Politisches Vorgangsmanagement

Ich bin von Edgar S. in der Signalgruppe UAG Tune up LAG DiMe eingeladen worden, hier im Forum kurz den Entwicklungsstand des politischen Vorgangsmanagements vorzustellen, das ich anbiete. Ich hatte das gestern in die Kategorie LAG DigiMed geschrieben, aber mir scheint, dass dort niemand ist. Deshalb verschiebe ich das hier her in Medien, Internet, Digitales, weil der Zweck des politischen Vorgangsmanagements, das ich hier beschreibe, genau der ist, einen besseren Umgang mit den vorrangig medial vermittelten politischen Vorgängen zu entwickeln.

Zielgruppe des hier beschriebenen politischen Vorgangsmanagements sind politisch ambitionierte Einzelpersonen, deren Teams sowie Arbeitskreise oder auch OV/KV. Der Kreis berechtigter Nutzer ist dank des Rollen- und Rechtemanagements beliebig erweiterbar. Die Kosten des Systems sind unabhängig von Benutzerzahl oder Funktionsumfang konstant. Das System wird einzelinstanzlich bereitgestellt. D.h. jede interessierte Person, jede interessierte Organisationseinheit erhält ihr eigenes System, sodass subsidiär über Verwendung und Ausgestaltung u.a. von Benutzung und Regeln entschieden werden kann.

Das politische Vorgangsmanagement löst die Aufgabenstellung, Vorgänge allein oder im Team bearbeitbar zu machen. Die Herausforderung des politischen Vorgangsmanagements besteht darin, einer unbearbeitbaren Ereignishaftigkeit des Geschehens zu entkommen und die Entwicklung eines oder mehrerer politischer Themen über einen langen Zeitraum handhaben und seine Entwicklung mitgestalten zu können.

Dafür werden zum Vorgang gehörende Aktivitäten dokumentiert, klassifiziert und den Beteiligten (Gremien, Mandatsträger, sonstige Stakeholder bspw. der Exekutive usw.) zugerechnet. Als Datengrundlage dienen die teils maschinell abfragbaren Informationen der Rats- und Parlamentsinformationssysteme, Bürgereingaben (bspw. formularbasiert auf Kampagnenseiten, OV- oder KV-Internetseiten oder Internetseiten von Abgeordneten), bürgerjournalistische Arbeiten und eigene Recherchen der Mitwirkenden.

Vorgänge werden durch die Mitwirkenden manuell hinsichtlich der Politikzyklusphase (5-Phasen-Modell) klassifiziert und in Politikfelder (bspw. Typologie nach Hennecke) eingeordnet. Dadurch lassen sich für alle Mitwirkenden transparent Vorgänge unabhängig von politischer Ebene, Polity und Arena nachvollziehen und insbesondere unabhängig von medienwirtschaftlich geprägten Themenkonjunkturen verfolgen.

Durch Konfiguration weitererer Datenfelder kann das System individualisiert werden. So sind bspw. die Eigenschaften der Gremienmitgliedschaft als Beziehung (Stimmrecht, Vertretungsregel, Fraktionszugehörigkeit) abbildbar. Auch sind ohne Programmierkenntnisse beliebige weitere Datenabfragen, vorkonfigurierte Ansichten und Export-Optionen möglich.

Insbesondere können im System auch Materialien zu einzelnen Vorgängen oder Aktivitäten verlinkt werden.

Aktuell entwickle ich in Worms unter https://worms.social den hier skizzierten Demonstrator, der eine kontinuierliche öffentliche Beteiligung über das Fediverse ermöglicht.

Das System beinhaltet im weiteren alle typischen Möglichkeiten der Kontakt- und Mitgliederverwaltung, der Gruppenverwaltung, der Erstellung und des Versands gruppen- und themenbezogener Serien-E-Mails, die Verwaltung von Veranstaltungen und Veranstaltungsteilnahmen sowie die Verwaltung von Zuwendungen wie bspw. Spenden oder Veranstaltungsteilnahmegebühren. Eine Nutzung komplementär zu Sherpa bietet sich ebenso an, wie die Einbindung in existierende Webseiten.

Das Vorgangsmangement lässt sich vollständig in die übrige Infrastruktur wie bspw. Forum, Nextcloud, Antragswesen usw. integrieren, indem im Vorgangsmangement verwaltete Vorgänge und Einzelereignisse entsprechend verlinkt werden können.

SSO ist möglch. Umsetzbar sind auch manuelle oder vollautomatische Sekundäralarmierungen interessierter Kreise per Serien-E-Mail, Signal oder Matrix.

Optional lässt sich eine maschinelle und KI-gestützte Auswertung von Rats- und Parlamentsinformationssystemen als ständige Datengrundlage anschließen.

Das System ist datenschutzoptimal konfiguiert, vollständig mehrbenutzerfähig, mittels eines gruppenbasierten Rollen- und Rechtemanagement sehr differenziert nutzbar und wird typischerweise kollaborativ von Arbeitsgruppen in Selbstorganisation genutzt.

Das dem politischen Vorgangsmanagement zugrundeliegende System stelle ich Interessierten gewerblich bereit und übernehme gegen eine Einrichtungspauschale die Konfiguration und Schulung.

Unter https://polbeo.de kann man das zugrundeliegende System allein mit Angabe einer E-Mail-Adresse anfordern. Die Bereitstellung erfolgt binnen 15 Minuten. Die Instanz kann vier Wochen lang kostenlos und unverbindlich genutzt und durch Hinterlegung eines Zahlungsmittels unterbrechungslos in den produktiven Betrieb überführt werden.

Das System beruht auf CiviCRM. Die Verwendung von CiviCRM lässt sich innerhalb Bündnis90/Die Grünen bundesweit seit ca. 2015 vor allem für MdEP und MdB sowie für einzelne Kreis- und Stadtverbände nachweisen. Es wird im übrigen von ca. 1000 namhaften deutschen NPO/NGO in Deutschland und darüber hinaus von ca. 18.000 weiteren Organisationen weltweit verwendet. Die Software ist in der US-amerikanischen Kulturtradition des Community Organizings zu sehen und wird seit 2005 entwickelt.

CiviCRM ist freie Open-Source-Software (FOSS) und es steht jedem frei, sie selbst zu hosten und dabei die kontinuierliche Softwarepflege und die Konfiguration zu übernehmen, sodass man durch Bereitstellung und Unterhaltung vor eine Make-or-Buy-Entscheidung gestellt. Mehr dazu unter Wie CiviCRM gepflegt und aktuell gehalten wird | polbeo.de

Über eine Diskussion zu speziellen organisatorischen, technischen und rechtlichen Fragen freue ich mich. Gerne kann ich das System auch vorführen.
Diesen Forenbeitrag habe ich auch nochmal als pdf-Dokument aufbereitet. Siehe 2026-08-20 - Florian Dieckmann - Politisches Vorgangsmanagement mit CiviCRM.pdf - Nextcloud

Für Rückfragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

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Danke für die Info.
Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann kann ich damit alle Informationen, die es zu einem Thema gibt, einigermaßen übersichtlich zusammenstellen.

ZB, wenn ich über Klimaanpassung und Wassermanagement in einer bestimmten Region arbeite, dann wären das Gesetze, Verordnungen und Richtlinien von der EU abwärts bis zur Gemeinde, mit den Veränderungen im Laufe der Jahre, zusätzlich etwa Presseberichte uä, dann ein Bereich für Daten, Karten und Prognosen, die auch nach Datum/Aktualität sortierbar wären, laufende Verfahren von der Erstellung von Überschwemmungskarten bis zur Wiedervernässung von Mooren, deren Lage und Zustand, die Koordination mit den Landwirten usw.

Ist das so etwa gemeint?
Sieht für mich so aus wie ein Werkzeug für die ideale Sekretärin, die ich immens bewundere.

„Themenkonjunkturen“ musste ich nachschlagen :wink:

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Ganz genau. Nur, dass Du es als Dreh- und Angelpunkt des gemeinsamen „Spiels“ nehmen kannst. D.h. man dreht sich als Gruppe um ein Thema und pflegt gemeinsam den gemeinsamen Daten- und Erkenntnisstand usw. Das hat nicht nur Dokumentationscharakter. Du kannst a) aus dem System heraus ja zur Tat schreiten, Leute anschreiben, in dem Zusammenhang kannst Du auch b) zu Eingaben einladen (quasi eine Art „politischen Mängelmelder“ einrichten).
Wenn Du z.B. aus einem Ratinformationssystem von Vorgängen erfährst, sind die ja im Politikzyklus meist schon in der Phase des Lösungsentwurfs oder der Entscheidung. Du kannst aber auch früher ansetzen, den Vorgang selbst kreieren. Du evaluierst, was denn nun aus einer Entscheidung geworden ist, formulierst ein Problem. Das ist auch ein Vorgang, aber der startet nicht erst mit einer im Ratsinformationssystem auftauchenden Meldung, sondern dann bist Du und Deine Gruppe Spielmacher*in.

