Putin Interview von Tucker Carlson

Sie richten sich ja an Russland, oder was ist dies?

Das ist ja gerade das Problem. :wink:
Helmut Schmidt war es vor allem gewesen, der in seinen letzten Lebensjahren immer wieder davor gewarnt hatte, dass der Krieg in Vergessenheit geraten wird und mit ihm das Denken, was durch den erlebten Krieg friedfertig in der BRD über Jahrzehnte geprägt worden war. Es gab auch hohe Militärausgaben aber der Wille war doch der Wille, sich friedfertig und politisch gegenüber andere Nationen und Regierungen zu verhalten. Im Gegensatz zu heute wo die Kriegstüchtigkeit uns wie ein allgemein gültiges Gut verkauft wird, gab es das früher nicht, und die BRD war durch alle Krisen und Kriege nach dem 2. Weltkrieg gut hindurchgekommen.

Dein Wort in Gottes Ohr! :rofl:

Einerseits relativierst Du, ist doch alles schon so lange her, andererseits konterkarierst Du dann, diese Verharmlosung auf Grund der vergangen Zeit, in dem Sinne, dass man die Geschichte nicht vergessen sollte?

Was ist denn für Dich die überzeugendere Ansicht?

Jetzt ist es wieder eine Ideologie, die über den Haufen geworfen werden muss? :joy:

Ich sehe ganz andere Ideologien bei den Grünen. Diese nämlich, die vernebeln, weil sie Ideologien ohne einer Politik des Umsetzens sind, deswegen, weil alle Angst vor dem russischen Präsidenten haben.

Sie meinen daher dem Panzer-Toni und der Agnes „Strack“ stramm folgen zu müssen. :slightly_smiling_face: :face_with_raised_eyebrow:

Wie geschrieben, es gab nie die Ideologie des Pazifismus, jedenfalls bei der ganz großen Mehrheit nicht. Wobei Pazifismus auch noch unterschiedlichste Ausprägungen vorweist und Frieden schon ein wichtiges und elementares Ziel gewesen war, wofür die Umsetzungsmethoden, insbesondere die vernünftigen und tiefer-verständlichen stets Verbesserungen abverlangt hatten.

Was war falsch daran gewesen, einen Militäretat zu haushalten und gleichzeitig auf Politik, gepaart mit Diplomatie, innerhalb politischer Gespräche zu setzen?

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Viel zu wenige und dann nicht effektiv. Ich kenne das aus meinem Job als Wohnungsverwalter anders. Wenn Mieter über die Stränge geschlagen hatten dann richtetest du den Appell schriftlich oder in einem Abmahnungsgespräch an die Mietpartei direkt.

Das kannst du wohl schlecht vergleichen.
Russland ist ja nicht von uns abhängig.

Der Unterschied Russland/Ukraine ist übrigens, dass uns die Ukraine um Hilfe gebeten hat und wir Bedingungen stellen können, unter welchen Voraussetzungen und wie weit wir helfen.
Russland hat uns nicht um Hilfe gebeten.

Demnach ist der Weltfrieden in erreichbarer Nähe: alle Länder (OK, vielleicht nicht die Chinesen) treten der Russischen Föderation bei und lassen sich künftig von Putin regieren - dann braucht auch niemand mehr Waffen - das ist toll - leider fehlt dieser Idee noch die demokratische Legitimation in der westlichen Welt - aber rein von der Logik, dass nichts schwerer wiegt als der (Welt-)Frieden, der „gar keine Menschenleben mehr kosten kann“, ist das die ultimative Lösung…
Die Sache hat noch einen Haken: es sterben dann zwar keine Menschen mehr in Kriegen - aber es könnte sein, dass langfristig die Zahl der Toten in irgendwelchen von Russlands Diktatur dann eingerichteten Strafkolonien höher sein könnte als in einem kurzen militärischen Konflikt (wir Deutsche haben das vor 80 Jahren vorgemacht, wohin sowas zumindest führen kann)

Damt will ich natürlich selbstredend Putin nicht mit Hitler vergleichen, wenn auch der Fall Navalny und weiterer prominenter Opfer des Regimes zumindest zeigt, dass zum Systemerhalt des derzeitigen russischen Systems Menschenfreundlichkeit nicht unbedingt groß geschrieben wird…

Die Argumentation gegen eine militärische Intervention um „Menschenleben zu retten“ steht also durchaus auf tönernen Füßen, weil die vielen möglichen künftigen Opfer zivilen Terrors durch ein solches Regime, wie das, was derzeit in Russland herrscht, einfach unterschlagen werden!

