Das ist mir zugegeben etwas zu einfach …
Gerade in den westlichen Demokratien gibt es ein Selbstverständnis, das sich von einem Gesellschaftsmodell, bei der eine autokratieähniche Herrschaftskaste mittels Propaganda die Massen manipuliert, deutlich unterscheidet - und wenn das trotzdem so ist (da sprechen insbesondere einige Dinge vor allem derzeit in den USA dafür), so findet das immer noch im Bereich einer unterstellten Verantwortung der wählenden Bevölkerung statt.
Ich habe vor kurzem im Radio von einer Umfrage gehört, die auch bei uns dafür spricht, dass ein nicht zu unterschätzender Anteil der Bevölkerung froh wäre, wenn es jemanden gäbe, der - gleich einem Diktator- Entscheidungen treffen köönte (und auc logischerweise dann würde), ohne dass es zu einem langwierigen Gezerre um Kompromisse käme - natürlich steht das auf sehr tönernen Füßen, da ich davon ausgehe, dass dieser Ruf nach einem “fähigen Diktator” nur so lange aufrecht erhalten würde, solange dieser Entscheidungen im SInne des danach rufenden träfe.
Aber auch das zeigt doch nur, dass selbst so komplexe Sachverhalte wie kriegerische Aktivitäten schnell auf eine sehr minimalsitische Ebene runtergebrochen wird - allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass dieses Runterbrechen mit billigung oder gar auf Wunsch des Souveräns geschieht. Die Kritik von @taegerei - so sie denn Berechtigung hätte - träfe “uns” also als demokratischen Souverän in der (schweigenden) Mehrheit also direkt selbst bzw. zumindest den Souverän in den betroffenen Ländern (hier: Israel und USA). Es reicht in den USA also nicht, sich ständig über Trump aufzuregen und herzuziehen. Man muss eher von den amerikanischen Wählern sprechen, die - obwohl Trump in seiner ersten Amtszeit bereits Gelegenheit hatte, den amerikanischen Wählern zu demonstrieren, wie er so “gestrickt ist” - ihn trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen - gewählt haben.
Gestern lief zu der Frage, wie die Mechanismen einer “Abnutzung durch Gewöhnung” funktionieren am Beispiel einer von einem ausgewiesenen Rechtsradikalen betriebenen Kneipe in Südthüringen eine Doku.
Unabhängig davon, dass man solche Mechanismen der Unterwanderung vielleicht soziologisch verstehen kann - die Entscheidung, sich unterwandern zu lassen, trifft aber immer noch der einzelne (egal, ob nun an der Wahlurne oder bei der Auswahl seiner (vielleicht einzig verbliebenen Stammkneipe).
Das exemplarisch gezeigte ist zwar aufschlussreich - entbindet die Wähler aber nicht der Verantwortung und der Frage, ob sie dieser auch gerecht werden - das gilt selbstredend auch für Israel und die USA!