Ein paar wirtschaftliche Grundsatzfragen

Das ist korrekt. Wenn die Leute

  • statt einer Jacke eine Hose kaufen,
  • statt einer Waschmaschine eine Geschirrspülmaschine
  • statt eines VW Polo eine Harley,

dann bleibt das BIP konstant. Damit sind sie aber typischerweise nicht zufrieden. Sie wollen irgendwann beides haben, bzw. nach dem Polo einen Golf, dann einen Passat … stop, den gibts dann nicht mehr … also ein Model 3 :wink:

Bei Nullwachstum bleiben für die Wohlstandssteigerung nur Preissenkungen durch Produktivitätssteigerungen und der normale Berufszyklus des Menschen d.h. mehr Erfahrung, mehr Geld.

Deine persönliche Karriere ging vermutlich ziemlich steil nach oben (ich war da in meiner Firma in den ersten zehn Jahren angeblich Rekordhalter), aber schau mal auf ein paar Kollegen in den ‚einfacheren‘ Abteilungen. Deren Gehalt steigert sich häufig jahrelang nur um den Tarifabschluss.

Moment. Zahlt die DB nach BAT? Da gibts ja den ‚Greisenzuschlag‘. Sonst schau halt in eine normale Firma.

Es gab viele Jahrhunderte in denen die Preise stabil waren. Das muss nicht einher gehen mit Adel und Armut. Es ist meiner Meinung nach komplett anerzogen, daß wir immer was neues besseres brauchen. Etwa genauso anerzogen wie das Patriarchat. Wenn alle meine Bedürfnisse befriedigt werden und immer mehr davon automatisch, dann gibt es auch keinen Grund mehr 40 Std. zu arbeiten oder?

Dann wächst nicht mehr unser Besitz, sondern unsere Lebensqualität.

Ich habe ein extrem teures Auto. Aber das jetzt schon seit 99.854 Kilometern und ich gehe davon aus, daß dies vermutlich mein letztes Auto sein wird: Wenn die Batterie mal nicht mehr genug Leistung bringt, dann sind unter dem Auto vier ziemlich große Schrauben zu lösen. :slight_smile:

Da täuschst Du Dich aber gründlich. Als Captain Cook die Polynesier traf, hatten die jahrhundertelang auf die gleiche Weise gelebt (glaube ich). Er zeigte ihnen Glasperlen. Hatten sie noch nie zuvor gesehen. Wollten sie aber unbedingt haben :wink:

Q.E.D. :slight_smile:

Dann könnte wir das ja auch wieder machen oder?
Lass es uns doch mal tausend Jahre ausprobieren, ob uns das gefällt.

@WitzelJo

Also, ich bin kein Soziologe, aber dem würde ich entschieden widersprechen…
Die Neugier auf was neues (vielleicht besseres) ist zunächst ein Impuls, der die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht - egal, ob es sich um den Wüstenbewohner handelt, der bei einer neue Methode des Brunnenbohrens die Einsturzgefahr bzw. das Versiegen verhindert - oder der Krebspatient, dem es nach einem neuen, besseren (im Sinne seines Überlebens) Behandlungsform/Medikation dürstet - ich kann mir nicht vorstellen, dass das nur eine Frage der Erziehung ist…
Das Perfide ist nun (und das ist durchaus Erziehung), dass dieser Impuls dann nicht in Schach gehalten wird, wenn das Niveau bereits so hoch und weit jenseits existentieller Bedürfnisse ist, das das neue „nur noch“ neu ist - aber wenig potentielle Besserung birgt…
Und selbst da - hier kommen wir zum patriachalischen Konkurrieren - hat der Wechsel von Merzedes S Klasse hin zum Rolls Royce zwar keine Fahrverbesserung mehr zu bieten - aber immer noch die Verbesserung des sozialen Status (der in der Form auch nicht wirklich anerzogen ist, sonst liese er sich nicht schon im Tierreich nachweisen…)

Was also eigentlich fehlt (sofern man für sich die Frage, ob substantielle Verbesserung möglich bzw. nötig ist, verneint) ist die Kontrolle dieses inneren - eher nicht anerzogenen - Impulses - diese Kontrolle wird natürlich in einer auf konsummbasierenden Gesellschaft nicht gerade gefördert (womit wir wieder beim Bildungssystem angekommen wären, dessen Aufgabe genau diese Impulskontrolle sein müsste)
Gleiches gilt dann auch für
@Duke

Brauche ich wirklich den überdimensionierten Kühlschrank, um alle 30 Käse-, Wurst-, Eissorten gleichzeitig zu lagern - 2 von jedem sind völlig ausreichend - was bei einem dann deutlich kleineren Kühlschrank viel Strom sparen könnte…
Die größere Auswahl ist nichts, das meine Überlebenschance verbessert - und streng genommen auch nichts, was ein echtes Bedürfnis befriedigt - sondern nur das Gefühl des „ich könnte, wenn ich es wollte“ vermittelt, das aber meine Lebensqualität genau genommen nicht wirklich steigert…

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Und was hat das mit Wirtschaftswachstum zu tun? Der Effekt ist doch erstmal das es weniger Arbeit kostet einen Brunnen zu bohren und man das weniger oft machen muss. Wirtschaftswachstum wird erst daraus, wenn der Wüstenbewohner, statt einen Brunnen zu bohren, die gesparte Zeit nutzen würde um noch einen Brunnen zu bohren. Aber wozu soll das gut sein? Da würde sich ein normaler Homo Sapiens doch lieber in den Schatten legen und Wasser trinken. :slight_smile:

Die allermeisten Menschen auf diesem Planeten führen ein Leben ohne wesentliche Änderungen ihrer Lebensumstände. Diese westliche Phänomen, das wir ohne schneller höher besser nicht glauben leben zu können, ist meiner Meinung nach ein kollektiver Wahn.

@WitzelJo

Naja, ein Brunnen könnte für alle Stammesangehörige nicht reichen - dann kann ich das Brunnenbohren auch für den nächsten Stamm machen (Wachstum durch Export) - was immer noch existenzielle Bedürfnisse befriedigt - dann kommt vielleicht irgendwann die Idee, in die Brunnen Aktivkohlefilter einzubauen, um die Sterblichkeit durch Kontamination zu verbessern (nach wie vor sterben in den Entwicklungsländern sehr viele Menschen immer noch an Durchfallerkrankungen)
Auch hier gilt immer noch, das diese Wertsteigerung dem besseren Überleben gilt - irgendwann wird es natürlich schwierig, wenn man anfängt, in die Brunnen Aufzüge einzubauen, damit das Wartungsteam nicht mehr Treppen steigen muss, oder das Wasserschöpfen aus rein optischen Gründen mit Goldgefäßen geschieht…
Gerade die Senkung der Säuglingssterblichkeit ist immer noch ein globaler Wachstumsmarkt, der nicht nur mit „Erziehung“ zu erklären ist - selbst wenn sich der Nomade damit wohl oder übel abgefunden hat, dass jedes 2te Kind nicht überlebt - wenn Du ihm Pillen verkaufst, die das verbessern, wird er sie sicher nichr deswegen ablehnen, weil er anders erzogen ist als wir dekadente Westeuropäer…
Wachstum als Überlebenstrieb ist sicher nicht anerzogen…

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Nein - in einer nicht an Wachstum orientierten Gesellschaft erzähle ich dem nächsten Brunnenbauer einfach wie es geht und der muss dann auch nicht mehr soviel arbeiten. :slight_smile:

Ja, weil sie keine Chance zur Verbesserung ihrer Lebensumstände sehen. Und nicht etwa, weil sie mit ihren Lebensumständen zu 100 % zufrieden wären.

Zeig ihnen diese Chance, und die allermeisten werden sie nutzen.

Was willst du mir damit sagen? Das wir alle zum Untergang verdammt sind? Denn die Menschen können sich ein Leben ohne MEHR MEHR MEHR nicht vorstellen? Ich bin da anderer Meinung.

Lies mal Das Licht das keinen Schatten wirft über das Leben von Tenzin Palmo, geboren am 30. Juni 1943 als Diane Perry in Hertfordshire in England.
Natürlich sind solche außergewöhnlichen Menschen extrem selten. Aber es gibt hundert tausende von Menschen die Tenzin Palmo bewundern und als Vorbild sehen, mich eingeschlossen (und ich bin kein Buddhist).

Das macht die Menschheit doch seit jeher.

Diese Wissensvermittlung ist heute perfektioniert (Internet) und war schon immer die Basis aller technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften und damit auch des Wachstums.

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@WitzelJo

Ich persönlich glaube nicht, dass wir automatisch zum Untergang verdammt sind, weil wir aus dem mehr, mehr (schöner, schneller weiter, höher) gar nicht rauskommen können… Es ist nur für jeden ein rel. großer Schritt (s. schnelles Denken, langsames Denken von Kahneman), weil wir das in unseren Automatismen so erstmal nicht vorgesehen ist…
Und das Problem wird dadurch verschärft, dass wir dafür wenig verbleibende Zeit haben (Ressourcen gehen zu Ende, Kipppunkte werden erreicht, etc.), wir das ganze wohl mehr oder weniger global machen müssen, und daß die Spannungen durch mangelnde Verteilung deutlich zunehmen werden (Verteilungskriege, moderne Völkerwanderung)…
Was nun die „Vorbilder“ angeht, die als „Leuchttürme“ eine Massenbewegung initiieren könnten…
Da bist Du deutlich zuversichtlicher als ich - aber ich bin kein Soziologe…:slight_smile:
Wirtschaftlich relevant ist das Thema insofern, wenn es eine Verbindung gäbe zwischen (gefühltem) Wohlstand und der Bereitschaft, solchen Leuchttürmen auch wirklich zu folgen…
Wenn das Folgen von Vorbildern nur der Tatsache geschuldet wäre (was in dieser schmalspurpsychologischen Betrachtung monokausal sowieso falsch ist :-), das strukturelle Defizit der durch Eigeninitiative nicht selbst behebbaren Perspektivlosigkeit abzumildern, und bei hinreichendem Wohlstand sich hingegen eher der individuelle Egoismus (im Sinne ich brauche keinen mehr, weil ich autonom bin - auch keine Vorbilder) durchsetzt, ist dieser Ansatz gesellschaftlich nicht tragfähig…
Müsste man vielleicht mal Dagmar fragen…:slight_smile:

Ich kenne sehr viele Menschen (unserer Wohlstandsgesellschaft), die zwar noch von eigenen Leit- oder Vorbildern sprechen - aber nicht wirklich etwas dafür tun, diesen auch jenseits von Gut-Wetter-Zeiten zu folgen (natürlich wie immer nicht repräsentativ!)…

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Respekt, dafür hast Du das Soziologendeutsch aber schon gut drauf:

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Das ist dem „schlechten“ Einfluss der selbst angelesenen genossenen Literatur zu diesem Thema geschuldet - und der Tatsache, dass ich in meiner Jugend darauf angewiesen war, Anfeindungen auf Distanz zu halten, in dem ich durch künstlich aufgeblasene Worthülsen den Nimbus des Überlegenen erzeugen musste - ist also eher ein aus der Not geborenes Relikt - und ich weiß auch gar nicht, ob das in einem solchen Forum nicht eher kontraproduktiv ist - es dient nicht zwingend der Verständlichkeit - und schafft vielleicht auch hier unnötige oder gar störende Distanz - aber es ist für mich extrem schwierig, das lange trainierte konsequent abzulegen…:frowning:
Bitte also um Nachsicht… :slight_smile:

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Du solltest meine Aussage schon im Kontext sehen.

Hat Elon Musk in die Richtung was nennenswertes gemacht?

Das er reicht ist werfe ich ihm nicht vor.
Das die Menschen (auch nicht nur die Profi Astronauten sondern auch Leute die es sich leisten können) in den Weltraum kommen, ist wohl etwas anderes.
Auch dass man sich mit entsprechend viel Geld ein Elektroauto kaufen kann bringt uns dem Traum von @RiedelJe auch nicht näher.

Und das er mit anderen nicht gerade sozialverträglich umgeht, wissen wir ja auch spätestens nach Twitter.

Worin liegt das Wachstum, wenn ich für die gleiche Tätigkeit nur noch die Hälfte der Zeit brauche und mich danach auf die Couch lege?

Aus Effizienz wird nur dann Wachstum, wenn ich den Output vergrößere. Wenn ich alle möglichen Dinge optimiere (z.B. Autofabriken voll automatisiere) aber nicht mehr produziere sondern weniger arbeite, dann ist das Endprodukt eine Welt in der jeder noch 2h pro Tag „arbeitet“ !

Genau das ist doch in den letzten Jahrhunderten geschehen. Ich verstehe deine Argumentation nicht.

Schön :grin: :grin: :grin:

Nein, das Internet ist zu einer Verkaufsmaschine entartet.
Wissensvermittlung findet fast nur in geschlossenen Kreisen statt.
Perfekt ist etwas anderes.

@WitzelJo

Da könntest Du recht haben - das Wachstum findet dann statt, wenn Du Dich nicht auf die Couch legst, sondern entweder zusätzlich Knowhow auf der Couch aufbaust, mit dem Du dann ein völlig neues Produkt (oder eine verbesserte Produktlinie) kreierst…
Oder Dein Entgelt sich so absenkt (in unserer Wirtschaft immer wieder gern genommen :frowning: , dass Du einen Zweitjob brauchst, um Dich über Wasser zu halten, und Dich erst gar nicht auf die Couch legen kannst - auch nicht mit 75…

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Na, komm. Wenn man einfach so reinstolpert vielleicht.

Wenn man hingegen gezielt sucht, ist es um mehrere Größenordnungen besser als alles, was wir vorher hatten. Ist aber ziemlich OT hier.