Ist ein sozialer Aufstieg in D noch möglich?

Mich interessiert das auch.

Es gibt aus meiner Sicht drei Aspekte: Der eine Aspekt ist eine grundsätzliche Skepsis oder sogar Abneigung gegen die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft organisiert ist, und die gesellschaftlichen Zwänge, denen man sich unterwerfen muss, wenn man darin funktionieren möchte.

Der zweite Aspekt kann sein, dass man seine Freunde, bei einigen Leuten die Familie, nicht enttäuschen /verlieren möchte, wenn man plötzlich die Seiten wechselt.

Ein dritter Aspekt könnte sein, dass man einfach persönlich schlechte Erfahrungen gemacht hat und deshalb innerlich rebelliert, oder ein geringes Selbstbewusstsein entwickelt hat.

da möchte ich widersprechen…. oft wird nur die Sucht gesehen, nicht aber die Störung dahinter…

Die kann man professionell bearbeiten…. nur ist nicht immer Therapeut drin, wo Therapeut drauf steht…. ist wie bei Automechanikern…

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Absolut motivierend :hugs:
Anbei die beiden jebensbejahenden Hymnen meiner Jugend.

Zumindest ersteres hat mich durchaus motiviert, Ehrgeiz und Kampfgeist zu entwicken („…man muß weiterkämpfen bis zum umfallen - auch wenn die ganze Welt den Arsch offen hat - oder gerade deswegen…“)

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Sozialer Aufstieg bedeutet für mich nicht, eine gehobene Position zu bekleiden. Ich verbinde mit dem Begriff die Befreiung aus einem prekären Milieu und ein Leben in der Mitte der Gesellschaft mit gesellschaftlicher Teilhabe, aber nicht unbedingt gesellschaftliche Macht (Einfluss, Promistatus, usw)

Die sind in dem liberalen Westen wirklich sehr gering. Ich lebe nach meinem Empfinden ziemlich frei von Zwängen. Natürlich muss für das physische und psychische Überleben Kompromisse machen. Das lässt sich in keiner denkbaren Gesellschaft vermeiden.

Es kommt darauf an, von wo nach wo du aufsteigst. Der Begriff “Aufstieg” bedeutet vermutlich für jeden etwas anderes. Wenn du von der Unter- in die Mittelschicht aufsteigst, musst du darauf achten, ordentlich gekleidet zu sein, dich anständig zu benehmen und deinen Müll weg zu räumen. Wenn du von der Mittel- in die Oberschicht aufsteigst, brauchst du dir um solche Banalitäten keine Gedanken mehr zu machen, das erledigen dann andere für dich.
Von daher ist die Mittelschicht der Exot im Schichtensystem.

Weltkulturerbe

Zum Glück gibt es vielversprechende Forschung auf dem Gebiet der Persönlichkeitsstörungen:

so ziemlich mein Ansatz: Ursachen suchen. Jedoch bei unseren bescheidenen Terminmöglichkeiten…. ich hatte zusammen mit einer Ärztin bei einem Erwachsenen monatelang für eine ADHS mit Validierung über Gentest gekämpft. Am Ende wurde eine eindeutige Diagnose möglich. Plötzlich war er nicht mehr vordergründig Drogenabhängig, sondern eben ADHS “krank”.

Aber hier Ärzte zu finden, die nicht nach Schema F agieren…. Wunschträume

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Ich weiß nicht wie du Unterschicht und Mittelschicht definierst, aber das ist Unsinn, das war vielleich vor 70 Jahren der Fall.

Aber wenn du in eine Gruppe aufgenommen werden willst, musst du natürlich bereit sein, dich zu integrieren. Das hat nicht unbedingt etwas mit „Aufstieg“ zu tun. Auch unter Pennern gibt es Regeln.

Du versuchst hier ein komplexes soziologisches Problem mit 3 Schichten zu erklären. Das funktioniert nicht.

Nein, das versuche ich nicht, aber ich leugne auch nicht ihre Existenz.

Ja, genau so ist es, und nicht immer findet man sie toll, sondern bleibt dann vielleicht lieber in einer anderen Gruppe oder in gar keiner.

wessen Existenz?

Die Existenz der Oberschicht, der Mittelschicht und der Unterschicht.

Bis du sicher, dass es nur die drei Schichten gibt? Vielleicht gibt es 10, 100 oder 1000?

Das ist doch nur ein gedankliches Konstrukt, für die, die nicht bis 4 zählen können.

Ich habe nie behauptet, dass es nur die drei gäbe.

