Die Ironie passt an der Stelle weniger. Die Ostpolitik von ihm war gewagt - kurz nach dem Prager Frühling. Es hätte zu Ungunsten der BRD auch in die Hose gehen können. Natürlich ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass seine Missionen auch gestärkt durch die westliche Integration waren, aber deshalb war es auch gewagt, denn die BRD hätte ihre Verbündeten dort auch verprellen können.
Ich sprach in Hamm mal mit einem langjährigen Grünen, ein ganz Interessanter, aus der Türkei geflohen, mit kurdischen Wurzeln und er war Bergarbeiter - irgendwie kein typischer Grüner, aber doch mochte er die Grünen und war sehr lange Mitglied (ob er noch Mitglied ist, weiß ich nicht, wahrscheinlich). Er sagte, Brandt war ein Weltpolitiker.
Keiner konnte danach auf der Mitte/Links-Seite so wieder mobilisieren, wie 1972 Brandt nach dem seine Ostpolitik bei den Konservativen auf Widerstand gestoßen war.
Dazu kenne ich eine Story: Wenn Du mal unten im Süden bist (vielleicht kennst Du den auch schon) kann ich Dir den Zauberwald bei Ramsau (Berchtesgadener Land) empfehlen. Du kannst da wunderschön nur spazieren oder auch wandern und bergsteigen gehen. Du kommst zum Hintersee und kannst da Bötchen fahren.
Mein Bruder hatte damals als Kind dort Spaß, weil er eine Wasserpistole hatte (es geht ein wilder Bach dort durch). Er nervte irgendwann und meine Eltern sagten: „So jetzt ist gut!“ Man nahm ihm die Pistole ab. Mein Bruder hatte in dem Alter einen eigenen Kopf und marschierte trotzig etwa 200 Meter weit voraus vor uns. Der Weg dort ist nicht immer so weit einsichtig und wir vertrauten aber dem Kleinen (ich sechs Jahre älter), dass er kein Mist machte.
Trotzig wie Putin ging er seinen Weg. Irgendwann ergab es sich wohl, dass es natürlich war, dass wir wieder zusammenfanden.
Das sehe ich bei Putin nicht. Isolation und Warten macht ihn und die ganze Clique dort unberechenbarer als wenn man ihn früh genug abholt. Ich finde es ist Starrsinn zu warten. Wir wissen, dass wir im Recht sind, das muss ausreichen für uns. Aus dem Rest müssen wir noch was machen. Das sind wir auch denen bei uns schuldig, die eine diplomatische Lösung des Konfliktes allein aus eigenem Interesse wollen. Viele sind auch gegen die Stationierung der Marschflugkörper. Auch bei mir im Verwandtenkreis - wo ich das gar nicht erwartet hätte (Schwiegervater meines Bruders, war als KFZ Mechaniker bei der Bundeswehr). Die Deutschen wollen keinen Krieg mit Russland.
Helmut Schmidt nannte als eine der Tugenden eines Politikers (er hatte das von dem deutschen Soziologe Max Weber) Augenmaß. Es ist wichtig die Übersicht zu behalten. Die hat man nur wenn man mit seinen Widersachern oder Feinden in Kontakt bleibt. Er blieb auch nach dem von ihm selber inszenierten Nato-Doppel-Beschluss mit Moskau in Kontakt und vermittelte zwischen den USA und der UdSSR, in anderer Mission wie Jahre zuvor Brandt, aber doch auch um Austausch aufrecht zu erhalten.
Quelle: »Das lief in Moskau - Zucker]« - DER SPIEGEL)
Es gibt ein sehr passendes Sprichwort dazu von Marie von Ebner-Eschenbach:
Merkmal großer Menschen ist, dass sie an andere weit geringere Anforderungen stellen als an sich selbst.
Ich hatte mit @HarmsCar oft die Diskussion. Wir stehen zum Völkerrecht so, dass wir es anwenden können. Wir sind nicht das Völkerrecht selber und haben unsere Demokratie auch damit zu verteidigen, dass wir aus ihr heraus mit Russland Kontakt suchen. Internationale Politik ist Demokratie - unsere Bevölkerung würde dankbar dafür sein, wie sie es in sehr großen Teilen einst Willy Brandt gewesen war, sonst hätte er die Wahl 72 nicht so erfolgreich und mit der Unterstützung in sehr großen Teilen der Bevölkerung bestreiten können. Mit Willy Brandt hofften die Menschen auf Frieden!
Quelle: Willy Brandt in Erfurt - ZDFmediathek
Quelle: Wahlkampf 1972: Die Mutter aller Wahlschlachten | ZEIT ONLINE
Quelle: Bundestagswahl 1972 – Wikipedia
Quelle: Carola - Oh, Willy Brandt (GER, 1973) - YouTube
Das ist naiv! Ich sage das nicht alleine selber. Genauso war die Meinung von Westernhagen vor einiger Zeit bei Lanz. Jetzt kann man sagen, der muss das ja wissen, aber ich glaube die Meinung vertritt er nicht alleine!
Die Aktion zur Landung in der Normandie war bis zum Schluss umstritten. Es gab an den Stränden unzählige Tote. Und zu der Zeit waren große Teile Europas von der Wehrmacht besetzt. Das ist nicht vergleichbar. Hitler war ein Fanatiker, während Putin anscheinend rationaler denkt. Das aber wiederum wird ihn vielleicht nicht an taktischen Atomschlägen hindern, denn er denkt dann rational die USA wird wohl nicht viel wagen, und aus China werden höchstens mahnende Worte kommen.
Noch sind Russland und sein Regime zu retten. Auf die harte Methode - anders wie von Chamberlain 1938 mit Beschwichtigung (warum auch immer, man sagt ihm Kalkül auf Grund der mangelhaften Rüstung für einen Krieg von GBR zu dieser Zeit nach) - aber nicht durch eine fortdauernde Unterstützung der Ukraine alleine. Die Waffen sollten in die Nato-Ausrüstung der Ukraine eher investiert werden, als auf dem Schlachtfeld gleich im Krieg verschrottet zu werden und mit Russland (als Ganzes mit diesem Präsidenten und diesem Außenminister) muss gesprochen werden.