Etliche großen Medien-Player wie Zeitungen sind Wirtschaftsbetriebe, die für eine bestimmte Kunden-/zielgruppe schreiben. Die Zielgruppe wird dabei über Alter, Intellekt, Politische Gesinnung etc. definiert. Auf diese Weise konnte sich in den 90er Jahren der FOCUS als Gegengewicht zum SPIEGEL aus dem Stand etablieren. Man kann das auch sehr gut an Verschiebungen in der Art der Berichterstattung erkennen. Die WELT hat einen Transformationsprozess (vermutlich noch nicht abgeschlossen) hinter sich, der bewusst journalistische Standards ignoriert und mit Polemik, Ungenauigkeit usw. arbeitet. Sie ist in Teilen bereits auf dem Weg, die bevorzugte Zeitung der AfD-WählerInnen zu werden.
Wobei die Bedeutung der Printmedien insgesamt deutlich abnimmt, weil man für die einfache Bestätigung seiner Vorurteile eben keine Zeitung mehr braucht…
Die Berichterstattung wird v.a. dann einseitig, wenn man immer die gleichen Quellen nutzt, z.B. nur seine regionale Tageszeitung liest. Seit dem erstarken der AfD ab ca. 2013 habe ich subjektiv sogar den Eindruck, dass sich viele Qualitäts-Medien ernsthafter um ausgewogene und korrekte Berichterstattung bemühen - weil ihnen ja auch jeden Fehler gleich via Internet-Shitstorm unter die Nase gerieben wird. Auch die „Lügenpresse-Vorwürfe“ haben da zu höherer Sensibilität geführt, wie ich meine.
Ganz schwierig - um mal um Verständnis für „die Medien“ zu werben - finde ich alleine den Aspekt der Auswahl. Welcher Bericht, welches Thema findet seinen Weg in die Zeitung, in die Nachrichten, in einen Social-Media-Beitrag? Mir gefällt diese Auswahl häufig nicht, ich würde andere Akzente viel lieber gesetzt sehen. Wenn aber die Tagesschau oder eine ähnlich prominente Sendung den Anspruch zu erfüllen hat, ALLE Zuschauerinnen abzuholen, dann müssen sie leider auch Lottozahlen, Bundesliga-Ergebnisse, „harmlose“ Unwetter-Bilder und Todes-, Geburts- und Heiratsfälle des europäischen Hochadels bringen. Lassen die das hingegen alles weg, ist zwar Martin Spieler zusammen mit ein paar Millionen anderer zufrieden, aber 15 mio. schauen dann grundsätzlich gar nicht mehr zu (by the way: Ich schaue keine Tagesschau). Und diese fehlenden Zuschauer nehmen dann auch die gut gemachten und wichtigen Beiträge, die sie ansonsten nebenbei konsumieren würden, gar nicht mehr auf. Weil sie dann z.B. RTL-Nachrichten schauen, wo der Hochzeit von xy dann 5 Min. eingeräumt werden.
Eine sehr gute wissenschaftliche Auseinandersetzung mit „Vergessenen Welten und blinden Flecken“ wird hier in 4 Minuten kurz zusammengefasst: