Chinapolitik neu ausrichten?

Das kann man sicher nicht ganz ausschliessen und ist ein Problem. Deshalb ist es richtig, das Lieferkettengesetz auf der EU- Basis zu verabschieden. Die EU ist aber schon ein großer Markt und viele Produzenten sind ja auch von den europäischen Firmen als Abnehmer abhängig. Bsp.: Ein Textilunternehmen in Bangladesch, dass bisher fast ausschliesßlich für C&A oder KiK prouziert hat, kann nicht einfach seine Waren woanders verkaufen ( neuer Abnehmer ist schwierig, außerdem gibt es Vorgaben für das Label etc.). Natürlich besteht jetzt die Gefahr das die Produkte aus Bangladesch ( Bsp.) teuerer werden und nicht mehr gewinnbringend verkauft werden können ( dann würden tatsächlich die Arbeiter arbeitslos). Allerdings wenn das Gesetz in ganz Europa gilt, wird es schwierig( hoffentlich unmöglich) für die deutschen Firmen woanders billiger einzukaufen . Die zusätzlichen Kosten, die durch humanere Produktion entstehen, dürfen deshalb nicht so hoch werden, dass die Händler in der Kette diese nicht mehr auffangen können oder an die Kunden weitergeben können ( also Kunden müssen diese akzeptieren). Das sind sicher Eingriffe in den freien Markt, aber die sind ja nicht neu und für das kapitalistische System sogar erforderlich. Wir haben doch auch unsere sozialen Standards, die teilweise hart erkämpft wurden. Jetzt gilt es halt diese global umzusetzen. Ich gebe zu, dazu reichen vermutlich nicht nur Massnahmen der Importländer, sondern muß sicher auch was vor Ort passieren. Aber Nichtstun ist auch schlecht, es geht übrigens nicht nur um den Lohn und Gesundheit der Arbeiter, sondern auch um gesundheitliche Risiken von Anwohner und ökologische Schäden.

Ich verstehe zwar sowohl die Argumentation als auch das beschriebene Dilemma - das kennen wir schon aus anderen Diskussionen (z.B. beim Klimaschutz - und speziell bei den 2% CO2-Ausstoss) …

Was genau resultiert aber daraus - das eigentliche Problem hinter "wenn wir es tun, gibt es genügend, die es nicht tun - „bestenfalls“ verlieren die durch unsere mangelnde Nachfrage ihren Job - schlimmstenfalls sinkt unser Status Quo, weil wir nicht aber alle anderen immer noch davon profitieren - ist die Antwort wirklich die, so lange zu warten, bis die Politik den Globalisierungsschritt tut, den die Wirtschaft schon hinter sich hat? Erstens werden wir wahrscheinlich sehr lange warten müssen, und zweitens verlagern wir auch hier wieder ein Problem der globalen - in diesem Fall sozialen?! - Spannungen nur auf spätere Zeiten - in der Hoffnung, dass besagter Globalisierungsschritt noch rechtzeitig erfolgt…

Was den Lohn angeht, so sehe ich das wie @bieserGu - es kann nicht gleich darum gehen, westliche Standards ad hoc durchzusetzen - sondern eben nur, unter vor-Ort- Bedingungen ein mittelständiges Auskommen zu haben …

Was das Thema „Gewissensberuhigung“ angeht, so ist auch ein zweischneidiges Schwert, das ich in diesem Zusammenhang durchaus bedenkenswert finde - unserer Strinzeitemphatie reich nun mal nicht für den Afrikaner oder den Asiaten - warum also „heucheln“ - anderseits sind wir so stolz auf unsere kognitiven Fähigkeiten, mit denen wir unsere emotionalen Defizite und die daraus resultierenden Fehlentscheidungen korrigieren können - hier gilt es, sich zwischen diesen beiden zu entscheiden …

Richtig. Aber die haben WIR erkämpft, die haben uns nicht fremde Staaten geschenkt.
Wenn die Arbeiter in Asien so gut arbeiten oder so gut organisiert sind oder so gute Alternativen haben, dass sie sagen können „gebt uns 2 EUR/h mehr oder wir streiken oder kündigen“, dann ist es soweit, dann schadet diese Forderung nicht.
Wenn wir aber aus der Ferne in Märkte eingreifen, die wir weder kennen noch verstehen, weiß niemand, was das für Folgen für die Leute da hat.
Müssen wir denn immer die ganze Welt retten?!

