Sie sind sehr artenreich, weil sie Arten von allem umstehenden Lebensräumen erhalten.
Daher können Gärten der Garten Eden sein, wenn Naturgarten an Naturgarten grenzt.
Es kommt eben nicht auf die Fläche an. Jedenfalls nicht in erster Linie.
Hier ist noch was zu den Flächen und den verschiedenen Anteilen an Ausmaß und Inhalt, sozusagen.
Deswegen ist es nicht seriös, zu sagen: „Ach, <1%• Schottergärten fallen doch gar nicht ins Gewicht.“
Äcker sind nun einmal nicht divers und Wälder eigentlich auch nicht mehr so ganz.
Jein. Es kommt auch auf die Lage und Vernetzung an. Einen kleinen Schottergarten können Käfer vielleicht überqueren, drei hintereinander schon nicht mehr.
„Gerade Vorgärten und kleine Grünflächen haben eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt. Sie bilden ökologische Trittsteine für Pflanzenarten, Insekten und Vögel, die auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen von Trittstein zu Trittstein wandern.“
Ich interessiere mich für Ökologie, aber ich weiß nicht so sehr viel darüber. Also versuche ich mal zu verstehen, indem ich einer Argumentationslinie folge und sehe, wohin sie führt. Sagt mir, wenn ich irgendwo falsch liege oder zu stark vereinfache:
Für die Biodiversität ist es wichtig, dass es viele verschiedene vernetzte Ökosysteme gibt, manchmal fördern auch Grenzen die Artenvielfalt (Borneo, Inseln).
Gerade bei Veränderungen des Klimas ist es wichtig, dass Arten wandern können.
Gärten haben eine andere Artenzusammensetzung als Äcker (auch biologisch bewirtschaftete), Wiesen, Wälder usw.
Die Arten in den Gärten können besonders vielfältig sein, da Gärten kleinräumig eine Vielzahl von verschiedenen Bedingungen anbieten.
Diese Vielfalt wird unterstützt, wenn die Biotope vernetzt sind.
Viele Arten sind an die Bedingungen in den Gärten angepasst.
Und brauchen diese zum Überleben.
Daher ist es sinnvoll, die Ökosysteme „Gärten“ gesondert von anderen, etwa Wälder, Wiesen, Moore, Äcker usw zu betrachten.
Auch die Ökosysteme „Gärten“ sind unterschiedlich, je nach Lage, Boden, Bepflanzung, Tradition (welche Arten und Gleichgewichte haben sich geschichtlich eingestellt).
Daher ist es sinnvoll, sich jeweils die lokale Situation anzuschauen und den Artenreichtum lokal zu bewerten.
Für diese Bewertung spielen die Gärten auf der Ebene der Quartiere eine Rolle.
Der Artenreichtum in den Gärten hat einen Einfluss über das Quartier hinaus.
Für die Vernetzung innerhalb eines Quartiers spielt nicht nur die Fläche, sondern auch die kleinteilige jeweilige räumliche Anordnung eine Rolle.
Vorgärten und Gärten hatten und haben in der Regel unterschiedliche ökologische Eigenschaften, die auch unterschiedliche Gemeinschaften fördern. (?)
Die Wirkung dieser Unterschiede gehen über die jeweiligen Grundstücksteile hinaus. (?)
Ich sehe abgesehen von der Biodiversität eine Wirkung der Schottergärten, die aber deutlich persönlich eingefärbt ist:
Die Aufenthaltsqualität auf den Wegen wird wesentlich von den Vorgärten mitbestimmt. Wenn die Leute mehr zu Fuß gehen sollen (Mobilitätswende), müssen die Wege angenehm und ansprechend sein: Temperatur im Sommer, Beschattung, Luftqualität, Vielfalt der Sinneseindrücke, Möglichkeit des sozialen Kontaktes.
Nach meiner Erfahrung und teils wissenschaftlich belegt sind Schottergärten diesbezüglich abweisend.
Disclaimer: Für mich ist ein Weg entlang dieser Dinger eine Qual. Das ist subjektiv und natürlich kein politisches Argument, spielt aber trotzdem für mich eine Rolle.
Biodiversität IST die Vielfalt an Organismen, Biotopen (abiotische Faktoren wie Wetter, Temperatut, Boden etc.) und Genpool.
Vernetzungen fördern den genetischen Austausch. Der Genpool einer Art benötigt eine spezifische Mindestgröße. Wenn die unterschritten wird, wird es problematisch. Interessant dazu: „Flaschenhals Geparden“ googlen.
Grenzen erhöhen die Vielfalt, da isolierte Populationen sich auseinanderentwickeln (Mutationen, Gendrift) und neue Arten entstehen. Es muss keine Insel sein, Isolation kann auch über Temperaturen oder andere Faktoren erfolgen.
Gerade bei Veränderungen des Klimas ist es wichtig, dass Arten wandern können, damit sie Gene austauschen können und so stabiler werden. Dabei darf nicht das Mikroklima aus den Augen verloren werden. Stichwort. Hitze auf Schotter.
Gärten haben eine andere Artenzusammensetzung als Äcker (auch biologisch bewirtschaftete), Wiesen, Wälder usw., weil sie extrem kleinräumig sind und oft durch gärtnerische Arbeit einem komplett anderen Konkurrenzdruck ausgesetzt sind. Extreme Vielfalt auf kleinstem Raum.
Viele Arten sind an die Bedingungen in den Gärten im Voraus angepasst, finden also Bedingungen vor, die sie ohnehin gut finden. Deshalb bleiben viele Arten freiwillig. Besonders Vögel (Kulturfolger).
Es ist nicht unbedingt sinnvoll, die Ökosysteme „Gärten“ gesondert von anderen, etwa Wälder, Wiesen, Moore, Äcker usw zu betrachten.
Sie sind halt anders. Wälder werden von Bäumen dominiert, Wiesen vom Schnitt, Weiden von Tritt und Verbiß und Nährstoffeintrag, Moore von Grundwasser resp. Regenwasser und Versauerung. Äcker durch komplettes Entfernen der Vegetation und Eintrag von Giften und Zerstörung der Bodengare. Dafür werden auch regelmäßig alle Konkurrenten entfernt.
Gerade die Ökosysteme „Gärten“ sind unterschiedlich, je nach Lage, Boden, Bepflanzung, Tradition (welche Arten und Gleichgewichte haben sich geschichtlich eingestellt). Vor allem auch die alten Sorten und Rassen. Also die Kultur im Nachhaltigkeitsviereck.
Daher ist es sinnvoll, sich jeweils die lokale Situation anzuschauen und den Artenreichtum lokal zu bewerten. Das ist immer gut. Die Faustegel ist: Je wärmer, nährstoffärmer und trockener ein Standort, desto artenreicher. Sonst dominieren die 08/15 Pflanzen.
Waren Vorgärten nicht auch mal zum Präsentieren da? Da müßte ich mal schauen.
Ich kenne auch niemanden, der freiwillig durch eine baumlose sonnendurchglühte Neubausiedlung mit Steinen zwischen Straße und Haus geht.
Spazieren gehen die Leute dann nicht in ihrem Quartier.
Ja, i den Schottergärten kommen auch Tiere vor, aber nicht viele
Ein besonderes Problem ist die Folie unter den Steinen. Wenn man die weg nimmt, ist schon viel gewonnen.
"## Muss ich Schotter und Folie entfernen?
Ja, bei den meisten Vorschlägen solltest du zumindest die Folie komplett entfernen. Denn sie würde ja die Bepflanzung vom Boden trennen und damit eine Belebung verhindern. Für die am wenigsten aufwendige Methode solltest du die Folie mindestens teilweise entfernen und den Rest mehrfach mit großen, kreuzweisen Schnitten durchlöchern. Wenn du dann die Hohlräume im Schotter mit Sand und Kompost auffüllst und die Fläche mit Fetthenne, Hauswurz, Sedum und anderen Dickblattgewächsen bepflanzt, hast du bereits etwas mehr Leben drin. Aber besser ist es schon, wenn die Folie wegkommt."
