danke, super, das kannte ich nicht!
hier kann man was lernen
Pferdefuss ist tatsächlich die Pflicht, nach dem Erbfall 10 Jahre selber drin zu wohnen.
Aber für manchen mag es die Lösung sein
Hier ein aktueller Kommentar aus der Zeit, der die Lage gut zusammenfasst:
Fast alle Menschen in Deutschland, auch die meisten mit geringen Einkommen, zahlen effektiv 30 Prozent oder mehr ihres monatlichen Einkommens als Steuern und Abgaben, von der Einkommensteuer bis hin zu indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer und den Sozialbeiträgen. Dem steht eine effektive Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen von drei Prozent gegenüber.
Man gut, dass der Artikel als ‚Meinung‘ deklariert ist. Der Autor ist nämlich offensichtlich gänzlich unqualifiziert, über ein solches Thema zu schreiben.
Dennoch fände ich es besser, wenn die Redaktion so einem Geschreibsel keine Plattform bieten würde. Da könnte man ja gleich die AfD zum Klimawandel schreiben lassen …
Ganz einfach: er nimmt sämtliche Erbschaften und Schenkungen (also auch die, die unter die Freibeträge fallen):
" Jahr für Jahr werden in Deutschland mehr als 300 Milliarden Euro über Erbschaften oder Schenkungen weitergereicht. Der Staat nimmt dabei etwas mehr als zehn Milliarden Euro an Erbschaftsteuer ein – der effektive Steuersatz beträgt also knapp drei Prozent."
10 Mrd sind allerdings etwas mehr als 3 %. Rechnen kann er also auch nicht. Das ist in diesem Kontext zwar nicht wirklich relevant, läßt aber Rückschlüsse auf die angewandte Sorgfalt zu.
Es gibt auch verschiedene Steuerschlupflöcher mit Familienstiftungen, die sich für richtig große Erbschaften lohnen, so dass dort gar keine Erbschaftssteuern gezahlt werden. Wenn man diese Schlupflöcher schließen würde, hätte man vermutlich erreicht, was erreicht werden soll:
Die ganz großen Erbschaften auch zu besteuern.
Kurze Recherche: Marcel Fratzscher sollte von der Vita her eigentlich qualifiziert genug sein. Vermutlich hat er den Artikel von einem Praktikanten schreiben lassen und nicht mal gelesen.
Oder es steckt bösartige Meinungsmache dahinter.
Nach seinem Studium arbeitete Marcel Fratzscher 1996 bei der Weltbank und während der Asienkrise 1997–1998 als Makroökonom beim Harvard Institute for International Development in Jakarta, Indonesien. Als Berater unterstützte Fratzscher hier gemeinsam mit Jeffrey Sachs die indonesische Regierung in Fragen der Wirtschaftspolitik während der Finanzkrise. Danach schloss sich eine Tätigkeit beim Peterson Institute for International Economics in Washington, D.C. von 2000 bis 2001 an. Zuvor war er zudem für kürzere Perioden bei Mwaniki Associates in Kenia und der Asian Development Bank auf den Philippinen tätig.
…
Beim Handelsblatt-Ökonomen-Ranking 2011, das die Forschungsleistung von ca. 1500 Ökonomen an der Qualität ihrer Publikationen seit 2007 misst, wurde Fratzscher auf dem vierten Platz geführt.[14] Zudem erhielt er den Kiel Institute Excellence Award in Global Economic Affairs in 2007[15] für seine Forschung über globale Finanzmarktverbindungen und Geldpolitik, und den CEPR 2007 Prize for the Best Central Bank Research Paper für seine Arbeit über Finanzmarktblasen und globale Ungleichgewichte.
Mir scheint er fachlich halbwegs präsentabel zu sein .
Was nicht heißt, dass er immer recht hat, was aber für mich schon heißt, dass man wenigstens ein oder zwei gute Argumente haben sollte, wenn man sowas als „Geschreibsel“ abtut.
Ich schrieb ja bereits in post #46, dass ich Fratzscher gar nicht für den Autor des Artikels halte. Falls er es doch war, sollte er besser die Leitung des DIW abgeben.
Ich habe es längst aufgegeben, jeden solchen Artikel in den Medien detailliert auseinanderzunehmen. Es sind einfach zu viele. Aber Dir zuliebe hier ein paar highlights. Vielleicht hilft es ja auch dem einen oder der anderen, solche Manipulationsversuche zukünftig selbst zu erkennen.
das mit den knapp 3% vs. etwas mehr als 3 % hatte ich oben ja bereits erwähnt. Ein Rechenfehler? Wohl kaum. Bei knapp 3% im Verhältnis zu 30% kommt jeder Hauptschüler schnell auf ‚über 10 mal so viel‘. Bei 3,x% wäre das schon deutlich schwieriger.
„Dagegen zahlen Menschen mit Erbschaften und Schenkungen von über 20 Millionen Euro häufig einen geringeren Steuersatz, viele Unternehmenserbinnen und Erben bleiben sogar völlig steuerfrei.“
Hier bleibt er jeglichen Beleg oder auch nur eine Begründung schuldig.
„Denn bei einem Freibetrag von 400.000 Euro pro Elternteil müsste eine Erbin oder eine Erbe für ein Haus mit einem Wert von einer Million Euro lediglich bis zu elf Prozent der verbleibenden Differenz von 200.000 Euro als Steuern bezahlen“ Hier unterschlägt er, dass Eltern sehr häufig ein ‚Berliner Testament‘ haben, bei dem die Hälfte des Häuschens erstmal an den verbliebenen Elterteil vererbt wird. Wenn der dann stirbt, ist die Differenz für das erbende Kind dann schon 600.000.
"um große Vermögenswerte wie Mietshäuser mit vielen Mietwohnungen " Was macht der Erbe, wenn ein einzelnes bis zur Halskrause belastetes Mietshaus zur Erbmasse gehört? Teilverkauf geht nicht. Aufteilung in ETW wird steuerlich noch teurer, weil Gewerbe. Also ganze Hütte verkaufen. Da freuen sich die Immobilienkonzerne.
„zahlen effektiv 30 Prozent oder mehr ihres monatlichen Einkommens als Steuern und Abgaben, von der Einkommensteuer bis hin zu indirekten Steuern wie der Mehrwertsteuer und den Sozialbeiträgen.“
Hier rückt er Konsumsteuern (MWSt) und sogar SV-Beiträge in die Nähe der Einkommensteuer. Warum nicht auch noch die Beiträge zur Privathaftpflicht. und Hausratversicherung? Hat doch eh fast jeder.
"wie bei einem Steuersatz von 30 Prozent und mehr auf Arbeitseinkommen " Schwupps, 10 Zeilen später sind die SV-Beiträge plötzlich zu Steuern geworden. Sehr viel unseriöser geht es eigentlich nicht.
Die Problematik des Doppelbesteuerungsverbots unterschlägt er vollständig.
die in der Überschrift versprochene ‚andere Erbschaftsteuer‘ bekommt dann den letzten Absatz (ca. 15% des Textes. Sein Vorschlag ist imho ziemlich trivial und keineswegs innovativ. Es ging ihm wohl mehr darum, in den ersten 85% sein Narrativ aus der Abteilung Hass&Neid zu verbreiten.
Welche dieser Kritikpunkte hast Du nicht selbst bemerkt?
Der Vergleich von Steuern auf Arbeitseinkommen und Erbschaft ist nicht aussagekräftig, weil für die Einkommensteuer die Steuersätze der Besserverdienenden zu Grrunde gelegt werden (30% und mehr) und diese nicht mit den entsprechenden Erbschaftsststeuersätzen aus der Tabelle, die ich verlinkt habe, verglichen werden, sondern mit einem Mittelwert, der sich zu einem großen Teil aus kleinen Erbschaften unter den Freigrenzen bzw. steuerfreiem Firmenvermögen berechnet.
Im Thema „Erbe“ steckt noch deutlich mehr soziale Ungerechtigkeit drin, als nur ein niedriger Steuersatz. Vererbt wird in der Regel nur Vermögen, mit Schulden belastetes Erbe hingegen wird ausgeschlagen - ein typischer Fall von Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen, den wir an anderer Stelle so gern kritisieren.
Wie sähe eine Welt ganz ohne Erbe aus? Wer würde profitieren? Wer müsste auf welche Privilegien verzichten?
Das ist ja nicht so weit hergeholt, weil es in der DDR fast so war.
Eigentum führte in die Überschuldung, deshalb wollten die Meisten gar keins.
Wohnungen verrteilte das Wohnungsamt, und auf Privilegien verzichten musste jemand, der nicht auf Parteilinie war.
Man konnte das aber manchmal durch selbstkritische Vorträge ausgleichen.
Die dazu gehörige Erbschaftssteuertabelle gibt es hier:
das hatte wohl nur wenig mit der Ausgestaltung der Erbschaftssteuer zu tun, oder?
und das eher auch nicht. Wenn durch höhere Erbschaftssteuer es weniger lukrativ wird Immobilien zu vererben, ist zu erwarten, dass wieder mehr Immobilien am Markt verfügbar werden und die Preise dafür sinken. Es profitiert wer eine Wohnung braucht. Es profitiert nicht wessen Mutter keine Wohnung mehr braucht.
Das kommt ziemlich selten vor. Echte Vermögenswerte wie Immos oder Aktien kann man kaum über 100 % belasten. Da sind die Banken vor.
Negatives Erbe kenne ich nur im Zusammenhang mit ewig unbezahlten Rechnungen, Ratenkrediten und Handyverträgen etc.. Da muss der Erblasser aber auch sein Ableben genau timen, sonst ereilt ihn vorher die (Privat-)Insolvenz.
Negatives Erbe gibt es auch im Zusammenhang mit Nachlassverwaltung, wenn die Erben nicht schnell genug ermittelt werden. So eine Nachlassverwaltung bekommt ihre Gebühren aus dem Erbe bis es aufgebraucht ist, und die Hypotheken sind dann aber immer noch da.