Teilweise wird das weiter aufgespalten (untere/obere Mittelschicht…), aber im Prinzip wird dieses Konzept in der Forschung oft benutzt, da es für viele Fragestellungen differenziert genug ist und als Variable/Parameter sehr oft nützlich und nötig ist. Eine Aufteilung nach sozialen Milieus ist eine Alternative, braucht aber viel mehr Aufwand, etwa bei der Einteilung, und Anzahl der Versuchspersonen. Viele Fragestellungen brauchen das so genau nicht.

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also, wie viele existieren?

Du meinst, das Konzept der einkommensdefinierten Schichten? Also weniger als 60% Medianeinkommen ist Unterschicht?

Egal, wie man es definiert, es ist ein theoretisches Konstrukt, eine Frage der Definition und keine Entität, deren Existenz man entweder leugnen oder beweisen könnte, wie @Biologin es insinuiert.

In der Hinsicht ähnelt es der biologischen Taxonomie.

Ja, es ist ein Konstrukt, das operationalisiert werden muss und bestimmte Eigenschaften haben muss, um sinnvoll zu sein. Wie ich oben (?:face_with_spiral_eyes:) geschrieben habe, gibt es verschiedene Möglichkeiten, es in einer Studie anzuwenden, aber es macht durchaus Sinn.

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Du meinst 3 Aspekte, warum der Wille zum Aufstieg fehlt?
Mir würden da andere Faktoren einfallen bzw ich würde die von Dir beschriebenen Aspekte anders benennen oder erklären. Für mich sind das weitgehend Missverständnisse oder Ausreden.

Je erfolgreicher ich bin, desto unabhängiger von Zwang bin ich tendenziell.
Wenn ich „funktioniere“ und Erfolg habe, muss ich vielleicht Termine einhalten, ein sauberes Hemd anziehen, einen Anzug tragen und freundlich mit Leuten reden, die ich nicht mag u.ä.
Aber das ist nichts gegen die viel brutaleren Zwänge, denen ich unterliege, wenn ich nicht „funktioniere“ und erfolglos bin.

wieso wechselt man die Seiten, wenn man Erfolg hat?
welche Seiten meinst Du?
Und wenn das so ist: hat man die richtigen Freunde, wenn die einem den Erfolg nicht gönnen?
Soll ich mich an einer Familie orientieren, die mir keinen Erfolg gönnt?

das geringe Selbstbewusstsein ist ein für mich nachvollziehbarer Grund.
Die entscheidende und heikle Frage ist: beruht das geringe Selbstbewusstsein auf der richtigen Erkenntnis, dass mir die Voraussetzungen für einen (wie auch immer definierten) Erfolg fehlen?
Oder erkenne ich nur nicht, was ich alles kann und wozu ich fähig bin? Ist das geringe SB also ungerechtfertigt?
Ich glaube, dieses Selbstbewusstsein, das Vertrauen in sich selber, wird stark durch die Erziehung und -mehr noch- durch das praktische Vorbild der Eltern gebildet (oder eben nicht).
Ich kenne Leute, die haben Angst, befördert zu werden.
Was lerne ich als Kind aus so einer Einstellung meiner Eltern?
Kommt ein Lehrer in der Schule gegen eine derartige Prägung durch die Eltern an?
Ich habe da eine Zweifel.

Ich glaube, das ist der Grund, warum die Kinder von Eltern aus höheren sozialen Schichten erfolgreicher sind als andere: sie haben in ihren Eltern ein Vorbild, das ihnen Selbstvertrauen gibt, und zwar auf einer Ebene, die nicht so leicht zu erreichen oder zu zerstören ist.
Wenn ich Eltern habe, die sich selber zutrauen, die Probleme des Lebens zu bewältigen und dabei eine gewisse Erfolgsquote haben, übernehme ich diese Einstellung als Kind in vielen Fällen (aber natürlich nicht zwangsläufig).
Wer dieses tief verwurzelte Vertrauen in sich selber hat, der kann auch Rückschläge und Enttäuschungen wegstecken. Wer das nicht hat, wird eher entmutigt und gibt auf.
„Kinder haften für ihre Eltern“, könnte man sagen.

Es muss aber denknotwendig eine Generation oder eine Person geben, die diesen Aufstieg ohne elterliches Vorbild schafft. Und von da an haben es die Folgegenerationen etwas leichter.

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in meinem konkreten Familienfall muss ich Dir nun widersprechen.
Es gibt Dinge, die sind nicht heilbar und nicht therapierbar.
Nach unzähligen Versuchen in 30 Jahren glaube ich das sagen zu können.

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