Teil 1 - Kampagne für Frauen, Kinder und andere Minderheiten - 3 Einführungstexte

Ist natürlich Quatsch.
Das sind die bekannten Zahlen ohne die Dunkelziffer. Merci.

Auch wenn manches trivial erscheint, man kann es nicht oft genug betonen, damit es sich in den Köpfen festsetzt. Es soll ja ein dauerhafter Wandel bewirkt werden und nicht nur ein kurzes emotionales Aufflackern.

Was haltet ihr von der Idee, die Kampagne bis zum 8. März - Internationaler Frauentag - laufen zu lassen - als Finale, mit einer Erhöhung der Frequenz ab 1. März?

Ein mir sehr wichtiger Aspekt ist die Frage nach Autorität - Autorität ergibt sich aus der Funktion der Person. Allerdings wird diese dann häufig leider mit Narrativen und Absolutismen verknüpft, aus denen dann die Legitimation von Gewalt geschöpft wird.
Ein einfaches Beispiel aus der Erziehung von Kindern: Die Eltern sind als Entscheidungsträger (per definition?!) die Autorität - Die Eltern müssen also die Entscheidung treffen, wann das Kind beispielsweise ins Bett zu gehen hat (zugegeben eher was für kleinere Kinder). Das bedeutet aber nicht, dass die Eltern nicht Fehler machen, bzw. Fehleinschätzungen unterlaufen.
Ein Aufbegehren (in dem Fall seitens der KInder) ist also trotzdem sinnvoll (als Impuls zur möglichen Korrektur) und vielleicht/hoffentlich sogar wünschenswert - wenn auch etwas situativ verkomplizierend .
Viele machen es sich aber zu einfach, in dem sie die getroffenen Entscheidungen als „alternativlos“ (ein Begriff, den ich nicht erst seit Merkel zu verneinen gelernt habe) definieren (und diese notfalls mit Gewalt auch durchsetzen), sondern bereit sind, als möglichen Fehler einzuräumen - was nicht heisst, auf die Entscheidung im Zuge der Notwendigkeit, dass nun mal eine Entscheidung getroffen werden muss, trotzdem zu bestehen.

Was bei Kindern noch rel. trivial erscheint, führt nun in vielen anderen Beziehungen und Situationen auch zu dem Impuls, sich selbst
a) zur alleinigen Autorität auszurufen (was meist schon falsch ist!), und
b) auf den Gedanken der „Alternativlosigkeit“ (i.d.R. mangels eigenem Ideenreichtums oder überhaupt nur Vorstellungsvermögens) die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung der „alternativlosen“ Entscheidung zurück zu greifen.

Mit dem Wissen um diesen Mechanismus verbunden mit der Bereitschaft zur Selbstkritik kann man - nicht nur in der Erziehung :slight_smile: - die meisten Situationen, die in Gewalt abzurutschen drohen, bereits deutlich entschärfen.

Voraussetzung ist dafür aber
a) das verinnerlichte Wissen um diesen Mechanismus und
b) besagte Fähigkeit/Sozialkompetenz zur Reflexion (Stichwort auch hier wieder: Bildung)

Streng genommen gilt das auch für Dialoge - auch in Foren wie diesem.

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Danke für deine Anregung. Ich werde Erziehungsthemen auf jedenfalls berücksichtigen.

Nach den Einführungstexten werde ich mit dem Patriarchat Mitte Januar beginnen. Dazu gehören auf alle Fälle kindliche Prägung und anerzogene Wertevorstellungen.

Möglicher Aufbau:

  • Einführung in das Patriarchat – Was ist das Patriarchat und wie hat es sich historisch entwickelt?

  • Einfluss des Patriarchats auf verschiedene Lebensbereiche – Wie zeigt sich das Patriarchat in Arbeitswelt, Politik, Familie, Medien und Kultur?

  • Patriarchat und Intersektionalität – Wie beeinflusst das Patriarchat Menschen unterschiedlich, je nach Klasse, Rasse, sexueller Orientierung etc.?

  • Gefangene des Systems: Frauen als Stütze des Patriarchats

  • Toxische Männlichkeit: Wie patriarchale Werte und die Erziehung von „starken“, „harten“ Männern zu Gewalt unter Männern führen.