Naja - wenn der afghanische Markt nicht so unbedeutend für uns wäre, hieße das dann, dass wir natürlich trotz des Entzugs der Frauenrechte natürlich mit den Taliban intensiven Handel aufgenommen bzw. so weitergeführt worden wäre wie mit der Vorgängerregierung - auch hier gilt gemäß dieses Gedankengangs: wir wissen gar nicht, was wir mit dem derzeitigen Embargo anrichten - es könnten Menschen in ganz existenzielle Krisen gestürzt werden
Letztlich geht es wohl weder in China noch in Afghanistan um Menschenrechte - sondern nur um die Frage, was für uns und unsere Wirtschaft wichtig ist - dann ist aber das Embargo gegen Afghanistan scheinheilig - und stürzt dort Menschen zudem in existenzielle Krisen…
Wie kann es sein, dass bei zwei Systemen, die ähnlich menschenrechtsverachtend sind, zwei völlig unterschiedliche Mechanismen angewandt werden?

Ich bin gerade auf diese Dokumentation hier gestoßen

Zum einen muss man sagen es ist ja wirklich nicht von der Hand zu weißen dass sowas existiert aber dann tatsächlich es zu wissen dass das so ist ist dann doch schon wieder eine neue Qualität.

Um die Situation einzustufen mal tatsächlich denen gehört zu schenken die es tatsächlich auch betrifft darüber sollte man mal nachdenken und vielleicht auch danach handeln.

Schmusekurs oder harte Kante „großesFragezeichen“, ob der Schmusekurs aktuell wirklich das Richtige ist. Denn solange wir mit solchen Staaten Handel betreiben stärken wir sie ja in ihrem Tun, stärken sie wirtschaftlich und politisch.

Deutschlands Kurs „Wandel durch Handel“ funktioniert definitiv hier nicht wenn Wandel nicht gewollt, ist Diktaturen kann man nicht ändern, zumindest nicht von oben.

Das größte Problem sind wirklich die letzten Jahrzehnte in denen sich sogar die ganze Welt abhängig von China gemacht hat, sogar die USA haben sich in eine Abhängigkeit mit China begeben.

Nun man kann ja in gewisser Weise der Meinung sein, soll jedes Land machen was es will, wenn da nicht die Menschenrechte werden und wenn dann nicht die Situation entstünde dass die Menschen die zu uns kommen Schutz suchen und eine Zukunft suchen ungewollt ihre Probleme mit hierher bringen und genau da hört der Spaß auf da bedarf es einer harten Kante, denn da werden Grenzen um Welten überschritten.

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In China (auch Russland) hoffte man auf eine Verbesserung der Lage. War ja auch eine Zeitlang so.
Wandel durch Handel eben. Jetzt kommt man da nur schwer raus.
In Afghanistan hat man diese Hoffnung eben nicht und hat auch nichts zu verlieren.

Wieso? Funktioniert doch! Die Importe von russischem Erdgas haben hier eine Menge von „Russlandfreunden“ hervorgebracht, die Nord Stream 2 wieder in Betrieb nehmen wollen. Und eine Menge von China-Begeisterten, die vor lauter billigen PV-Modulen und Elektroautos die Menschenrechtsverletzungen nicht mehr ganz so wichtig finden. Es ist halt immer die Frage, welche Seite sich durch den Handel wandelt.

„Wandel durch Handel“ könnte man auch übersetzen mit „Jeder ist käuflich.“
Ich befürchte, dass Russland weniger käuflich ist als wir oder die USA.
Einfach weil da die Bevölkerung sich gegen ihre kriegsbedingte Verarmung nicht wehren kann.

Ich glaube die Kunden wären bereit, zumindest in Deutschland. Das wäre doch schon mal ein Anfang.

Entscheidend ist vielmehr, dass es kein System gibt, welches den Aufpreis einigermaßen zuverlässig an die Arbeiter weiterleitet.

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Wieso Schmusekurs? Das ist doch überhaupt nicht die Frage. Wir müssen einfach mal akzeptieren, dass China eine wirtschaftliche Weltmacht ist und wir das nicht ignorieren können. Nicht die Staaten handeln, sondern die Unternehmen und da können und sollten wir auch nicht zu sehr regelemntieren.
Ich bin zwar auch für mehr Autonomie, aber als Ex- Exportweltmeister sind deutsche Firmen Teil der kapitalistischen Weltwirtschaft. Wir spüren doch jetzt schon die Folgen in der Autoindustrie, die den Start für die E- Autos verschlafen hat und jetzt in China Verkaufsprobleme hat. Wandel ist natürlich durch Handel nicht zu erwarten, aber immerhin sorgt das gemeinsame Interesse an dem gegenseitige Handel, dass man in Kontakt bleibt und sich kein gefährliches Feindbild entwickelt.

