Im Gegensatz zu Willy Brandts historischem Motto „Mehr Demokratie wagen“ (Regierungserklärung 1969) scheint der Trend heute oft zu heißen: „Weniger Demokratie ist immer noch Demokratie.“
Ein extremes, aber reales Beispiel ist die Ukraine: Wegen des russischen Angriffskriegs wurden dort Wahlen ausgesetzt. Die durchaus existenzielle Frage, wie und unter welchen Bedingungen die Verteidigung fortgeführt werden soll, entscheidet sich damit ohne aktuelle, direkte politische Legitimierung durch die Betroffenen.
Die theoretischen Grundpfeiler sind laut Wikipedia klar definiert:
- Gewaltenteilung
- Freie und geheime Wahlen
- Minderheitenschutz
- Meinungsfreiheit
- Gleiche Rechte für alle
In der Praxis kennt fast jedes demokratische System legitime Abweichungen. Bei uns schränkt die 5%-Hürde die Gleichheit der Wahl ein.
Wehrhafte Demokratie bedeutet auch, dass Volksverhetzung nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und Parteiverbote (aktuell diskutiert am Beispiel der AfD) möglich sind.
Selbst eine 100%-Mehrheit darf die Menschenwürde nicht abschaffen.
Kurzum: Um pragmatisch zu bleiben oder sich selbst zu schützen, weicht die Realität oft vom Ideal ab – die Einschränkungen müssen jedoch immer verhältnismäßig sein.
Mein Vorschlag für die Diskussion:
Lasst uns solche Einschränkungen (ob 5%-Hürde, Entzug des passiven Wahlrechts oder kriegsbedingte Wahlausfälle) genauer untersuchen:
- Wo sind sie situativ begründet gerechtfertigt, weil sie das Wesen der Demokratie nicht im Kern gefährden?
- Wo kippt das System, weil eine Entscheidung gar nicht mehr den echten Mehrheitswillen abbildet oder Grundrechte aushebelt, die selbst eine Mehrheit nicht anfassen darf?
Ich bin gespannt auf eure Meinungen!