Warum ist die AfD nicht zu stoppen?

danke für diese tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema.
Verlässlich am Punkt vorbei, wie gewohnt.

Mit dem Thema deiner schrägen Erwartungen oder mit dem Thema AFD?

Letzteres hatte ich in diesem thread schon u.a. hier:

Warum ist die AfD nicht zu stoppen? - #2 von Biologin

und

Wenn da keine Steilvorlage dabei war, auf die du eindreschen kannst bitte ich dafür um Verständnis.

Na ja, es hat zum Individuum wahrscheinlich keinen Bezug mehr - allerdings auf einer sehr abstrakten Ebene über der Zugehörigkeit des "Durchschnitts-Mehrheits-Bürger schon noch - das gilt trotz der zugegeben existierenden und völlig intransparenten Lobbyarbeit.

Das Problem ist, dass die Dinge in dieser inzwischen globalisierten Welt nun mal an Komplexität zugenommen haben - entsprechend hoch ist das Abstraktionsniveau, auf dem Entscheidungen getroffen werden müss(t)en.

Einfaches Beispiel: früher hat sich der Mechaniker einen Motor in seiner Werkstatt angehört, und bereits am Ton erkannt, was die möglichen Ursachen eines Problems sein könnten, und wusste genau, welchen Teil des immer noch rel. einfachen Konstrukts er angreifen musste - Theoretisch müsste er, wenn er das bei einem E-Auto mit codegesteuertem Elektromotor selbst beheben wollte, sich die drölfzig Zeilen Code durchlesen, um dort (als Nichtinformatiker!) irgendwo einen Fehler zu finden …
Was macht er also: er delegiert das (zumal es ein Problem ist, was wahrscheinlich eine Menge anderer Fahrzeuge betrifft) an die Programmierer des Herstellers (im guten Glauben, das sie tatsächlich an einer Problemlösung interessiert sind, und nicht nur dem eigenen Vorteil hinterherlaufen).
Wenn es aktuell im politischen Raum ein Problem gibt (z. B.: das der amerikanischen Zölle, dann kann der damit völlig überforderte Wähler das ebenfalls nur noch an seine Abgeordneten delegieren, in der Hoffnung, dass diese mit ihren Experten (Wirtschaftswissenschaftler etc. dafür eine generelle Lösung finden). Beim Auto kann es manchmal 14 Tag dauern (so war das früher zumindest) - beim ungleich größeren System der Weltwirtschaft dauert es vielleicht 2 Jahre)…
Alles erst einmal kein dramatisches Problem, solange unsere Wirtschaft nicht sofort zusammenbricht (wir hatten das mal in der Zeit der Öl-Krise in den 70er, als die OPEC sich ein erstes Mal ihrer Machtfülle bewusst wurde).
Was hat sich seit der Zeit geändert? Das dauerte damals rel. lange (mit Wochenendfahrverboten etc.), ohne dass sich daraus gleich Politikverdrossenheit oder ein riesiger Vertrauensverlust ergab.
Was hat sich seitdem geändert? Warum entwickeln sich unsere heutige „Ölkrisen“ zu einem Futter für die AfD?
Ich glaube nicht, dass der Grund vor allem Politikversagen ist - die Erwartungshaltung der Wähler ist einfach anders (und wahrscheinlich inzwischen unerfüllbar). Also wendet man sich dann enttäuscht ab, und sucht sein Heil bei den Wahrsagern (z.B. der AfD).
Ist das wirklich der Politik zuzuschreiben - oder eher dem Wähler?
PS.: das ist in der Argumentation schon auch noch etwas simpel. Die Politik trägt schon auch etwas dazu bei. Aber der Wähler müsste in Zeiten wie diesen entweder umso mehr Vertrauen haben, da der Komplexitätsgrad so zugenommen hat - oder viel mehr Anstrengungen als früher aufbieten, um selbst damit Schritt zu halten. Beides scheint mir nicht der Fall …

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Weil die AFD billiges Öl und Gas verspricht (Minute 1.00)

Ich denke, das ist zu einem gewissen Teil ein Problem mit der Kommunikation der progressiven Kräfte. Es wird zu viel von den sattsam bekannten Problemen und zu wenig von den Lösungen gesprochen, was in weiten Kreisen den Eindruck hervorruft, die Vergangenheit sei besser gewesen als die Gegenwart, und die Zukunft sehe eh düster aus. Das macht Leute, die die Vergangenheit zurückzuholen versprechen, attraktiv. Hinzu kommt, dass, wenn die Leute von Problemen hören, aber nicht davon, wie man sie löst, sie gern denjenigen glauben wollen, die die Probleme leugnen oder sie auf irgendwelche Sündenböcke wie z. B. Migranten schieben. Daraus schlägt die AfD politisches Kapital.

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Aus meinem Gespräch von gestern Abend komme ich zu dem Schluss dass die Frage schon falsch gestellt ist.

Überspitzt ausgedrückt ein kurzes Stimmungsbild zu den Teilnehmer in einem der diversen Gesprächsräume gestern:

  • Eine Teilnehmerin hält die AfD für die Reinkarnation des Bösen, mit allen Mittel zu bekämpfen. Schließt nicht aus dass die Partei das Dritte Reiches wieder beleben wolle. - Den Tränen nah mündet es in ihre Frage was kann man noch tun könne um „die AfD“, Tonaliität aber „das ultimativ Böse“ zu bekämpfen? - Wie kommt man zu so einer Sicht??? - Eine Sicht die wohl auch die Sachbeschädigungen, Bedrohungen der Opposition, Körperverletzungen, Nötigung wie in Gießen dann ja ultimativ rechtfertigt. - Gewaltanwendung gegen politisch anderes Sichtweisen und das trotz des wohl größten Polizeieinsatzes in der Geschichte Hessens.

Wenn man der Ansicht ist dass die AfD morgen wieder Gaskammern errichten wolle, dann erklärt das die blinde Wut vieler „Aktivisten“, oder, wie es ARD und ZDF und andere Medien den „Protest“ so gerne betiteln. - Ich denke, massive Bedrohung, Nötigung, Landfriedensbruch ist kein „Protest“ von Aktivisten. - Für mich zeigt sich hier wo die echten Antidemokraten zu suchen sind. In den Reihen derer, die diese Stimmung in 1001 Varianten gezüchtet haben, beispielsweise.

  • Eine andere Teilnehmerin gestern, 92 Jahre alt (!), kritisiert die Verlogenheit der Politik, sagt offen dass „wir“ keine Demokratie sind und wohl auch noch nie waren und es ihr „damit schlecht geht“. Sie hat mit sehr an Stephane Hessel erinnert, der sich auch mit Anfang 90 nochmals berufen gefühlt hat sich zu Empören. - Zu letzteren, den Empörten zähle ich mich auch. Empört Euch! – Wikipedia!

Kurzum: „Die AfD“ gehört nicht gestoppt sondern gefördert!

„Gestoppt“ gehören Fassadendemokraten, Kartelldemokraten die eher auf der Regierungsbank und deren Umfeld zu finden sind als bei der AfD.

Als Parteimitglied einer der diversen zutiefst antidemokratisch gemobbten, klein gehaltenen Parteien wähle ich selbstverständlich die AfD wenn „die eigene Partei“ nicht auf den Wahlzettel kommt. - So wie es ÖdP, Humanisten, die Libertären und vielen anderen auch widerfährt. Es ist etwas wie Nothilfe, ultima ratio gegen Filz und Absprachedemokratie, wenn die eigene Partei über die Papierzetteldemokratie ja nicht auf dem Zettel stehen darf. - Systemkonformst und formalst durchlegitimiert, versteht sich.

Beste Grüße aus dem Paralleluniversum…

„Hessel nennt viele Beispiele für eine verfehlte Politik, so die Diskriminierung von Ausländern, den Sozialabbau, insbesondere bei der Alterssicherung, den Konzentrationsprozess bei der Presse und ihre gefährdete Unabhängigkeit, den beschränkten Zugang zur Bildung[6] sowie die Entwicklungspolitik vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskrise und die Umweltpolitik im Hinblick auf das Erdklima.[7

Wenn du dich über Diskriminierung von Ausländern und die Umweltpolitik in Hinblick auf das Erdklima empörst, ist die AFD nicht die erste Wahl und auch nicht die zweite.

