ja, der Text ist ideologischer Käse.
es gibt keine schlechte alte und keine gute moderne Männlichkeit. Nur Männlichkeit.
Der Versuch, Männlichkeit in gute M. und böse M. aufspalten, ist zum Scheitern verurteilt.
Männer sind Männer.
Der Text ist auch in sich widersprüchlich bzw. heuchlerisch. Und zT einfach falsch.
Der ganze Text verengt die Männlichkeitsfrage auf das Verhältnis zu Frauen.
Das ist ein elementarer Fehler. Männlichkeit geht über das Mann-Frau-Verhältnis hinaus.
Ein Mann ist auch ohne Frau ein Mann.
- "
Jahrhundertelang wurde Männlichkeit über Dominanz definiert. Ein Mann war stark, wenn er sich nahm, was er wollte – notfalls gegen Widerstand. Er war erfolgreich, wenn er andere unterwarf. Er war respektiert, wenn er keine Schwäche zeigte. Dieses Männerbild hat unermessliches Leid verursacht, vor allem bei Frauen, die diesem System unterworfen waren"
Das ist falsch. Männer sind vor allem darauf geeicht, Dominanz gegenüber anderen Männern auszuüben. Unterwerfung fand nicht vorrangig im Wohnzimmer, sondern auf dem Schlachtfeld statt. Seit Jahrtausenden töten Männer Männer in Kriegen und Schlachten, beim Kampf um Nahrung oder Land - oder um Frauen. Das weiß jeder Hirsch 
Unter männlicher Dominanz und Gewalt haben vor allem Männer gelitten.
„Wir haben definiert, was Männer nicht sein sollen: Nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. Alles richtig.“
Nein, alles falsch, jedenfalls in dieser einfältigen Absolutheit.
Die Aussage bezieht sich unbewusst wieder nur auf das Mann-Frau-Verhältnis und greift daher zu kurz.
Keine Gesellschaft kann darauf verzichten, dass es Personen und Institutionen gibt, die Gewalt und Dominanz ausüben. Polizei, Justiz, Gefängnisse, Armee, ich denke, das muss man nicht weiter erklären. und das alles machen zum ganz überwiegenden Teil Männer
Ansonsten gilt hier, wie so häufig bei dem Thema, der Spruch: frag die Ukrainer.
- „> Moderne Männlichkeit bedeutet die Freiheit, der Mann zu sein, der du sein willst“
Das ist gelogen. Die Verfasser des Textes wollen den Männern diese Freiheit nicht lassen.
Sie wollen nur „gute Männlichkeit“, und sie glauben, dass alle Männer „gut“ werden, wenn sie von dem (angeblichen) Druck befreit werden, dem alten „schlechten“ Männerbild nachzueifern.
Was dabei nicht bedacht wird: was ist, wenn die Männer „die Freiheit, der Mann zu sein, der du sein willst“, dazu nutzen, „schlechte“ männliche Verhaltensweisen zu pflegen?
Ist es das dann auch ihre Freiheit, das zu tun?
Oder sind sie nur frei, „modern“ männlich zu sein?
Hier wird geheuchelt, dass sich die Balken biegen.
Der Beitrag gibt vorsichtshalber schon mal eine lange Liste von „dos and donts“:
Du willst jeden Tag ins Gym gehen und achtest auf deine Ernährung? Hervorragend, dass du daran Spaß hast und gesund lebst. Mach das.
Du willst für deine Familie sorgen können? Großartig. Das ist eine Form von Fürsorge, die Respekt verdient.
Du willst beschützen können? Ja, bitte. Die Welt braucht Menschen, die sich schützend vor andere stellen.
Und gleichzeitig – und hier wird es entscheidend – moderne Männlichkeit bedeutet zu verstehen, dass wahre Stärke nicht darin liegt, andere klein zu machen, sondern gemeinsam zu wachsen. Dass Beschützen und Verantwortung Augenhöhe bedeutet und allen zugutekommt.
Da wird dem freien Mann sehr genau diktiert, wie er als „richtiger“, „moderner“ Mann zu sein hat.
- Und dann wieder der alte Trick:
Irgendjemand hat die Menschheit in Rollen gezwungen, die niemand haben wollte.