  • Handlungsansätze – Was können wir tun, um das Patriarchat abzubauen? Welche politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Schritte sind notwendig?

Ich könnte euch im Voraus, wichtige Textteile, also vor der Veröffentlichung hier zur Diskussion einstellen. Wäre das was für euch?

Habt ihr @Dagmar 's Idee noch im Blick? Aber das muss sie selbst moderieren, da sie besser versteht, um was es ihr da geht.

ja, das hilft tatsächlich, danke.

Wie weit oder eng willst Du das Thema machen?
Die Überschrift spricht von „Frauen, Kindern und anderen Minderheiten“.
Du erwähnst aber auch Gewalt gegen Männer, ausgeübt sowohl von Frauen als auch von Männern.

das finde ich sowas von grässlich, da läuft es mir kalt den Rücken runter. „ausgeweidet“?!?!?

die Zahl hat mich auch überrascht.

Auch @HarmsCar sprach von männlichen Opfern.

Frage daher: soll Gewalt „Mann gegen Mann“ auch zum Thema gehören?

Die Frage stelle ich mir (und Dir) aus zwei Gründen:

  1. Für mich war Gewalt immer ein Mann-gegen-Mann-Thema.
    Ich habe nie Gewalt gegen irgendjemanden ausgeübt, es sei denn zur Verteidigung, hatte aber als Kind und Jugendlicher häufig Angst, von irgendwelchen Schlägern verprügelt zu werden. Es ist nicht so häufig passiert, aber es hat gereicht, damit ich mich in vielen Situationen unwohl gefühlt habe. Ich merke, dass das bis heute nachwirkt, zumal ich mich heute aufgrund verschiedener Erkrankungen nur schlecht wehren könnte.
    D.h. es hilft mir nicht, dass ich keine Frau bin, im Gegenteil glaube ich, dass Männer gegenüber (körperlich oder zahlenmäßig unterlegenen) Männern leichter zuschlagen, weil sie das für „normal“ halten. Das kommt in der Kneipe, in der U-Bahn, im Fussballstadion, oder einfach irgendwo auf der Straße ja auch ständig vor.

Wo ziehst Du bei Deinem Thema die Grenze?
Häusliche Gewalt Frau-gegen-Mann vs. Gewalt Mann-gegen-Mann in der Kneipe?
auch häusliche Gewalt kann Mann-gegen-Mann sein.

  1. Ich vermute, dass jeder Mann diese Gewaltperspektive Mann-gegen-Mann kennt, das gehört bei uns zum Leben dazu, mal mehr, mal weniger.
    Und ich vermute, dass die meisten damit unangenehme Erfahrungen und Gefühle verbinden.
    Damit komme ich zum zweiten Grund: wenn Du Männer für das Thema Gewalt interessieren und für den „Kampf“ gegen Gewalt (pun intended :slight_smile: ) gewinnen willst, ist das möglicherweise ein guter Ansatz: frag sie nach ihren eigenen Gewalterfahrungen.

    Aus meiner Sicht gibt es Menschen, die versuchen, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen.
    Die allermeisten von ihnen sind Männer.
    Ihre Gewalt richtet sich gegen andere Menschen, ohne dass sie auf ein Geschlecht oder Alter beschränkt ist.
    Männer schlagen Frauen, Männer schlagen Männer, Männer schlagen Kinder.
    Und ich vermute, dass es häufig dieselben Männer sind, die Frauen und Männer schlagen.
    Wenn man das Problem der Gewalt angehen will, scheint mir eine Aufspaltung nach Geschlecht der Opfer nicht unbedingt sinnvoll zu sein.
    Das darf natürlich nicht dazu führen, dass sich jetzt alle Männer als Opfer gerieren um so das Problem kleinzureden und die Diskussion abzuwürgen. Das wäre fatal.
    Aber wenn man das vermeidet glaube ich -wie gesagt-, dass der Zugang zum Thema für Männer erleichtert wird, wenn es auch die Gewalt gegen sie selber einschließt.
    Wir werden dann vermutlich feststellen, dass die Gewalt einiger Männer ein gemeinsames Problem von Frauen und vielen Männern ist.

