Ich würde das nicht durchgehend als Hinhaltetaktik werten, was sie in praktikabler Hinsicht, je nach dem wie die Situation an den Fronten sich für ihn und sein Regime und die russische Armee darstellt, sicher teilweise doch so zu bewerten ist. Die Verhandlungen kommen andererseits seinen Zielen noch nicht nah genug.
Mir ist das auch unangenehm, wenn er weiter seine siegesgewissen Reden schwenkt und von den russischen Zielen spricht, dem der Westen wirklich kein reinen Appeasement entgegenstellen darf - im Sinne des (von englisch to appease, französisch apaiser, ‚besänftigen‘, ‚beschwichtigen‘, ‚beruhigen‘; auch Beschwichtigungspolitik genannt eine Politik der Zugeständnisse, der Zurückhaltung).
Dies Methode des Appeasement darf jedoch innerhalb der Diplomatie nicht fehlen und braucht eine starke Ausgangsposition, die Ziele Russlands zu analysieren - denn meiner Auffassung nach folgt der Kreml seinen Zielen systematisch.
Mir fällt für den Westen dazu folgender Schwank der Gebrüder Grimm ein:
Eines schönen Morgens macht sich der Hase über die schiefen Beine des Igels lustig, woraufhin ihn dieser zu einem Wettrennen herausfordert, um den Einsatz eines goldenen „Lujedor“ (Louis d’or) und einer Flasche Branntwein. Als das Rennen auf dem Acker beginnt, läuft der Igel nur ein paar Schritte, hat aber am Ende der Ackerfurche seine ihm zum Verwechseln ähnlich sehende Frau platziert. Als der siegesgewisse Hase heranstürmt, erhebt sich die Frau des Igels und ruft ihm zu: „Ick bün all hier!“ („Ich bin schon da!“). Dem Hasen ist die Niederlage unbegreiflich, er verlangt Revanche und führt insgesamt 73 Läufe mit stets demselben Ergebnis durch. Beim 74. Rennen bricht er erschöpft zusammen und stirbt.
Die Pointe ist m.E., Putin kann noch soviel reden, wie er will, verschleppen und hinhalten, wenn wir bereits am Ziel sind. Dieses Ziel ist eine Lösung für den Donbass und die Krim, die ihm dort die Ruhe gibt, sich aus dem Krieg zurückzuziehen. Ich kann mich an der Stelle nur immer wiederholen, dass die Lösung die Anwendung der UN-Charta und der KSZE-Schlussakte von Helsinki ist.
Aus einer Ausgangslage heraus, die klar die Wertung vornimmt, dass die Gebiete, bis vor der Krim-Annexion, auch heute ukrainische Gebiete sind, kann vieles danach geregelt und vereinbart werden.
Ich glaube, dass genau diese Bühne der russische Präsident braucht und die Ukraine braucht, um zu einem fairen und nachhaltigen Frieden mit guten Sicherheitsgarantien zu kommen. Dazu gehören die USA und die Europäer. Es wäre kein Appeasement ihm diese Bühne zu geben, denn sie würde Russland vor den Herausforderungen stellen, dass sie ein Stück weit ihre eroberten Gebiete wieder hergeben müssten, wenn die russische Minderheit gemäß Abkommen der Ukraine, beispielsweise mit der EU, auch hier hatte @wolffgil die richtige Idee, in der Ukraine genauso geschützt werden würde, wie das die EU - Regel ist. Daraus könnte sich ergeben, dass in Referenden, vorzugsweise innerhalb der nächsten 1,5 Jahre, einzelne Gebiete mit diesem neuen Auftreten der Ukraine sich weiter der Ukraine, nicht einer Autonomie und nicht Russland anschließen wollen.
Russland muss auch das anerkennen, so ist es völkerrechtlich ja auch, denn fast niemand ( nur Syrien, Nordkorea, Nicaragua, Venezuela, Kuba und Afghanistan und das nur ausschließlich für die Krim - nicht für den Donbass) haben die Annexionen Russlands anerkannt, und wenn er Völkerrecht missachtet, Trump das tut und China vielleicht mit Taiwan es so vor hat, dann müssen sich die Staatschefs für ein neues Helsinki-Format zusammen tun, damit eine Regelung geschaffen wird, wie weit sich Staaten mit ihren Staatschefs ihre Freiheiten herausnehmen dürfen.
1975 wurde die Freiheit eingeführt, die zum Sturz des Eisernen Vorhangs beigetragen hatte (der berühmte Korb III), heute müssen diese neuen Freiheiten geregelt werden. Das ist positiv und erstmal keine Einschränkung - aber niemand darf darunter leiden, nicht die Ukraine und auch nicht die russische Minderheit, nicht die Grönländer, nicht die Bevölkerung von Taiwan.
Im Rahmen eines neu zu justierenden Völkerrechts können Vereinbarungen geschlossen werden, die z.B. China und Taiwan bis zu einem gewissen Grad zusammenarbeiten lassen, da spricht überhaupt nichts gegen, so ist es auch mit Russland und der Ukraine, mit Deutschland und Frankreich, Deutschland und den USA, Deutschland und Großbritannien.
Ich schließe mit einem Zitat von Angela Merkel:
„Präsident Putin versucht, die Europäische Union zu schwächen, mit den Mitteln, die ihm im Augenblick zur Verfügung stehen“, so die Politikerin.
Laut Merkel geht es Putin sehr um Anerkennung – „gerade von Amerika“. Dieses Denken stamme noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Für Putin seien die relevanten Größen nicht Deutschland oder die EU, sondern die eigentliche Großmacht, die Vereinigten Staaten von Amerika. „Sie waren und sind sein Bezugspunkt.“
Was meinst Du, warum er sich so sehr derzeit bemüht, weil er erkennt, dass er mit Trump besser Kirschen essen kann, als er das mit Joe Biden konnte. Aber meinst Du, er wirft deswegen seine Ziele mit der Ukraine über Bord. Viele sagen, wenn schon das Treffen in Alaska nichts gebracht hat, wer soll dann noch friedliche Absichten von Russlands Machthaber erkennen? Warum verhandeln die dann noch, alles Hinhaltetaktik, kann sein, dann benötigt es aber auch die Europäer!
Die BRD hat einen Vorteil:
Bei uns hatten sich einst, Ukrainer und Russen als Sowjets in der Roten Armee und die US-Army in Torgau an der Elbe 1945 getroffen, und wir stehen zu unserer Nazi-Zeit. Wir wissen, das war nicht nur ein Fliegenschiss der Geschichte.
Es geht um eine aufrechte Haltung insgesamt - nicht um Fälle der Vergangenheit, die keine aufrechte Haltung in sich trugen. Wenn 2001 nach 9/11 ein deutscher Kanzler den USA in dieser Stunde die uneingeschränkte Solidarität zuspricht, ist das nicht aufrichtig gewesen? Er - war es auch der 1999 den USA, seine Tornados zur Hilfe geschickt hat, obwohl es noch kein UN-Mandat gab. War das aufrichtig, es gibt dazu widersprüchliche Meinungen, die heute in der Person Schröders und seinen teils ungeschickten Äußerungen noch andere Betrachtungsweisen auf ihn eingenommen haben, die ihm nicht mehr gerecht werden. Nur weil, er 2002 sich auch gegen den Irakkrieg ausgesprochen hat - und darüber u.a. engeren Kontakt mit W. Putin bekam?
Insgesamt war die Bundespolitik von Adenauer bis Merz aufrichtig, wir haben bisher viel für den Frieden in der Welt getan und das können wir auch für die Ukraine. Wir müssen nur selbstbewusst das feststellen und angehen!