„Das alte Männerbild war ein Käfig, nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer selbst. Es hat Männer in Rollen gezwungen, die sie krank gemacht haben.“
Wer hat denn die Männer in die Männerrollen gezwungen?
Die Frauen können sich damit rausreden, dass „das Patriarchat“ sie in ihre Rolle gezwungen hat.
Die Männer können das nicht.
Aber wer hat dann die Männer gezwungen??
Die Möglichkeit, dass die Männer diese Rollen so wollten, weil sie für das Leben und Überleben nötig waren, kommt den Verfassern nicht in den Sinn.
„Gleichzeitig darfst du stark sein wollen. Du darfst Ambitionen haben.“
Das ist so anmaßend, dass es in jedem selbstbewussten Menschen heftigen Widerwillen erzeugen muss. Wer sind diese Hampelmänner, dass sie allen Männern die Grenzen ihrer Wünsche diktieren?
Wie würde es ankommen, wenn ich einen Text schreibe, in dem ich „den Frauen“ erkläre, wie sie als „moderne Frau“ zu sein haben?
„Du darfst den Wunsch haben, weiblich zu sein.“
„Du darfst Dir einen Beruf und eine Karriere wünschen.“
Die Frauen würden zurecht brechen.
Dem Mann wird das als hilfreicher Hinweis verkauft.
Moderne Männlichkeit zeigt sich im Alltag. Sie zeigt sich im Vater, der sich Zeit nimmt für seine Kinder, der Windeln wechselt und Tränen trocknet, weil Fürsorge keine Geschlechterfrage ist. Sie zeigt sich im Partner, der Gespräche führt, statt Konflikte zu vermeiden, der Emotionen zulässt, statt sie wegzudrücken. Sie zeigt sich im Kollegen, der eine Kollegin unterstützt, statt sie zu untergraben, der Erfolg nicht als Nullsummenspiel begreift, sondern als etwas, das wächst, wenn wir es teilen. Sie zeigt sich in der Fähigkeit, Nein zu sagen zu den Erwartungen, die nicht zu dir passen. Du musst nicht der Ernährer sein, wenn deine Partnerin das besser kann oder will. Du musst nicht ständig konkurrieren. Du darfst weinen. Du darfst Hilfe brauchen und sie in Anspruch nehmen. Das ist keine Schwäche, sondern einfach Menschsein.
Das sind schöne Beispiele und es ist gutgemeint.
Aber das ist nicht „moderne Männlichkeit“, sondern Menschlichkeit.
Moderne Männlichkeit ist kein Verzicht auf Durchsetzungsvermögen, sondern die Einsicht, dass es darauf ankommt, wie und wofür du dich durchsetzt. Setzt du dich durch, um andere zurückzudrängen? Oder um Räume zu öffnen? Nutzt du deine Stärke, um zu dominieren? Oder um zu ermöglichen?
Das ist nur noch realitätsfernes Gelaber.
wenn ich mich „durchsetze“ und meine „Stärke nutze“, wie sieht das praktisch aus?
Ich muss jemand anderen in irgendeiner Form besiegen (und sei es in einer Wahl), ihm meinen Willen aufzwingen (durch einen Befehl zB), ihn bekämpfen.
Aber ich darf ihn ja nicht „dominieren“ oder „zurückdrängen“.
Wie soll das gehen?
Das sind naive, infantile Wunschbilder, die in der Realität nicht existieren.
Richtig.
Das geht nur durch konsequente Realitätsverleugnung.
„Es gibt Macht, die niemandem weh tut.“
„Sei stark und setze Dich durch, aber so dass Du andere nicht dominierst.“
Wie macht man das? So lange und so „stark“ Bittebitte sagen, bis der andere aufgibt?
Ich erspare Euch weitere Kommentare, ich denke es ist klar geworden, was ich sagen will.
Männlichkeit gibt es nur mit allen Vor- und Nachteilen.
Wenn wir als Gesellschaft Männer mit männlichen Eigenschaften brauchen, müssen wir verstehen, dass es bei diesen Männern immer Licht und Schatten geben wird.
Eine sorgsam filettierte und gesäuberte „moderne Männlichkeit“ wird es nicht geben.