Überwachung unserer Bewegungsdaten

Über 404-Media bin ich auf einen weiteren Trick von Überwachungsfirmen aufmerksam geworden, wie diese Bewegungsdaten von Millionen Menschen sammeln:

Um verständlich zu machen, wie das funktioniert muss ich etwas ausholen:
Viele beliebte Apps sind kostenlos und finanzieren sich über kleine Werbeeinblendungen. Diese Weberanzeigen werden heite über ein Verfahren namens Real Time Bidding versteigert. D.h. in Echtzeit wird der Anzeigenplatz auf deinem Handy auf einem Anzeigenmarktplatz Werbefirmen angeboten, die diesen Anzeigenplatz ersteigern können.

Der Trick ist nun, daß es keine Beschränkungen gibt, wer sich an diesen Versteigerungen beteiligen darf und der versteigerte Anzeigeplatz auf deinem Handy enhtält natürlich Daten über den Kontext, die eine sog. Werbe-ID deines Handys und je nach App natürlich auch Positionsdaten enthalten. Damit Dir halt passende Werbung zu der Straße in der du gerade bist, angezeigt werden könnte.

Wenn man nun nur so tut, als wolle man Anzeigenplätze kaufen, kann man trotzdem an den digitalen echtzeit Versteigerungen teilnehmen. Spezialisierte Firmen nutzen dies zur Sammlung von Überwachungsdaten. Viele der Apps brauchen Zugang zu Standorddaten, um ihre Funktion zu gewährleisten. Diese Information ist dann Teil des Real-Time Bidding Verfahrens. Zusammen mit der Werbe-ID die jedes Handy besitzt, kann man damit Bewergungsprofile erstellen und diese dann z.B. an Strafverfolgungsbehörden verkaufen. In den USA wird das z.B. verwendet, um Frauen zu identifizieren, die in einen anderes Bundesland reisen um abzutreiben.

Andere Anwendungsflälle mag sich jeder selbst überlegen. Also wenn ihr das nächste Mal in der Nähe einer Demo einkaufen geht - oder noch schlimmer an einer teilnehmt, denkt daran, daß ihr eure Standortdaten ausschaltet. Falls das überhaupt noch hilft.

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Diese Daten wären bei den Mobilfunkbetreibern einfacher und zuverlässiger zu erhalten.

das ist in D der übliche Weg, soweit ich weiß.

Nein eher nicht. Ortung über Mobilfunkmasten ist bei weitem nicht so genau. Und Mobilfunktbetreiber unterliegen mehr Gesetzen.

Strafverfolgungsbehörden müssen da Anträge stellen. Die Daten werden auch nicht ewig aufgehoben. Das alles spielt bei diesen Unternehmen keine Rolle. Es funktioniert sogar weltweit.

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich am Ort eines Verbrechens, feststellen kann, wer dort alles ins Mobilfunktnetz eingeloggt war oder ob ich ein komplettes Bewerbungsprofil von Millionen Menschen nach einzelnen Kriterien automatisch filtern kann.

auch wieder wahr

Für Dein Beispiel

genau genug. Darauf habe ich mich bezogen.

Ok, das stimmt natürlich. Aber diese Methode Standortdaten von Millionen von Menschen zu extrahieren um diese dann zu verkaufen, hat dann doch eine andere Qualität, da sind wir uns einig, ja?

Ich weis gar nicht, wie das in der EU rechtlich bewertet wird. Sind es schon die Apps, die Werbeflächen verkaufen, die sich strafbar machen? Oder erst die Firmen, die das Reel-Time-Bidding für die Aggregation von Standortdaten misbrauchen?

der EUGH hat offenbar die Grundlage für ein Einschreiten der Mitgliedstaaten gelegt,
wobei ich nicht sicher bin, ob ich die techn. und rechtlichen Zusammenhänge begriffen habe

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Interessant wie komplex das alles ist. Aber bei dem Urteil geht es nur um einen Teilaspekt des ganzen Verfahrens. Soweit ich die ganzen Schnittstellen verstanden habe, wird im Real Time Bidding auch die Information übertragen, welchen Cookies zu welchen Zwecken der Benutzer zugestimmt hat.

Diese Struktur enthält auch die IP-Adresse des Benutzers und gitl deshalb laut EuGH als personenbezogenes Datum.

Das hat aber noch nichts damit zu tun, welche Informationen beim Real Time Bidding im der eigentlichen Versteigerung benutzt werden. Das Verfahren unterstützt jedenfalls auch Geografisches Targeting

Google stellt über das Geo-Objekt Informationen zur Standortbestimmung bereit, die sowohl für das OpenRTB-Protokoll als auch für das Google-Protokoll gelten. In diesem Dokument wird allgemein beschrieben, wie Google die Standortbestimmung in Gebotsanfragen erfasst, und es werden Best Practices für deren Verwendung gegeben.

Meine Einschätzung ist: Da das ganze Protokoll sehr komplex ist, sind die Juristen einfach noch nicht soweit, wie die Entwickler der spezialisierten Unternehmen. D.h. wir sehen schon die Ergebnisse der ganzen Verarbeitung (siehe oben) ohne zu verstehen, wie die das hinbekommen.

ja, und ich glaube, das gibt den Angriffspunkt iSd Datenschutzrechts.
Aber um das genauer beurteilen zu können, braucht man einen Spezialisten

Gerade bei Mobilgeräten ist das mit der IP-Adresse sehr mühsam - man teilt sie sich im WLAN mit vielen anderen und unterwegs wechselt sie häufig. Apple und Google haben dafür die Mobile Advertising ID erfunden - praktisch das Nummernschild zu jedem Endgerät, das für alle sichtbar ist.

Wie das genau funktioniert jemanden damit präzise zu überwachen (und was das kostet) hat die Univerity of Washington hier mal beschrieben:http://adint.cs.washington.edu/ADINT.pdf … schon 2017 - so ganz neu ist das also nicht

Da neue an Gravy Analytics ist doch, daß sie über Missbrauch des Real Time Bidding direkt an die GPS-Daten und die WLAN-Ortung der Mobiltelefone kommen. Denn selbst wenn man den Programmieren der App vertraut, hilft das nix, sobald Werbung eingeblendet wird.