Die „Staatsräson“ Deutschlands gegenüber Israel beruht in erster Linie als Folge der deutschen Verantwortung für den Holocaust.
Absolut verständlich und nachvollziehbar.
Die Juden in dieser schrecklichen Zeit träumten damals allerdings von einem Leben in „Palästina“ und von einem eigenen Staat „Israel“ war nie die Rede und für sie anscheinend noch unvorstellbar.
Egal, was jetzt jahrhundertelang vorher war, im Ersten Weltkrieg eroberten britische Truppen 1917/18 Palästina. Das Land wurde britisches Mandatsgebiet, bestätigt durch den Völkerbund im Juli 1922 und die Balfour-Erklärung, die 1923 in Kraft trat.
Da durch die erheblichen Einwanderungswellen der jüdische Bevölkerungsanteil in Palästina bis 1945 die Briten gewisse Konflikte nicht mehr unter Kontrolle bekamen, wurde das Mandat für Palästina an die Vereinten Nationen zurückzugeben.
Der von den Vereinten Nationen neu gegründete Sonderausschuss UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine) empfahl dann die Teilung Palästinas jeweils in einen arabischen und einen jüdischen Staat, was am Ende von der UN-Generalversammlung 1947 tatsächlich beschlossen wurde.
Für das jüdische Volk natürlich ein wunderbares „Geschenk“, welches sie nach dem vorausgegangen Holocaust auch verdient hatten.
Leider gibt es bis heute nach 67 Jahren noch keine zwei selbständige Staaten.
Bedingt natürlich auch dadurch, dass die arabischen Staaten diesen Teilungsplan ablehnten (sie wurden im Grunde auch nicht gefragt) und sie der Meinung waren, dass die Vereinten Nationen nicht das Recht hätten, über Palästinas Zukunft gegen den Willen und auf Kosten der dort lebenden arabischen Mehrheit zu entscheiden.
Gemäß Teilungsplan sollte der arabische Staat gemäß lediglich rund 43 Prozent der Gesamtfläche des britischen Mandatsgebiets umfassen, während für den jüdischen Staat rund 56 Prozent der Fläche vorgesehen waren.
Der Staat Israel wurde trotzdem gegründet und es entstand der „Nahostkonflikt“.
Nach dem Unabhängigkeitskrieg, den Israel gewann, wurden 750.000 Araber vertrieben oder flohen aus ihren Dörfern und verloren ihre Heimat.
Die Flüchtlinge wurden von den arabischen Nachbarländern nicht eingegliedert, sondern dauerhaft in Lagern untergebracht. 39 Prozent der Flüchtlinge verblieben in der jordanisch kontrollierten Westbank, in den von Ägypten annektierten Gazastreifen flohen 26 Prozent, 14 Prozent in den Libanon.
Israel erlaubte es den Flüchtlingen nicht zurückzukehren und in den nicht zerstörten Dörfern wurden jüdische Einwanderer untergebracht.
Die Vereinten Nationen forderten bereits 1948 von Israel das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge oder die Entschädigung für enteignetes Eigentum. Die UN-Forderung blieb bis heute unerfüllt und ist eines der Hauptstreitpunkte bei der Klärung des israelisch-palästinensischen Konflikts.
In den nachfolgenden Jahren verschärfte sich natürlich der Nahost-Konflikt.
Im Jahre 1967 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet,
Israel besetzte das Westjordanland, Ost-Jerusalem, die Golanhöhen und den Gazastreifen, Israels Staatsgebiet wurde dreimal so groß wie vorher und erneut flüchteten Hunderttausende Palästinenser in die Nachbarländer.
Die Palästinenser im Westjordanland, in Jerusalem und im Gazastreifen kamen unter israelische Besatzung und Militärverwaltung.
Während des Osloer Friedensprozesses erkannten sich Israel und die PLO im September 1993 gegenseitig an und einigten sich auf einen stufenweisen Abzug israelischer Truppen aus den 1967 besetzten palästinensischen Gebieten.
Doch bisher haben sie sich lediglich im Jahre 2005 aus dem Gazastreifen komplett zurückgezogen, welcher seit den Parlamentswahlen 2006 von der Hamas kontrolliert wird.
Eher das Gegenteil ist der Fall.
Mit vorgeschobenen Sicherheitsinteressen betreibt die israelische Regierung den Siedlungsbau im Westjordanland.
Die Siedler betrachten das Land als „Kernland“ Israels.
Völkerrechtlich gesehen sind diese israelischen Siedlungen sogar illegal.
Die Regierungs-Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat mehrfach Siedlungen legalisiert, die zuvor auch laut israelischem Recht illegal waren.
Palastinser werden teilweise enteignet und sie können sich in ihrer Heimat nicht frei bewegen.
https://www.deutschlandfunk.de/israel-westjordanland-siedlungspolitik-100.htm
Inzwischen leben sogar rund eine halbe Millionen jüdische Siedler im Westjordanland.
Mit diesem Hintergrund rückten die Interessen der Bewohner*innen in Palästina leider immer mehr in den Hintergrund und der Fokus wurde immer mehr auf das Existenzrecht Israels mit der begründeten „Staatsräson“ gelenkt.
Israel hat natürlich nach wie vor ein Existenzrecht.
Nach wie vor gibt es leider immer noch keine offizielle Anerkennung des Staates Israel durch die arabischen Staaten.
Manchmal denke ich, es war vielleicht damals tatsächlich ein Fehler, den Staat Palästina zu teilen.
Dadurch sind die Probleme extrem gewachsen.
Aber darüber nachzudenken ist jetzt leider zu spät.
Mit dem Blick auf den Gazastreifen, was passiert jetzt?
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bereits „weitere schmerzhafte Schläge“ durch eine Offensive in Rafah gegen die Hamas angekündigt und dies wird in Kürze geschehen, obwohl Israels Verbündete eindringlich vor einer Offensive in Rafah gewarnt haben.
Die Zivilbevölkerung soll das Gebiet verlassen, aber wohin, und erneut müssen Hunderttausende Menschen fliehen.