Die nüchternen Zahlen zu diesem hinkenden Vergleich:

  • Kriegstote 2.WW: ~60 Mio
  • ermordete Juden im Holocaust: ~6 Mio

Das ist damit rein zahlenmäßig Unfug, denn auch die schlimmsten Massenmorde der Geschichte reichen bei weitem nicht an die Dimension von Kriegen heran. Abgesehen davon gibt es für einen geplanten Massenmord seitens Russland (an wen auch immer) derzeit keine ernsthaften Anhaltspunkte - ein kleiner Unterschied zum historischen Vergleich den Du hier ziehst.

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Ich wollte keinen direkten Vergleich anstreben, und es ist klar, dass die Zukunft unbestimmt ist, so daß keiner weiß, was in Bezug auf die Menge der Toten aber auch der allgemeinen Lebensqualität tatsächlich besser ist - aber ich bleibe dabei: wenn es „nur“ darum geht, "Kriegs"tote um jeden Preis zu verhindern, müsste sich die gesamte EU sofort unter russische Regierung begeben - nie wieder Waffen, nie wieder „Kriegstote“ - für Deutschland wäre das schon möglich gewesen, sich mit der DDR unter sowjetischer Führung wiederzuvereinigen - warum haben wir diesen unglaublichen Friedensschluss nicht wahrgenommen, sondern riskiert, dass aus dem kalten doch irgendwann ein heißer Krieg werden könnte?
Wir haben uns statt dessen hochgerüstet, weil wir meinten, dass es mit diesen Waffen - unter Inkaufnahme möglicher Kriegstoter - etwas zu verteidigen gälte, was schwerer wiegt als eben diese möglichen Kriegstote (streng genommen egal, wie viele das betreffen könnte.
Das war übrigens bereits in den späten 70er durchaus eine gesellschaftliche Frage - Frieden schaffen - ohne Waffen - wer dann am Ende regiert, ist nebensächlich.

PS.: das Verhältnis 60:6 ist u.a. der Tatsache geschuldet, dass "nur 6 Jahre für den Genozid zur Verfügung standen) - wenn man sich die Roten Khmer in Kambotscha ansieht, so ist dieses Verhältnis deutlich anders - aber auch hier - es geht mir erst einmal nicht um einen Vergleich auf der Ebene der Menge der Toten - es geht mir darum, dass wir uns eigentlich mehrheitlich dafür entschieden haben, gewisse Werte, die wir für unsere Gesellschaft und deren Zusammenhalt für existenziell identifiziert haben, eben auch mit Waffen zu verteidigen - man kann diese Entscheidung natürlich persönlich gut oder schlecht finden (oder zumindest and eren Sinnhaftigkeit zweifeln) - es ist doch aber etwas fragwürdig, genau in dem Moment, in dem dieser Konfliktbewältigungstratiefall auftritt, ihn plötzlich für absurd zu erklären - und - selbst wenn - muss es - wenn man das sauber durchdekliniert - klar sein, dass man wieder nicht mit 2erlei Maß misst - auf der einen Seite bedrohte Nationen, die völkerrechtswidrig mit großer Brutalität (Butcha) angegriffen werden, aber eben nicht wir sind, weswegen wir nicht oder nicht hinreichend intervenieren - auf der anderen Seite - wenn wir selbst angegriffen würden, natürlich bis zum Schluss kämpfen würden - das ist inkonsistent und empathielos gegenüber den Betroffenen, die nach eigenem Bekunden sogar mehrheitlich kämpfen wollen, weil sie ahnen, was zumindest auf sie zukommen könnte …
Die Frage ist also: was würden wir im Falle eines russischen Angriffs tun? Und genau das tun wir dann auch, wenn es um Hilfsbedürftige andere geht.

Wann soll es diese Gelegenheit gegeben haben? Welcher US-Präsident hätte dem bedingungslos zugestimmt?

Die militärische und außenpolitische Ausrichtung nach dem zweiten Weltkrieg war für Deutschland alles andere als selbstbestimmt - weder in Ost noch in West.

wenn man sieht welche Mühe die Ukraine hat Soldaten zu rekrutieren, wenn man hört wie ukrainische Flüchtlinge hier über ihre Regierung sprechen und wenn man die Perspektivlosigkeit in diesem Krieg zur Kenntnis nimmt, muss man doch sehr große Zweifel an dieser „Mehrheit, die kämpfen will“ haben. Man muss da schon ehrlich unterscheiden zwischen „wir wollen, dass die Ukraine kämpft“ und „die Ukraine will kämpfen“.

