Lawrence Lessig: "Code is Law"

Mit „Code is Law“ hat der Verfassungsrechtler und Internet-Aktivist Lawrence Lessig vor 22 Jahren einen Gedanken populär gemacht, der heute aktueller denn je ist. Der Slogan geht auf den MIT-Professor William J. Mitchell zurück und besagt, dass im Programmcode festgelegte Regeln eine quasi-gesetzgeberische Macht haben. Sie bestimmen etwa, wer Zugang zu welchen Informationen bekommt. [1]

(Man beachte das coole Datum der Veröffentlichung am ersten Tag des neuen Jahrtausend)

Ich werde nicht versuchen den Artikel zusammenzufassen. Wer den Begriff nicht kennt, sollte das Original lesen. Es geht im Prinzip darum, das durch Program-Code eine neue Wirklichkeit für unsere Gesellschaft geschaffen wird. Auf ähnliche Weise wie das z.B. auch für den Kapitalismus Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall war. Diese Wirklichkeit eilt den Gesetzen der Zeit weit voraus.

Das berühmt berüchtigste Beispiel für dieses Zitat sind die Cookies:

Data Brokers: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

Der Gesetzgeber (in unserem Fall die EU) hat in einem ersten Schritt ja reagiert (mit der Einführung der DSGVO). Doch das hat gedauert und nützt auch noch nicht viel. Das asoziale Netzwerk Facebook ist immer noch ein Weltkonzern und es gibt immer noch unzählige Firmen, die ihr Geld damit verdienen unsere Privatsphäre an den meistbietenden zu verkaufen [2]. Im Gegenteil, teilweise hat es die Lage verschlimmert. Ein Cookie-Banner als Beispiel gefällig:

Interessant ist allerdings auch, das die Behebung dieses Überwachungsmechanismus für alle unsere Bewegungen im Internet auch durch Code geschieht. Lange bevor der Gesetzgeber die Gefahr in den Griff bekommt: Der Firefox-Browser enthält jetzt ein Verfahren, welches jegliches Tracking unseres Verhaltens im Internet durch Cookies beendet:

Firefox rolls out Total Cookie Protection by default to all users worldwide

Eigentlich eine total simple Lösung, wenn man einmal darauf kommt. Gesteuert wird dies zusätzlich durch About Disconnect - Privacy Protection Since 2011. Ein Anbieter der sein Geld „auf der anderen Seite“ verdient.

Für den Gesetzgeber (auch und insbesondere der Grüne Mainstream !) ist das immer noch alles NEULAND.


  1. "Code is law": Für Gesetzgeber ist es noch schwerer durchzugreifen | heise online ↩︎

  2. Cookie-Liste: Einmaliger Aufruf von spiegel.de:
    http://.adform.net/
    http://.openx.net/
    http://.quantserve.com/
    http://widgets.sparwelt.click/
    https://.adnxs.com/
    https://.adsrvr.org/
    https://.amazon-adsystem.com/
    https://.analytics.yahoo.com/
    https://.bidr.io/
    https://.bidr.io/
    https://.bidswitch.net/
    https://.bing.com/
    https://.casalemedia.com/
    https://.company-target.com/
    https://.criteo.com/
    https://.dnacdn.net/
    https://.doubleclick.net/
    https://.ioam.de/
    https://.mathtag.com/
    https://.mitour.de/
    https://.t.co/
    https://.tagger.opecloud.com/
    https://.twitter.com/
    https://.xplosion.de/
    https://.yahoo.com/
    https://m.exactag.com/
    https://te.technical-service.net/ ↩︎

Dann gibt’s da noch „make law code“…Chatgesetz der EU als übelstes Beispiel. Damit wird per Gesetz Code erzeugt, der, leicht übertrieben gesagt, jegliche Privatsphäre unterbindet.
„EU-Kommissarin Johansson verteidigt ihr Gesetz: Es gehe nicht um das Mitlesen von Online-Kommunikation, sondern um sexuellen Missbrauch von Kindern, um das Aufspüren von grundsätzlich in der EU illegalem Material.“
Sie ist entweder nicht Lernfähig oder unterschlägt bewusst die Folgen. Am Ende wird unter dem MAntel des Kinderschutzes ein Gesetz untergeschoben, dass ich dem Staatsterrorismus zuordne. Das ist auf chinesischem Level.
Da ist das Fratzenbuch ein Engelchen dagegen. Die haben keine Exekutive zum Bürgerterrorisieren.

