das hat doch wenig mit einander zu tun. Wir können Strom auch auf anderen Wegen klimaneutral erzeugen. Das müssen wir sowieso tun.
Seit Covid ist alles eine Exponentialkurve? Der CO2 Anstieg definitiv nicht, weil der zugrunde liegende Mechanismus nicht die Voraussetzungen einer solchen erfüllt.
Der CO2-Anstieg durch den Menschen löst einen Klimaeffekt aus; der sorgt dafür, dass der Permafrostboden zunehmend auftaucht, was wiederum zu einer verstärkten Freisetzung von CO2 und Methan führt; zudem sorgt es dafür, dass auch Meere und Walldflächen immer weniger CO2 speichern können, so dass aus früheren CO2-Senken eher -Schleudern werden, sodass letztlich weitaus mehr CO2 in die Athmosphäre gelangt, als das, was nur der Mensch ausstößt.
Klingt nach einem positiven Regelkreislauf, der, da zunehmend beschleunigt ablaufend, sicher keinen linearen Anstieg verursacht. Klingt also eher nach einem beschleunigten Anstieg, der sich durch eine Exponentialkurve darstellen lässt, bei dem die Potenz >1 ist.
Ist über den zu erwartenden Verlauf mit zunehmenden Versorgungsengpässen bis hin zu Versorgungskriegen wirklich damit zu rechnen, dass die meisten dann demnächst sagen werden: "Das war es wert, weil wir uns noch gut daran erinnern können, dass wir es damals bereits „wussten“, worauf es wahrscheinlich hinausläuft, und wir es mal so entschieden haben, dass es das Wert ist, auch auf das Risiko hin, dass wir uns (wahrscheinlich) täuschen werden? Zugegeben, die Zukunft ist unbestimmt, und vielleicht kommt es dazu nicht, so dass es sich deswegen „gelohnt“ hat, weil wir entgegen der Statistik mit einem einem ganz anderen Ausgang gerechnet haben?
Das ist die Kette, die ich meinte - aktuell entscheiden wir, dass es sich „in jedem Fall“ gelohnt hat - das „in jedem Fall“ schließt praktisch alle künftigen Szenarien ein - auch die, die „eher nicht positiv“ sind, die aber das Urteil, es habe sich in jedem Fall gelohnt, nicht kritisch beeinflusst…
Da bin ich wieder beim Raucher, für den sich als junger Raucher das Rauchen „auf jeden Fall“ lohnt - den späteren Lungenkrebs eingeschlossen.
Man kann auch innerhalb eines Intervalls eine Gerade durch eine Exponentialkurve darstellen (approximieren). Und auch quadratische Funktionen haben einen beschleinigten Anstieg. Das wesentliche Charaktristikum einer E-Funktion ist, dass der Anstieg proportional zum Funktionswert ist. Das ist bei Virenvermehrung so. Je mehr Viren schon da sind, desto mehr kommen in einer Zeiteinheit dazu.
Dafür sehe ich aber bei CO2 keine Hinweise.
Dein Beispiel ist an sich valide, bei Kipppunkten kann es zu einem sehr rapiden Anstieg kommen, der vorrübergehend noch schneller als exponentiell oder sogar noch schnelller wachsen könnte. Haben wir zum Glück noch nicht gehabt.
Nein, ich hatte erst in späteren Jahren von der Strategie der Nazis erfahren, das war ja ein Auf- und Ab der Aggressionen und das interessiert mich. In dem Moment wo man das Gefühl hatte, es lässt nach, es wird moderater - kam die nächste Aggression.
Objektiv widerspiegelte sich in deinem Zitat - ohne subjektiv dich mit dem Rechtsradikalismus zu verbinden - eine Rhetorik, die auch den Nazis zuteil war.
Erst milderst Du ab, und nennst deine Ausdrucksweisen „ironische Überspitzungen“, dann aber verschärfst Du deine Ausdrucksweise zum Ende wieder - auch wenn hier der Gesamtkontext schlüssig ist.
Mein Ansatz war ja ein langfristiger Ansatz, der die Bevölkerung allmählich für Klimapolitik, konkret die Klimatransformation sensibilisiert. Die Autofahrer brauchen wir an der Stelle und
Das Klimageld wäre keine Subvention und die Anhebung der Pendlerpauschale für den Zeitraum der Blockade des Iran der Straße in Hormus - für das der deutsche Otto-Normalverbraucher nun wirklich nichts kann - hätte die Gesellschaft zusammenwachsen lassen können, wenn auch parallel für den ÖPNV das Deutschlandticket günstiger geworden wäre.