Sicher auch nicht durch einen Wirtschaftskrieg, der uns am meisten Schaden wird. Mal abgesehn von China, wirtschaftliche Sanktionen haben doch wohl kaum irgendwo zu einen Regimechance geführt.

Da kann es schon Unterschiede geben Die Frage ist ob durch ein Embargo etwas verändert werden kann; Das ist allerdings auch in Afghanistan nicht der Fall ( es fehlt an einer Alternative) insofern ist auch der dortige Boykott falsch und schadet den dortigen Menschen.

Na das ist aber bei Russland und China ganz schön schief gegangen.

Das ist in Russland und China nur sehr bedingt der Fall.

Es geht auch primär sich unabhängiger/weniger erpressbar zu machen. Nicht den Handel einzustellen.
Das sollten wir aus dem russischen Angriffskrieg gelernt haben.

Im Verhältnis von Russland mag ds Feindbild passen, bei China sehe ich das nicht, außer man überträgt das Verhältnis USA zu China auch auf die EU. Das Strategiepapier der Bundesregierung sieht jedenfalls weiterhin im Verhältnis zu China eine ( kritische) Partnerschaft. Richtig ist auch, dasss wir China bei der Energiewende brauchen.

Wenn damit De- Risking und nicht De- Coupling gemeint ist, halte ich das auch für richtig.

China hat den Westen als Feindbild. Und zu dem gehört eben auch die EU.
Die USA hat das verstanden. Wir verdrängen das wie wir es bei Russland verdrängt haben.
Hoffentlich ist es nicht zu spät (wie bei Russland) bis uns die Augen auf gehen.

Da wird es höchste Zeit sich unabhängiger aufzustellen.
Sonst geht es uns da noch irgendwann wie beim Gas aus Russland.

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Machen wir ja zum Glück schon. Mit vielen Milliarden (Intel, TSMC, Infineon). Das haben aber noch nicht alle verstanden, z.B. Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender EVONIK Industries AG gestern bei Hart aber Fair. Er denkt nur an Arbeitsplätze.

Viel Geld für wenig Ertrag.
Diese Hersteller wären damit sowieso nicht nach China gegangen.
Diese High -End Chips kommen sowieso nicht von chinesischen Firmen.
Sich von USA und Taiwan abhängiger zu machen ist nicht das Thema.

Taiwan ist das Thema. Taiwan ist nicht sicher.

Es geht hier darum, sich von China unabhängiger zu machen.
Hast du das nicht mitbekommen?

Und was mit Taiwan, wenn China eskaliert? Verstehst Du das?

Übrigens, formal ist die Republik China (Taiwan) genauso China wie die Volksrepublik China.

Brauchst du mir nicht erklären. Ich habe da Familie.
Nur hier geht es darum, von der Volksrepublik unabhängiger zu werden.

Eben nicht.
Das ist wie mit der BRD und der DDR.
Oder mit Nord- und Süd Korea.
Wurde doch schon wieviel mal hier in verschiedenen Threads erklärt.

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So einfach ist das nicht, wie ist denn China zu dieser Wirtschaftsmacht gekommen? Erst waren wir gierig da wir dort günstig produzieren konnten, die Geldgier war es also.. doch dann war auch China nicht mehr billig genug aber die Chinesen haben die Zeit genutzt und haben kopiert und kopiert letztendlich haben sie es auch kapiert wie man selber all die schönen Dinge herstellt.
All das ist nur durch Technologietransfer möglich gewesen.

Der Terminus be lateraler Gespräche kennst du bestimmt schon irgendwoher, denn sie sind es die zwischen Staaten laufen um wirtschaftliche Abkommen zu erarbeiten um wirtschaftlichen Handel anbahnen zu können und hier hat die Politik versagt. Denn die muss vorgeben wie die Regeln laufen. China für sich hat das super gemeistert doch wir unsere Regierung hat da versagt.

Da das eine das Gegenteil des anderen ist bedingen sich beide wie Ying und Yang und sind quasi ein und dasselbe Thema.