Ich fände, bei allen Beurteilungen zur Frage, z.B. wie das Völkerrecht im Fall des Angriffs Israels und der USA auf den Iran zu bewerten ist, sollten wir auf das gegenwärtige Jahr 2026 zurückgreifen.
Bewusst habe ich für diesen Thread die Überschrift " Über 36 Jahre nach dem Mauerfall" gewählt. Der Fall der Berliner Mauer markierte eine Zäsur. Ich komme im nächsten Absatz darauf zurück. Unser heutiges Jahr 2026 bedeutet aber auch: 112 Jahre nach Beginn des 1. Weltkrieges und 81 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. 81 Jahre bedeutet, dass die allermeisten der heutigen Leute in der Bundesrepublik Deutschland von Krieg keinen blassen Schimmer mehr an Ahnung haben, sondern teilweise nur noch die Erzählungen der zumeist verstorbenen Angehörigen, die den Krieg noch erlebt haben. In welche Richtung - und die Frage zielt auf Grund der Aktualität nicht nur auf die BRD ab - gibt es nun die Chance für einen Epochenwechsel?
Ich habe versprochen auf die 36 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer zurückzukommen. Als „Ein bißchen Frieden“ am 22. März 1982 den Grandprix d´Eurovision (Eurovision Song Contest) im englischen Harrogate gewann, war der 2. Weltkrieg erst einmal 37 Jahre her (nicht wie heute 81 Jahre). Der Song gehört zu meinen Lieblingsliedern. Für mich war das Lied eine emanzipierte und progressive Standortbestimmung an die Staaten (Niederlande, als neutrales Land im 2. Weltkrieg durch die Wehrmacht überfallen und besetzt), Frankreich und Großbritannien, die z.B. durch die Luftangriffe auf Coventry schwer durch die Luftstreitkräfte der Wehrmacht angegriffen wurden (Die Angriffe auf die Stadt Coventry am 14. November 1940 und am 8. April 1941 waren die schwersten Bombenangriffe des Krieges bis dahin. Diese Angriffe prägten in der deutschen Propaganda den Begriff Coventrieren, der das Vernichten einer Stadt bedeutet, um die Moral des Feindes zu brechen. Diese Formulierung war indes eine propagandistische Übertreibung, da sich die Angriffe in erster Linie gegen militärische Produktionsstätten richteten. Die Opfer unter der Zivilbevölkerung betrugen 1236 Tote. )
Und diese emanzipierte und progressive Standortbestimmung kam ausgerechnet aus Deutschland, die den 2. Weltkrieg begonnen hatten. Wie stolz kann man den noch auf sein Land sonst sein? Wie selbstsicher können wir heute sein - und nicht völlig aus der Fassung oder Verfassung geraten?
Quelle: Luftschlacht um England – Wikipedia
Motive für den Text von Ein bißchen Frieden waren der sich im März 1982 abzeichnende Falklandkrieg und die laufende Nachrüstungsdebatte. Das Lied apostrophiert den sehnsüchtigen Wunsch nach Frieden in der Welt, die viele kriegerische Ereignisse erleben muss. Meinungers Text sehnt sich den überpolitischen Frieden und Mitmenschlichkeit herbei. Dabei steigert sich der Text bis zum Schluss, wo ein Chor den Refrain singt, während Nicole in einer überlagernden kontrapunktierten Melodie die Hörer textlich einbezieht.
Die Musikaufnahmen zu Ein bißchen Frieden wurden vom Musikproduzenten Robert Jung im Olympia-Studio (damals in München-Bogenhausen) überwacht, das Ralph Siegel gehörte; als Tonmeister fungierte Conny Jahn. Das Lied war eine von 807 Kompositionen, die der Jury der Arbeitsgemeinschaft deutsche Musikwettbewerbe eingereicht wurden, von denen 24 Titel den Hörern von sechs Rundfunkanstalten vorgestellt wurden.[1] Ein bißchen Frieden erreichte lediglich den letzten Platz. Auf dem Vorentscheid hingegen siegte die junge Sängerin souverän. Nach dem Radiohalbfinale erreichte Nicole die deutsche Vorentscheidung Ein Lied für Harrogate am 20. März 1982 in München, die sie mit großem Stimmenvorsprung gewinnen konnte. Hier wirkte neben dem Lied auch die von Ralph Siegel inszenierte optische Präsentation. Auf einem Hocker sitzend, trat Nicole in einem sittsam wirkenden Kleid auf und begleitete sich selbst auf einer weißen Gitarre. Eine Harfenistin und das in weißen Anzügen an weißen Instrumenten (Ralph Siegel spielte am schwarzen Piano) und weißen Podesten spielende Orchester gehörten ebenfalls zur Szenerie.[2] Die Farbe Weiß gilt als die Friedensfarbe.
Eurovision Song Contest
Beim Eurovision Song Contest am 24. April 1982 im englischen Harrogate trat Nicole als letzte der achtzehn Teilnehmer auf. Das Stück erhielt – mit Ausnahme von Luxemburg – aus jedem Land Punkte; neun Länder gaben dem deutschen Beitrag die Höchstpunktzahl. Am Ende erreichte er mit insgesamt 161 Punkten und einem bis dahin einmaligen Vorsprung von 61 Punkten auf den Zweitplatzierten, der mehr als fünf Höchstwertungen entspricht, den ersten Platz. Bis 1997 war der Punktedurchschnitt Rekord in der Geschichte des Wettbewerbes. Bei der anschließenden Präsentation des Siegertitels trug Nicole Teile des Liedes auf Englisch, Französisch und Niederländisch vor.
Veröffentlichung und Erfolg
Die Single Ein bißchen Frieden / Thank You, Merci, Danke (Jupiter Records 6.13400) erschien in Deutschland am 22. März 1982. Nach Veröffentlichung konnte das Lied in Deutschland den Status als Nummer-eins-Hit für fünf Wochen aufrechterhalten, in Österreich verblieb es zwei Wochen, in der Schweiz gar acht Wochen auf dem ersten Platz. Erste Plätze in weiteren, nicht deutschsprachigen Länder wie Belgien (drei Wochen), den Niederlanden (vier Wochen) und Großbritannien (zwei Wochen) untermauerten den kommerziellen Erfolg das Lieds. Das Lied war die 500. Nummer eins in der Geschichte der britischen Charts. Am längsten auf Rang eins verharrte die Friedensballade mit 11 Wochen in Schweden. In Deutschland gab es für über 250.000 verkaufte Einheiten eine Goldene Schallplatte; somit ist Ein bißchen Frieden bis heute einer der meistverkauften deutschen Schlager seit 1975. Die Single wurde weltweit mit über fünf Millionen Exemplaren verkauft.[3]
Kritik
Die Darbietung hatte nach Ansicht von Jan Feddersen gesangliche Schwächen, wodurch jedoch Nicoles Authentizität gestärkt wurde.[4] Es sei nur „ein unbedarftes Liedchen zur Gitarre“, das den Schlagerwettbewerb nicht wegen seiner musikalischen Qualitäten gewonnen hätte, urteilte André Port le Roi 1998. Es repräsentiere jedoch die für die Bundesrepublik typische, für das Ausland jedoch rätselhafte „Mischung aus romantischer Emotionalität und hysterischer Weltuntergangsstimmung“.[5]
Quelle: Ein bißchen Frieden – Wikipedia