Ob das zu Deinem Konzept und Deinem politischen Ansatz passt, weiß ich nicht, das musst Du natürlich entscheiden.

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Stelle es gerne hier ein, es interessiert mich und ich denke, ich könnte auch Anregungen dazu geben.
Meine Idee können wir gerne hintanstellen, wenn wir besser sehen, wie die Diskussion läuft. Mir hat es auch geholfen, zu verstehen, wie vieles für Männer aussieht, wenn ich meinen Sohn oder Bruder einfach gefragt habe. Ein Gespräch, in dem man sich vertraut, klärt viel und man versteht besser.

Hier will ich aber noch etwas sagen, nachdem @Lilly so offen war. Danke dafür.
Ich habe Gewalt von meinem geschiedenen Mann erlebt, auch die Kinder waren einbezogen. Zurzeit habe ich wieder eine Posttraumatische Belastungsstörung, und das Thema triggert mich, dh, es verstärkt die Symptome. Ich will mich trotzdem beteiligen und bin für meinen Selbstschutz auch selbst verantwortlich und kann das auch, und ich kann mich auch wehren.
Kann sein, dass ich manchmal eine Pause brauche. So don’t mind, ihr könnt so viel nicht falsch machen.

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@lawandorder Ich habe das Thema Gewalt von Männern gegen Männer im Ansatz schon angelegt. Wie ausführlich ich es in diesem Rahmen aufgreifen kann, weiß ich noch nicht genau, da mir nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht.
Aber ich ich habe dein Thema in meine Arbeit aufgenommen. Danke für den Tipp.

@Dagmar Wie auch immer du dazu in der Lage bist. Ich bin unendlich dankbar für jede Unterstützung. Es ist ein Riesenthema und soll nicht dauernd wieder im Sande verlaufen.

Hast du schonmal überlegt, deine Geschichte aufzuschreiben? Ich habe einen kompletten Roman verfasst (lustig und spannend, wie ich hoffe), der jetzt in der Schublade vor sich hin staubt, aber das hat mir unglaublich geholfen. Anonymisiert könnte deine Geschichte sogar als Gastbeitrag mitveröffentlich werden. Ist aber nur eine Idee. Mehr nicht.

Möglicher Aufbau:

  • Einführung in das Patriarchat – Was ist das Patriarchat und wie hat es sich historisch entwickelt?

  • Einfluss des Patriarchats auf verschiedene Lebensbereiche – Wie zeigt sich das Patriarchat in Arbeitswelt, Politik, Familie, Medien und Kultur?

  • Patriarchat und Intersektionalität – Wie beeinflusst das Patriarchat Menschen unterschiedlich, je nach Klasse, Ethnie, sexueller Orientierung etc.?

  • Gefangene des Systems: Frauen als Stütze des Patriarchats

  • Toxische Männlichkeit: Wie patriarchale Werte und die Erziehung von „starken“, „harten“ Männern zu Gewalt unter Männern führen.

  • Handlungsansätze – Was können wir tun, um das Patriarchat abzubauen? Welche politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Schritte sind notwendig?

ich kann mit dem Patriarchat als politisches Argumenationsmuster nicht so viel anfangen, insb. dann nicht, wenn die Ursache des Patriarchats in der falschen Erziehung gesehen wird. Der Zustand der Welt lässt sich m.E. viel einfacher und plausibler durch das Wesen des Menschen erklären als durch irgendwelche Systeme oder künstliche Strukturen.
Im Zusammenhang mit Gewalt halte ich das Patriarchat (wie auch immer man es definiert) nicht für den entscheidenden Faktor.

Die dominante Rolle der Männer resultiert für mich aus simplen biologischen Faktoren:
mehr Muskelkraft, mehr Testosteron, mehr angeborene Aggressivität, (manchmal fehlgeleitete) Beschützerinstinkte. Diese Dinge muss man dem durchschnittlichen Mann nicht anerziehen, die bringt er bei Geburt mit.

