Chinapolitik neu ausrichten?

Das Prinzip sich abhängig zu machen, weil’s kurzfristig billiger/überhaupt verfügbar ist, ist dasselbe (man könnte eben auch vorübergehend (wie wir das dann eher aus der Not geboren mit Erdgas - zugegeben auch ein wenig durch den milden Winter) gemacht haben, 30% einsparen/verzichten)
Derzeit gilt dann aber wieder - Hauptsache: schnell, viel und billig - Nachhaltig- und Unabhängigkeit muss dann schnell mal hinten anstehen - ich habe doch tatsächlich geglaubt, Grüne DNA sähe anders aus - aber seit wir an der Regierung sind … :frowning:

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Unser Wirtschaftssystem hat erst mal wenig mit FDP oder nicht zu tun.
Es ist wie es ist.
War auch nur eine Feststellung und keine Wertung.
Habe ja auch Optionen beschrieben.

War auch erst mal nur eine Feststellung.
Kannst ja mal als Grüner versuchen: „Leute die Solarmodule sind jetzt viel teurer weil ihr sie nicht mehr aus China beziehen dürft.“
Kannst du dich noch erinnern, wie sich beschwer wurde als die Dumpingzölle auf Solarmodule erhoben wurden?
Dann haben wir als Grüne das nächste Problem am Hals, weil wir dann als Abwürger des Solarbooms da stehen.
Ja, das Problem ist nicht banal.

Ich habe ja gar nicht dagegen argumentiert.
ich habe nur die Problematik beschrieben.

Aber du siehst ja gleich die Reaktion:

Ich verstehe Dich! Ein großes Problem ist, dass in der Wahrnehmung der Wähler - natürlich befeuert von Söder und Konsorten - die Grünen als „Verbotspartei“ dastehen - das ist aber erstens keine sachbezogene Kritik, sondern „nur“ eine Frage der Perspektive …
Gleiches gilt auch für die Reaktionen hier im Forum (z.B. von @bieserGu) - die Verlangsamung durch einen Importstopp aus China ist nur so lange richtig, so lange davon ausgegangen wird, dass der Verbrauch gleich bleibt - der Verbrauch ist aber nicht zwingend mit der „Systemfrage“ verknüpft - so ist ein geringerer Konsum von höherwertigeren Produkten vielleicht den derzeitigen „möglichst viel“ vorzuziehen - ohne damit bereits Kapitalismuskritik als ganzes in den Raum zu stellen …
Daher ist die „Feststellung“ des „freien Marktes“ doch auch bereits eine Wertung - da wir schon genügend Eingriffe in eben diesen praktizieren - und zumindest auch weiterhin andenken sollten - insbesondere, wenn sich einige Dinge weiterhin so verknappen …

Das verstehe ich nicht. Eine gewisse Abhängigkeit wird es in einer globalen Wirtschaft immer geben. Ich habe überhaupt keine Einwände, dass sich Deutschland möglichst autonom macht, einsparen ist natürlich auch eine gute Option. Ich bin mir aber sicher, dass bei den jetzigen Energiepreise in der Wirtschaft so weit wie möglich Energie gespart wird. Die Feststellung, dass jetzt wieder möglichst viel gelten soll, zumal wir jetzt auch noch in einer Rezession sind, wird sich wohl kaum in Zahlen belegen lassen. Ich halte allerdings Tempo bei den erneuerbaren Energien tatsächlich für zwingend erforderlich, nicht nur wegen des Klimawandels , sondern tatsächlich auch zur Stabilisierung unserer Wirtschaft, denn auch bei der EE findet Wettbewerb statt.

Da ich auch kein FDP´ler bin, halte ich den Eingriff in freien Markt durchaus für sinnvoll und die Marktwirtschaft ( sprich Kapitalismus) würde ohne staatliche Eingriffe ohnehin nicht funktionieren.
Die Frage ist nur was und wie. Großkonzerne wie Intel zu subventionieren, auch wenn die dann in Deutschland produzieren, kann auch keine Lösung sein.

@Hedi , @bieserGu
Also das mit der FDP nehme ich zurück - das war niveaulos …

Ich muss auch zugeben, dass von all meinen vielen Feldern der Unwissenheit die Wirtschaft und deren Zusammenhänge mit Abstand die Größte ist - natürlich ist es illusorisch in einer global vernetzten Welt, auf völlige Autonomie zu setzen; und sicher gibt es keine vertraglich fixierte Zusicherung, die nicht auch - vor allem langfristig, trotzdem unkalkulierbare Restrisiken der ausnutzbaren Abhängigkeit birgt - ich schaue mir nur das Szenario mit dem Russischen Gas an, und projizieren das auf eine - mögliche - sich anbahnende Problematik mit chinesischen Halbleitern/Solarmodulen an, in der ich ähnliche Strukturen zu erkennen glaube - so gesehen muss ich mein Statement also in die Frage unformulieren, ob ihr die Gefahr anders bewertet als ich - und, wenn ja, wo mein Denkfehler eurer Meinung nach liegt/liegen könnte …

Vielleicht liegt er in der Annahme, dass Deutschland noch irgend etwas allein hinkriegen könnte?

Bei uns ist aber inzwischen das Anspruchsdenken (nicht nur das materielle, sondern auch das moralische und juristische) in der gesamten Gesellschaft so groß geworden, dass wir ohne Kooperation mit Ländern, in denen Menschen unterdrückt werden, vielleicht sehr dumm aus der Wäsche gucken würden?

Das mag sein …
Was ist daraus dann die Schlussfolgerung? Das so hinzunehmen, in der Hoffnung, dass das lange genug - auf Kosten besagter Unterdrückter - für uns gut geht (zumindest für das eigene Leben)?
Oder in der unbestimmten Hoffnung, dass - da die Zukunft nun mal prinzipbedingt offen bleibt - bald ein noch unentdeckter Mechanismus greift, der dieses Ungleichgewicht wieder geraderückt?

Es muss wohl an mir liegen, dass ich immer wieder - beratungsresistent?! - an den gleichen Stellen scheitere bzw. mich im Kreis drehe - Ich kann nur hoffen, dass das an meinem weiter oben bereits eingeräumten Unwissen und/oder dem Unvermögen, die Dinge konstruktiv zu rekombinieren, liegt - und nicht etwa daran, dass ich diese Dinge richtig einschätze (Puh, jetzt nur kein Abgleiten in depressives Selbstmitleid, das sich ganz zwanglos aus beiden Varianten herleiten ließe :woozy_face:

Zunächst, nachdem man es erkannt hat, kann man es gut oder schlecht finden.

Wenn man es gut findet, einfach weiter machen wie bisher.

Wenn man es schlecht findet, entweder weniger komsumieren, oder man könnte bereit sein, Leute im eigenen Land unter schlechteren Bedingungen arbeiten lassen, zur Arbeit zu zwingen oder selbst zu produzieren (mit den eigenen Händen).

Das ist für mich schon ein Denkfehler. Wir kooperieren ja nicht direkt mit China ( gibt nicht einmal ein Handelsabkommen) und auch nicht mit vielen anderen Ländern. Sie sind aber Teil des Welthandels, und wir importieren ( meist exportieren wir allerdings mehr) Waren von diesen Ländern.
Teil des Welthandels sind aber nicht die Staaten sondern meist große Unternehmen, die sich national nur bedingt einordnen lassen ( BASF und VW produzieren z.Bsp. auch in China). Wäre es tatsächlich für die Menschen in diesen Ländern besser, wenn wir nichts mehr von diesen Ländern importieren würden?
Nach meiner Meinung nicht, es würde dort zu noch mehr Arbeitslosigkeit und Verarmung führen.
Was wir mehr steuern müssten ( und da gibt es ja Ansätze), ist dass in diesen Ländern die Produktionsbedinggungen besser werden und die Leute von ihrer Arbeit besser leben können. Und das gilt auch für eigentlich demokratische Länder wie Indien oder Bangladesch.
Bei diesen Fragen sollten wir uns mehr als teil einer Weltgemeinschaft fühlen und da ist eine Abkopplung eben grundsätzlich falsch.

Was für eine Erleichterung! Genau das wollte ich hören. Denken ist sowieso Glückssache, und eigentlich ist es auch viel bequemer, einfach so weiter zu machen und nebenbei große Reden zu schwingen über Dinge, die wir nicht zu entscheiden haben. (Sarkassmus off).

Das heißt, du willst Indien, Brasilien, China usw. vorschreiben, wie sie zu produzieren haben? Viel Spaß.

Die Ansätze (ich vermute du meinst das Lieferkettengesetz) funktionieren mehr schlecht als recht.

Ich halte ein Lieferkettengesetz für den richtigen Weg, aber es würde dazu führen, dass wir tatsächlich mehr selbst produzieren oder für die Importe mehr bezahlen müssten. Wer will das?
Bitte ein Herzchen unter diesen Beitrag.

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Sehr gerne, wenn das Geld zumindest überwiegend bei den Arbeitern ankäme. Wenn das z.B. ein Euro pro Jeans wäre, würde das den Lohn der/s Näher/in vermutlich locker verdoppeln.

Ich glaube nur nicht, dass das Lieferkettengesetz funktioniert, dass die Ketten wirklich korrekt nachverfolgbar sind.

Im Zeitalter der Digitalisierung wäre es cool, wenn du direkt mit dem Näher unter Öffentlichkeitsbeteiligung chatten könntest und ihn fragen, ob das bei ihm ankommt.

Von abkoppeln ist ja auch nicht die Rede, sondern von Derisking.
Wir können mit China weiterhin Handel treiben, aber unter fairen Bedingungen und so, das wir, wenn nötig, auch ohne China klar kommen.