„Auch die Vorgärten der Wohnsiedlungen der 30er Jahre werden betont schlicht gestaltet und schließlich soll in der NS-Zeit auch der Vorgarten gleichgeschaltet, entrümpelt und ausschließlich mit einheimischen Arten bepflanzt werden.“
Wer hätte gedacht, dass ich mal mit den Nazis einer Meinung sein würde.
Klar. Wenn ich hingegen die 90% zu strengen Naturschutzgebieten mache (und alle Lebensmittel importiere), wäre die Biodiversität dort doch vermutlich großartig, oder?
Womit wir zumindest schon mal rausgearbeitet hätten, dass der reine Flächenanteil (von z.B. Vorgärten) nicht aussagekräftig ist. Die Flächenanteile müssen mindestens mit der jeweiligen Biodiversität gewichtet werden.
@Biologin hat im Veganer-thread den Shannon-Index als Maß für die Biodiversität genannt.
Ich vermute mal, dass zur Ermittlung des Index Horden von Biologen auf einen ha geschickt werden müssen und es folglich keine Deutschlandkarte mit farblich abgestuften Indexwerten gibt. Richtig?
Abgesehen davon halte ich die Formel des Shannon-Index für ziemlich ungeeignet. Ein Zoogelände von ein paar ha hätte zwar einen ziemlich guten Indexwert, aber noch lange kein funktionierendes Ökosystem.
Um ein funktionierendes Ökosystem geht es beim Shannon-Index ja auch nicht, sondern um den Erhalt der Arten, für den Fall, dass man sie „noch mal braucht“.
Die Biodiversität ist eher so etwas wie die „Lebensversicherung der Ökosysteme“, und einen Atlas dazu gibt es nach meinem Kenntnisstand nicht.
Wenn es um die Challenge „mein Garten ist besser als deiner“ geht, dann ist der Shannon-Index ein hilfreiches Kriterium.
Wenn es insgesamt darum geht, eine möglichst hohe Biodiversität zu erhalten, liegt der Fokus mehr auf den seltenen Arten (gemäß Bundesnaturschutzgesetz, Rote Listen, Anhänge der FFH- und Vogelschutzrichtlinien) mit ihren sehr spezifischen Ansprüchen an die Habitatstrukturen.
„Dabei wurde bestätigt, dass die Rückgänge nicht auf die ohnehin seltenen oder besonders gefährdeten Arten beschränkt sind, sondern offensichtlich schon seit längerem ein schleichender Biodiversitätsverlust der Mehrzahl der Pflanzenarten in Deutschland stattfindet.“
Dies ist entscheidend. Überall in der Fläche wird es eng.
Und was die winzige Fläche der Schottergärten angeht, ist es auch aus diesem Grund zu kurz gedacht, davon auszugehen, dass man in Ruhe vorne alles Pflastern könne, da das Leben sich eh hinten im großen Garten abspiele.
„Im Gegensatz zu seltenen Arten, deren Bestände und Vorkommen oft gut untersucht sind, fallen Verluste bei den mittelhäufigen bis häufigen Arten mit den gegenwärtigen Erfassungsmethoden erst spät oder gar nicht auf.“
Dies ist de entscheidende Satz. Es fällt nicht auf. Ich pflastere, der Nachbar hat ja noch einen Vorgarten, so what.
Dann pflastert der auch, naja. Da hinten ist ja noch ein Garten, außerdem ist die Fläche so winzig, da paßt kaum der SUV rauf.
Und vielleicht fällt mal jemandem bein Grillen auf, dass nicht mehr so viel fliegt abends, aber dann kann keiner zurückverfolgen, wann er die Käfer das letzte Mal gesehen hat.
Mein Teich ist nahezu froschlos, seit mein Nachbar seinen Teich entfernt hat. Eine unfassbar kleine Fläche, in Bezug auf die BRD, aber für das Leben in meinem Garten und den drei Gärten drumrum tragisch.
Wenn 8 Gärten weiter ein weiterer Teich ist: wie kommen die Frösche dann zu mir?