Diese Faktoren sind und waren in der Vergangenheit dem Überleben und dem Erfolg der menschlichen Spezies sehr nützlich. Löwen, Wölfe, Bären mussten durch Gewalt besiegt werden. Die gesamte Infrastruktur des Abendlandes wurde und wird bis heute unter Einsatz männlicher Muskelkraft erschaffen.
Aber sie haben ihre negativen Seiten, dass nämlich diese Eigenschaften auch zu Gewalt gegeneinander führen, in Familien, gegen Frauen, gegen andere Männer, bei Kneipenschlägereien und in Weltkriegen.

Ich bin ein Mann, ich müsste von diesem „Patriarchat“ profitieren, so wie es üblicherweise verstanden wird.
Was die Gewalt angeht, finde ich die Dominanz der Männer aber eher beunruhigend, manchmal beängstigend, wie beschrieben. Ich könnte gut drauf verzichten. Da fühle ich mich zwischen Baum und Borke.
Deswegen hilft mir die Argumentation mit dem Patriarchat nicht so recht weiter.

Es gibt Menschen, die versuchen schnell und häufig, ihre Ziele mit Gewalt zu erreichen, und es gibt solche, die das nie oder nur im äußersten Notfall tun.
Die Mehrzahl der ersten Gruppe sind aus biologischen Gründen Männer.
Man kann das als Patriarchat bezeichnen, aber der Begriff verunklart m.E. mehr als er erklärt.
Er suggeriert ein künstlich und absichtlich (vielleicht sogar böswillig) geschaffenes System, das man jetzt halt mal ändern muss. Wenn man hingegen den Zustand biologisch versteht, begreift man erst die Dimension des Problems, und man kommt weg von der Idee, dass irgendwelche finsteren Mächte da gegen den Willen der Menschen ein unterdrückerisches Herrschaftssystem geschaffen haben, das alle Männer begünstigt.
Das tut es nämlich nicht.

Folge des „Patriarchats“ ist auch, dass -wie gerade in der Ukraine- hunderte von Millionen von Männern in den letzten 2000 oder 4000 Jahren in unzähligen Kriegen abgeschlachtet wurden, oder bei Polizei- und Feuerwehreinsätzen verletzt wurden usw usw.
Die Männer profitieren in mancher Hinsicht vom „Patriarchat“, aber sie sind auch seine Opfer. Sie folgen biologischen Zwängen und Vorgaben, gegen die sich viele offenbar nicht wehren können. Das müssen wir ändern, keine Frage! Aber es nicht mit Appellen und Vorhaltungen getan, das Problem sitzt auf einer Ebene, die verstandesmäßig nur bedingt erreichbar ist. Ich hoffe es gibt Leute, die wissen, wie und wo man da ansetzt.

Ich vermute, dass Du die Struktur Deiner Texte nicht wegen meiner Einzelmeinung ändern wirst, und ich verstehe das. Dennoch wollte ich Dir meine Sichtweise schildern.
Ich bin -wie schon geschrieben- als Mann nicht die Idealbesetzung, wenn es darum geht, die Gefühle von Frauen beim Thema Gewalt darzustellen.
Ich kann nur meine männliche Pespektive glaubhaft mitteilen, und ich glaube und hoffe, dass auch das einen Wert hat (und dass Du es mir nicht krumm nimmst).

Interessant für mich wäre zu wissen, ob Du meine Darstellung als Versuch empfindest, das „Patriarchat“ zu rechtfertigen oder zu verteidigen, oder die Gewalt der Männer zu verharmlosen oder das Problem sonstwie schön- oder kleinzureden.
Das ist alles nicht meine Absicht, aber schriftlich sind die Nuancen nicht immer leicht auszudrücken, dafür aber leicht misszuverstehen.
Insoweit bin ich für jede ernstgemeine Kritik und Nachfrage von Deiner Seite dankbar.

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@lawandorder
Vielen Dank für Deine ausführliche Darstellung. Ich finde es erfreulich, dass Du Dich so differenziert mit der Thematik auseinandersetzt und dabei versuchst, Deine Perspektive verständlich zu machen. Ich möchte gerne auf einige Deiner Punkte eingehen und dabei auch meine eigene Sichtweise einbringen.