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Lass mich raten - auch die Unabhängigkeitsbewegung auf dem Maidan war fremdgesteuert …

Das ist doch keine seriöse Argumentation, zu behaupten, Adenauer, die CDU und weite Teile der SPD hatten keine andere Wahl, sonst wäre das vielleicht passiert…

Wo Du sicher Recht hast, dass so etwas schwierig gewesen wäre - aber es gab dafür überhaupt keine Unterstützung durch die deutsche Bevölkerung und wurde niemals von weiten Teilen der Bevölkerung auch nur diskutiert - wir sind, wenn wir uns einig sind, doch nicht fremdgesteuert - wir sind bestenfalls manipuliert, ohne es zu merken…

Warum haben wir in der Ukraine nicht schon längst großflächige Demos gegen Selenski und gegen diesen Krieg (und für einen Anschluß an Russland?! :wink: , wie das damals zur Zeit der Wende in der DDR oder des Maidan in der Ukraine war?

Antwort: Weil die Leute genau das eben mehrheitlich nicht wollen, wovor sich aber die Mehrheit fürchtet, wenn dieser Krieg aufgegeben würde…

Oder glaubst Du, die hätten alle nur Angst vor Repressalien des Diktators Selenski?
So, wie das in Rusland der Fall ist, wo sich keiner mehr demonstrieren, ja, in vielen Fällen sogar nicht mal zu einer Beerdigung (Navalny) mehr gehen traut?

Eher weniger

Vielleicht 360 Grad? Zumindest wenn es um die Kriegsbegeisterung geht oder den Glauben an die Kraft des Krieges?

Genau so ist es, und ich bezeichne mich auch nicht als Pazifist. Aber zwischen Pazifismus und der Kriegstüchtigkeit, die heute unsere Leute fordern, liegen viele intelligente Optionen.

Und nochmal, mir ist es wichtiger Leben zu schützen, als Grenzen.

Hier zitiere ich wieder nur Bonhoeffer…

In Österreich gab es eine frühe Wiedervereinigung trotz gleicher Besatzungssituation (mit der beiderseitigen Garantie der dauerhaften Neutralität). Ich würde mal behaupten die Österreicher sind kulturell jetzt nicht so extrem anders als die Deutschen, dass sie sich mehrheitlich zu etwas entscheiden, was in Deutschland nicht mal eines Gedanken wert wäre. Woher kommt also diese unterschiedliche Entwicklung?

Wieviele Menschen gerade wo demonstrieren und wie unzufrieden sind, weiß ich nicht und möchte das daher auch nicht bewerten. Ich nehme wahr, dass es dazu sehr unterschiedliche Berichte und Eindrücke gibt.

Also, Begeisterung nehme ich (mit meinem zugegeben beschränkten Horizont) derzeit nicht wahr - vielleicht auch noch nicht einmal den Glauben an die Kraft des Krieges - eher Angst und Ratlosigkeit, wie es denn anders gehen könnte (wobei ich mich bei der Ratlosigkeit nicht ausnehme!) - ich wüsste derzeit nicht (bin also ratlos), wie es gelingen könnte, durch Diplomatie wieder zu dem Zustand zurück zu kommen, den das Völkerrecht und die Menschenrechtscharta vorschreiben - Unverletzlichkeit der Grenzen, Freiheit aller Ukrainer (auch die, die auf der Krim leben) vor (russischer) Fremdherrschaft.
Dabei geht es (mir) nicht um den Formalismus einer auf dem Globus gezogenen Grenzlinie (die ist in der Tat reine Verhanldungssache), sonderen die Auswirkung einer unabgestimmten Veschiebung und der damit einher gehenden Fremdherschaft, und dem Leid, dass mit russischer Diktatur einher geht.

