Teil 1 - Kampagne für Frauen, Kinder und andere Minderheiten - 3 Einführungstexte

das ist auch so eine Frage: was ist „Gewalt“?
wenn´s physisch wird, ist es meistens einfach.
Aber die ganzen psychischen Effekte, da finde ich es schwierig.
Ausgrenzung ist Gewalt? Reicht es nicht, wenn Ausgrenzung Ausgrenzung ist und vielleicht psychische Schäden verursacht?
Wenn man den Gewaltbegriff so weit fasst, verliert er schnell seine Bedeutung.

Gerechtigkeit ist auch schwierig.
wenn Du nur eine „gerechtere“ Gesellschaft meinst, sind die Chancen nicht schlecht, dass wir das jedes Jahr oder jedenfalls immer mal wieder hinkriegen.
Wenn Du aber eine wirklich „gerechte“ Gesellschaft meinst, dann halte ich den Zustand für unerreichbar. Ich würde sogar sagen, dass eine absolut gerechte Gesellschaft nicht funktionieren würde. Wenn Gerechtigkeit immer das oberste Ziel wäre, wäre vieles blockiert, weil es keine wirklich gerechte Lösung gibt oder jedenfalls keine Einigung darüber erzielt würde.

Beispiel Steuern: ich halte es für ausgeschlossen, in einem komplexen Staat wie dem unseren ein Steuersystem zu schaffen, das völlig gerecht ist. Man wird immer Vergleichspaare bilden können, die ungerecht sind.
Was dann? Kann man dann keine Steuern mehr erheben, weil es ungerecht wäre?
Das gleiche kann man mit Löhnen, Fördermitteln, Bildungschancen, Erbschaften, dem Einfluss der Eltern auf die Zukunft der Kinder und einer Million anderer Dinge machen.
Wenn nur noch gerechte Dinge passieren dürfen, steht die Welt zu 90% still.

Daher taugt völlige Gerechtigkeit nicht als Ziel, dessen Erreichung man ernsthaft erwartet. Aber es ist als Ziel, als Leitschnur sinnvoll, weil es die richtige Richtung vorgibt.

Wichtiger als Gerechtigkeit ist aber meistens, dass etwas erstmal existiert und funktioniert.
Wie zB das Steuersystem oder das Gesundheitssystem, die Polizei usw.
Es ist besser, ein zT ungerechtes Gesundheitssystem zu haben, das aber die Leute in 90% der Fälle anständig versorgt, als eins, das vor lauter Gerechtigkeitsproblemen nicht zum Arbeiten kommt.
Die für die Gesellschaft lebenswichtigen System müssen funktionieren, und dabei so gerecht wie möglich sein.
Nicht andersrum: völlig gerecht sein und dabei so gut wie möglich funktionieren.

Um die Kurve zum Patriarchat zu kriegen:
Das hat super funktioniert, wenn man das Überleben und den Erfolg der Menschheit als Ganzes zum Maßstab nimmt. Der Mensch ist die erfolgreichste Spezies aller Zeiten.
Aber es ist und war für viele Einzelne sehr ungerecht und schmerzhaft.
Diesen Nachteil hat die Menschheit kollektiv in Kauf genommen, weil die Vorteile für die Gesamtheit wichtiger erschienen.

Interessant finde ich die Frage, ob das Patriarchat auch in der Zukunft noch funktioniert, ob es also weiter das soziale Organisationspinzip ist, das den Fortbestand der Menschheit am besten sichert.
Daran kann man Zweifel haben.

Frage also: ginge es der Welt besser oder schlechter, wenn die letzten, sagen wir 300 Jahre die wichtigen Staaten der Erde von Frauen regiert worden wären?
Oder wenn alle wichtigen Posten in Wirtschaft und Politik zur Hälfte mit Frauen besetzt gewesen wären?
Und wenn Männer die Hälfte der Kindererziehung und Alten- und Krankenpflege übernommen hätten?
Das kann man kaum seriös beantworten, aber wenn man den Sinn oder Unsinn des Patriarchats und seine „Haltbarkeit“ für die Zukunft bewerten will, scheint mit das eine wichtige Überlegung zu sein.
Wenn es nicht mehr „funktioniert“ in diesem Sinne, wird es schneller seine Wirkung und seine Bedeutung verlieren. Wenn seine „strategischen Vorteile“ fürs große Ganze weiter bestehen, wird es sich noch lange halten.

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10 Beiträge wurden in ein existierendes Thema verschoben: Was macht einen Staat erfolgreich - ist es das Patriarchat?

hier so eine Aufzählung von Belästigungen, die man sich als Mann nur schwer vorstellen kann:

Wir haben eine 17-jährige Münchnerin gebeten, ein Jahr lang Protokoll zu führen über die Übergriffigkeiten, die sie auf der Straße erlebt. Es wirft viele Fragen auf: Ab wann wird man als Frau zum Objekt? Wie weit dachten wir als Gesellschaft in Sachen Sexismus nach MeToo zu sein? Wie weit sind wir tatsächlich?

April 2024, ca. 2 Uhr nachts, U-Bahn-Station Implerstraße

Ich steige mit meinem Freund in die U-Bahn ein. Ein vermutlich betrunkener Mann stänkert Fahrgäste an. Er fragt uns nach Feuer, will sich eine Zigarette an­zünden. Mein Freund kramt nach einem Feuerzeug. Ich sage, hier dürfe man nicht rauchen. Da fängt er an, mich zu beleidigen: »Du Schlampe, ich weiß, dass du mit jedem fickst, jeden Tag fickst du ’nen anderen …« Außerdem habe er ein Messer und werde erst sich und dann mich »aufschlitzen«. Dann spuckt er mich an. Ich halte meinen Freund davon ab, sich mit ihm zu prügeln. Wir verlassen die U-Bahn. Keiner in der U-Bahn schritt ein oder kam uns zu Hilfe.

13. April 2024, 15 Uhr, Brudermühlstraße

Ein Mann auf einem Motorrad fährt in Schrittgeschwindigkeit neben mir her, schwenkt auf den Gehweg ein und schneidet mir mit seiner Maschine den Weg ab. Er nimmt den Helm ab, er hat graue Haare, und sagt: »Du bist mir aufgefallen.« Ich antworte: »Schön für dich, du mir nicht.« Daraufhin er: »Wollen wir was trinken gehen?« Ich antworte: »Nein danke, ich habe schon einen Vater.« Und gehe weiter.

27. April 2024, ca. 16 Uhr, Fußgängerzone

Ein Mann mittleren Alters, der mich schon einmal angesprochen hat, baut sich vor mir auf: »Hey, dir gefällt mein Style. Äh, mir gefällt dein Style.« Offenbar seine Masche. Ich sage, dass ich ihn schon einmal ab­gewiesen habe. Er entgegnet: »Ich werde es immer wieder versuchen, und irgendwann kommen wir zusammen.« Ich sage: »Meine Meinung wird sich nicht ändern.« Sein Ton wird bedrohlich: »Ich werde immer wieder kommen.«

Ende April 2024, Stachus-Untergeschoss

Zwei Männer, Mitte 20, drängen mich ab und umringen mich. Der eine sagt, er bräuchte »ein hübsches Mädchen zum Ficken«. Und dass er seine Ex-Frau geliebt habe, weil sie »so gut kochen konnte«. Ich wende mich ab und gehe weg. Er ruft mir hinterher: »Zu mir sagt keine Frau Nein!«

22. Juni 2024, ca. 22 Uhr, Hirschgarten

Meine Freundin und ich sind auf dem Weg zu einer Party. Wir kommen an einem Kiosk vorbei. Dort sprechen uns zwei Männer, Mitte 40, an. Als wir gehen wollen, gehen sie einfach mit. Sie legen ihren Arm um unsere Taillen und ziehen uns zu sich. Ich schreie, sage, sie sollen das lassen. Wir laufen weg. Sie verfolgen uns. Wir verstecken uns in einem Gebüsch an der Landsberger Straße. Es regnet. Wir sehen, wie sie davor warten. Ich nehme meinen Mut zusammen, gehe raus und drohe ihnen, die Polizei zu rufen. Erst dann gehen sie.

5. September 2024, 16 Uhr, Humboldt­straße

Ich bin auf dem Weg zur Kasse eines Drogeriemarktes, als eine Mitarbeiterin mich anspricht: »Darf ich dir was sagen? Die Jungs hinten an der Überwachungskamera schwärmen schon wieder von dir: Habt ihr die Granate gesehen?«

usw usw

Meine Frau hat mich auf den Beitrag angesprochen, sie war auch ziemlich fassungslos über die Häufung der Vorfälle und die Dreistigkeit der Männer. Das hat sie so nicht erlebt.
Wie ist das bei Euch? Ist das der Normalfall?

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Ja. Es war normal, als ich jung war, schon als Jugendliche. Ich habe mir dann extra beigebracht, solche Typen mal anzuschreien und wehrhafter aufzutreten. Damit wurde es weniger bedrohlich, aber es war dafür nötig, stets auf der Hut zu sein. Ich bin damals nur in Schlabberjeans und weiten Pullovern rumgelaufen, um nicht aufzufallen, aber das hat nicht viel geändert.
Als Mutter wurde das schlagartig anders, wenn ich die Kinder dabei hatte. Als geschiedene Frau wieder anders.
Aber die Erfahrungen als junge Frau waren schon prägend.

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Vielen Dank für eure Antworten. Ich werde noch darauf eingehen.

Nachfolgend stelle ich den ersten Entwurf für den zweiten Einführungs-Blog-Text 2 ein.
Er soll am 20.12. eingestellt werden.

BLOGTEXT 2
zur Einführung:

Deutschland erlebt einen alarmierenden Anstieg der Gewaltkriminalität

In den letzten Jahren ist die Frage nach der zunehmenden Gewaltbereitschaft in Deutschland immer häufiger in den Medien und der öffentlichen Diskussion präsent. Doch was sind die Gründe für diese Entwicklung, und inwiefern bestätigen Daten diese Wahrnehmung? Eine differenzierte Betrachtung zeigt, dass die Gewaltbereitschaft in bestimmten Bereichen tatsächlich zunimmt, während andere Verbrechen rückläufig sind. Es lohnt sich, die Lage im Detail zu analysieren.

Steigende Gewaltkriminalität – Fakten und Zahlen
Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) stieg die Zahl der registrierten Gewalttaten im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 %. Besonders auffällig sind dabei schwere Straftaten wie Tötungsdelikte, Raub und gefährliche Körperverletzung. Auch wenn nicht alle Verbrechen auf einen Anstieg der allgemeinen Gewaltbereitschaft hinweisen, zeigt sich doch ein alarmierender Trend in Bezug auf bestimmte Delikte, vor allem im Bereich der Körperverletzungen.
Diese besorgniserregenden Trends setzten sich 2023 fort. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnete für 2023 insgesamt 5,94 Millionen Straftaten, was einem Anstieg um 5,5 % im Vergleich zu 2022 entspricht
Die Zahl der Gewaltdelikte stieg dabei um 8,6 %.