„Der Staatsapparat ist der natürliche Feind des Bürgers“

Das Mem „Make Law Code“ würde ich lieber für etwas anderes reservieren:

Jedes Gesetzt und jede Verordnung wird - wie Code - in einem Repository gespeichert, in dem klar nachzuvollziehen ist welche Person wann mit welcher Begründung welches Wort ergänzt oder gelöscht hat. Damit endlich diese Last-Minute Änderungen in irgend welchen Lesungen oder Ausschüssen aufhören, die aus einem guten Gesetz eine Waschlappen machen.

ABER: Das ist ein eigenes Thema :slight_smile:

1 „Gefällt mir“

Ich hatte gestern Kontakt mit einem grünen Bürokraten, der auch mitverantwortlich für die Digitalisierung ist. Ich fragte ihn, ob sie bei der ganzen Digitalisierung nicht auch den ganzen Verordnungswust betrachten wollen. Die sehr gewundene Antwort war ein klassischer Sir Humphrey Appleby: Nein, da jede dieser Verordnungen einen Grund hat und einen Zusammenhang mit einem oder mehreren anderen hat.
Wenn ich also davon ausgehe, dass die KIs mit dem ganzen Müll trainiert werden, dann wird wohl das Bürokraturlevel noch schlimmer.
Die Codifizierung macht also Gesetze zu Code, der Gesetz ist.

Bei deinem Thema müssten eigentlich nur die Protokolle signiert und gespeichert werden. Wenn dann der endgültige Wortlaut des Gesetzes nicht nachvollziehbar ist, darf das Gesetz keine Gültigkeit haben. Und wehe jemand vergisst das Gendern.

Es gibt auch viele Anwaltskanzleien in Deutschland die ihr Geld damit verdienen diese DSVGO-Unsinn für Firmen abzudecken.

Das ist extrem veraltet und das ganze Gedöns rundum die Blockchain hat gezeigt dass Code=/=Law.

Kannst du mir bitte erklären, warum die die DSGCO für Unsinn hältst?

Verzeihung, was hat Blockchain damit zu tun? Das ist ganz einfach der übliche Kapitalismus-Wahnsinn, wie er sich seit den holländischen Tulpenzwiebeln nicht geändert hat: Irgendwas steigt im Preis, also kaufe ich es. Schönen Gruß von Ponzi.

Es geht hier darum das durch Software sehr schnell neue Konzepte auf unsere Gesellschaft einwirken und es dafür keine Kontrollmechanismen gibt: Seien es nun Cookies, neue KI-Verfahren oder Ueber.

Ueber z.B. ist ein neues Verfahren für das was Kapitalisten schon 1890 gemacht haben: Ausbeutung von Arbeitern. Die Software wurde auch auf Länder ausgerollt, in denen das eindeutig illegal war. Aber da keine physikalische Infrastrukur existierte, konnte kein Gewerbeamt dagegen vorgehen.

Der Code ist Gesetz. Fehlerhafter Code ist trotzdem Gesetz. Wenn der Code eine Handlung nicht zulässt, kannst du sie auch nicht ausführen. Eines der Ergebnisse ist der biologische Frontend, der externe Informationen nach den Regeln des Programmcodes in das System überträgt. Der Bedarf für solche Einheiten wird aber geringer, da die System lernen, analogen Input selbst zu interpretieren.
Beispiel gefällig? Habe gerade meine Krankenhausrechnung eingescannt, zur Bank hochgeladen und das System hat mir eine fertige, verwendbare Überweisung erstellt. Das sind eigentlich bF-Aufgabe, die entfallen werden. Da braucht es dann nur noch jemand, der die Seiten in den Scanner legt. Abgesehen davon werden Rechnungen im B2B ohnehin nur noch elektronisch übermittelt (Stichwort xRechnung/ZUGfERD).

Weil es nichts bewirkt außer dass ich den ganzen Tag Cookie-Warnungen wegschlagen muss. Und das wussten wir schon vorher nur wurde es vom Datenschutz-Lobby (diese VW-Käfer voller Clowns) durchgedruckt.

Datenschutz ist in Deutsch generell ein außer Kontrolle geratenes Monstrum. Sowas hat man nirgendwo anders.

Die haben versucht eine Code == Law Struktur zu erzeugen und die merken jetzt dass es sowas nicht gibt und dass das gar nicht funktioniert.

Es ist immer ein Zusammenspiel von Gesellschaft und Technologie, oder wie man das jetzt nennt: STS

Das kommt mir unsinnig vor. Es gibt Gesetze nur unsere Staaten entscheiden sich dafür diese nicht durchzusetzen. Im Fall Uber hätte das sehr einfach verboten werden können und ist es in Deutsch und andere Länder auch mehrfach.

Musst du nicht. Es gibt Tools, welche das für dich erledigen. Du stimmst automatisch allem zu. Die DSVGO ist weit von perfekt, sondern im Standardbereich der mittelmäßigen Vorschriften. Es geht hier um den Schutz der personenbezogenen Daten. Sie ist Fuckoffbook, Google, Amadrone und der NSA ein Dorn im Auge. Denn wer Daten ins nichteuropäische Ausland verschickt, kann mit heftigen Geldbussen rechnen.
Die Firmen befinden sich im Prinzip zwischen dem europäischen Hammer und dem amerikanischen Amboss. Aus diesem Grund ist der Hype mit „Wir gehen in die Cloud“ (wo die NSA die Daten klaut) nicht ohne einen Rechtsanwalt zu empfehlen. Auch in der EU gehostete Clouds sind kein Schutz, da dass amerikanische Recht auch ausländische Tochterfirmen einschließt.

Ich muss dich informieren, das das mit den Cookie-Warnungen ein Umsetzungfehler der DSGVO ist.

  1. Die DSGVO ist so geschrieben, da die Cookie-Zustimmung/Ablehnung von Anfang an hätte automatisiert werden können. Verrückte Idee 9: Cookie-Banner Abfrage überflüssig machen
  2. Die meisten Cookiebanner sind außerdem illegal: Data Protection Authorities support noyb's call for fair yes/no cookie banners

Der Cookiebanner-Wahnsinn wurde vermutlich von vielen Unternehmen aus zwei Gründen so implemnetiert: Ersten damit die genervten User „Accept All“ klicken und zweitens um genau die Reaktion hervorzurufen, welche du zeigst: DSGVO ist nervig und nutzlos.

Nein, das was du beschreibst ist Automatisierung. Hier geht es darum das Wissen auf eine ganz neue Art gesammelt und verwertet wird. Ohne das es dazu Regelungen gibt. bzw. daß die Regelungen viel zu spät kommen. Und die Hauptgefahr ist nicht mal irgend ein Staat, sondern die Multinationalen Konzerne. Wenn ein Versicherungskonzern ein KI-System installiert um mit den Daten die er von irgend einem Data-Broker über dich kauft zu entscheiden, wie teuer deine Versicherung wird oder ob du überhaupt keine bekommst, dann machen die das einfach.

Das ist mit Code is Law gemeint. Und das beginnt erst richtig je mehr digitalisiert wird. Weis mal einer KI nach, daß Sie Frauen oder … benachteiligt.

Ja, danke ein Chilling Effect was es quasi unmöglich macht selbst sehr einfache Webseiten zu erstellen. Und da wundert man sich wieso digital nichts vorangeht in diesem Land.

Das glaube ich nicht. Selbst Open Source Projekte haben das Ding jetzt eingebaut. Sind die alle falsch beraten worden oder ist dies ein Fall von kollektivem Wahnsinn?

Bleibt stehen: POSIWID. Es ist egal ob das beabsichtigt war, wenn das ist was passiert, ist das die Absicht.

[quote=„cugungal, post:13, topic:1330“
Das glaube ich nicht. Selbst Open Source Projekte haben das Ding jetzt eingebaut. Sind die alle falsch beraten worden oder ist dies ein Fall von kollektivem Wahnsinn?
[/quote]
Niemand baut Cookie-Banner selber ein. Da gibt es Anbieter für so was. Seit dem noyb angefangen hat Webseiten für illegale verwirrende Cookiebanner anzuschreiben und bei mangelnder Einsicht zwei Monate später abzumahnen, tauchen auch reihenweise Webseiten auf, deren Cookie-Banner sich ohne zutun von noyb ändern.

Where did all the “reject” buttons come from?!

More and more websites have added an option to say “no” to cookies and other tracking- as foreseen by the GDPR. Where did this trend come from?

In March 2021, noyb scanned the web for illegal cookie banners and filed more than 700 complaints across Europe. A final scan shows a detailed assessment after 1.5 years: more than 50% of the sites have improved their banners, in many cases, without noyb ever contacting them.**

Die besser Lösung, nämlich direkt im Browser eine Konfiguration zu haben, die die Cookie-Fragen automatisch beantwortet, wird auch von noyb entwickelt.

New browser signal could make cookie banners obsolete

Today, noyb and** Sustainable Computig Lab („CSL“) **published a proposal for a new automatic browser signal to finally eliminate obsolete cookie banners. „Advanced Data Protection Control“ (ADPC) aims to demonstrate that a user-friendly European solution for privacy settings can easily be implemented.

Du hast den Kontext ignoriert. Der Teil, den du hier zitierst bezieht sich darauf, dass der biologische Frontend, der den Gesetzen des Codes zu folgen hat, auch langsam eliminiert wird.
Aber Code is Law wird erst richtig interessant, wenn der Code von Code erzeugt wird. Bisher sind die „Gesetzgeber“ Menschen.

Ich verstehe nicht was du meinst @Unneweth? Hier ein paar Passagen aus den Original-Artikel (Hervorhebungen von mir):

MAKING CHOICES ABOUT VALUES

So should we have a role in choosing this code, if this code will choose our values? Should we care about how values emerge here?

In another time, this would have been an odd question. Self-government is all about tracking and modifying influences that affect fundamental values–or, as I described them at the start, regulations that affect liberty. In another time we would have said, „Obviously we should care. Obviously we should have a role.“

But we live in an era fundamentally skeptical about self-government. Our age is obsessed with leaving things alone. Let the Internet develop as the coders would develop it, the common view has it. Keep government out.

This is an understandable view, given the character of our government’s regulation. Given its flaws, it no doubt seems best simply to keep government away. But this is an indulgence that is dangerous at any time. It is particularly dangerous now.

Our choice is not between „regulation“ and „no regulation.“ The code regulates. It implements values, or not. It enables freedoms, or disables them. It protects privacy, or promotes monitoring. People choose how the code does these things. People write the code. Thus the choice is not whether people will decide how cyberspace regulates. People–coders–will. The only choice is whether we collectively will have a role in their choice–and thus in determining how these values regulate–or whether collectively we will allow the coders to select our values for us.

Ich habe nur die praktische Anwendung beschrieben. Ich habe festgelegt, wie ein Sachbearbeiter zu reagieren hat und zwar durch Programmcode. Aber mir wurde vorgegeben, was ich zu kodieren habe. Und es war das Government, für das ich arbeitete.

Das ist falsch. Die Entscheidungen werden von den Leuten getroffen, welche die Coder bezahlen.
Wie ich schon sagte, wird das ganze erst richtig interessant, wenn Code Code schreibt. Denn da beginnen wir die Kontrolle zu verlieren.

Dieser Schluss ist daher aus meiner Sicht falsch. Nicht die Coder, sondern die Auftraggeber entscheiden. Allerdings ist das nur eine oder mehrere Ebenen nach hinten verlagert.

Ich sehe keinerlei Beweis dafür dass die DVGO Facebook oder Google eine Sekunde geärgert hat. Mir schon.

Ganz so locker dürften die Konzerne diese Entscheidungen nicht nehmen.
Richtig heftig wird es allerdings erst dann, wenn die irische Datenschutzbehörde mal ihr Personal tauscht.

Aber in diesem Thema geht es ja nicht in erster Linie um Pro und Contra DSGVO.

Sondern um Firmen, die durch Implementierung von Verfahren, sei es zur Erstellung von Persönlicheitsprofilen oder zur Personenbeförderung ohne Lizenz neue Regeln für unsere Gesellschaft definieren.

Cookies waren mal einfach ein Hilfmittel für den Kontext zwischen zwei HTML-Aufrufen.
Der gesamte Missbrauch zur Erstellung und Verkauf von Persönlichkeitsprofilen wurde einfach programmiert bevor die im Parlament überhaupt wußten wie man Internet schreibt.

Und auch die Lösung für diesen Missbrauch wird jetzt durch Code und nicht durch Gesetze definiert: Wenn sich die Lösung von Firefox mit Total Cookie Protection nämlich durchsetzt ist Schluss mit dem gesamten Cookies-Missbrauch. Ohne auch nur eine einzige Änderung am Gesetzt.

Leider müssen wir dann trotzdem noch Jahre mit den Cookiebannern leben, bis die DSVO endlich angepasst wird.

Mit ChatGPT und LLM haben die jetzt quasi das ende des Urhebersrechtes erreicht und Datenschutzkonform wird es auch nicht sein.

Also ja, und sehr viel hilft da auch nicht gegen.