Unter einem anderen Diskussionsthema war folgender Einwand gekommen.
Ich greife diese Beiträge von mir inzwischen sympathisch gewordenen Diskussionsteilnehmern gerne auf, um der Diskussion die Option einer Erweiterung zuzuführen:
1962 war es auf dem Höhepunkt der Kuba-Krise zu Verhandlungen zwischen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow gekommen. Es ist einfach ein Krimi sich die Zeittafel der Ereignisse im Oktober 1962 durchzulesen, kann ich jedem empfehlen. ![]()
Quelle: Kubakrise – Wikipedia
Verhandlungen mit Leonid Iljitsch Breschnew gestalteten sich in der Zeit nach dem Nato-Doppel-Beschluss sehr viel schwieriger. Ich fand den Nato-Doppel-Beschluss übrigens sachlich richtig - wenn ich gleichzeitig aber auch die dadurch entstandene Friedensbewegung verstanden habe. Aber es gab diese Verhandlungen - wenn sie auch scheiterten, und ich glaube, da ich ein Interview darüber mit Helmut Schmidt geschaut hatte - die Souveränität und das Selbstbewusstsein der Europäer wurde durch den Nato-Doppelbeschluss in der Sowjetunion damals aufgenommen. In Willy Brands Zeiten, dem deutschen Friedenspolitiker schlechthin, gab es einen Wehretat, was zu dem heutigen ungleich hoch war. Es waren die Zeiten des Kalten Krieges, aber es wurde immer wieder aufs Neue verhandelt.
Ich stelle die Behauptung auf: Wladimir Putin kam und kommt immer weniger mit der amerikanischen Doktrin eines
Zbigniew Kazimierz Brzeziński klar. Und die amerikanische Außenpolitik, die Zeiten Trumps ausgenommen, weist Grundzüge dieser Doktrin heute aus.
Quelle: Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft – Wikipedia
Als Deutsche haben wir bittere Erinnerungen mit dem wie unsere Vorfahren mit den Bestimmungen des Versailler Vertrages eine Bürde nach dem 1. Weltkrieg auferlegt bekommen hatten, die Russland wahrscheinlich mit der gefühlten Niederlage des Kalten Krieges empfindet.
Quelle: Zbigniew Brzeziński – Wikipedia
Nach meiner Meinung sollten wir aufhören den Krieg als überregionalen Konflikt zu betrachten. Unsere Wertung dieses Krieges brauch dazu nicht schwinden - dieser Krieg ist ein Völkerrechtsverbrechen und von Russland aus zu beenden. Mutmaßlich bräuchte es nur kleine Korrekturen im Verhältnis zwischen Amerika und Russland zu denen die Europäer gemeinsam mit Amerika in der Lage wären. Käme die Ukraine z.B. unter friedlicheren Bedingungen über eine Annäherung zwischen Washington, Paris, Berlin, London, Warschau, Brüssel mit Moskau in die Nato, würden die Gebiete der Ukraine, um denen es Russland scheinbar geht, zu Pufferzonen gemäß der Nato-Russland-Akte und gleichzeitig unter dem Schutz der Nato stehen.
Hoffe, meine Ausführungen sind nicht abermals zu lang und erscheinen vielleicht zu weit hergeholt. Ich glaube aber in der Tat stehen wir nicht in einer Zeitenwende, wie Olaf Scholz dieses mit seinem Doppel-Wumms (Militärische Unterstützung der Ukraine und Sondervermögen für die Bundeswehr) im Februar 2022 uns erklären wollte, sondern in einem Zeitenbruch der Zeit nach dem 2. Weltkrieg und vor einer Zeitenwende, die international politisch gestaltet werden muss – Waffen an die Ukraine (vorübergehend) schließt das nicht aus.