Zunächst einmal denke ich, dass Dein biologischer Erklärungsansatz tatsächlich wichtige Aspekte beleuchtet. Muskelkraft, Testosteron und angeborene Aggressivität haben zweifelsohne einen Einfluss auf das Verhalten und die historischen Rollenverteilungen von Männern und Frauen. Diese biologischen Grundlagen können erklären, warum Männer in bestimmten Bereichen der menschlichen Geschichte eine dominante Rolle eingenommen haben – insbesondere in Kontexten, in denen körperliche Stärke überlebensnotwendig war.

Betrachtungen des Patriarchats stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zu biologischen Faktoren, denn es kann als ein soziales und kulturelles System verstanden werden, das sich im Laufe der Zeit auf Basis dieser biologischen Unterschiede entwickelt hat, diese aber oft auch verstärkt und institutionell verankert hat. Zum Beispiel können traditionelle Geschlechterrollen, Erbschaftsregelungen oder das Machtmonopol bestimmter Gruppen als Ausdruck dieser Dynamik gesehen werden.

Du hast vollkommen recht, wenn Du darauf hinweist, dass Begriffe wie „Patriarchat“ Gefahr laufen, vereinfacht oder polemisch zu wirken, wenn sie als böswillig geschaffene, einheitliche Systeme dargestellt werden. Aber das Konzept dient auch dazu, Machtstrukturen zu analysieren und zu verstehen, wie diese über Generationen hinweg verfestigt wurden – oft auch unbewusst. Es geht weniger um die Schuld oder Absicht einzelner Männer, sondern um systemische Muster, die durchaus auch Männern schaden, wie Du selbst eindrucksvoll beschrieben hast.

Dein Hinweis, dass Männer ebenfalls Opfer dieser Strukturen sind – ob im Krieg, in gefährlichen Berufen oder durch gesellschaftliche Rollenerwartungen –, ist ein äußerst wichtiger Punkt. Er zeigt, dass es im Kern darum gehen muss, alle Menschen von Zwängen zu befreien, die ihnen durch historische und biologische Gegebenheiten auferlegt wurden.

Du fragst, ob Deine Darstellung als Rechtfertigung des Patriarchats verstanden werden könnte. Für mich wirkt sie nicht so. Im Gegenteil: Du zeigst, dass Du Dich mit den negativen Folgen für Männer und Frauen auseinandersetzt und eine differenzierte Sichtweise suchst. Es ist absolut okay, biologische Faktoren in die Diskussion einzubringen. Entscheidend ist, dass dies nicht dazu dient, Missstände zu relativieren oder gar zu negieren, sondern um eine Lösung zu finden, welche die Situation vieler Menschen verbessern kann.

Du hast recht, dass Appelle und Vorhaltungen nicht ausreichen, um tief verwurzelte Probleme zu lösen. Es braucht vor allem Bildung, aber auch Forschung und damit gesellschaftlichen Wandel, der Verhaltensweisen und Strukturen nachhaltig verändern kann.

Ich halte deine Perspektive für interessant. Gerade weil Du sie nicht absolut setzt, sondern bereit bist, über Nuancen und mögliche Missverständnisse zu diskutieren.

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@HarmsCar
Entschuldige, dass ich so verspätet genauer auf deinen Kommentar eingehe, aber ich musste erst die Ruhe finden, mich richtig damit auseinanderzusetzen.

Du sprichst einen entscheidenden Punkt an: den Zusammenhang zwischen Autorität, Entscheidungsfindung und der potenziellen Gefahr, diese Autorität mit Absolutismen und Gewalt zu verknüpfen.

Die Unterscheidung zwischen funktionaler Autorität und einer selbsternannten oder dogmatischen Autorität ist hier zentral. Die Elternrolle in Deinem Beispiel – ergibt sich aus einer bestimmten Verantwortung oder Aufgabe. Sie sollte jedoch nicht mit Unfehlbarkeit verwechselt werden. Gerade das von Dir angesprochene Aufbegehren, sei es von Kindern oder anderen Betroffenen, ist wichtig, um Fehlentscheidungen zu hinterfragen und möglicherweise zu korrigieren. Das erfordert jedoch ein hohes Maß an Reflexion seitens derjenigen, die Entscheidungen treffen – und das ist keineswegs selbstverständlich.

