In der CDU gibt es Unmut wegen Merz.
In der SPD wird halblaut darüber nachgedacht, ob Klingbeil und Bas nicht ausgetauscht werden sollten oder ob sie ihre Regierungsämter aufgeben müssen.
Die FDP versucht sich mit dem gut abgehangenen Kubicki zu reanimieren.
Die Grünen sind nach der Ampel in der Wählergunst abgefallen, Habeck hat die Politik verlassen.
Jede Partei, die regiert, wird vom enttäuschten Wähler so heftig kritisiert, dass sie in kurzer Zeit auseinanderfällt und/oder massiv an Stimmen verliert.
Jeder Parteivorsitzende macht offenbar einen schlechten Job und wird nach kurzer Zeit in Frage gestellt.
Das Verächtlichmachen des Kanzlers und der Minister ist zum billigen Volkssport geworden.
Jeder Dödel weiß, wie man die Probleme der Welt löst, nur die Bundesregierung steht auf dem Schlauch. Und dabei ist es egal, wer die Regierung bildet, alles sind angeblich gleich blöd.
Warum ist das so?
Der Wähler erwartet, dass die Regierung aus Zauberwesen und Heiligen besteht, die der Bevölkerung mit übernatürlichen Kräften alle Mühen und Probleme innerhalb der berühmten 100 Tage nach Amtsamtritt abnehmen.
Der Wähler ist zum infantilen Besserwisser, Nörgler und Berufsopfer geworden, dem man es nie recht machen kann.
Es gibt ein Problem?! Wehe, wenn der Kanzler das nicht sofort löst, und zwar so, dass er dabei niemanden kritisiert, belastet oder sonstwie in seiner politischen Kindergartenidylle stört!!
Dann gehört er abgesetzt, das faule, arrogante, unfähige Schwein!
Ist uns doch egal, ob das Problem in China oder den USA entstanden ist, ob es auf Krieg oder Pandemie oder globaler Klimaveränderung beruht.
Jeder Wähler hat ein Anrecht darauf, dass die deutsche Regierung seine persönlichen Probleme schmerz- und kostenfrei löst!!
Und wenn das (oh Wunder) nicht klappt?
Na, dann wählen wir einen neuen und das ganze Spiel fängt von vorne an.
Und wenn das Land dabei vor die Hunde geht, ist nie der Wähler, sondern sind immer „die Politiker“ schuld.
Dabei wäre es so einfach:
Wenn man realistische Erwartungen hätte, würde man nicht immer wieder sinnlos und voraussehbar enttäuscht.
Aber die Bevölkerung benimmt sich zunehmend wie ein trotziger Teenager, der genug von der Welt versteht, um anderen Vorwürfe zu machen, aber zu wenig, um seine Probleme selbst zu lösen.
Der halbwegs seriöse Teil der Politik (CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne) verzweifelt an diesen irrealen Anforderungen und weiß nicht mehr weiter.
Der unseriöse Teil der Politik (Linke, AfD) hingegen macht sich die dümmliche Sicht des Wählers zu eigen, stellt sich an die Spitze der Bewegung und bekräftigt den Wähler in seinem irrealen, kindischen Anspruchsdenken.
Diese Schleife lässt sich nicht durch „bessere Politik“ durchbrechen, befürchte ich.
Sondern allenfalls dadurch, dass die Unseriösen beweisen, dass sie die globalen Probleme auch nicht lösen können, wenn sie regieren.
Oder vielleicht ist das Problem auch gar nicht lösbar.
Vielleicht bereitet der Wähler unbewusst eigenhändig das Ende der Demokratie vor.

