Das war ja gestern Nacht spannend. Niederlage nach Nachspiel beim Elfmeterschießen.
Die BILD titelt „Deutschland ist nicht mehr Deutschland“ und zitiert damit eine spanische Zeitung.
Ach liebe Bild, auch schon gemerkt?
Unsere Sommertemperaturen sind so hoch wie in Saudi Arabien, die deutsche Bahn ist unpünktlicher als die Züge in Tschechien, Italien und Indien, von unserer Autoindustrie wollen wir lieber nicht reden und selbst unser Kanzler Merz mach mal wieder alles falsch und twittert auf der Social-Media-Plattform X zum Ergebnis der deutschen Mannschaft:
Wobei der Fehler eher in der Auswahl der Plattform, als in der Aussage liegt, finde ich.
84 Millionen Bundestrainer fordern den Rücktritt von Bundestrainer Nagelsmann und ARD und ZDF ärgern sich, weil sie teure Lizenzen für die weiteren WM-Runden gekauft haben, die jetzt niemand mehr gucken will.
Da die Fifa selbst ihre Tickets zu Schwarzmarktpreisen von 400 000 Euro verkauft, finde ich es ganz gut, wenn die Deutschen aus dieser völlig überteuerten Kommerzveranstaltung abreisen müssen. Ob sich die Fans aus Paraguay die teuren Tickets leisten können, wenn ihre Mannschaft im Finale landet?
Irgendwie stehen diese deutschen Fußball-WM Niederlagen stellvertretend für Deutschlands Niedergang in der Wirtschaft und der internationalen Stellung, finde ich.
ja, die Symbolhaftigkeit des Fußballs für die Gesellschaft ist frappierend.
Der wehmütige Blick zurück statt nach vorne,
der nicht auszurottende Glaube, dass wir nach wie vor eine große Fussballnation sind,
die Verwunderung darüber, dass „kleine“ Nationen uns überholen,
die Vorstellung, dass ein neuer Trainer das Problem löst,
dass man also grds. nicht viel ändern müsse („die Mannschaft hat das Potential“)
usw. usw.
Gerade letzteres ist wie in der Politik:
Merz muss weg, dann wird alles besser.
Und ändern müssen wir uns nicht, das sollen die anderen machen.
Es darf kein Werk geschlossen werden, keine soziale Leistung gekürzt, keine Steuer erhöht, keine schmerzhafte Reform durchgeführt werden. Nicht mal die Arbeitszeitregeln möchten wir ändern.
Schreiber hat das mal wieder hübsch zusammengfasst, finde ich:
Wenn wir nicht freiwillig 10 Jahre Blut, Schweiß und Tränen machen,
werden wir es unfreiwillig 30-50 Jahre lang machen.
Un dich bin gestern nacht beim Stand von 2:1 schlafen geganngen. Nach dem Torjubel und vor der Schiedsrichterentscheidung. Da war ich in der Früh schon etwas überrascht
Zum Glück ist es mir herzlich egal, ob die Mannschaft eines Verbands, den ich nicht mag, die Meisterschaft eines anderen Verbands, den ich noch viel weiniger mag, gewinnt oder nicht.
Ich finde den Beitrag auch sehr treffend, auch wenn ich ihn nicht zuende gesehen habe. Die Deutschen haben in den letzten 10 Jahren einfach nicht kapiert, dass sie international nicht mehr die Ersten sind. Weder im Sport, noch in der Wirtschaft.
Ich lebe in einer Gegend, in der es wichtiger ist, wer die Fußball WM gewinnt, als wer die Bundestagswahl gewinnt. Oder wichtiger zu wissen wer deutscher Fußballbundesligameister ist, als wer deutscher Finanzminister ist.
Den meisten meiner Nachbarn geht das, was wir hier seit Jahren im Forum diskutieren, völlig am Arsch vorbei.
Verzweiflung, Wut, Ratlosigkeit, weil ja der Sommer mit Fußball-Gucken verplant war. Notlösung: für ein anderes Land sein, damit man weitergucken kann. Wohin jetzt mit den vielen Bierkisten, dem Grillfleisch, den Deutschland-Fähnchen, den von Silvester gehorteten Raketen, die man beim Endsieg abfeuern wollte? Alles für die Katz.
Oder auf eine Weltmeisterschaft in einer anderen Sportart umsteigen, wo Deutschland noch eine Chance hat.
Da könnte ich Frankreich empfehlen, ein Land mit dem wir sehr freundschaftliche verbunden sind. Sie haben ein tolle Mannschaft (ich habe das Spiel gegen Schweden leider nicht gesehen). Allerdings stehen sie als Staat auch nicht besser da, als wir.
Der Haaland hat ja was. Finde den lustig.
Hab letzte Woche eine Fußball WM-Grillplatte zum Schleuderpreis von 3 Euro gekauft (Würstchen, Schweinesteaks und Grillbauch- ganz ungrün) Aldi hat frustriert seinen Sonderaktionstisch mit Bier und Chips zur WM geräumt und die Deutschen Fähnchen abgehängt.
Irgendwie tut mir der Einzelhandel inzwischen leid. Ständig bleiben sie auf ihrem schwarz-rot-goldenem Nippes für Fußballmeisterschaften sitzen. Vielleicht sollten wir am 3. Oktober den Nationalfeiertag mehr mit der übriggebliebenem Deko schmücken. Machen andere Länder doch auch- z.B. die Dänen. Die hängen ihre Fähnchen sogar an den Tannenbaum.