Das finanzielle Volumen hätte in etwa zum Startpaket für das Klimageld gepasst, welches in dem Zusammenhang auch Unabhängigkeit und Krisenresilienz geboten hätte. Die Einführung des Klimageldes wäre verbunden mit der Einpflege von Bankverbindungen der Krankenversicherten, denn darüber sollte die Prämie ausgezahlt werden. Es hätte nach Erhebung der Pendlerpauschale und Senkung des Preises zum Deutschland-Ticket genügend Zeit gegeben, diese Aufgabe anzugehen - z.B. Einführung des Klimageldes zum 01.01.2027.
Aber die Politik ging nun andere Wege. Trotzdem ließe sich die Klimaprämie, z.B. auch in den Lohnsteuerjahresausgleich noch nachträglich einbauen. Warum fordern die Grünen das nicht?
Tja, da ich schon zu den älteren Semestern gehöre, weiss ich noch, wie das Zusammenwachsen durch Solidarität bei den ersten 2 Ölkrisen in den 70ern (für die die Leute damals ebenso wenig konnten wie heute für die Sperrung der Strasse von Hormus) ablief…
Da war nicht viel von staatlichen Unterstützungen - statt dessen Autofreier Sonntag und Fahrgemeinschaften - gerade in Zeiten des Internets sollte es ungleich einfacher sein, dass 2/3 der Autos stehen bleiben, uns sich sogar täglich wechselnde Fahrgemeinschaften bilden, und alle SUV’s und Vanessa mal so richtig voll werden. und man lernt neue Leute kennen…
Statt dessen schlägst Du staatliche Hilfe vor, mit der jeder immer noch seine im Grunde völlig übertriebene Individualität weiter ungebremst austoben kann…
Eine "Kostensolidarität mit staatlicher Gießkanne statt echter.eigenverantwortlicher Neuorganisation…
Bis Du sicher, daß wir da beide von Solidarität und echtem Gemeinwesen sprechen, die die Gesellschaft zusammenführt oder überhaupt zusammen hält?
Stimmt- irgenwie sind seit dem Internet alle auf einem Ego-Trip, weil es viel weniger persönliche Begegnungen gibt. Um heutzutage eine Fahrgemeinschaft zu gründen, muss man erstmal eine App istallieren und mit paypal zahlen- früher hat man einfach die Kumpel in der Kneipe oder Nachbarn gefragt.
das mit dem Bezahlen wird wohl gar nicht unbedingt nötig sein - mein Sohn und seine Kumpels würden das wohl kostenlos machen - das ist nicht sooo kompliziert…
Und selbst, wenn die App 20€ kostet - das sind gerade 10l Benzin - na und?
Klar würde das anders ablaufen - aber das ist auch eine Chance
Es ist ein Vorschlag, denn die Klimatransformation wird Anstrengungen bedeuten, die langfristig über die 2 Ölkrisen der 70er Jahre deutlich wachsen wird - wenn nicht die Menschheitsaufgabe überhaupt werden. Ich dachte immer die Grünen sind Klimapartei. Natürlich hätte man die Krise in der Straße von Hormus einfach so laufen lassen können - oder wieder wie in den 70er Jahren mit einem autofreien Sonntag reagieren. Ein Tempolimit wurde schnell von der CSU abgewatscht. Das wäre in meinen Augen auch eine Lösung gewesen - aber halt kein nachhaltiger Einstieg.
Ich dachte immer, die Grünen waren für das Klimageld. Ich glaube manchmal - die Partei wird zur zweiten FDP mit ökologischem Aufschlag.
Was hatten denn die Koalitionäre schließlich beschlossen, die Senkung der Mineralölsteuer für einige Zeit. Sie waren doch Deiner Idee - nichts zu tun, dann auch nicht gefolgt. Ich habe die Kritik, dass Kostensolidarität mit staatlicher Gießkanne betrieben wird - mit meinem Klimageldvorschlag nicht verdient. Das wurde mit dieser Senkung der Mineralölsteuer dann gemacht - übrigens für alle Autofahrer und nicht nur für die Vielfahrer, und leider dann nicht für die, die denn ÖPNV nutzten.