Es hat hier leider noch keiner einen plausiblen Weg vorgeschlagen, wie das diplomatisch ereicht werden könnte - es war viel von genereller Diplomatie als Konzept die Rede - aber nicht, dass die russische Seite sich genau den Dingen dipomatisch entzieht, die sie selbst beim UNO-Beitritt unterschrieben hat.
Nach welchen „Spielregeln“ sollte hier also verhandelt werden - wenn Putin permanent, wenn es ihm beliebt seine Schachbauern so ziehen lässt wie ein Springer und dabei auch noch gegnerische Bauern schlägt/sie quasi umbringend aus dem Spiel nimmt, sich also an vereinbarte Regeln nicht hält - worüber soll man diplomatisch verhandeln?
Ich will auf keinen Fall, dass entweder endlos lange sinnfrei „verhandelt“ wird, während dessen Fakten geschaffen werden, noch darf bei so einem - für mich theoretischen - Prozess ein Ergebnis rauskommen, dass die Betroffenen selbst (die Ukrainer) so nicht wollen - und heir leigen die (offiziellen) Vorstellungen der Ukrainer und der Russen so unverienbar weit auseinander, dass es derzeit keine Verhandlungsgrundlage gibt…

Moralisch (und auch theologisch) bin ich bei Dir - demokratisch nicht - so was hat (derzeit?!) keine Mehrheit - genauso, wie rechte Wange/linke Wange oder „vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ als Entgegnung auf Folter und Hinrichtung…
So hochstehend der Ansatz auch ist - er ist in einer Demokratie (derzeit) nicht umsetzbar…
(was uns natürlich nicht daran hindert, das vorzuschlagen, und vor allem auch selbst zu praktizieren :innocent:

die Prämisse teile ich (in dieser Absolutheit) nicht, und diese Sichtweise war historisch noch nie maßgeblich für Staaten und kann es auch nicht sein.
Jeder Armee fußt auf dem Gedanken, dass Soldaten für Ziele des Staates/ der Gesellschaft geopfert werden, zB den Schutz der staatlichen Grenzen und damit den Schutz des Gemeinswesens als solchem.
Wenn Dir das Leben der Soldaten grds.wichtiger ist als diese Ziele, musst Du alle Armeen abschaffen.
Willst Du das?

hier liegt der Unterschied zwischen russischer Denkweise und westlicher Denkweise…
Bei den Russen werden Ziele gesetzt, die erreicht werden müssen. Egal wie viel Menschenleben oder Material dafür geopfert werden muss.
In der westlichen Militärlogik geht es darum, statt Quantität auf Qualität zu setzen und somit wird viel getan, um die eigenen Soldaten optimal zu schützen, zu versorgen, auszurüsten.
Nehmen wir als Beispiel die Ausrüstung: während die westlichen Panzer einigen Beschuss aushalten und die Besatzung meist lebend aus den Fahrzeugen kommt, explodieren die russischen Panzer wie Coladosen in der heissen Sonne.
Im Westen sind Kevlar-Helme, Kevlar-Westen und ein gutes First-Aid-Kid für jeden Soldaten vorgesehen. Die Russen hingegen haben teilweise noch Stahlhelme aus der Sowjet-Zeit im Einsatz, die Body-Armour mögen vielleicht Gummi-Geschosse abhalten und die Erste-Hilfe Sets sind meistens aus den 80ern und total überlagert.

Transferiert man nun diese Denkweise auf eine politische Ebene, so ist der Westen an keinem Verlust an Menschen, Material oder Territorium interessiert. Der Russe hingegen nimmt es von oben angeordnet und gegeben hin.
In der Ukraine regt sich Widerstand, weil kaum Truppenrotationen stattfinden und es eigentlich eine Mobilisierung bzw Zwangsrekrutierung (noch) nicht gibt.
In demokratisch geprägten Ländern wird viel Wert auf individuelle Rechte gelegt, während das russische System keine Rücksicht auf das Individuum nimmt.

Setzen wir diese Erkenntnis auf eine Meta-Ebene um: Der Westen setzt auf Erhalt und Beständigkeit, Russland auf Expansion und Wiederherstellung des historischen längst vergangenen Status Quo in der Weltgeschichte.