Da wird es sicherlich Probleme geben. Aber denke mal an die europäischen Textilmarken, bei denen es sich sehr leicht nachweisen lässt, wo sie produzieren lassen. Die ist die Lieferkette nicht besonders lang. Wenn es klappt, freuen sich die Arbeiter in Bangladesch und Indien. Es gibt draaüber hinaus noch andere Maßnahmen wie die Fair Trade Produkte, was auch Hoffnung machen kann. Ich sage ja nicht, dass daduch gleich die ganze Weltwirtschaft umgekremmpelt werden kann, aber Nichtstun ist ja auch keine Option.

Ich gehe mal davon aus, dass wir in der Mehrzahl für die Importe mehr zahlen müssten, weil das immer noch billiger wäre, wie in Deutschland zu produzieren. In der Mehrheit reden wir aber nicht über fertige Produkte ( gilt jetzt nicht für China), sondern über Rohstoffe und Zuliefererprodukte. Bsp. an einer Banane verdient ein Arbeiter gerade mal 4% des Verkaufspreises. Angenommen 1KG Bananen kostet
€ 2,00, dann erhält der Arbeiter hiervon 8 Cent, würde man sein Verdient verdoppeln , müßte der Verbraucher gerade mal 2,08 Cent für das Kilo bezahlen. Das müssten uns faire Bedingungen wert sein.
Unabhängig davon, ein angemessener Preis für eine Ware müsste doch danach bemessen werden, dass alle in der Kette das verdienen, was sie für einen menschenwürdigen Unterhalt benötigen.

Sorry, den „Denkfehler“ habe ich vom Beitrag von HarmsCa übernommen und dir fälschlicherweise zugeordnet. Der Ausdruck war hier sicherlich nicht angemessen.

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das ist der Punkt, wo ich immer ins Grübeln komme.

Wir beklagen die schlechten Arbeitsbedingungen in China, Vietnam, Kambodscha, wo auch immer, und sind entsetzt über die Unternehmen, die sowas zulassen.
Gleichzeitig stellen wir fest, dass es den Menschen ohne diese Arbeit noch schlechter ginge.
Was ja auch logisch ist, weil sie ansonsten diese Arbeit nicht machen würden.
D.h. wir legen unsere Messlatte an die dortigen Arbeitsbedingungen an und verkennen (oder wollen nicht sehen), dass es für die Menschen einen Fortschritt bedeutet, zu diesen Bedingungen zu arbeiten.

Diesen Widerspruch und das Problem laden wir dann bei unseren Unternehmen ab und quälen diese mit solchen Sachen wie einem Lieferkettengesetz.
Dann können wir uns wieder moralisch sauber fühlen, die bösen Konzerne sind verantwortlich und sollen es gefälligst richten.

Ich finde das scheinheilig.
Entweder wir kaufen das Zeug und akzeptieren, wie es produziert wird. Oder wir lassen es und kaufen woanders.
Wir wollen aber beides: billige Produkte ohne schlechtes Gewissen.

Dabei wird auch nicht berücksichtigt, welche FOlgen das für die Arbeiter hat.
Was ist denn, wenn infolge des LieferkettenG die Arbeit teurer wird und die Produkte nicht mehr gekauft werden? Dann werden die Leute arbeitslos und es geht ihnen schlechter als vorher.
Wir pflegen also möglicherweise unseren moralischen Hochmut auf Kosten der Menschen, die wir angeblich schützen wollen.

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Ich sehe Deinen Widerspruch nicht so scharf.

Die Beschäftigten sollen einen angemessenen Lohn bekommen, das heißt in dem jeweiligen Land ein auskömmliches Leben führen können. Wie hoch der Lohn ist hinge damit von den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land ab. Das wäre in vielen Ländern immer noch deutlich unter europäischen Löhnen.

Es sollte aber auf jeden Fall sichergestellt sein, dass die Arbeitsbedingungen menschenwürdig sind, ausreichend Brandschutz, keine Kinderarbeit, usw.

Dadurch würden sich die Preise etwas ehrhöhen, ich vermute eher im einstelligen Prozentbereich, weil die Lohnkosten nur einen geringen Anteil ausmachen. Ich habe allerdings jetzt dazu keine Zahlen parat und gerade keine Zeit zum Recherchieren.

Was immer die Mehrkosten wären, wir sollten bereit sein, die zu zahlen. Das Problem ist nur, wie können wir das durchsetzen?

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„Wir sollten“ ist halt ein moralischer Ansatz.
Entscheidend ist, ob genügend Kunden tatsächlich bereit „sind“ und es dann auch tun.
Und zwar weltweit, nicht nur bei den Mitgliedern der Grünen in D.
Ich persönlich zahle gerne einen Aufschlag für bessere Produktionsbedingungen, von mir aus 20% oder auch mehr. Aber ich bin nicht entscheidend.

Was ist, wenn nur wir für unsere Unternehmen die Lieferkette verbessern, aber der Rest der Welt produziert weiter zu geringeren Standards und Kosten? Wenn dann „unsere“ teureren Waren nicht mehr gekauft werden, verlieren genau die Leute ihre Arbeit, deren Situation wir verbessern wollten.
Kann man dieses Risiko ausschließen?