Jau! Hatte ich auch geguckt. Aber dann wenn der Donbass russisch werden sollte, müssten die daher. Auch die übrigens, die Selenskji wieder in der Ukraine haben möchte.
Darin war keine Wertung. Also ich möchte nicht, dass der Donbass russisch sein wird, in dem Sinne, dass er endgültig an Russland fällt. Ich hatte eben festgestellt, dass es wahrscheinlich für die Bewohner des Donbass besser ist die andere Verbindung zur Krim zu nutzen (in Friedenszeiten - zurzeit müssten viele durch die Frontlinie) als die von Russland vor Jahren erbaute neue Krim-Brücke. Aber für den Fall, dass der Donbass russisch werden sollte, zumindest für eine Zeit, würden alle Bewohner des Donbass, auch die der Ukraine nahe stehen, wohl über diese Krim-Brücke reisen müssen - als Transit-Strecke durch Russland hindurch - wäre ähnlich wie man früher von West-Berlin durch die DDR musste.
Es hakt am Veto der Russen im Weltsicherheitsrat. Da kannst Du noch soviel Waffen liefern. Die Russen und Amerikaner müssen ins Gespräch - und zwar bevor Joe Biden sein Amt verlieren könnte. Eine Lösung für die Ukraine wäre historisch eine Sensation - leider begreift das keiner. Gelingt das den Amerikanern wär es vergleichbar mit dem Fall der Berliner Mauer 1989. Womöglich würden die Demokraten in den Staaten dann die Wahl gewinnen. Auch wenn die Amerikaner gespalten sind - es würde die Demokraten in den USA mobilisieren.
Mir fällt in diesem Zusammenhang ein, was ich kürzlich über Herrn Gauland gelesen hatte:
Außen- und Sicherheitspolitik
Gauland vertritt den pragmatischen Standpunkt, dass es faktisch keine politisch konservative Außenpolitik gebe, sondern dass diese nur angelehnt an die Interessen eines Landes wie Deutschland entweder richtig oder falsch sein könne.[145] Er verfolge, so Beobachter, eine an nationalen Interessen ausgerichtete Macht- und Realpolitik. Diese stehe zum Teil der Westbindung und der NATO entgegen.
Ich stelle fest, dass ist ein Widerspruch zu dem Denken, gemeinsam als westliche Demokratien sind wir stark, und ähnelt in gewisser Weise dem, was wir von Wladimir Putin in Verhandlungen erwarten.
Ich glaube daran, unsere Demokratien sind sehr stark, wenn sie anerkennen, dass sie auch schwach sein können. Für mich geht es noch immer darum, die Motive des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands als falsch zu entlarven und Russland damit an den Pranger zu stellen.
Eine weitere Sache Unsere Diskussion, letztens von @lawandorder auf die Spitze betrieben, wir sollten doch den Ukrainern nicht verweigern, dass Fahnenflüchtige oder Kriegsdienstverweigerer, in der BRD Schutz gesucht, den Ukrainern ausgeliefert werden können, damit nicht später Bundeswehrsoldaten ihren Job machen müssen, bedeutet doch, dass die Ukrainer unseren Job erledigen sollen.
Demokratie als Mittel im Gegensatz zum Militär hat sich dagegen doch in der Geschichte bewährt. Interessant diese Stellen:
1986 begannen Diskussionen über eine komplette Abschaffung von Kernwaffen. Man konnte sich anfangs sogar vorstellen, dies bis zum Jahr 2000 zu verwirklichen. Am 22. Juli stimmte Michail Gorbatschow dem Vorschlag zu, auch alle Mittelstreckenraketen ab 500 km Reichweite in den Vertrag einzubeziehen. Knackpunkt der Verhandlungen war die von sowjetischer Seite eingeforderte Einbeziehung eines Stopps der amerikanischen Initiative, ein Abfangsystem gegen Raketenwaffen, genannt SDI, zu entwickeln.