Aber um es ganz klar zu sagen: Das ist ein Werkzeug für politische Arbeit, wobei die Betonung auf „Arbeit“ liegt :wink:
Man nutzt dann so ein Werkzeug, weil diese Arbeit dann mehr Spaß macht.

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:wink: :smiley:

Und wer soll das alles lesen und umsezen? Die meisten Kommunalpolitiker sind ehrenamtlich tätig und haben ihren normalen Ganztagsjob. Die Verwaltungsmitarbeiter haben genug anderen Kram zu tun und sind auch unterbestzt. Mir scheint das nicht zuende gedacht. Wenn bei jeder Spielplatzumgestaltung noch 200 Eltern mitreden wollen, dann ist der Spielplatz zuende gebaut, wenn ihre Kinder Abi machen.

Du berührst da den entscheidenden Punkt. Dieses System ist nicht für Politiker gedacht, sondern für Bürger, für Mitglieder.
Parteien zerfallen typischerweise erstens in den Bereich der Rekrutierung und Selektion von Personal, das dann in Gremien entsandt wird. Diesen Bereich nenne ich die „Rekrutierungs- und Selektionsvereine“ RSV. Zweitens zerfallen sie in den Bereich der Informationsbeschaffung- und -verarbeitung. Diesen Bereich nenne ich die „Informationsbeschaffungs- und verarbeitungsvereine“ IVV.

Aktuell vollkommen dominant ist der Bereich der Rekrutierung und Selektion, der sich in Permanenz um Wahlen dreht. Landläufig wird damit die Vorstellung verbunden, herausragende Persönlichkeiten zu finden, die sich dann kümmern.
Für die allermeisten Menschen ist das vollkommen unproduktiv. Weder wollen sie kandidieren, noch gelangen sie in eine für sie produktive Rolle, indem sie den RSV tragen.

Der IVV aber bietet potentiell alle Rollen, nämlich die der Umweltbeobachtung, Dokumentation, Informationssammlung, Problemformulierungs- und Lösungsentwurfs sowie der Organisation politischen Handelns. Das System, das ich hier vorstelle, dient in erster Linie den IVV.

Rekrutierung und Selektion sind nur ein sekundärer Effekt der Integrationsleistung des IVV und die dort rekrutierten Personen sind nur so gut informiert und gegen informationelle Manipulation gefeit, wie die IVV aufgestellt sind, die sie tragen.

Das vorgestellte System operationalisiert die Arbeitsweise gewerblicher Interessenvertretungsdienstleister für Kollektivakteure wie bspw. den IVV-Teil politischer Vereine.
Ich gebe aber zu, dass es sich wesentlich leichter an Interessenverbände und Lobbyagenturen verkaufen lässt, weil die sowieso so arbeiten.

Das Störgefühl, dass Du hast, spiegelt lediglich den banalen Umstand, dass die althergebrachte Struktur politischer Mitwirkung in Parteien eine Wirklichkeit konstituiert hat, in der sich praktisch niemand beteiligt und also auch keine Arbeitskraftressource zur Verfügung steht.
Ich würde mich da auch nicht vom Aufwuchs der Parteimitgliederzahlen blenden lassen. Nur weil Du jetzt mehr Erlösquellen hast, d.h. mehr SEPA-Lastschriftmandate, von deren Ertrag Du Dir mehr Werberaum kaufen kannst, hast Du noch nicht mehr Mitglieder in einen sowohl indviduell als auch kollektiv produktiven Arbeitsprozess eingebunden.

Du kannst nun das von mir vorgestellte Werkzeug als Überforderung interpretieren. Oder als Option, der inhaltlichen Parteiarbeit eine zeitgemäße Infrastruktur zu verschaffen, wobei Du die Zahl derer, die sich beteiligen, dadurch drastisch erhöhst, dass sie plötzlich an etwas teilhaben, zu dem sie auf dem Sofa sitzend tatsächlich beiträgen können und in dessen Prozess sie tatsächlich eine Rolle und ein für sie individuell produktives Ergebnis haben.