staaten wie Brasilien, selber China hinterbringen kann (sind noch viel mehr).

Es wird aber schwierig, z.B. Frankreich von ihrer Idee eines Nationalstaates abzubringen. Ich wäre dafür, das Größere, die Europäische Union (an der Stelle besser ausschreiben) darüber zu stellen, den Austausch zu fördern, das Lernen der unterschiedlichen Sprachen mit Freude zu fördern. Der Nationalstaat wird in der Wahrnehmung dann z.B. durch eine notwendige, größere Belebung der deutsch-französischen Freundschaft weniger wahrgenommen - analog z.B. auch deutsch-niederländisch etc.

Um die Leute geht es. Es ist spannend mit Leuten, Frauen, Männer, Ältere, Jüngere, jeglicher Couleur, anderer Staaten sich zu unterhalten. Für mich gibt es eine europäische Jugend, sogar Weltjugend. In Hostels z.B. ist das spannend, mit Französinnen, Spaniern, Engländern, Amerikanern, Australiern, Italienern, Japanern, Afrikanern auch mit Polen*innen, Ukrainern und Russen zu sprechen. Da gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in den Wahrnehmungen auf die wichtigsten Dinge des Lebens. Das führt zusammen!

Auf längere Sicht (ich verstehe aber wie Du das meinst) sollten wir Großbritannien die Tür genauso für eine Rückkehr offen halten wie der Türkei für einen erstmaligen Eintritt.

(was die Mode streng geteilt, kann bald eine andere Mode sein)

Ich muss Dir dafür Recht geben. Da es hier um Russland geht würde ich auch wiedergeben, dass Russland das Konzept zur nationalen Freiheit gegen eine Kolonialisierung noch nicht in der Umsetzung verstanden haben. Da scheint hinsichtlich der Ukrainer ein Denkfehler vorzuliegen, der noch aus Zaren und Sowjetzeiten herrührt. Es ist wie unnützes letztes Wiederaufbegehren gegen einen jungen Staat, der seine eigene Identität, ähnlich wie die der Polen oder Kroaten (zwei Beispiele) nach vorne stellt. Das ist der russische Denkfehler, der noch dazu verschlimmert wird, dass diese nicht feststellen, dass sie nach dem Ende der UdSSR genauso ihre eigene Identität nach vorne stellen wie die Ukraine auch. „Russen“ gibt es auf beiden Seiten der Grenzen bis 2014. Diesen Vorteil gilt es zusammenzuführen, und da können sowohl Amerikaner wie auch Europäer, jeweils mit unterschiedlichen Ansätzen helfen - mit Waffenlieferungen kriegst Du da nichts hin.

UN-Sonderberichterstatter: Folter an Ukrainern ist Teil der Staatspolitik der Russischen Föderation

Die Folter und unmenschliche Behandlung ukrainischer Kriegsgefangener und ziviler Geiseln ist so massiv, dass sie den organisierten Teil der Staatspolitik der Russischen Föderation gegenüber der Ukraine bezeugt. Dies erklärte Alice Jill Edwards, UN-Sonderberichterstatterin für Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe, auf einer Pressekonferenz in Kiew, berichtet Ukrinform. Ihr zufolge wurden 90 % der ukrainischen Kriegsgefangenen in russischer Gefangenschaft gefoltert.

https://mil.in.ua/en/news/un-special-rapporteur-torture-of-ukrainians-is-part-of-the-state-policy-of-the-russian-federation/

Wenn der Krieg mit dem Ziel eines Völkermords geführt wird, dann stimmt die Beschreibung. Aber normalerweise sichert man ein erobertes Gebiet, indem man hinter die Front geratene feindliche Soldaten neutralisiert, die Zivilbevölkerung dagegen nicht umbringt, sondern mit dem Nötigsten versorgt.

???

Das lassen die Russen bewusst offen. Sprechen von Денацификация - Entnazifizierung.

Bei der Entnazifizierung handelt es sich um eine Reihe von Maßnahmen gegenüber der nationalsozialisierten Masse der Bevölkerung, die technisch gesehen nicht direkt als Kriegsverbrecher bestraft werden kann.

Nazis, die zu den Waffen gegriffen haben, müssen auf dem Schlachtfeld so weit wie möglich vernichtet werden. Es sollte keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Streitkräften der Ukraine und den sogenannten Nationalbataillonen sowie der diesen beiden Arten von Militärformationen zugeordneten Territorialverteidigung geben. Sie alle sind gleichermaßen an extremer Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung beteiligt, haben sich gleichermaßen des Völkermords am russischen Volk schuldig gemacht und halten sich nicht an die Gesetze und Bräuche des Krieges. Kriegsverbrecher und aktive Nazis müssen vorbildlich und vorbildlich bestraft werden. Es muss eine Totallustration erfolgen. Alle Organisationen, die mit der Ausübung des Nationalsozialismus in Verbindung standen, wurden aufgelöst und verboten. Doch neben der Spitze gibt es auch einen erheblichen Teil der Menschen, die passive Nazis und Kollaborateure des Nationalsozialismus sind. Sie unterstützten und duldeten die Nazi-Herrschaft. Eine gerechte Bestrafung dieses Teils der Bevölkerung ist nur möglich, wenn man die unvermeidlichen Härten eines gerechten Krieges gegen das NS-System erträgt, der gegenüber der Zivilbevölkerung so sorgfältig und umsichtig wie möglich geführt wird. Die weitere Entnazifizierung dieser Masse der Bevölkerung besteht in der Umerziehung, die durch ideologische Unterdrückung (Unterdrückung) der NS-Gesinnung und strenge Zensur erreicht wird: nicht nur im politischen Bereich, sondern zwangsläufig auch im Bereich der Kultur und Bildung. Durch Kultur und Bildung wurde eine tiefgreifende Massennazifizierung der Bevölkerung vorbereitet und durchgeführt, gesichert durch das Versprechen von Dividenden aus dem Sieg des Nazi-Regimes über Russland, Nazi-Propaganda, interne Gewalt und Terror sowie eine achtjährige Amtszeit Krieg mit den Menschen im Donbass, die gegen den ukrainischen Nationalsozialismus rebellierten.

aus: Что Россия должна сделать с Украиной - РИА Новости, 05.04.2022

Exakt. Allerdings finde ich, dass nicht die Sicht auf Kriegsverbrechen alleine vorhanden sein sollte, sondern das Große und Ganze nicht ausgeblendet werden darf.

Wir sollten nicht aus dem Blick verlieren, dass Russland ein Terrorstaat ist. Diese Einschätzung spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Belastbarkeit der Ergebnisse von Friedensverhandlungen geht.

Immerhin hat Russland wieder einige Kriegsgefangene an die Ukraine überstellt. Einige sehen aus wie die KZ-Häftlinge nach der Befreiung Anfang 1945.

Das Foto zeigt Volodymyr Tsema-Bursov. Er lebte mit seiner Familie - seiner Frau und seiner kleinen Tochter - in Mariupol. Er ist Soldat bei der 56. separaten motorisierten Infanteriebrigade. Vor der russischen Invasion war Volodymyr ein kräftiger Mann - er war 191 cm groß und wog 95 kg. Im April 2022 geriet er bei den Kämpfen um die Stahlwerke in russische Gefangenschaft und verbrachte 20 Monate in Gefangenschaft.

Sein Gewicht sank auf 57 Kilogramm. Nach seiner Rückkehr diagnostizierten die Ärzte bei ihm zahlreiche Krankheiten, einige davon sind irreparable gesundheitliche Schäden.

Mehr dazu (in ukrainischer Sprache):

Der russische Staat in einem Bild:

Das Foto machte der Fotograf und politische Aktivist Dmitri Markov, als er sich 2021 nach einer Protestaktion zugunsten von Nawalny im Polizeigewahrsam befand.

Markov starb gestern, also genau am selben Tag wie Nawalny.

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Seltsam. Hast Du dazu einen Link?

und Nawalny starb (oder sein Tod wurde bekannt gegeben) an dem Tag, als seine Frau bei der SiKo in München sprach. Das war auch kein Zufall.

1 „Gefällt mir“

Nein, war es wohl nicht. Soviel ich weiß, war ein Redebeitrag von ihr gar nicht vorgesehen und ihre Rede war eine Folge seines Todes.

Wahrscheinlich ist es aber auch kein Zufall, dass Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz kurz nach Bekanntgabe des Todes von Nawalny, der zwar rechte Auffassungen hatte, heute aber nur noch als Kremlkritiker galt, verkündete:

Sonst macht Putin die "Welt zur „Katastrophe“.

Selenskyj war Schauspieler, Komiker, Synchronsprecher, Regisseur, Fernsehmoderator, Filmproduzent und Drehbuchautor. Der Junge hat Talent und weiß wie er zu der Stunde, in der die Weltöffentlichkeit, über den Tod eines Kremlkritikers in Bestürzung ist, mit dieser Weltöffentlichkeit spielen kann, damit man seinem Land doch etwas mehr hilft, als man das vorher vielleicht beabsichtigt hatte.

Dmitry Markov (23 April 1982 – 16 February 2024)

1 „Gefällt mir“

Ist sicher richtig - das gilt aber auch für Putin und auch für viele deutsche Politiker - ist also kein Argument, da sowieso jeder weiss, das das heutzutage zum Rüstzeug jedes erfolgreichen Politikers gehört…