Kurz vor dem absehbaren Ende – und Scheitern – der Verhandlungen vereinbarten Gorbatschow und Reagan einen weiteren, nach dem Protokoll nicht vorgesehenen Termin. Bei dieser Verlängerung machte Reagan einen mit seinem Verhandlungsteam vorher nicht abgestimmten Vorschlag, der auch Gorbatschow und seine Delegation erstaunen ließ: „So machte ich dann am späten Nachmittag dem Generalsekretär einen völlig neuen Vorschlag: Ein zehnjähriges Aussetzen der Entwicklung von SDI und im Gegenzug die komplette Vernichtung aller Raketen aus den jeweiligen Arsenalen unserer beiden Nationen!“[10]
Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten US-Präsident Ronald Reagan und der Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow in Washington den INF-Vertrag, der offiziell als The Treaty Between the United States of America and the Union of Soviet Socialist Republics on the Elimination of Their Intermediate-Range and Shorter-Range Missiles bezeichnet wird. Der amerikanische Senat ratifizierte den Vertrag am 27. Mai 1988. Am 1. Juni 1988, nach Unterzeichnung der Ratifizierungsurkunde anlässlich des Gipfeltreffens in Moskau, trat der Vertrag in Kraft.[11]
Reagan tat dies am Verhandlungsteam vorbei, er handelte so ähnlich wie Jahrzehnte noch zuvor John F. Kennedy, der mit der Sowjetunion den Abzug der Jupiter-Raketen aus der Türkei verhandelte (dafür ließen die Sowjets ihre Stationierungen in Kuba sein). Denn Kennedy tat dies am amerikanischen Sicherheitsrat vorbei. Es waren zwei Fälle wo zwar im Kern die Demokratie nicht umfänglich einer Mehrheitsabstimmung folgte, aber doch, zwischen den Staaten, jeweils einem demokratischen und einem autoritär/diktatorisch geführten Staat, durchaus eine außenpolitische Demokratie vorherrschte.
Man könnte fast auf heute übertragen, in dem Sinne verhält sich der Westen derzeit autoritär gegenüber Russland und nicht demokratisch.
Dass Amerika 2021 verzichtet hatte über den Beitritt der Ukraine in die Nato mit Russland zu verhandeln, durchaus hätte man dies an der Seite der Ukraine machen können, um den Krieg zu verhindern machen müssen, war nicht demokratisch. Es hat der Ukraine nichts gebracht, dass man damals auf die Bündnisfreiheit der Ukraine pochte. Liberalismus ist nicht immer gleich Demokratie. Aber Demokratie befreit zum Liberalismus.
@lawandorder hatte vor ein paar Tagen folgendes gepostet in einer Diskussion:
Ich frage in die Runde: Ist jetzt die Bereitschaft und Möglichkeit zur Ausübung militärische Gewalt Voraussetzung für demokratische Staaten oder die Demokratie in den Staaten und unter den Staaten an sich - vielleicht so wie in den Beispielen mit Reagan und Kennedy und jeweils Gorbatschow und Chruschtschow?
das ist Unsinn. Die Ukrainer verteidigen ihr Land, wir helfen ihnen dabei.
Deswegen bliebt es aber doch zuallerst ihre Aufgabe.
gegenüber einem Angriffskrieg? wann soll das denn gewesen sein?
man könnte fast meinen, dass Du keine Ahnung hast, was die Begriffe bedeuten.
Wie kann sich denn ein Staat gegenüber einem anderen „demokratisch“ verhalten, mit dem er in keiner Bündnis- oder anderen geregelten Beziehung steht?
Eine sinnlose Frage.
Du unterstellst einen Gegensatz, ein Entweder-Oder, das nicht existiert.
Der einzige Grund, warum Russen und Amerikaner verhandeln oder verhandelt haben, ist eben die Tatsache, dass beide Angst vor den militärischen Möglichkeiten des anderen haben, insb. vor den Atomwaffen.
In diesem Sinne ist
Mit der Ukraine hat Putin nicht verhandelt. Warum wohl?
Es gibt doch zwei Gedankengänge die den Rahmen abbilden, ansonsten hast Du ja Recht:
Das eine ist, wie helfen wir ihnen, helfen wir ihnen nicht auch dabei, wenn wir dafür sorgen, dass Krieg, die Realität in der Ukraine, aufhören kann, damit die Angehörigen wieder zusammen kommen können. Wenn ich jemanden bei mir aufnehme, interessiert mich sein Schicksal, auch wenn ich es nicht selber teile. Wir nahmen viele Ukrainer auf, also haben wir ein normales Interesse daran, diesen aufgenommenen Ukrainern mehr als nur mit der staatlichen Notversorgung, bzw. der Integration in den Arbeitsmarkt zu helfen. Das sind wir Deutschen den Ukrainern auch schuldig (unsere Geschichte).