Wenn wir nun in der Meta-Ebene andere Systeme betrachten, wie zum Beispiel China, kommen wir auf ein ähnliches Ergebnis wie bei Russland.
Religiös geprägte Systeme, wie Saudi-Arabien, Iran oder das Afghanistan der Taliban, aber auch Israel und Palästinenser, so steht die Religion vermeintlich an erster Stelle. Schaut man in die Historie, so waren die Araber nie ein zuverlässiger Partner (haben sich von den Deutschen bezahlen lassen und gleichzeitig mit den Engländern gekuschelt). Der Iran ist durch und durch korrupt und menschenverachtend. Dort werden individuelle Freiheiten nicht toleriert, genauso wenig wie bei den Taliban. Die jungen Israelis und ihre palästinensischen Nachbarn sind durch religiös eingeimpften Hass aufgewachsen. Dieser Hass wird durch ultra-orthodoxe Siedler wie auch durch das iranisch gesteuerte Märtyrertum stetig angefeuert.
Wir haben unsere Moral und Werte in den letzten 60 Jahren stets weiter entwickelt. Heute prangern wir die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan an, vergessen jedoch, dass bis Mitte der 70 Jahre eine Frau die schriftliche Genehmigung ihres Ehemanns für Kontoeröffnung, Führerschein und Arbeitsaufnahme benötigte. Soweit ist also unsere individuelle Freiheit nicht her. Aber wir haben diese Freiheiten durch inneren Wandel erreicht. Vielleicht brauchen die Afghanen und die Iraner noch 100 Jahre, um dorthin zu kommen. Vielleicht brauchen die Russen noch 50 Jahre, bis auch dort eine wirkliche Demokratie sich entwickeln kann.

Was will ich eigentlich damit sagen?
Wir müssen militärisch gerüstet sein, damit uns keiner zu einer islamistischen oder russisch-imperialistischen Denkweise zwingen kann, sprich, sein System uns aufzwingen kann. Dafür müssen wir uns nach innen und nach außen absichern. Dieser Gefahr müssen wir uns bewusst sein und uns entsprechend rüsten.

Wir können nun anderen „unser“ System niemanden aufzwingen. Aber wir können durch Diplomatie und Handeln ein System entweder stützen oder isolieren, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann von innen heraus wandeln.
Wir können den Russen signalisieren: wir akzeptieren den Umgang mit deiner eigenen Bevölkerung, tolerieren aber nicht die gewaltsame Expansion deines Systems auf andere Länder, die sich in freiem Willen für eine andere Lebensweise entschieden haben.
Wir müssen lernen, dass die Scheckbuchdiplomatie von Herrn Genscher nicht mehr funktioniert. Wir müssen lernen, uns nicht nur nach aussen und innen zu schützen, sondern auch unsere Bündnisse aktiver zu pflegen und zu kooperieren. Das würde bei einer aktiveren Zusammenarbeit zwischen unseren östlichen Nachbarn anfangen und bei den amerikanischen Partnern würde ich mehr auf den Putz hauen.
Staaten, die sich unserer Lebensweise anschließen wollen, wie die Ukraine oder Moldawien, müssen wir als zukünftige Partner auf Augenhöhe begegnen mit Unterstützung aber auch mit Forderungen und mit Garantien, nicht nur Versprechen.
Solange wir hier weder in unserem eigenen Staat nicht einig sind und auch nicht in einem Bündnis wie der EU oder der Nato, solange werden wir als schwach angesehen. Schwäche werten Despoten immer als Motivation, tun zu können, was ihnen beliebt. Hätten wir Putin von Anfang an die französische Drohung serviert, dass bei einem Einmarsch Nato-Soldaten in die Ukraine verlegt werden, hätte Putin diese Grenze niemals überschritten.
Aber wir waren zu schwach, zu uneinig und nicht kriegstauglich, um solche Drohungen zu unterstreichen.
Manchmal muss man eben auch böse sein, um den Bösen die Stirn bieten zu können

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ich stimme Dir zu in dem, was Du sagst, aber mir ging es um was anderes.
Sowohl bei den Russen als auch in den westlichen Staaten gilt, dass Soldaten für Zwecke der Gemeinschaft geopfert werden. Bei denen einen skupelloser, bei den anderen weniger leichtfertig.
Daraus folgt, dass einzelne Menschenleben nicht den höchsten Wert darstellen, den eine /unsere Gesellschaft kennt. Der Schutz der Grenzen kann wichtiger sein (um im Beispiel zu bleiben).

Schön gsagt. Eine simple Einsicht, die aber manchem nicht zu vermitteln ist.

Was ist mit Medwedews Vorschlag aus diesem thread?

