ich kann mit dem Patriarchat als politisches Argumenationsmuster nicht so viel anfangen, insb. dann nicht, wenn die Ursache des Patriarchats in der falschen Erziehung gesehen wird. Der Zustand der Welt lässt sich m.E. viel einfacher und plausibler durch das Wesen des Menschen erklären als durch irgendwelche Systeme oder künstliche Strukturen.
Im Zusammenhang mit Gewalt halte ich das Patriarchat (wie auch immer man es definiert) nicht für den entscheidenden Faktor.
Die dominante Rolle der Männer resultiert für mich aus simplen biologischen Faktoren:
mehr Muskelkraft, mehr Testosteron, mehr angeborene Aggressivität, (manchmal fehlgeleitete) Beschützerinstinkte. Diese Dinge muss man dem durchschnittlichen Mann nicht anerziehen, die bringt er bei Geburt mit.
Diese Faktoren sind und waren in der Vergangenheit dem Überleben und dem Erfolg der menschlichen Spezies sehr nützlich. Löwen, Wölfe, Bären mussten durch Gewalt besiegt werden. Die gesamte Infrastruktur des Abendlandes wurde und wird bis heute unter Einsatz männlicher Muskelkraft erschaffen.
Aber sie haben ihre negativen Seiten, dass nämlich diese Eigenschaften auch zu Gewalt gegeneinander führen, in Familien, gegen Frauen, gegen andere Männer, bei Kneipenschlägereien und in Weltkriegen.
Ich bin ein Mann, ich müsste von diesem „Patriarchat“ profitieren, so wie es üblicherweise verstanden wird.
Was die Gewalt angeht, finde ich die Dominanz der Männer aber eher beunruhigend, manchmal beängstigend, wie beschrieben. Ich könnte gut drauf verzichten. Da fühle ich mich zwischen Baum und Borke.
Deswegen hilft mir die Argumentation mit dem Patriarchat nicht so recht weiter.
Es gibt Menschen, die versuchen schnell und häufig, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen, und es gibt solche, die das nie oder nur im äußersten Notfall tun.
Die Mehrzahl der ersten Gruppe sind aus biologischen Gründen Männer.
Man kann das als Patriarchat bezeichnen, aber der Begriff verunklart m.E. mehr als er erklärt.
Er suggeriert ein künstlich und absichtlich (vielleicht sogar böswillig) geschaffenes System, das man jetzt halt mal ändern muss. Wenn man hingegen den Zustand biologisch versteht, begreift man erst die Dimension des Problems, und man kommt weg von der Idee, dass irgendwelche finsteren Mächte da gegen den Willen der Menschen ein unterdrückerisches Herrschaftssystem geschaffen haben, das alle Männer begünstigt.
Das tut es nämlich nicht.
Folge des „Patriarchats“ ist auch, dass -wie gerade in der Ukraine- hunderte von Millionen von Männern in den letzten 2000 oder 4000 Jahren in unzähligen Kriegen abgeschlachtet wurden, oder bei Polizei- und Feuerwehreinsätzen verletzt wurden usw usw.
Die Männer profitieren in mancher Hinsicht vom „Patriarchat“, aber sie sind auch seine Opfer. Sie folgen biologischen Zwängen und Vorgaben, gegen die sich viele offenbar nicht wehren können. Das müssen wir ändern, keine Frage! Aber es nicht mit Appellen und Vorhaltungen getan, das Problem sitzt auf einer Ebene, die verstandesmäßig nur bedingt erreichbar ist. Ich hoffe es gibt Leute, die wissen, wie und wo man da ansetzt.
Ich vermute, dass Du die Struktur Deiner Texte nicht wegen meiner Einzelmeinung ändern wirst, und ich verstehe das. Dennoch wollte ich Dir meine Sichtweise schildern.
Ich bin -wie schon geschrieben- als Mann nicht die Idealbesetzung, wenn es darum geht, die Gefühle von Frauen beim Thema Gewalt darzustellen.
Ich kann nur meine männliche Pespektive glaubhaft mitteilen, und ich glaube und hoffe, dass auch das einen Wert hat (und dass Du es mir nicht krumm nimmst).
Interessant für mich wäre zu wissen, ob Du meine Darstellung als Versuch empfindest, das „Patriarchat“ zu rechtfertigen oder zu verteidigen, oder die Gewalt der Männer zu verharmlosen oder das Problem sonstwie schön- oder kleinzureden.
Das ist alles nicht meine Absicht, aber schriftlich sind die Nuancen nicht immer leicht auszudrücken, dafür aber leicht misszuverstehen.
Insoweit bin ich für jede ernstgemeine Kritik und Nachfrage von Deiner Seite dankbar.