Besonders betroffen sind Straftaten gegen persönliche Rechtsgüter – dazu zählen Angriffe oder Taten auf das Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre und sexuelle Selbstbestimmung. Im Jahr 2023 wurden rund 1,25 Millionen solcher Taten registriert, was einem Anstieg von 8,5 % entspricht. Experten weisen darauf hin, dass die Dunkelziffer, also die nicht angezeigten Straftaten, erheblich höher liegt. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Frauen sowie vulnerable Gruppen wie queere Menschen, Menschen mit Behinderungen, People of Color und ältere Menschen.

Überblick über die Straftaten

Zunahme der Jugendgewalt
Ein besonders beunruhigendes Phänomen ist die Zunahme der Gewalt unter Jugendlichen. Laut der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) hat sich die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen in den letzten Jahren erheblich gesteigert. Während sich 2022 vier von fünf Jugendlichen bereits strafbar gemacht hatten, stiegen die von Jugendlichen begangenen Taten von 2022 auf 2023 um 9,5 %. Dabei umfasst diese Statistik nicht nur schwere Gewalt, sondern auch Delikte wie Sachbeschädigung, Schwarzfahren oder kleinere Diebstähle.
Die Ursachen sind vielfältig: Die Verbreitung gewalthaltiger Inhalte in sozialen Medien, der Einfluss von Gewalt in Videospielen und Filmen sowie die sozialen Einschränkungen der Corona-Pandemie spielen eine entscheidende Rolle. In städtischen Ballungsräumen, in denen soziale Kontrolle oft geringer ist, wurden besonders viele Fälle registriert.

Politisch motivierte Gewalt
Auch die politisch motivierte Gewalt in Deutschland nimmt zu. Laut Verfassungsschutzbericht stieg die Zahl der rechtsextrem motivierten Straftaten 2023 erneut um 6,7 % im Vergleich zu 2022. Besonders häufig waren dabei Angriffe auf Migrant*innen, politische Gegner oder Institutionen. Linksextreme Gewalt blieb ebenfalls auf hohem Niveau, insbesondere durch Angriffe auf staatliche Einrichtungen und Infrastruktur.
Die Kriminalität mit rassistischem, fremdenfeindlichem oder antisemitischem Hintergrund hat sich als ein wachsendes Problem herauskristallisiert, das nicht nur die betroffenen Personen, sondern auch das demokratische System gefährdet.

Misogynie
Hasskriminalität gegen Frauen ist ein ernstzunehmendes Phänomen, das sich in häuslicher Gewalt, sexuellen Übergriffen und Femiziden zeigt. Laut dem Bundeskriminalamt stieg die Zahl der gemeldeten Straftaten gegen Frauen im Jahr 2023 um 7,3 %. Die Dunkelziffer ist hier besonders hoch, da viele Taten nicht gemeldet werden. Gesellschaftliche Strukturen, die patriarchale Machtverhältnisse stützen, tragen wesentlich zur Persistenz dieser Gewalt bei.

Gewalt gegen Kinder
Kinder gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen, wenn es um Gewalt geht. Im Jahr 2023 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik über 17.000 Fälle von Kindesmisshandlung registriert, was einem Anstieg von 10 % gegenüber 2022 entspricht. Besonders alarmierend ist der Anstieg sexueller Gewalt gegen Kinder, die um 7,8 % zunahm. Diese Taten sind oft schwer aufzudecken, da sie häufig im familiären oder sozialen Nahfeld der Kinder stattfinden.
Die Ursachen für Gewalt gegen Kinder sind komplex und reichen von Armut und Stress in Familien über psychische Erkrankungen bis hin zu sozialer Isolation, die während der Pandemiezeit noch verstärkt wurde. Besonders gefährdet sind Kinder in Haushalten mit multiplen Belastungen wie Arbeitslosigkeit, Suchterkrankungen oder häuslicher Gewalt.
Ein weiteres Problem ist die zunehmende Verlagerung der Gewalt in den digitalen Raum. Kinder werden immer häufiger Opfer von Cybergrooming oder der Verbreitung missbräuchlicher Bilder im Internet.
Um Kinder besser zu schützen, sind präventive Maßnahmen wie Aufklärungskampagnen, der Ausbau von Hilfsangeboten und eine stärkere Sensibilisierung der Gesellschaft für Kindeswohlgefährdung notwendig. Schulen, Jugendämter und die Polizei müssen enger zusammenarbeiten, um Fälle von Missbrauch frühzeitig zu erkennen und konsequent zu verfolgen. Auch die Politik ist gefordert, durch strengere Gesetze und eine bessere finanzielle Ausstattung von Schutzprogrammen nachhaltige Lösungen zu schaffen.