Seit 18 Tagen keine Aktivität mehr in diesem thread

In gewisser Weise sind wir in der Völkergemeinschaft von einander abhängig. Ich finde es von Dir auch nicht richtig den abstrakten theoretischen Vergleich hier anzubringen. Mir ging es um die Methoden. Früher war es normal, dass man sich mit Politikern, mit denen man in Gegnerschaft zueinander stand, traf. Anfang der 70er Jahre gab es zusätzlich zu den Höhepunkten des Kalten Krieges, die vorherige Kuba-Krise und den späteren Nato-Doppelbeschluss eine Situation in der wettgerüstet wurde.

Nach der Bundestagswahl im Jahr 1969 bildete sich erstmals eine Koalition von SPD und FDP auf Bundesebene unter Bundeskanzler Willy Brandt. Im Anschluss hatte sich die Regierung um Verträge mit der Sowjetunion und Polen bemüht. Ausschlaggebend für diese neue Haltung war auch die weltpolitisch angespannte Lage unter dem Eindruck des Wettrüstens zwischen den USA und der Sowjetunion. Seit Ende der 1960er-Jahre konnte die UdSSR theoretisch auf einen atomaren Angriff mit einem Gegenangriff reagieren. Die sowjetische Seite hingegen war an einem Vertrag mit der Bundesrepublik interessiert, um den Status quo in Europa zu sichern, innenpolitischen Druck zu verringern und weil sie sich wirtschaftliche Vorteile zum Beispiel durch westdeutsche Unterstützung bei der Erschließung von Öl- und Gasfeldern erhoffte.

Quelle: Vor 50 Jahren: Bundestag stimmt für Ostverträge | Hintergrund aktuell | bpb.de

Diese Ostverträge hatten für eine Vermittlung zwischen den USA und der UdSSR gesorgt, an die weitere Verträge, die Salt-Verträge, der ABM Vertrag und die Helsinkier Verträge mit der Helsinkier Schlussakte entstanden waren, die später den Eisernen Vorhang zum Sturz gebracht hatten. Die BRD hatte vermittelt. Mit Breschnew war zu dieser Zeit genauso nicht gut Kirschen essen, wie mit Putin heute, aber es wurde Politik gemacht - und das nicht nur von internationalen Treffen in das Mikrofon appelliert, sondern bilateral.

Das schließt nicht aus, dass wir Beiden helfen können!
Und dieses selber dann, wenn wir nur einer Partei, der Ukraine, die Waffen zur Verteidigung ihres Staates liefern!

Ich finde schlimm, wenn sich hier Dein Gedankenhorizont durchsetzen würde. Keine Krieg gibt es wohl ohne Verluste an Material und Menschen, aber dass bei der Gründung einer Armee, die Gedanken darauf fußen, dass Soldaten für Ziele des Staates/ der Gesellschaft geopfert werden, würde doch bedeuten, dass man sich nicht nur für einen Krieg rüstet, sondern dass man einen Krieg möchte.

In der Aussage spiegelt sich für mich ein Kernproblem der Grünen in der Kommunikation zu der Gesellschaft in der sie sich befinden wieder. Sie geben sich mit denen aus ihren Kreisen ab und verlieren den Zugang zur breiten Bevölkerungsschicht. Ihnen ist das aber egal, weil es immer noch viele gibt, die sie wählen. Um so weniger jedoch wählen, um so besser fallen die Prozente aus. Die in der Bevölkerung, die es noch nicht gelernt haben, im Sinne von „Am grünen Wesen soll die Welt genesen“, die haben ja auch nicht nach Hilfe gefragt. Die sind dumm und haben eine unverständliche Position. Das ist Ideologie, die ich elitär verblendet finde und sich nur um die Grünen selber dreht.

Hier eine frühere Plakatwerbung der CDU:

Wie wäre es denn, wenn die Grünen auch nächstes Mal damit hauptsächlich werben, das Ohr an die Bevölkerung zu legen und das, was sie aus der Bevölkerung aufnehmen, mit ihrem Wissen zu verbinden, als von vorneherein sich für Hechte im Karpfenteich zu halten und für Unruhe und Polarisierung in der Gesellschaft zu sorgen?

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Der Unterschied zwischen Breschnew und Putin ist, dass man bei aller Kritik an dem Stalinismus, den auch Breschnew an den Tag legte - und der aus europäischer Sicht natürlich abzulehnen war -, seine Politik trotzdem verlässlich und berechenbar war - so gesehen war er ein „Partner“, von dem man wusste, was man bekommen aber auch, wo die Grenzen waren - das geht bei Putin nicht mehr - und damit gibt es keine "Vertrauensbasis"mehr, die es bei Breschnew durchaus gab…