Du beschreibst, wie der Absolutismus des „Alternativlosen“ oft als Schutzmechanismus für mangelndes Ideenreichtum oder Reflexionsvermögen dient, und dass dieser Mechanismus nicht auf die Erziehung beschränkt ist, sondern durch viele zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Strukturen zieht. Wenn Entscheidungen nicht als hinterfragbar oder fehleranfällig verstanden werden, wird Gewalt – in welcher Form auch immer – leicht zum Mittel, um sie durchzusetzen.

Bildung und soziale Kompetenz sind ein wichtiger Faktor, das sehe ich auch so. Die Fähigkeit zur Selbstkritik und das Wissen um die Funktionalität von Macht und Autorität sind wichtig, um Konflikte friedlich zu lösen zu können. Dies gilt – natürlich – auch für Dialoge in Foren oder Diskussionen.

Vielleicht wäre der Ansatz, Autorität stärker als Verantwortung zu verstehen, anstatt als auszuübende Machtposition weitaus ergiebiger.

Vielen Dank für deinen Beitrag.

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Ich dachte eigentlich, dass ich zu diesem Thema nichts beitragen könnte, weil ich selbst nie körperliche Gewalt erfahren habe und auch nie das Gefühl hatte, als Frau diskriminiert zu werden.

Wenn ich das jetzt so lese mit der Kindererziehung und dem Patriarchat fällt mir allerdings doch noch etwas ein, wie ich als Mädchen von meinem Vater ausgegrenzt wurde.
Mein Vater war ein sehr geschickter und auch gleichzeitig sehr pingeliger Handwerker. Er hat zu Hause viel selbst gemacht, und ich hätte mich sehr gefreut, wenn er mir davon aktiv etwas beigebracht hätte. Er war aber der Meinung, das sei nichts für Mädchen, und ich sollte lieber die Finger davon lassen. Er selbst hatte diese „Weisheit“ aus seiner Lehre, wo es damals sogar noch Schläge für die Lehrlinge gab, wenn etwas nicht perfekt war, und natürlich auch aus seinem Kollegenkreis. Das fand ich sehr schade, weil ich erstens gern mit ihm gemeinsam etwas gemacht hätte und zweitens auch gern die Fertigkeiten erlernt hätte.

Ein Beispiel (eins von vielen): Als Studentin wohnte ich in einer WG in einer Wohnung, die ihm gehörte, und in meinem Zimmer war eine groß gemusterte schrille Tapete, die ich gern übertapezieren wollte. Er konnte sehr gut tapezieren und hätte das leicht machen können, begründete aber, es nicht zu machen, damit, dass vorher dort noch eine Steckdose verlegt werden müsse, was er nicht dürfe, weil er kein Elektriker war. Außerdem sei es völlig egal, was für eine Tapete dort an der Wand hänge. Er kam regelmäßig vorbei, um nach dem Rechten zu sehen, so dass er es sofort mitbekommen hätte, wenn ich es einfach selbst gemacht hätte, und so hatte ich lange diese hässliche Tapete. Irgendwann fuhr er dann zur Kur, und ich tapezierte mit meiner Mutter das Zimmer, die das zwar auch noch nie selbst gemacht hatte aber meinem Vater immer dabei assistiert hatte.
Vorher hatte ich noch einen Kabelkanal gezogen und die neue Steckdose verlegt, so dass sie nur noch späterer von einem Elektriker am Verteiler angeschlossen werden musste. Das ist richtig gut geworden, und ich war sehr glücklich und stolz auf das Ergebnis, und auch sehr froh, dass meine Mutter mir geholfen hatte.
Als mein Vater dann von der Kur zurück kam, war sein einziger Kommentar „Das ist ja gerade noch mal gut gegangen“

Ich denke aber, diese Zeiten sind für Deutsche vorbei. Heute werden Mädchen bei uns eher ermuntert, Dinge zu lernen, die früher angeblich nichts für sie wären, und sie werden nicht mehr dabei blockiert. Sie werden eher ermuntert, eigene Entscheidungen zu treffen.

Es geht also auch viel um Glaubenssätze, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden.

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Ich bin der festen Überzeugung, dass sich seit Ende des Krieges in Deutschland dramatisch vieles zum besseren oder gar guten gewandt hat - und das ist auch etwas, weswegen ich in Deutschland (zugegeben als Mann) nach wie vor auch gerne lebe.

Wenn ich mir die Gewaltstatistik ansehe, die auch oben schon von @Lilly angeführt wurde, finde ich natürlich immer noch, dass jede Tat eine zu viel ist - verbunden mit meiner Sorge, das die dazu passenden Narrative vielleicht nicht wirklich aufgehört haben, in den Köpfen rumzuspuken (Stichwort Patriarchat), und bei nächster Gelegenheit sich vielleicht wieder Bahn brechen, finde ich den ständigen Austausch über dieses Thema durchaus wichtig - Dein selbst angeführtes Beispiel nach einigem Nachdenken zeigt, dass es eine Frage der Sensibilität ist, inwieweit man auf die noch bestehenden Missstände (oder zumindest dessen Vorstufen) aufmerksam wird.

Ein interessanter Satz, den ich bei Dir gefunden habe ist

(Hervorhebung von mir)

Es ist ein großer Unterschied zwischen Abgrenzung und Ausgrenzung.
Abgrenzung hat etwas mit Verantwortung zu tun - Ausgrenzung mit Diskrimminierung.
Es gibt - in Freund- und Partnerschaften, aber gerade auch in der Erziehung - viele Momente der Abgrenzung (vor allem, weil Kinder nun mal die Folgen ihres (gewünschten) Handelns nicht überschauen, und die Verantwortung dann bei den Eltern liegt).
Ausgrenzung ist ein NOGO, und aus meiner Sicht bereits eine Form von Gewalt.

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Zwischen Eltern und minderjährigen Kindern ist das klar, aber ich meinte tatsächlich die Unterscheidung nach dem Geschlecht.
Für mich war es sehr hilfreich, dass in der Schule diese Unterscheidung nicht gemacht wurde.

Natürlich finde ich diese Beispiele alle sehr schlimm, aber die Motivationen dazu würde ich nicht automatisch dem Patriarchat zuordnen. Da wir in Deutschland offiziell kein Patriarchat mehr haben ist es die Frage, ob es sinnvoll ist, das Wort immer wieder im Zusammenhang mit Deutschen zu verwenden. Immerhin haben wir folgende Dinge im Gegensatz zu diversen anderen Staaten und Vorgängersystemen gesetzlich gut geregelt, wofür ich sehr dankbar bin:

Da hast Du vermutlich recht - mir fehlt im Augenblick die Fantasie, dafür einen anderen Begriff zu benutzen :frowning:

Das teile ich uneingeschränkt (s.o.)

Hier ist ja hauptsächlich der negative Kontext gemeint.
Da würde ich es als ein Besitz- und Anspruchsdenken (in Bezug auf andere Menschen) bezeichnen sowie als ungebetene Dominanz.
Im positiven Kontext als die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und als Führungsstärke.

Das alles kann auf Männer und Frauen zutreffen, ist aber statistisch wohl häufiger bei Männern verortet.

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Vielen Dank für die Beiträge.

Es ist spannend, wie sich hier persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen vermischen. Gleichzeitig möchte ich einige Punkte klarer beleuchten, da ich den Eindruck habe, dass die Diskussion an manchen Stellen die Tiefe des Problems nicht ganz erfasst.

@Biologin
Dein Beispiel mit Deinem Vater zeigt eindrücklich, wie tief verwurzelte Geschlechterstereotype noch vor wenigen Jahrzehnten den Alltag vieler Menschen geprägt haben. Es ist schön zu sehen, dass sich einiges geändert hat und Mädchen heute oft ermutigt werden, „untypische“ Dinge zu lernen. Aber: Solche Glaubenssätze verschwinden nicht von selbst, sie wirken oftmals subtil weiter – sei es in Form von eingeschränkten Erwartungen, ungleichen Chancen oder dem Fortbestehen von männlich geprägten Machtstrukturen. Hier zeigt sich, dass der Begriff „Patriarchat“ weniger eine starre Institution meint, sondern auch die weiter bestehenden Muster und Dynamiken, die Männer strukturell bevorzugen und Frauen oft benachteiligen.

@HarmsCar
Du sprichst die Fortschritte seit Ende des Krieges an, und das ist unbestreitbar. Dennoch glaube ich, dass es leichtfertig wäre, daraus zu schließen, dass es „kein Patriarchat mehr gibt“. Rechtliche Gleichberechtigung ist ein großer Schritt, aber sie reicht allein nicht aus, um tiefsitzende gesellschaftliche Muster zu ändern. Und echte Gleichstellung sieht in vielen Bereichen anders aus. Gerade in Bezug auf Gewalt zeigt die Statistik, dass Frauen unverhältnismäßig häufig Opfer von Partnerschaftsgewalt werden – das hat nicht nur biologische, sondern eben auch strukturelle Gründe. Gewalt wird oft durch Vorstellungen von Macht und Besitzdenken motiviert, die in patriarchalen Denkmustern wurzeln.

Die Frage nach einem alternativen Begriff zum Patriarchat ist interessant. Aber Begriffe wie „Besitzdenken“ oder „ungeladene Dominanz“ erfassen nur Teilaspekte dessen, was patriarchale Strukturen ausmacht. Ein Begriff wie „Patriarchat“ mag sperrig oder historisch belastet sein, aber er hilft, das Zusammenspiel von Macht, Geschlecht und gesellschaftlicher Prägung umfassend zu beschreiben – auch in einer Gesellschaft, die sich auf dem Weg der Besserung befindet.

Was mir in der Diskussion fehlt, ist die Einsicht, dass Fortschritte nicht bedeuten, dass das Ziel erreicht ist. Die Gefahr, dass patriarchale Muster sich neu formieren oder subtil weiterwirken, ist real – gerade auch in Deutschland. Deshalb reicht es nicht, auf das einmal Erreichte stolz zu sein.
Es ist noch einiges an Weg bis hin zu einer wirklich gerechteren Gesellschaft.

?? Der Begriff „Fortschritt“ impliziert doch, dass kein Ziel erreicht wurde - sonst wäre es „Problem erledigt“??

Den Satz verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht - was ist eine „wirklich gerechtere Gesellschaft“ - das ist ein komisches Wortkonstrukt - wir leben bereits - im VGL zum 18ten Jahrhundert - in einer „gerechteren Gesellschaft“.

Erstmal müssten wir hier den Begriff „gerechte Gesellschaft“ näher definieren - und dann könnte es nach einer Definition entweder eine gerechte Gesellschaft geben - oder eine in Teilen eben leider noch ungerechte Gesellschaft - aber keine "wirklich gerechte(re) Gesellschaft (in Abgrenzung zu einer unwirklich gerechte Gesellschaft).

(oder ist das mit dem Attribut „wirklich“ bei Dir so ähnlich wie bei mir mit dem unsäglichen „eigentlich“?)
:wink:

Lieber Harms,

Seh mir das nach. Ich steh noch ganz am Anfang meiner Kampagne und meinem ersten Einführungstext. Ich werde das Thema „Patriarchat“ und „Gewalt“ so gut es geht aufdröseln, so gut wie ich es vermag. Es kommen noch sehr viele Blogtexte, mit denen ich das auffächern möchte.

Im Grunde wollte ich einfach sagen, dass es Strukturen im System gibt - immer noch - die Gewalt jeglicher Form begünstigen.

Und ja: es gibt so ein paar Worte, wie „wirklich, eigentlich …“, die mir ganz oft in meine Sätze rutschen. (Also ein bisschen Slang in all dem Ernst!)

Liebe Lilly,
Kein Problem - ich bin ein sehr nachsichtiger Mensch (zumindest in meinem romantisch verklärten Selbstbild :thinking:
Ich frage das nur deswegen nach, weil es auch einige gibt, die solche Sätze ernsthaft meinen, ich Dich noch nicht gut genug kenne, und Dich nicht gleich in einer Schublade verschwinden lassen will (die ich gar nicht habe - in besagter romantischer Verklärung).

Carsten

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