Das Andere ist die Sichtweise: Wenn Du es bejahen würdest, dass die Ukrainer ihren Krieg gegen Russland auch für uns, für den demokratischen, freien Westen, für Europa führen, den Karlspreis haben sie schon, dann ist es doch unmoralisch sie selber dem Krieg auszuliefern, anstatt mit allen Möglichkeiten unseres Staates zu helfen, oder sehe ich das falsch?
Es ist nicht alles eine Suppe in der wir uns befinden: Finnen, Balten, Polen, Ukrainer, Georgier, Moldauer haben doch sicherlich eine anderes Erleben der russischen Aggressionen als wir. Also haben wir mit unserer Zurückhaltung (dank Olaf Scholz) noch immer die besten Möglichkeiten einzugreifen. Annalena würde der Sache schon genügend Pfeffer geben.
In der Tat endeten die allermeisten Kriege am Verhandlungstisch. Und es waren oft auch Staaten mit an dem Verhandlungstisch, die nicht direkt beteiligt waren. Die Minsker Verträge zum Beispiel, die Versuche waren nicht verkehrt. Leider war der Zeitraum genau in der Administration Trump gewesen. Mit mehr Glück hätten wir noch Obama gehabt und die Amerikaner hätten mit am Verhandlungstisch gesessen.
Der Krieg ist doch einer zwischen der Ukraine und Russland. Alle großen Worte des Westens sollen der Ukraine Mut machen. Man möchte nicht mehr als nötig hineingezogen werden und steht vor der Blaupause, dass es zum ersten Mal mit einer gegnerischen Atommacht zu einem großen Konflikt gekommen ist. Auf der geostrategischen Ebene ist der Westen doch schon weiter, ich schreibe es ist „Sommer mit Russland“ nicht mehr „Prager Frühling“.
Diesen „Sommer“ gilt es nun zu gestalten. Politik, auch international ist Gestaltung. Lawrow soll einer der höchst anerkannten Diplomaten sein. Viel Gesülze aus Russland ist während eines heißen Krieges normal. Ich weiß noch wie die Sowjets in Afghanistan einzogen. Danach hatten die USA und auch die BRD die Olympiade in Moskau boykottiert, danach war die UDSSR in L.A. nicht dabei. Viel Säbelrasseln, viel Angst, Fulda Gap - was gab es Angst vor den Sowjets und dem Warschauer Pakt! Trotzdem gab es weiter Gespräche (siehe INF-Vertrag – Wikipedia)
Nachdem die Sowjetunion anfangs nur nach einer Rücknahme des NATO-Doppelbeschlusses zu Verhandlungen bereit war, gelang es dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher, die Sowjetunion davon zu überzeugen, dass die Aufnahme von Rüstungskontrollverhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme angesichts der NATO-Nachrüstung auch im sowjetischen Interesse liegt.
In Münster und Osnabrück wurde ewig der westfälische Frieden verhandelt. Vielleicht ist man in 2024 weiter und schneller. Aber es war auch eine Art Demokratie. Und das sogar während des Krieges!
In der Türkei passierte 2022 Ähnliches, Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, die weit vorangeschritten gewesen waren, warum soll man sich erst bis auf den letzten Mann wegpusten, bevor man miteinander spricht.
Krieg als Ultima Ratio ist in dem Sinne okay, aber grundlegend, sollte doch der Spruch: " Es ist Krieg und keiner geht hin." die Etablierten an der Macht beeinflussen können. Das hatten die Grünen zumindest in ihrem großen Teil, es gab auch ein paar Unterstützer von Minderheiten in totalitären Staaten, die auf Militarismus nicht gänzlich verzichten wollten, früher in ihren Genen gehabt.
Während der Kuba-Krise war es so, dass bereits ein amerikanischer Pilot über Kuba abgeschossen wurde, ein General sogar, meines Wissens nach, der amerikanische Sicherheitsrat forderte Zurückschießen, Kennedy wandte sich telefonisch an Chruschtschow, Castro machte diesen heiß, aber beide, der Amerikaner und der Sowjetrusse vereinbarten etwas, was den Konflikt auflöste.
Bereits wenn sich zwei miteinander um eine Lösung bemühen ist das Teil von Demokratie, sie machen es doch als Abgesandte ihrer Staaten, und der Vertreter/ die Vertreterin eines demokratischen Staates, der ehemalige Fraktionsvorsitzende der CDU/ CSU, Ralph Brinkhaus, fragte letztens nach der Strickjackendiplomatie eines Helmut Kohls, kommt im demokratischen Auftrag als Gewählter/ Gewählte. Das führt zum Austausch der verschiedenen Regierungssysteme. Wir können im Westen nicht von anderen Staaten verlangen, dass diese unser demokratisches System übernehmen. Aber wir bringen unsere Demokratie ein, und sie hat so zumindest die Chance zu wirken!
Das ist in Wahrheit kein Gegensatz, wenn Du der Demokratie Vorrang vor militärischer Gewalt gibst:
Hier meine Antwort dazu zuletzt:
@HarmsCar würde schreiben, wenn er mir endlich mal zustimmen würde, Willy hatte ein Bäumchen gepflanzt gehabt, mit seinen Ostverträgen. Ohne diese frühe Klarheit, dass die BRD auf die Ostgebiete verzichtet, wäre es wohl später für Helmut Kohl sehr schwierig geworden, die Einheit einzutüten. Geholfen hatte Helmut Kohl wiederum, der demokratische Prozess in der DDR. Unsere Landsleute auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs haben möglich gemacht, was vorher unmöglich erschien - mit der Demokratie, sie haben mit den Füßen in Protestmärschen abgestimmt.
Das ist sachlich falsch. Zu der Zeit gab es bereits Gorbatschow, der auf Entspannung gesetzt hatte, Reagan war nicht getrieben von Angst, Gorbatschow deswegen entgegen zu kommen. Manches ist auch redlich!
Doch, er hatte die Minsker Verträge doch unterzeichnet. Er hatte sogar mit zwei ukrainischen Präsidenten verhandelt. Zuerst mit Petro Poroschenko und später hatte er auch mit Selenskyj verhandelt.
Inzwischen schon, nachdem der Bevölkerungsaustausch seit 2014 systematisch vorangetrieben wird. Der englischsprachige Fachausdruck dafür ist „ethnische Säuberung“, ganz im Stil von „judenfrei“. Das hat aber keine Aussagekraft darüber, wer zukünftig die Krim bewohnen wird.
Das liegt vor allem daran, dass Nord Korea und Iran keine Bedenken haben, Artilleriegeschosse, Mittelstrecken-Marschflugkörper und -Raketen nach Russland zu liefern, die jetzt auf die Ukraine niederhageln.
Währenddessen eiert Scholz immer noch wegen der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern herum und von einer Million zugesagter Artillerie-Geschosse ist erst ein Drittel tatsächlich geliefert.
Russland will nicht über Frieden verhandeln, sondern allenfalls durch diplomatische Nebelkerzen den militärischen Erfolg beschleunigen.
Stimmt. Frankreich liefert auch die Begründung für Aufrüstung, Waffen, Abschreckung: „Frankreich macht damit deutlich, dass sie die Angriffe der Ukraine in Russland nicht verurteilen, da sie glauben, dass es von Russland selbst verursacht ist.“
Man sollte dabei unterscheiden zwischen
Angriffen der Ukraine auf militärische Ziele (Zerstörung von russischen Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen weit hinter der Front): Absolut legitim!
Angriffe auf russische Militärblogger und hochrangige Militärs: Vergleichbar mit dem, was die USA und Israel mit islamistischen Hasspredigern und hochrangigen Führern von Terrormilizen machen.
Schäden durch abstürzende russische Raketen und Kampfflugzeuge: Dafür kann die Ukraine nichts, aber natürlich bringt es ihr militärische Vorteile.
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Cartoon aus dem britischen Daily Mirror vom 16. Mai 1940.
Das halte ich für antirussisches und populistisches Gerede. Ich verurteile klar den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands, daran gibt es nichts zu deuteln, dieser ist mir zuwider. Allerdings ist mir dieses Herumerzählen, an allem ist Russland Schuld und alles Begründen auf Grund der Politik Russlands, genauso zuwider - nur anders zuwider.
Siehe:
Die Bevölkerung an der Nase herumführen nenne ich das, und dafür Russland als Sündenbock für den Kneipenstammtisch erfinden. Ist insbesondere bei den Grünen immer wieder die selbe Schallplatte, wie einst Live ist Life von Opus. Aber so einfach ist das Leben und Politik nicht und so dumm sind die Bürger nicht.
Das war gar keine Wertung von mir. Mir ist es ziemlich egal welche Ethnie auf der Krim vorherrschend wohnt und lebt. Auch die Situation nach 2014 wollte ich gar nicht bewerten, eher noch sollte doch an die Zukunft gedacht werden, wenn die Ukraine (und das haben sie doch vor) die Krim zurückerobern wollen. Oder verlangst Du dann eine Ausweisung aller Russen auf der Krim?
Ich habe lange keine klare Verurteilung des russischen Angriffskrieg mehr gehört, wie die zuletzt des französischen Präsidenten. Vielleicht konnte er das so deutlich machen, weil er in der Vergangenheit zum Beispiel von russischen Sicherheitsinteressen gesprochen hatte, um die es eines Tages gehen wird. Dafür war er damals stark kritisiert worden. Von Abschreckung und Ähnlichem war in seinen Worten gar nichts zu vernehmen. Es war eine Reaktion Macrons auf den ukrainischen Angriff auf die russische Grenzstadt vor einigen Tagen.
Ich denke an der Stelle im Detail genauso wie Du. Was hatten unsere Flugzeuge über Groß-Britannien zu suche?. Was hatte das Hakenkreuz in Paris verloren? Was unsere Wehrmacht bei Dünkirchen in Frankreich? Dass Churchill nicht mit dem Angebot Hitlers eines Waffenstillstandes einverstanden war, ist doch klar.
Aber nun haben wir es nicht mit einer „Wehrmacht“ zu tun, die Halbeuropa besetzt hält, sondern mit einem Angriff Russlands auf die Ukraine, mit heftiger Reaktion des Westens. Gerade die Verurteilung und die Politik zur Zurücknahme des Völkerrechtsbrechens böte die Chance, dass ein Konflikt zwischen der Nato (dem Westen allgemein) und Russland seit etwa 2007, an der Stelle zusammenrückt, wo man der Ukraine in die westliche Integration helfen kann. Und das bei aller Erfahrungen, von der Ur-Katastrophe des 1. Weltkrieges angefangen, über den 2. Weltkrieg, bis zum Fall des Eisernen Vorhangs.
Dmitri Anatoljewitsch Medwedew war von 2008 bis 2012 Präsident Russlands und anschließend bis 2020 Ministerpräsident der Russischen Föderation. Medwedew ist außerdem seit 2012 formal Vorsitzender der Partei Einiges Russland und seit 2020 stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates der Russischen Föderation.
Als zentraler Repräsentant der russischen Machtordnung hat er auf seinem Telegram-Kanal erneut der Ukraine das Existenzrecht abgesprochen:
Warum die Ukraine für ihre Bewohner gefährlich ist
Die Existenz der Ukraine ist für die Ukrainer tödlich. Und ich meine nicht nur den aktuellen Zustand, das politische Regime von Bandera. Ich spreche von jeder, wirklich jeder Ukraine.
Und warum?
Das Vorhandensein eines unabhängigen Staates auf historischem russischem Territorium wird ein ständiger Grund für die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten sein. Dafür ist es zu spät. Wer auch immer an der Spitze des krebsartigen neuen Gebildes namens Ukraine steht, er wird seiner Herrschaft keine Legitimität verleihen und dem „Land“ selbst keinen rechtlichen Status verleihen. Und deshalb wird die Wahrscheinlichkeit eines neuen Kampfes auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben. Praktisch immer. Außerdem besteht eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit eines neuen Konflikts, ganz gleich, welche Sicherheitspapiere der Westen mit dem Marionettenregime in Kiew unterzeichnet. Weder die Assoziierung der Ukraine mit der EU noch der Beitritt dieses künstlichen Landes zur NATO werden ihn verhindern. Es kann in zehn oder fünfzig Jahren passieren.
Deshalb ist die Existenz der Ukraine für die Ukrainer fatal. Letzten Endes sind sie praktische Menschen. Egal wie sehr sie sich jetzt wünschen, dass die Russen sterben. Egal wie sehr sie die russische Führung hassen. Egal wie sehr sie danach streben, der mythischen Europäischen Union und der NATO beizutreten. Bei der Wahl zwischen ewigem Krieg und unvermeidlichem Tod und Leben wird sich die überwiegende Mehrheit der Ukrainer (naja, vielleicht mit Ausnahme einer minimalen Anzahl eingefrorener Nationalisten) letztendlich für das Leben entscheiden. Sie werden verstehen, dass das Leben in einem großen Gemeinschaftsstaat, den sie jetzt nicht mehr so sehr mögen, besser ist als der Tod. Ihr Tod und der Tod ihrer Lieben. Und je früher die Ukrainer das erkennen, desto besser.
Ich würde Medwedew zustimmen, wenn es sich bei der Ukraine um einen „ethnisch reinen“ ukrainischen Staat handeln sollte. Meines Wissenstands war dies die Maxime des Asow-Regiments gewesen, die dem Osten der Ukraine, eine einheitlich ukrainische Identität überstülpen wollten.
Meine volle Zustimmung hat daher dieser vorstehende Teil des Medwedew-Zitats. Für mich ein klarer Grund mit Russlands Regierung in Gespräche zu treten, sobald diese mit einem Waffenstillstand einverstanden sein wird. Vielleicht sind dafür zurzeit die Ukrainer weniger zu überzeugen. Aber genau das sollte die Aufgabe des Westens sein.
So hat das zumindest die russische Propaganda dargestellt, die bei vielen den Wissensstand prägt.
Vielmehr ging es dem an Moskau orientierten Bevölkerungsanteil darum, wenn schon nicht in Kiew, dann wenigstens in der Ostukraine die volle Macht zu behalten. Das führte zur gewaltsamen Übernahme der Verwaltungsstrukturen und der Bekämpfung paramilitärischer ukrainischer Kräfte bis hin zum Abschuss des aus den Niederlanden gestarteten Verkehrsflugzeugs MH17.
Das passt aber nicht zu Deinem bisherigen Vorschlag, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, bevor sie „in einem großen Gemeinschaftsstaat“ von diesem geschluckt wird.
Das Problem an der russischen Regierung ist, dass sie ab und zu einen Krieg anzettelt, um das Volk wieder zu einen. Sagt Lawrow selber. Wenn die Ukraine weg ist, kommt das nächste Land an die Reihe.
Das ist so eine Aussage, mit der ich nichts anfangen kann…
Die Ukraine ist zunächst ein autonomes Staatsgebilde, in dem - wie in allen anderen Ländern dieser Erde - Menschen mit sehr verschiedenen soziokulturellen Wurzeln (Ethnien?!) leben.
Die Aussage ist also völlig inhaltsleer und/oder unüberbietbar trivial.
Genauso wie die Frage, wer historisch mal über eine Region geherrscht hat…
Das ist aber völlig belanglos.
Der Grund für solche Angriffskriege ist also niemals die Frage nach der Zusammensetzung der aktuellen Gesellschaft (sonst könnte die Türkei längst gegen Deutschland Krieg führen) oder die Frage nach den historischen Gegebenheiten (sonst könnten wir fast ganz Polen vereinnahmen oder die Italiener mit Verweis auf die alten Römer fast ganz Europa)…
Der Grund ist vielmehr immer ein aktueller Herrschaftsanspruch, der einzig der Ausweitung der Macht dient - und dieser ist so illegetim, dass er nur - völlig ohne Verhandlungen - von der Staatengemeinschaft zurück gewiesen werden muss (=> Verstoß gegen das Völkerrecht).
Die einzige Ausnahme ist, wenn das autonome Land selbst zu einer Abtretung bereit ist - wenn also Frankreich freiwillig Gebiete an Italien „zurück geben würde“ (oder Polen an Deutschland) - daher mein Verweis darauf, dass die Ukrainer die einzigen sind, die über mögliche Gebietsabtretungen im Rahmen von Verhandlungen zu entscheiden haben.
By the Way - so ein Satz könnte auch von einem deutschen Faschisten und möglichen Bundeskanzler Namens Bernd Höcke in Bezug auf Polen stammen - er ist in beiden Fällen ebenso falsch wie nichts desto Trotz auf Überzeugung fussend - und nicht mal so aus einer Laune heraus nur billige Bierzeltrhetorik - da stecke eine echtes - brandgefährliches - Weltbild dahinter, dem man sich mit allen Kräften entgegen stämmen muss!
Auch hier wieder die Frage - was wäre, wenn dee Türkische Präsident so etwas über die in Deutschland lebenden Türken sagen würde - völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage?
Die Antwort würde in jedem Falle doch lauten (müssen), dass - egal wie die menschliche Projektion sich die Verhältnisse so zusammenwünscht (sei es im Rückgriff auf die Historie oder im Vorgriff auf sich verschieben Mehrheiten) wäre die Antwort immer: wenn es Dir hier nicht passt, kannst Du jederzeit auswandern - Deine Projektion passt nicht zum augenblicklichen Status Quo - und eine gewaltsame Veränderung verbietet sich absolut!