Du scheinst auch die Steuerungsfunktion eines Klimageldes völlig zu missachten?
Bitte, wenn, dann kritisiere nicht am Thema vorbei!
BlaBlaCar: Ideal für weite Strecken und spontane Fahrten zwischen Städten. Fahrer bieten freie Plätze an, Kosten werden geteilt, Profile sind bewertet. Pave Commute: Speziell entwickelt für den täglichen Weg zur Arbeit (Pendler). Hilft beim Bilden von Fahrgemeinschaften im Kollegenkreis oder der Umgebung und belohnt nachhaltiges Pendeln. (monatl. 4,90 €) TeamCar: Gut geeignet, um feste Gruppen wie Vereine, Arbeitskollegen oder Freunde zu organisieren Regionale Portale / Apps: Viele Landkreis- oder Stadtwerke bieten lokale Mitfahrportale an (oft über Web-Apps), um den ländlichen Raum besser zu vernetzen.
Aber genau das meinte ich: Heutzutage braucht man eine komplizierte App und die will mitverdienen, früher reichte ein Stammtisch oder die Kantine um Fahrgemeinschaften zu bilden.
Es ist alles komplizierter geworden. Muss man wieder stundenlang auf dem Handy rumdaddeln.
Früher reichte: die Kollegin holt dich an der Ecke Dorfstraße/Edeka täglich um 7 Uhr ab.
Mir macht das den Eindruck, die Grünen wollen immer belehren. Klar wo man nach staatlicher Unterstützung greift, sollte erst das Sparen über derartige Optionen im Vordergrund stehen - hat aber mit dem Klimageld grundsätzlich nichts zu tun, wohl schon mit vorübergehenden Tankrabatten. Dazu wäre es eine Alternative.
Es wäre zu prüfen, inwieweit diese Optionen ausbaufähig sind und genutzt werden.
Ich hatte vor gut einer Woche das Forsthaus Adlgaß in Inzell in Oberbayern besucht. Da gab es speziell ein Haltepunkt unmittelbar am Parkplatz, um mitgenommen zu werden. Erinnerte mich an die Anhalter von früher an den Autobahnauffahrten - das sieht man aber gar nicht mehr. Wobei das Publikum an einem Forsthaus in Oberbayern wahrscheinlich auch anders ist.
Es geht einfach darum, dass die Bürger heutzutage bei jeder kleinen Unbefindlichkeit nach dem Staat schreien. Ob das nun ungeschippte Gehwege sind oder hohe Bezinpreise.
Andererseits macht der Staat auch bei jeder Kleinigkeit Vorschriften, z. B. ob man eine Baumscheibe auf dem öffentlichen Gehweg mit Blumen bepflanzen darf. (Grünpatenschaften - Bezirksamt Eimsbüttel - FHH - hamburg.de) Das hat in den 70ger Jahren meine Oma einfach gemacht- und kein Arsch hat sich beschwert.
Vielleicht ist es so: je stärker der Staat den Bürgern Kleinkram vorschreibt, desto kindischer und anspruchsvoller verhalten sich die Bürger.
Wer mir vorschreibt, bis wieviel Uhr ich den Gehweg vom Schnee freiräumen muss, wann und ob ich meinen Gartengrünschnitt verbrennen darf, welche Pflanzen ich im Garten haben darf und welche nicht, wie mein Haus auszusehen hat, wie krumm Gurken sein dürfen, ob mein Kind alleine den Spielplatz benutzen darf, ob ich selbsterzeugtes Saatgut verkaufen darf (Nein!)- je mehr Regelungen, desto unmündiger fühlt sich der Bürger und umso mehr wächst die Gegenwehr gegen „Die da oben“.
Das ist schon klar. Die Ideen, BlablaCar, Pave Commute und TeamCar sind für mich aber keine politischen Vorschläge. Andererseits diskutieren wir hier ja auch nur. Das ist richtig von Dir, dass Du diese Optionen erwähnst. Ich stelle mir nur die Fragen, ob der Bürger nicht schon diese Möglichkeiten nutzt, oder ob sie noch weiter beworben werden müssen.
Da glaube ich, ist schon was dran. Aber mein Beitrag, den @HarmsCar zersägt hatte, handelte ja vom Klimageld. Jetzt muss man nach der Steuerreform sowieso schauen, weil diese brachte ja für eine große Gruppe schon Erleichterungen. Da wird ein Klimageld wahrscheinlich weit nach hinten geschoben werden. Nur - das Klimageld wäre ein Bottom-Up-Ansatz zum Einstieg in stärkere CO2 Besteuerung. Je nach Einsparung führt das Klimageld zu einem Zugewinn, weil diese Prämie konstant gehalten werden sollte. Das wurde seinerzeit sehr stark von den Grünen unterstützt, und ich wundere mich, dass heute darüber kaum noch etwas zu hören ist.
Aber natürlich - es gab auch Konzessionen an den Bürger (MIeter). Z.B. darf die CO2 Steuer nicht mehr vollständig auf den Mieter umgelegt werden, nur auf Erdgas und Erdöl, wenn sie nach einem gestaffelten Modell aufgeteilt werden. Die Frage steht trotzdem aus, ob der Bürger die weiteren geplanten CO2 Steuererhöhungen stemmen kann, so dass der Einstieg in die Klimatransformation zügig funktionieren kann.
Es ging mir darum, dass Bürger eben leider inzwischen diese Apps nutzen (müssen), weil es keine persönlichen Kontakte mehr gibt, mit denen man Dinge einfach ohne Apps und Internet- sozusagen analog lösen könnte.
Ich halte weder viel von der CO2 Steuer, noch von Klimageld. Öl. Gas und Kohle werden eh immer teurer und Sonnen- / Windstrom immer billiger. Man sollte lieber Vermieter mit mehr Abgaben belasten, die ihre Häuser nicht Klimagerecht sanieren. Ohne, dass die Vermieter diese Sonderabgaben auf die Mieter umlegen dürfen!
In meiner spießigen Straße mit lauter AFD-Wählern in ihren Kleinst-Reihenhauseigentum lassen die sich alle Solar aufs Dach machen und kaufen 'ne Wärmepumpe. Einfach um Geld zu sparen und weil es Zuschüsse vom Staat gibt. Nicht weil sie Ökos sind- sind ja AFD und hassen die Grünen.
Aber wenns ums Geld geht, dann ist die Ideologie völlig egal .
Wenns nach mir ginge: Mehr Abgaben- und Steuerbefreiung für die Nutzung alternativer Energien hilft bestimmt.
Private Hausbesitzer verfügen wahrscheinlich nicht durchgängig über Investitionsreserven, die Häuser zu sanieren. Deshalb waren wahrscheinlich Gas/ und Ölheizungen aus der Regelung antiyzyklisch zur Bewältigung der CO2-Einsparungen herausgenommen worden, die CO2 Kosten nicht umlegen zu dürfen.
Die Frage wird sein, ob die Politik ohne diese Steuerungselemente auskommen wird. Es wäre schön, wenn die Gesellschaften verbunden mit der Wirtschaft die Klimatransformation ohne diese Verteuerungen schaffen würden.
Alles was CO2 spart hilft.
Warum? Wenn schon AfD-Wähler davon profitieren, dann könnte eine besser Deregulierung und Entlastung des regenerativen Wirtschaftsbereichs, z.B. durch bessere Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibungen - also dadurch weniger Gewinn vor Steuern in den GuV-Rechnungen - dazu führen, dass Regierungen, die dieses Programm verfolgen, weniger versagen.
DasKlimageld, so wie es von den Grünen und anderen gefordert wird, hat einen ganz anderen Hintergrund als die aktuellen Preissteigerungen durch den Iran Krieg.
Und irgendwelche Subventionen die immer wieder nur einen Teil der Bevölkerung beglücken haben den Zusammenhalt noch nie gestärkt. Eher das Gegenteil.
Ihr müsst das richtig durchlesen. Ich sprach von dem finanziellen Umfang. Eine Erhöhung der Pendlerpauschale + Senkung des Preises für das Deutschlandticket = Niveau für ein Einstiegsklimageld.
Interessant fände ich zzgl. dazu, diese Klimaprämie bei Sparkassen, Volksbanken etc. in Fonds oder auch einzelne Wertbriefen des Staates anlegen zu können. Der Staat hätte damit eine doppelte Lenkungsfunktion erreicht und könnte z.B. wieder die E-Mobilität, also die deutsche Autoindustrie fördern.