Oder empörst du dich in dem Sinne dass die Diskriminierung von Ausländern nicht konsequent genug und die Klimapolitik unnötig sei? :wink:

Eine Schlussfolgerung aus seinem Büchlein ist dass dass jeder auf seine Weise das finden kann worüber man sich empört.

Zu konkreten Inhalten werde ich mich hier zurückhalten. Klima, Migration … . Das ist meiner Überzeugung nach Teil eines demokratischen Wissenssammlungs- , Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses.

Es kommt, für verständige Leser offensichtlich, in seinem Büchleon klar rüber dass es sich dabei nicht zwangsläufig um dasselbe Thema handeln muss das ihn bewegt hat, mit Anfang 90 Jahren, sich nochmals in das politische Geschehen ein zu bringen.

RIP Stephane Hessel

Alles klar, dann empöre ich mich über die „Generation Deutschland“.
Hat Stephane Hessel auch einen Tipp, wie man das am besten zum Ausdruck bringt, ohne von dir diese Vorwürfe zu kassieren?

Gab es in Gießen keine Nötigung, keine Gewaltandrohung und Gewaltanwendung gegen politisch anders denkende?

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Ich war nicht da, aber die meisten Leute sollen dort friedlich demonstriert haben, nach dem, was ich davon mitbekommen habe.
Ist das für dich okay?

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NEIN. Das ist die Erzählung in hisigen „Qualitätsmedien“ Erzählungen von deren Realität…

In diesem Fall war es tatsächlich die Erzählung von jemandem, der dabei war.

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Dann war die Person halt in einem Eck in dem es nicht abging …

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In der einzigen friedlichen Ecke, und zwar weil du es sagst?

Es gab Nötigung. Erheblich!
Es gab "„Entglasungen“ Körperverletzungen etc.

TROTZ des massien Polizeiaufgebotes!

Trotzdem noch mal die Frage an dich, wie man sich über so eine Gründung anständig empört, so dass es auch alle mitkriegen.

Ich denke das sollte man niemandem in einer ehrlich demokratischen Partei erklären müssen.
Aber ich kann es ohne viel Worte zusammenfassen in:
Die Aktionen, das zeigen von Empöring sollte rechtstaatlich erfolgen.

Nötigung, Gewaltandrohung, Gewaltanwendung, „Entglasungen“, Schläge gegen Journalisten alternativer Medien etc. gehört schon mal nicht dazu. - Besteht hierzu Konsens?

Ja, klar, aber trotzdem hast du noch nicht meine Frage beantwortet.
Dir selbst fällt als Protesform ja auch nichts anderes ein als eine zufällige Partei zu wählen und das allen kund zu tun. Das überzeugt mich aber nicht.

Das ist ziemlich verkürzt.
Es ist auch nicht meine Zielsetzung hier Lösungen zu bringen für ein Ziel das ich nicht unterstütze. - Leicht nachvollziehbar, wie ich denke :wink: .

Wieso es ultima ratio ist in der Kartell- und Absprachedemokratie BRD Version 2025, die AfD zu wählen habe ich hinreichend versucht zu erklären. - Dass es jede*r versteht, diesen Anspruch habe ich nicht. - Zaubern kann auch ich nicht.

Weiterhin Kartellparteien zu wählen die simulieren totaldemokratisch zu sein, Diskurs aber gleichzeitig torpedieren, Kriegsbereitschaft statt Friedesnfähigkeit, Zerstörung der Opposition statt inhaltlichem Diskurs, Diffamierung bis aufs übelste, nun dieses Konzept überzeugt mich auch nicht.

Aber hey, macht einfach weiter. - Wird schon werden. - Gruß in den Elfenbeinturm vom Pleb der nix versteht und nicht 24/7 Tagesschau und Pressekonferenzen der NATO und der Grünen konsumiert … :face_with_diagonal_mouth: