Pure Vergeltung (Rache) ist keine völkerrechtlich legitimierte Form der Selbstverteidigung.
Auch wenn ich menschlich durchaus Verständnis für derartige - atavistische - Gefühlsaufwallungen seitens der überlebenden Opfer des Hamas-Terrors oder auch der israelischen Zivilgesellschaft habe (ich könnte mich in vergleichbarer Situation von solchen Anwandlungen wohl auch kaum freimachen) - die israelische Regierung dürfte solchen Bestrebungen auf Rache nicht nachgeben, wenn sie denn weiterhin als zivilisierter Teil der internationalen Staatengemeinschaft akzeptiert und respektiert werden möchte.
Da allerdings z.Zt. die Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Gaza-Streifen auf Israel anhalten, hat Israel nicht nur das Recht, sich dagegen zu wehren, sondern seiner eigenen Bevölkerung gegenüber auch die Pflicht, diese davor zu schützen.
Und da muss sich Israel auch nicht auf (passive) Abwehr (s.„Iron Dome“) der Hamas-Projektile beschränken, sondern kann natürlich auch aktiv (offensiv) gegen die Abschussrampen etc. im Gaza-Streifen vorgehen. Zumal der Iron Dome offensichtlich auch nicht alle Raketen zuverlässig abfangen kann und die Trümmer erfolgreich abgeschossener Raketen ja auch noch - mehr oder weniger zufällig - Schäden anrichten und Opfer fordern können (und es auch schon getan haben).
Problematischer wird es, wenn/falls diese Raketenangriffe eingestellt würden und somit keine akute Bedrohungslage mehr vorläge.
Muss Israel dann auf Angriffe gegen eine plötzlich „inaktive“ Hamas verzichten und - wie das sprichwörtliche „Kaninchen auf die Schlange“ - darauf warten, ob und wann die Hamas erneut zuschlägt?
Nein, zumal die Vermutung, dass die Hamas irgendwann wieder angreifen wird, ja durch zurückliegende Erfahrungen als gesichert gelten kann.
Allerdings erhielten dann Gesichtspunkte der Verhältnismäßigkeit der israelischen Militäroperationen ein deutlich größeres Gewicht.
Noch etwas zur Wortwahl: Auf das alttestamentarische „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ würde ich hier Israel gegenüber lieber nicht zurück greifen.
Es bedient zu offensichtlich das klassische antisemitische Klischee von der angeblichen „typisch jüdischen“ fanatischen Rachsucht und leitet damit wohl dann doch von legitimer und in diesem Fall m.E. auch berechtigter Kritik an der Politik Israels über zu einem gar nicht mal mehr so versteckten allgemeinen Antisemitismus.
Man kann Art und Umfang der israelischen Reaktion ja auch kritisieren, ohne dieses Sprachbild zu bemühen.