Gewalt im Netz
Neben der physischen Gewalt hat auch die Gewalt im digitalen Raum deutlich zugenommen. Cybermobbing, Hassrede und Bedrohungen in sozialen Netzwerken sind zu einem wachsenden Problem geworden. Laut einer Studie des Bundeskriminalamts wurden 2023 rund 260.000 Fälle von Online-Hasskriminalität gemeldet – ein Anstieg von 12 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders betroffen sind hierbei Frauen, Minderheiten und politische Aktivistinnen, die häufig Ziel von Drohungen, Stalking oder Diskreditierungskampagnen werden.
Die Anonymität des Internets ermöglicht es Täter
innen, ihre Aggressionen oft straflos auszuleben. Plattformen wie Twitter, Facebook und Telegram bieten dabei eine Bühne für die Verbreitung extremistischer und gewalttätiger Inhalte. Der Einfluss solcher Online-Gewalt reicht oft über den virtuellen Raum hinaus und trägt zur Radikalisierung und Spaltung der Gesellschaft bei.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind strengere Regulierungen für soziale Medien, mehr Aufklärung über den bewussten Umgang mit digitalen Plattformen und ein verstärkter Einsatz von Strafverfolgungsbehörden notwendig. Zudem könnte die Förderung von Medienkompetenz insbesondere bei Jugendlichen dazu beitragen, die Verherrlichung von Gewalt im Netz zu reduzieren.

Gründe für die Zunahme der Gewalt
a. Es gibt zahlreiche Faktoren, die die steigende Gewaltbereitschaft in Deutschland erklären können. Im Gegensatz zu den Versionen der politischen Elite erkennt das BKA einen direkten Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen und sozialen Belastungen – insbesondere in Folge der aktuellen Krisen - und dem Ansteigen der kriminellen Handlungen. Somit ist ein oft genannter Aspekt die wachsende soziale Ungleichheit. In Ballungsräumen, in denen Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit besonders ausgeprägt sind, nimmt die Zahl der Gewaltverbrechen zu. Besonders die Inflation – und der damit einhergehenden heftig gestiegene Lebenshaltungskosten – wird in der Bevölkerung als Problem wahrgenommen, die inzwischen trotz bereits wieder sinkender Inflationsrate noch immer unvergleichlich hoch geblieben sind.
b. Bei Kindern und Jugendlichen ist durch die erheblichen Einschränkungen und psychischen Belastungen während der Pandemie im Nachgang die Anfälligkeit zu Straftaten enorm gestiegen und halten unvermindert an. Als Ursache wird der langandauernde Mangel an sozialen Kontakten, innerfamiliäre Belastungen und Spannungen und räumliche Beengtheit während der Pandemie gesehen.
Hinzu kommt eine gewisse Entfremdung der Jugendlichen von traditionellen Strukturen wie Familie und Schule, die früher oft als regulierende Instanzen wirkten.
c. Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Die politischen und sozialen Spannungen, die in den letzten Jahren durch Themen wie Migration, Klimawandel und die Corona-Pandemie zugenommen haben, tragen zur Radikalisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen bei. Dies führt nicht nur zu mehr verbalen Auseinandersetzungen, sondern auch zu einer Zunahme physischer Gewalt.

Polizeiarbeit und Prävention
Angesichts der steigenden Gewaltkriminalität stehen Polizei und Sicherheitsbehörden vor großen Herausforderungen. Es wird immer schwieriger, gegen die vielfältigen Formen von Gewalt vorzugehen, die sich sowohl offline als auch online abspielen. Zudem zeigt sich, dass herkömmliche Maßnahmen der Gewaltprävention oft nicht mehr ausreichen. Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen sozialen Institutionen, Schulen und der Polizei ist daher unerlässlich, um der wachsenden Gewaltbereitschaft entgegenzuwirken.
Auch die Einführung von Programmen zur Gewaltprävention an Schulen und Jugendeinrichtungen könnte helfen, das Problem der Jugendgewalt langfristig in den Griff zu bekommen. Dazu gehört nicht nur eine stärkere soziale Kontrolle, sondern auch der bewusste Umgang mit digitalen Medien, um die Verherrlichung von Gewalt zu bekämpfen.

Aufgabe der Politik
Die Aufgabe der Politik im Kampf gegen die steigende Gewaltbereitschaft liegt in der Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen und der Förderung gesellschaftlicher Aufklärung. Präventionsprogramme, die insbesondere auf Bildung und soziale Integration abzielen, können langfristig Gewalt verhindern. Zudem müssen Gesetze verschärft und vor allem zeitnah und konsequent durchgesetzt werden, um Gewalt zu ahnden und abzuschrecken. Die Politik sollte auch Initiativen unterstützen, die den gesellschaftlichen Dialog über Gewalt und ihre Ursachen fördern, um eine Kultur der Gewaltfreiheit zu etablieren. Entscheidend ist die Zusammenarbeit von Regierung, Justiz und Zivilgesellschaft, um umfassende Lösungen zu entwickeln.

Aufgabe der Justiz
Die Justiz spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen die steigende Gewaltbereitschaft, steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen. Oft dauert es zu lange, bis Urteile gefällt werden, was den Opferschutz schwächt und die Abschreckung mindert. Gewaltverbrechen werden teils verharmlost oder Verfahren aufgrund mangelnder Beweise oder geringer Schwere eingestellt. Ein weiteres Problem ist die Überlastung der Gerichte, die aufgrund von Personalmangel und hoher Fallzahlen nicht in der Lage sind, zügig und konsequent zu handeln. Um wirksam gegen Gewalt vorzugehen, muss die Justiz besser ausgestattet und Verfahren effizienter gestaltet werden.

