Wenn Du keine fundierte soziologsche Studie dazu brauchst, so kann ich das mal aus meiner Beobachtung schildern - Sport ist zunächst „ungefährlich“, ja in den Anfängen „spielerisch“ - sich darauf einzulassen (egal, ob selbst aktiv mitmachend oder nur zuschauend), ist Teil des Spieltriebs - hinzu kommt noch das Gemeinschaftsgefühl: „meine Gruppe“, „mein“ Verein" „meine“ Nation…
Die Identifikation ist also gefühlt sinnstiftend (Ziel ist es - so lange wir im konstruktiven Bereich bleiben -, zu gewinnen, (ohne zu zerstören).
Es gibt immer wieder auch eine neue Chance - existenziell riskiert man also nichts.
Auf dieser Basis sitzt man also als Zuschauer (im Stadion oder vor dem Fernseher) - idealerweise im Gemeinschaftsgefühl mit anderen - und lässt sich von der Frage leiten, wie es wohl ausgehen wird - i.d.R. ist der Verlauf der meisten Sportarten auch so konstruiert (Regelwerk), dass im Verlauf die Momente des drohenden Verlusts aber auch des nahenden Triumpfs (das klassische Drama also auf spielerische Weise) „schnell“ wechseln (können).
Das mit dem Gewinnen ist wahrscheinlich bei Männern etwas stärker ausgeprägt, weil bei Männern statistisch die offenen Rivalität stärker repräsentiert ist.
Wenn man also vor dem Bildschirm oder im Stadion sitzt, seine empathische Projektion auf den/die ernannte(n) „HeldInnen“ freien Lauf lässt (das ist fast so wie in einer dramatischen Oper
und innerhalb kürzester Zeit auch noch mitfiebernd schwankt zwischen Niederlage und Sieg, so wird der eigene Körper von diversen stimmulierenden Hormonen überchüttet, die ein unglaubliches Gefühl der Vitalität erzeugt…
Natürlich kann man das auch anders erreichen (etwas durch eigenen Sport/Wettkampf) oder wenn man Dramen im kulturellen Sinne genießt - oder durch das initiieren „eigener Dramen“…
Seit ich den Sport im Fernsehen in erster Linie dazu nutze, „aus der Distanz“/analytisch ohne Projektion und - so wie Du - unabhängig vom Ergebnis eher technische Fragen zu klären oder einfach nur die Ästhetik des Moments (Sport hat für mich immer auch einne großen ästhetischen Charakter), habe ich selber nur noch wenig „emotionale Bindung“ zum Geschehen auf der Leinwand - und damit treten diese ganzen letztlich auch im Körper sich manifestierende Dinge in den Hintergrund bzw. fallen ganz weg.
Ich bin inzwischen allerdings kein Fan mehr davon, dieses Vitalitätsgefühl abhängig von anderen zu machen - da ist mir die Eigeninitiative der - nicht zuletzt verlässlichere - Auslöser.
Wie heist es dazu so schön bei Goethe:
Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt
Und nach und nach wird man verflochten;
Es wächst das Glück, dann wird es angefochten
Man ist entzückt (möglicher Sieg), nun kommt der Schmerz heran (drohende Niederlage),
Und eh man sich’s versieht, ist’s eben ein Roman (hier müsste man Ersetzen „Gesamter Wettkampf“).
Laßt uns auch so ein Schauspiel geben!
Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt,
Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant (und spannend).