@ErnstBGi vertraut auf die Innovationen der Wirtschaft und die Logik der Privatleute, falls ich sie richtig verstehe. Es stellt sich die Frage, inwieweit die Klimatransformation dann den Bedrohungen durch die Klimaveränderungen gewachsen sein wird.
Leute wie z.B. Luisa Neubauer fordern viel mehr Radikalität in der Umsetzung.
Der Kohlepfennig war zwar nicht im Sinne der Früherkennung, dass ein Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe nötig sein wird, hat aber Städte im Ruhrgebiet vorübergehend vor dem sozialen Kollaps durch Massenarbeitslosigkeit, die abrupt eintritt, bewahrt, und damit den Zusammenhalt zum Trotz des Niedergangs der Steinkohleförderung im Revier gefördert. Das Band der Solidarität - ich war damals mit in der Menschenkette 1997.
Und auch darum, dass vieles - ganz ohne nach Vater/Mutter/Transgender-Staat zu rufen - durch Änderung des eigenen Lebensstils (bei Autofahrern ist dies u. a. ein persönliches Tempolimit 120 oder Bildung besagter Fahrgemeinschaften ganz ohne statliche Unterstützung) machbar ist. Das hat - neben den bekannten Seiteneffekten (im Straßenverkehr würde das als „Seiteneffekt“ weniger Verkehrstote und bessere Öko-Bilanz eines eigenen Verbrenners, die sich positiv auch auf den eigenen Geldbeutel auswirken), auch eine tatsächliche Ebene des gesellschaftlichen Zusammenhalts zur Folge, die man mittels staatlicher Subventionen so gar nicht hinbekommt, da die Subvention durch den Staat zwar über die Steuern einen durchaus solidarisierenden Charakter hat - in der Wahrnehmung aber viel diffuser ist, als wenn mein Nachbar oder einfach nur ein beliebiger Mitfahrer im Auto sitzt.
Es ist gar nicht so sehr mein Bestreben, Ideen kaputt zu machen - ich glaube nur, in den Argumentationen, denen ich etwas entgegensetze, „Fehler“ (in diesem Kontext ein durchaus harter Begriff!) zu entdecken… Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich selbst einem Irrtum unterliege
Das ist so wie die Nettiquette hier im Forum - und ebenso kindlich.
Regeln haben einen großen Vorteil; sie entlasten die eigenen Kräfte, um diese für die Entscheidungen zu haben, die man ohnehin in einer immer komplexer werdenden Welt ständig treffen muss.
Das Tempo-30-Schild entlastet mich von der Entscheidung, ob ich nicht doch in einem Wohngebiet, wenn ich gerade zeitlichen Stress habe, eben doch mal 60 (statt 50) fahre, ohne indess das Risiko, dabei ein Kind zu überfahren, wirklich einschätzen zu können.
Statt mir also „selbstherrlich“ eine Einschätzungskompetenz zuzuordnen, die faktisch nicht besteht (oder zumindest auf sehr tönernen Füssen steht), und mich über diese vermeintliche „Bevormundung“ zu ärgern, freue ich mich lieber darüber, dass ich erst gar nicht darüber nachdenken muss, sondern mich an die Begrenzung (als Leitplanke meines planerischen Handelns) halten kann.
Da komme ich ganz schnell wieder an den Punkt, dass die Regierungen inzwischen deswegen scheitern werden, weil das Wahlvolk inzwischen Forderungen an die Politik richtet, die z.T. grob überzogen wenn nicht gar widersprüchlich sind. (so soll sie dafür sorgen, das für einen selbst ein soziales Sicherungsnetz zur Verfügung steht, aber gleichzeitig diejenigen, die zwar faktisch in der gleichen Lage sind wie man selbst, denen man aber unterstellt, sie wollten eben dieses Sicherungsnetz nur ausnutzen, konsequent vor diesem Sicherungsnetz ausschließen). Der Wiederspruch resultiert daraus, dass man an sich selbst einen anderen Maßstab anlegt als an andere.
Lange Zeit hat man der Politik vertraut, dass sie Entscheidungen trifft, die vielleicht doch richtig sind, weil die eigene Situation doch eher die Ausnahme denn die Regel ist. Inzwischen scheint dieses Vertrauen deutlich geschrumpft zu sein
Wenn die zunehmende Gegenwehr gegen den Staat was mit Verboten zu tun hat, glaube nicht, dass es der Kleinkram ist, sondern explizite oder unausgesprochene Verbote sehr grundsätzlicher und tiefsitzender Reaktionen und Verhaltensweisen.
Der Volkszorn entzündet sich nicht an der Frage, ob der Bäcker Sonntags um 11 oder um 12 Uhr zumachen muss. Wo kocht die Volksseele am liebsten und am schnellsten?
Bei Ausländern/Migration.
Bei der Religion.
Bei Geschlechterfragen.
Bei Straftaten/Straftätern, insb. dann, wenn es nicht um die Strafbarkeit des Durchschnittsbürgers, sondern von Minderheiten geht (Millionäre, Asylbewerber, Politiker, Bettler).
Meine These:
Bei all diesen Themen gibt es tief verwurzelte Normreaktionen und Vorurteile, gegen die schwer anzukommen ist.
Ausländer mit dunkler Hautfarbe sind fremd, unbekannt, und daher latent gefährlich.
Fremde Religionen sind unbekannt, undurchsichtig, womöglich fanatisch und daher latent gefährlich.
Hat der Mensch Brüste und trägt einen Rock, ist er eine Frau. Hat der Mensch Bart und/oder Penis, ist er ein Mann. Wer was anderes erzählt, hat sie nicht mehr alle.
Millionäre, Asylbewerber, Politiker, Bettler sind Sonderfälle, zu denen ich nicht gehöre. Wer weiß, was die so denken und treiben, denen traue ich nicht.
Diese „Normreaktionen“ waren bislang gar nicht so schlecht, sie haben historisch gesehen geholfen, mit der Welt zurecht zu kommen, ohne lang grübeln zu müssen.
Man ist bei Fremden/Ausländern, Millionären, Asylbewerbern, Politikern, Bettlern, Hindus und Muslimen erstmal misstrauisch und vorsichtig, und man redet Menschen mit Rock und Busen mit „sehr geehrte Frau“ an.
All das ist aber mittlerweile verpönt, verboten oder zumindest zweifelhaft.
Misstrauen gegenüber dunkelhäutigen Ausländern ist Rassismus.
Misstrauen gegenüber Muslimen wird (idiotischerweise) auch als Rassismus bezeichnet.
Ein Mann mit Bart und Penis kann angeblich eine Frau sein.
Nur Misstrauen oder gar Hass gegen Millionäre und Politiker ist weitgehend sozial akzeptiert.
Die Folge ist, dass viele Menschen ihre „Normreaktionen“ unterdrücken müssen, wenn sie vermeiden möchten, dass ihnen Rassismus, Diskriminierung, Misogynie, Hass auf Queere usw usw vorgeworfen wird.
DAS ruft den Widerstand hervor.
Weil die Menschen es als Herabsetzung und Anmassung verstehen, dass ihre „Normreaktionen“ plötzlich als unanständig und verboten gelten.
Diese „Umerziehung“ schien anfangs zu funktionieren.
Seit den 1970er Jahren bis ca. 2000 galt das als progessiv und die Mehrheit hat es befürwortet oder zumindest akzeptiert.
Aber seit ca. 2000/2010 wurde es zunehmend als Selbstbeschneidung und Selbstverleugnung empfunden, sich die „Normreaktionen“ zu verkneifen.
Und mittlerweile sind die ehemals als progressiv gesehenen Verhaltensweisen „woke“ und bei der Mehrheit völlig unten durch.
Die Umerziehung funktioniert nicht.
Man kann der Mehrheit der Bevölkerung nicht plausibel machen, dass eine Frau einen Penis haben kann.
Und der tiefsitzende gefühlsmäßige Reflex, einem Menschen mit völlig anderem Aussehen (Hautfarbe, Kleidung, Gesichtszüge) mit Misstrauen zu begegnen, ist schwer ausrottbar.
Weil es um Reflexe geht, die sich evolutionär entwickelt und bewährt haben.
Die Angst vorm schwarzen Mann sitzt tief.
Die Grünen wollen diese Reflexe negieren und „wegerziehen“.
Die AfD appelliert an genau diese Reflexe - und hat Erfolg damit. Das ist der Kern des rechten Populismus.
Der Appell an diese primitiven, aber evolutionär bewährten Reflexe, Gefühle, Vorurteile.
Solange wir das ignorieren, wissen wir gar nicht, wogegen wir kämpfen und werden mit dem Kampf keinen Erfolg haben.