Fazit
Die Zunahme der Gewaltbereitschaft in Deutschland ist ein komplexes Problem mit vielfältigen Ursachen. Besonders besorgniserregend sind die steigenden Fallzahlen bei Jugendgewalt, politisch motivierter Gewalt und Hasskriminalität gegen Frauen. Es bedarf dringend einer Kombination aus Prävention, sozialer Integration und einer verbesserten Zusammenarbeit staatlicher Institutionen, um diese Entwicklung einzudämmen.


Ich habe heute noch recherchiert, ob es für Männer, die von Gewalt betroffen sind, so etwas Ähnliches gibt, wie „Frauenhäuser“ für Frauen.
Und das gibt es tatsächlich. Allerdings nur wenige. Genannt „Männerhäuser“. Zusätzlich gibt es noch Männerschutzwohnungen.
Da es für Frauen schon viel zu wenig Plätze gibt und Frauen in Not durchaus abgewiesen werden, weil einfach kein Platz mehr frei ist, sind Plätze für Männer (z.T. auch mit Kindern) noch weniger verfügbar.

Es fehlt oft an den finanziellen Mitteln für Männer- und Frauenhäuser.

Ich bin mir nicht sicher, ob wirklich von einer Zunahme der Gewaltbereitschaft geredet werden kann, so allgemein und auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bezogen.
Viele Zahlen hatten einen Knick nach unten während Corona, und eine Steigerung danach ist oft eine Wiederherstellung des vorigen Niveaus.
Für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende habe ich diesen Zeitverlauf gefunden: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1243155/umfrage/straftatverdaechtige-kinder-und-jugendliche-in-deutschland/. Ich denke, dass Gewalttaten einen ähnlichen zeitlichen Verlauf haben, wie auch hier nahegelegt wird DJI - Entwicklung von Gewalt im Kindes- und Jugendalter.
Die spezielle Bedeutung von Jugendkriminalität wird auch hier beschrieben: Jugendkriminalität - Zahlen und Fakten | Gangsterläufer | bpb.de.

Das ist immer noch schlimm, aber viele Präventionsmaßnahmen haben wohl gewirkt. Auch die wirtschaftliche Entwicklung in der Vergangenheit hat wohl zu besseren Perspektiven beigetragen. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.

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@Dagmar

Vielen Dank für deinen Hinweis und die verlinkten Quellen! Du hast vollkommen recht, dass die Interpretation von Zahlen zur Gewaltkriminalität – insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden – differenziert betrachtet werden muss. Der „Corona-Effekt“ mit einem Rückgang während der Pandemie und einer anschließenden Rückkehr zum Vor-Pandemie-Niveau ist ein wichtiger Kontext, der nicht außer Acht gelassen werden darf.
Dann ist es auf jeden Fall schon prima den Artikel vor der Veröffentlichung vorgestellt zu haben.
Aber auch wenn die jüngsten Zahlen alarmierend wirken, darf dies nicht automatisch als Zunahme der grundsätzlichen Gewaltbereitschaft interpretiert werden. Stattdessen könnte es – wie du sagst – in einigen Bereichen eine Normalisierung darstellen. Das habe ich nicht beachtet - danke dafür.
Ich habe ab 2020 verglichen.

Dennoch halte ich es für wichtig, dass trotz möglicherweise wirksamer Präventionsmaßnahmen weiterhin ein besonderes Augenmerk darauf ruhen sollte, insbesondere da sich wirtschaftliche und soziale Perspektiven für junge Menschen in der Zukunft möglicherweise verschlechtern könnten, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Gewaltentwicklung haben könnte. Das ist ein weiterer Punkt, den ich im Artikel noch stärker herausarbeiten werde. Danke für die Anregung!

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Wenn ich weiter nachdenke: es treten ja auch neue Arten von Übergriffen durch neue Technologien auf: etwa jemand mit KI in einem Porno darzustellen. Das lässt sich in Statistiken noch nicht abbilden. Auch Mobbing bekommt eine andere Qualität, wenn es zusätzlich online stattfindet. Das ist aber ein eigener, neuer Themenkomplex, in dem noch Erfahrungen fehlen, wie man damit umgehen kann.

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In Deinem Beitrag finden sich viele Feststellungen zu steigenden Tatzahlen, Opfergruppen, Gründen für die Zunahme der Taten und Abhilfemaßnahmen.
Zum Teil verweist Du auf amtliche Kriminalstatistiken, zT gibt es keinen Beleg.
Die einzige Grafik zeigt zB, dass der prozentuale Anteil der Sexualdelikte gleich geblieben ist (wobei klar ist, dass die Straftaten gegen Frauen nicht alleine Sexualdelikte sind).
Für den Leser ist es nicht möglich, die Richtigkeit dieser ganzen Angaben nachzuverfolgen oder zu prüfen.
Kannst Du Links zu den amtlichen Statistiken beifügen?
Oder sie zumindest so genau benennen, dass man sie leicht googeln kann?

Bei so einem zentralen Satz wie diesem hier
„Im Gegensatz zu den Versionen der politischen Elite erkennt das BKA einen direkten Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen und sozialen Belastungen – insbesondere in Folge der aktuellen Krisen - und dem Ansteigen der kriminellen Handlungen. Somit ist ein oft genannter Aspekt die wachsende soziale Ungleichheit.“
würde ich gerne selber sehen, wie das BKA das beurteilt, und auch was die „politischen Eliten“ sagen. Wer ist denn damit gemeint? Die Innenministerin?Unglücklicher Begriff, finde ich.

Vielleicht wäre es auch gut, vorsorglich etwas zu Straftaten/ Gewalt durch Migranten zu sagen, um der erwartbaren Behauptung vorzubeugen, dass diese hauptsächlich für den Anstieg der Kriminalität verantwortlich sind.

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So wie du mit dem Begriff Patriarchat wenig anfangen kannst, so ähnlich geht es mir auch, und auch mit dem Begriff Feminismus. Irgendwie fühle ich mich da nur halb mit drin. Manche Erklärungsansätze finde ich schlichtweg falsch, wie etwa die von Butler.

Die Gewalt, die Jungen und Männer erfahren (Jungen etwa doppelt so oft wie Mädchen), ist wohl ein entscheidender Faktor in der Weitergabe der Misere. Das sicherste Mittel, einen Jungen zum Schläger zu erziehen, ist, ihn zu schlagen. Und solche Jungen machen es dann auch in ihrer Umgebung, Schule usw. Dazu kommt aber noch ein Set von Einstellungen, das die Gewalt erlaubt, rechtfertigt und auch fordert. Dort ist das alte Patriarchat noch gut zu erkennen. Gewalttätige Männer leben häufig in einer sozialen Umgebung, in der diese Einstellungen normalisiert werden, und sind auch so aufgewachsen. Das kann selbst dann sein, wenn sie bewusst niemals zustimmen würden und meinen, sie hätten es hinter sich gelassen. Was es dann wieder zum Vorschein bringen kann, sind Gefühle wie Ohnmacht und Verlust, die sie nicht bewältigen.
Tätertherapie muss solche Einstellungen und Gefühle adressieren.

Ich glaube, dass eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leid wichtig ist, um es zu überwinden.

Ich denke bei solchen Fragen immer auch an meinen Bruder und meinen Sohn.
Meinem Bruder ist jeden Morgen auf dem Schulweg aufgelauert worden, bis er an seiner Zimmerwald boxen geübt hat und irgendwann sich gewehrt. Jetzt macht er den schwarzen Gurt in Karate.
Auch mein Sohn hat ähnliches erlebt. Ich habe versucht, ihn zu schützen, aber war damit alleine, und ich fürchte, es hat nicht viel geholfen. Seltsamerweise bewirkt ein Vater bei so etwas viel mehr. Er hat mir damals erklärt: ich weiß, das Jungen auch weinen und Gefühle zeigen dürfen, aber in der Schule kann ich es nicht, die machen mich sonst fertig.
Beide Kinder haben auch ihren Vater gewalttätig erlebt. Es ist ein langer Weg, bis weit ins Erwachsenenalter hinein und bis zu den eigenen Kindern, um damit zurecht zu kommen.

Ich finde es wunderbar, dass Männer so stark sind. Früher wollte ich unbedingt gleich stark sein, jetzt kann ich den Unterschied genießen.
Ich glaube, es ist zwar die Biologie, die wesentliche Unterschiede das ganze Leben lang macht, insbesondere wenn Kinder kommen. Aber die Gleichwertigkeit im Unterschied ist der springende Punkt. Patriarchat heißt für mich, dass Frauen und Kinder abgewertet werden, auf viele Art und Weise. Dem Mann wird das Recht zugebilligt, über sie zu entscheiden.
So besonders lang her ist das auch bei uns nicht.
Du hast einen Bezug zum Erfolg einer Gesellschaft hergestellt. Das ist eine wichtige Frage, die bis ins Private, in die Familie reicht. Gut zum Weiterdenken :wink:

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Hier sind mal die ersten:
Quellen:

  1. Bundeskriminalamt: Kriminalitätsentwicklung 2022
  2. Kriminologische Zentralstelle: Jugendgewalt in Deutschland
  3. Bundesministerium des Innern und für Heimat: Verfassungsschutzbericht 2022
  4. Tagesschau: Hasskriminalität und Gewalt
  5. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Ungleichheit und Kriminalität
  6. Connell, R.W. Gender and Power. 1987.
  7. UN Women. The Shadow Pandemic: Violence Against Women During COVID-19. 2020.
  8. Polizeiliche Kriminalstatistik 2023 | Bundesregierung
  9. https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/pks-2023.html//
  10. BKA - BKA-Herbsttagung 2023 - Aktuelle Entwicklung: Deutlicher Anstieg der Gewaltkriminalität im 1. Halbjahr 2023
  11. Deutscher Bundestag. Prävention von Gewalt: Strategien und Maßnahmen. 2021.
  12. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Nationale
  13. Deutscher Richterbund. Überlastung der Justiz: Ursachen und Lösungen. 2021.
  14. Bundesministerium der Justiz. Effizienzsteigerung im Strafprozess. 2022.

für die Gewaltkriminalität 2023 sind folgende Quellen und Themen von Bedeutung:

  1. Polizeiliche Kriminalstatistik 2023: Laut den neuesten Daten des Bundesinnenministeriums (BMI) stieg die Zahl der Gewaltkriminalität 2023 um 8,6% auf 214.099 Fälle. Besonders auffällig war der Anstieg von schweren Körperverletzungen und Raubdelikten, wobei Messerangriffe einen alarmierenden Trend darstellten​
    BMI Bundesministerium
    B.Z. – Die Stimme Berlins
    .

  2. Anstieg von Straftaten: In Deutschland stieg die Gesamtzahl der Straftaten im Jahr 2023 um 5,5%. Ein markanter Anstieg war bei Raub und Körperverletzung zu verzeichnen, und die Zahl der Tatverdächtigen ohne deutschen Pass erreichte einen neuen Höchststand von etwa 41%​
    BMI Bundesministerium
    B.Z. – Die Stimme Berlins

  3. Erklärungsansätze für den Anstieg: Experten führen den Anstieg von Gewaltkriminalität auf verschiedene Faktoren zurück. Neben den Folgen der Corona-Pandemie und damit verbundener sozialer Belastungen spielt auch die Migration eine Rolle, da die Zahl der Zuwanderer und der Anteil von nichtdeutschen Tatverdächtigen gestiegen sind​.
    Kriminalstatistik 2023 zeigt starken Anstieg der Gewaltdelikte - Anwaltspraxis Magazin

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ja, das sehe ich auch so.
Es hilft dem Mann häufig nicht, wenn er „seine Gefühle zeigen“ kann.
Gerade dann, wenn er diese Gefühle hat (Angst usw), wäre das das dümmste, was er tun kann, wenn ihm andere Männer gegenüberstehen, die ihn angreifen oder anmachen.

Die Anforderungen, die an die Männer diesbezgl. gestellt werden, passen in der Praxis nur schwer zusammen. Gegenüber Frauen und Kindern soll der Mann weich, empfindsam und zurückgenommen sein. Andere Männer (aber nicht nur die :slight_smile: ) zwingen ihn aber geradezu dazu, auch mal laut und hart aufzutreten.
Die Verteidigung der eigenen Interessen funktioniert manchmal nicht ohne eine deutliche Aussprache und eine gewisse Demonstration von Stärke. Man kann m.E. weder ein Unternehmen noch eine Behörde noch eine Partei oder einen Kaninchenzüchterverein völlig ohne diese Eigenschaften führen.

Diesen Spagat zwischen hart und weich hinzukriegen, ist nicht einfach, und für viele (Männer und Frauen) wahrscheinlich unmöglich.

danke. Das sieht nach viel Zeit und Mühe aus!

Gesellschaftliche Normen haben lange Zeit von Männern verlangt, ihre Gefühle zu unterdrücken, vor allem in Konfrontationen mit anderen Männern. Gleichzeitig wird von ihnen erwartet, in bestimmten Bereichen fürsorglich und mitfühlend zu sein, etwa in der Familie oder im Umgang mit Kindern und Frauen. Diese unterschiedlichen Anforderungen können zu einem inneren Konflikt führen und sogar das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Studien und Berichte zur Männlichkeit und zu psychischer Gesundheit zeigen, dass diese inneren Widersprüche oft zu Stress, Missverständnissen und einer hohen Belastung führen können, da viele Männer sich gezwungen fühlen, in unterschiedlichen sozialen Kontexten unterschiedliche Rollen zu spielen. Eine Balance zwischen Stärke und Empathie zu finden, ist dabei für viele ein schwieriger Prozess.

Einige Experten betonen, dass die Auseinandersetzung mit und das Überwinden dieser traditionellen Geschlechterrollen wichtig für die emotionale Gesundheit und das Wohlbefinden von Männern ist. In vielen Fällen ist es eine Frage der Akzeptanz, dass Männer ihre Emotionen sowohl in „weichen“ als auch in „harten“ Momenten ausdrücken können, ohne als weniger „männlich“ wahrgenommen zu werden.

Ich habe deshalb auf deine Anregung hin, das Thema Gewalt gegen Männer relevanter (nicht mehr nur am Rande) in meine Blogreihe aufgenommen.
Das Patriarchat, das in vielen Gesellschaften sowohl Männer als auch Frauen in enge Rollenbilder drängt, ist in diesem Kontext für Männer selbst oft schädlich. Es fördert das Ideal eines „harten“ Mannes, der keine Schwächen zeigen darf, was zu erheblichen psychischen und emotionalen Belastungen führen kann. Diese Erwartung, dass Männer stets stark und unemotional bleiben müssen, hemmt nicht nur ihre Fähigkeit, Gefühle zu zeigen, sondern auch ihre Bereitschaft, Hilfe zu suchen oder sich mit ihren eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

Das führt zu einer Reihe von Problemen: Einerseits wird von Männern erwartet, in bestimmten sozialen und beruflichen Kontexten dominant, durchsetzungsfähig und gefühllos zu sein, andererseits wird von ihnen erwartet, für die Gefühle anderer, etwa von Frauen oder Kindern, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Spagat zwischen diesen verschiedenen Rollen kann zu Identitätskonflikten und einem Gefühl der Entfremdung führen. Laut verschiedenen psychologischen und soziologischen Studien hat das Verharren in solchen traditionellen Männlichkeitsbildern negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden vieler Männer​.
In vielen Fällen führt dieser gesellschaftliche Druck zu Problemen wie erhöhter Aggressivität, Isolation und emotionaler Unterdrückung, was sich auf die Gesundheit auswirken kann. Tatsächlich sind es oft diese patriarchalen Strukturen, die nicht nur das Leben von Frauen, sondern auch das von Männern negativ beeinflussen, indem sie sie in eine „starke“ Rolle zwingen, die schwer aufrechtzuerhalten ist und wenig Raum für emotionale Ausdruckskraft lässt​
Indem wir diese Vorstellungen hinterfragen und Raum für eine breitere Definition von Männlichkeit schaffen – eine, die sowohl Stärke als auch Empathie und Verletzlichkeit umfasst – könnte sich für viele Männer ein Weg öffnen, authentischer und gesünder zu leben.

Sicher, meine Arbeit soll Hand und Fuß haben und auf Fakten basieren. Und wie du gesehen hast, gibt es trotzdem noch Aspekte, die ich übersehen habe, deshalb ist mir euer Feedback auch so wichtig.

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ja!
und man könnte diesen Gedanken auch für Frauen nutzbar machen.
Sie kommen klassischerweise sozusagen von der anderen Seite auf das Thema zu:
„Indem wir diese Vorstellungen (von weiblicher Weichheit und Empathie) hinterfragen und Raum für eine breitere Definition von Weiblichkeit schaffen – eine, die sowohl Empathie und Verletzlichkeit als auch Stärke und Härte umfasst – könnte sich für viele Frauen ein Weg öffnen, selbstbestimmter und sicherer zu leben.“
Das ist jetzt mal so ins Unreine formuliert, aber ich denke, der Grundgedanke wird klar.
Ist das ein Ansatz, der aus weiblicher Sicht sinnvoll erscheint?

Wie alles hat aber auch dieses Aufeinanderzubewegen und Angleichen der Geschlechter womöglich seine Nachteile. Eigentlich ist doch das Schöne, Anziehende und Aufregende am jeweils anderen Geschlecht die Unterschiedlichkeit (oder ist das ein überholtes Konzept?).
So ähnlich wie beim Magneten.
Was wird daraus, wenn beide Seiten sich angleichen?
Gibt es diese starke Anziehung auch noch zwischen androgynen Menschen, also zwischen „fraulichen Männern“ und „männlichen Frauen“?
Wollen Männer männliche Frauen? Wollen Frauen frauliche Männer?
Ich persönlich kann mit dem Konzept leben, meine Frau dürfte die „härtere“ von uns beiden sein, und ich bin sehr glücklich mit ihr. Aber wie das im Durchschnitt aussieht? Keine Ahnung.

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Ob man den Spagat zwischen den Rollenanforderungen hinbekommt, hängt davon ab, wie breit und flexibel das Verhaltensrepertoire ist, das man sich angeeignet hat, wie gut man einschätzen kann, was angebracht ist und wie gut die eigenen Gefühle dabei integriert sind. Das gilt für Männer und Frauen.
Das kann sehr anstrengend sein, aber ein Rollenwechsel kann auch bereichernd sein, sogar erholsam. Für mich war es das oft. Mit der Lebenserfahrung lernen viele, das besser hinzubekommen, andere werden eher rigide.
So ist man in einer bedrohlichen Situation wehrhaft, beim Spiel ausgelassen und mit den Kindern fürsorglich. Oder vor Gericht kämpferisch, mit dem Weibe liebevoll. :slight_smile:
Die meisten bekommen das gut hin, solange sie nicht für längere Zeit in einer Ausnahmesituation leben oder die Anforderungen gar nicht passen.

Das passt sogar zur Biologie: Männer mit viel Testosteron sind aggressiver gegenüber Gegnern, aber fürsorglicher in ihrer Familie.

Ich habe mir manchmal einen Beschützer gewünscht, aber nicht um den Preis der Unterordnung, während ich als junge Frau dachte, ich brauche das nicht.

Ich denke, man kann auch in traditionellen Rollen leben, ohne dass es patriarchalisch ist, bei entsprechenden Randbedingungen, vielleicht auch für einige Zeit. Wenn dadurch kein Machtgefälle entsteht.
Ich überlege oft, ob die Berufstätigkeit von Müttern, vor allem mit kleinen Kindern, wirklich als Maßstab für Emanzipation taugt.

Edit: hab gerade erst deinen letzten Beitrag gelesen

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Eine Frau, die Härte zeigt, wird immer noch überwiegend negativ bewertet.

Deshalb wundert es mich auch immer wieder, dass von Männern Härte immer noch vielfach erwartet wird.

Ideal wäre es, wenn jedem Menschen von der Gesellschaft zugestanden würde, Härte zu zeigen, wenn er/sie diese tatsächlich empfindet.
Es muss aber allen klar sein, welche Handlungen unzulässig sind.

Ein guter Maßstab für Emanzipation wäre hier das Maß der Selbstbestimmung, d.h. dass der Frau keine Notwendigkeit für irgendwas aufgebürdet wird, sondern sie im Fall einer Berufstätigkeit zwischen der perfekten Kinderbetreuung durch Kita, Hausangestellte oder Großfamilie oder, wenn sie sich lieber selbst um die Kinder kümmern möchte, einem regelmäßigen Einkommen, über das sie frei entscheiden kann, wählen kann.
Wenn sie von jedem ein bisschen möchte, sollte das auch möglich sein.

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wirklich? das hätte ich nicht erwartet.
weißt du wo ich dazu mehr finden kann?
ist das deine persönliche erfahrung?

deswegen meine frage wegen männlicher frauen und fraulichen männern.

es ist manchmal einfach nötig.
wenn du 100 mio euro bei gericht einklagst und deinem anwalt 400 euro pro stunde zahlst, dann willst du keinen anwalt, der nur nett sein kann. denn die gegenseitige wird auch nicht nett sein.

und wenn putin die ukraine angreift ist der zentrale wunsch aller ukrainischen frauen nicht, dass ihre männer nett zu den russen sind. für jede gesellschaft ist es überlebenswichtig, dass irgendjemand hart und aggressiv sein kann. wir neigen dazu, das zu vergessen.

das hast du wirklich schön gesagt :face_blowing_a_kiss: