Warum läuft es bei den meisten europäischen Nachbarn besser mit der Energiewende als bei uns, obwohl die Rahmenbedingungen doch ähnlich sind? Patrick Sauter hat hier eine ganz interessante Analyse der jetzigen und historischen Energiepreise gemacht und stellt fest, dass man am Spark Gap (dem Verhältnis von Strom- zu Gaspreis) sehen kann, wie sehr die Energiewende politisch gewollt ist oder eben nicht. Besonders spannend find ich den Vergleich der einzelnen Umlagen die mal auf die Verbraucherpreise aufgeschlagen werden und mal als Subventionen aus dem Staatshaushalt kommen.
Ich habe mir das Video angesehen, und die Empfehlung am Ende lautet ja, dass man trotzdem eine Wärmepumpe anschaffen soll, weil irgendwann die Gaspreise steigen werden.
Ich habe nun gerade ein Angebot über 62000 bekommen. Wenn ich davon 24500 € Maximalförderung abziehe, sind es immer noch fast 40000 €.
Dafür kann man eine Menge Gas kaufen, so dass ich der Meinung bin, es lohnt sich finanziell überhaupt nicht, wenn man wenig verbraucht (was man ja weiterhin sollte).
Habt ihr die Hoffnung, dass es irgendwann attraktiver wird oder bleibt es purer Idealismus, seine Heizung umzurüsten?
wenn nicht die Politik entscheidet sie aus dem Staatshaushalt noch zusätzlich zu subventionieren um die Preissteigerung aufzuhalten … sozialverträglich abzufedern (klingt besser)
Ich hab Sorge, dass wir mit unserem Weg am fossilen Zeitalter festzuhalten irgendwann sehr alleine dastehen. Volkswirtschaftlich ist es schon heute höchst fragwürdig. Wie es anders gehen kann (auch wirtschaftlich), sehen wir ja bei unseren Nachbarn. Aber was die politische Stimmung hierzulande angeht, hab ich leider wenig Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren etwas am derzeitig konservativen (im Wortsinn) Kurs ändern wird.
Ich selbst bin trotzdem sehr froh mit meiner persönlichen Energiewende schon durch zu sein und heute Stromkosten zu haben, die bei einem Bruchteil von dem liegen, was ich früher für Strom, Gas und Diesel bezahlt habe. Daher könnte mir persönlich die Energiepreisentwicklung ziemlich egal sein - wenn es nicht auch meine Steuergelder wären, die weiter fossile Energie finanzieren.
Falls es sich dabei um ein gewöhnliches Wohngebäude handelt in dem schon eine wasserführende Heizung existiert, sollte es möglich sein ein deutlich günstigeres Vergleichsangebot zu bekommen. Ansonsten lohnt sich bei geringen Heizbedarfen oder Ersatz für Etagenheizungen vielleicht auch ein Blick auf Luft-Luft-Wärmepumpen aka Splitklimaanlagen.
Was den Handelspreis angeht, passiert das ja schon seit vielen Jahren. Dadurch dass mehr Länder und Unternehmen flexibel (dank LNG) liefern können, ging der Gaspreis am Weltmarkt merklich zurück.
Auf die Verbraucherpreise wird sich das glaub ich trotzdem nicht spürbar auswirken, da dieser nicht unwesentlich von der Logistikinfrastruktur abhängt - Förderstellen, Verflüssigung, Pipelines, Schiffe - alles Dinge die mit großem Volumen günstig werden. Wenn sich diese Logistikkosten auf weniger Volumen aufteilt, wird es tendenziell teurer. Einen Teil dieser Logistik nutzen wir derzeit mit unseren europäischen Nachbarn gemeinsam, zum Beispiel in den belgischen und niederländischen Häfen (wo das bundeseigene Unternehmen Sefe, ehemals Gazprom Germania, noch heute russisches Gas importiert). Wenn die nicht mehr mit im Boot sitzen, werden wir deren Kostenanteil zusätzlich tragen oder eigene Häfen ertüchtigen müssen. Ein Schritt dem entgegen zu treten wäre wieder mehr regional (somit weniger Transport) zu fördern - und auch das passiert ja schon:
216 TWh Erdgas an Deutschland exportiert (das meiste davon nicht selbst gefördert sondern durchgeleitet)
315 TWh Erdgas selbst verbraucht, davon etwa ein Viertel für die Verstromung.
Der Gasverbrauch in den Niederlanden war auch vor der Gaskrise schon deutlich rückläufig, während wir hier bis 2022 noch einen steigenden Gasverbrauch hatten. Wenn das so weiter geht, sind wir schon bald der Hauptnutzer der niederländischen Gasinfrastruktur. Das was die Niederländer in der Nordsee machen, machen sie weil wir es ihnen dankend abkaufen.
Bei ansonsten tendenziell höheren Lebenshaltungskosten verglichen mit Deutschland müssen die Niederländer im Schnitt nur 22 ct/kWh Strom bezahlen (in Deutschland 39 ct/kWh). Sie liegen im PV-Ausbau (kWp/Kopf), Elektroauto Zulassungen (anteilig), Wärmepumpeneinbau (Anteil im Bestand) … und sonst wo noch deutlich vor uns.
Hier erzählt man sich die Energiewende wird zu teuer, aber dort ist man schon weiter und zahlt nur die Hälfte. Klar sind die Niederlande nicht eins zu eins mit Deutschland zu vergleichen, aber unsere geografischen Voraussetzungen sind nicht wirklich schlechter, auch nicht schlechter als jene von Schweden.
Welche Kosten könnten wir denn einsparen, aus deiner Sicht, bei der Energiewende, wenn wir sie billiger machen würden, und wer würde dieses Geld (dann im Fall einer Einsparung nicht) bekommen?
(Ich meine jetzt wirklich nur die Kosten für die Energiewende, nicht für die Fossilen)
Wie in dem oben verlinkten Video sehe ich auch den wesentlichen Hebel bei der Frage: Welche Kosten sollen auf den Verbraucher umgelegt werden, und welche sind aus dem Staatshaushalt zu bezahlen. LNG-Terminals wurden großzügig mit Steuergeld herangeschafft (weil wegen nationaler Versorgungssicherheit), den Stromnetzausbau zahlen wir aber bisher nahezu ausschließlich über die Netzentgelte. Es gab mal die Idee des Klima- und Transformationsfonds um die notwendigen Investitionen für die Energiewende stemmen zu können - der Topf aus dem nun die Gasumlage bezahlt wird um die Gasverbraucher zu entlasten.
Aus meiner Sicht sollten die Verbraucherpreise die tatsächlichen Betriebskosten abdecken, aber für die Daseinsvorsorge / Infrastrukturinvestitionen sollte der Staat gemeinschaftlich aufkommen. Ansonsten haben wir jetzt beim Strom die umgekehrte Situation, dass wenige Nutzer die jetzt schon ihren Energieverbrauch elektrifiziert haben oder es gerade planen, übermäßig für die Infrastrukturinvestitionen für die Zukunft aufkommen müssen und das dem Umstieg entgegen steht.
Um konkret auf deine Frage zu antworten, ich würde mir wünschen:
Netzentgelte die den Betrieb der Netze, nicht aber deren Ausbau finanzieren müssen
Konzessionsabgaben, Steuern und Co die spartenübergreifend gleich sind
Subventionen die aus dem Staatshaushalt, nicht aber über Umlagen auf bestimmte andere Nutzergruppen getragen werden
Aus dem anteiligen Strompreis beide. Aber klar ist, dass die Kosten (auch für den Ausbau) natürlich trotzdem getragen werden müssen. Wir hatten an anderer Stelle schonmal über AgNes diskutiert und wie man die Netzgebühren zugleich fairer und trotzdem attraktiv gestalten könnte. Das Geld und das Investitionsvolumen ist dadurch nicht insgesamt weniger, sondern nur anders verteilt.
Was den Staatshaushalt und unser aller Steuergeld angeht, geht es letztendlich um die Frage worin wir investieren wollen - in kurzfristige Entlastungen für bestimmte Nutzergruppen, oder in eine zukunftsfähige Infrastruktur.
Als grüne Oppositionsfraktion könnte man auch mal so kreative Vorschläge einbringen wie:
die EEG Umlage auf den Benzinpreis aufschlagen
eine Citymaut um die zahlreichen Baustellen zu finanzieren die notwendig werden Fernwärme auszubauen
den CO2 Preis noch zusätzlich mit einer “Renaturierungsabgabe” beaufschlagen
nichts davon wäre sinnvoll duchzusetzen, aber es regt vielleicht die Diskussion über einseitige Belastungen an.
Kannst du beurteilen, ob der Ausbau in den anderen Ländern, die schon weiter sind, auch so teuer war, und ob die Wärmepumpen mit Einbau dort auch so teuer sind wie bei uns?
Das ist für mich keine Sorge, eher ein Hoffnung. Denn das würde doch bedeuten, dass fast alle anderen das fossile Zeitalter verlassen haben. Super, Klima gerettet. Dann sind auch unsere 2% verschmerzbar.
Das kannst du in die Tonne treten, es sei denn das Angebot ist für ein Mehrfamilienhaus.
“Leider gilt immer noch: die bekanntesten deutschen Wärmepumpenhersteller sind
weit vom ersten Platz hinsichtlich Effizienz entfernt. Die Modelle verbrauchen 20 bis 40 % mehr elektrische Energie als die Spitzenreiter. Bitte achten Sie beim Kauf des größten Stromverbrauchers in Ihrem Haus auf Effizienz, auch wenn es manchmal mühsam ist, ein entsprechendes Angebot zu bekommen.“
Das ist aus dem neuesten Newsletter vom Wärmepumpen-Austauschkreis-Aachen. Den Initiator Peter Klafka hatte ich vor etwa 2 Jahren bei einem Vortrag in Frankfurt am Main kennengelernt. Wer was lernen will, kann sich ein Video von einer Veranstaltung in Mainz anschauen. Achtung über 2 Stunden.