Eine Inhaltsanalyse der deutschen Medienberichterstattung zum Ukrainekrieg. Ein Artikel von Harald Welzer und Leo Keller.
Auf dem Höhepunkt der Debatte um die Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine, am 20. Januar 2023, bekam einer der beiden Autoren dieses Textes eine E-Mail aus der Redaktion der Welt mit der Bitte, sich zum gerade veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend zu äußern. Dort ging es um die Meinung der Bevölkerung zur Lieferung von Kampfpanzern, und interessant schien dem Absender, dass 52 Prozent der jüngeren Deutschen (zwischen 18 und 34 Jahren) dagegen waren, womit sie die relativ stärkste Gruppe der Ablehnenden stellten. Dieser Sachverhalt zog die folgenden journalistischen Fragen nach sich, die man zu beantworten bat: »Wie sollte die Konsequenz aus diesem Dissens zwischen Jungen und Alten sein? Muss die Politik, müssen Medien den Jüngeren nur ›besser erklären‹, warum Leopard-Lieferungen nötig sind?«
Ich finde dies ist eine bemerkenswerte Einleitung, denn Sie bringt auch meine subjektive Wahrnehmung der deutschen Medien auf den Punkt.
Unschwer erkennt man an diesem Beispiel, dass der Absender so wenig Zweifel an der Notwendigkeit der Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine hegte, dass ihm völlig aus dem Blick geraten war, dass der journalistische Auftrag eigentlich nicht darin liegt, anderen Menschen zu erklären, warum sie falscher Meinung sind.
Natürlich haben Medien auch einen Erziehungsauftrag. Der journalistische Auftrag beinhaltet beides: Nachrichten und Meinung. Es muss nur klar getrennt werden.
Nö, das tun die schon zu viel. Die haben keinen Erziehungsauftrag. Die haben eher den Auftrag den einzelnen unabhängige Meinungsbildung zu ermöglichen. Nicht erziehen.
Soll die Presse vorschreiben was de leute denken solln?
Merkwürdige Theorie, lasst die Leute doch mal ihr Gedächtnis benutzen. Wenn die ständig „erzogen“ werden sollen wird denken verhindert.
Vielleicht ist genau das der Falsche weg für den Umweltschutz und auch bei vielen anderen Problemen.
Sonst leben wir in einer Art Gehirnwäsche Sekte..
urrgh..
Bei Sekten werden die Mitglieder ja auch stets „erzogen“ das zu denken was der Guru- Boss will ,was nichts anderes als Machtmissbrauch ist. Gehirnwäsche zählt auch dazu..
Wenn die Menschheit überleben will und die selbstzerstörung verhindert werden soll muss die Gehirnwäsche abgeschaltet werden und die Leute wieder denken können.
Und das reicht nicht. Wir sollten uns besser mit der Bekämpfung der 29 psychologischen Drachen der
Handlungsuntätigkeit beschäftigen als Bürger „erziehen“ zu wollen. Das ist Blödsinn und hat logischerweise noch nie funktioniert.
Grund:
Du kannst ja auch keinem Kind einfach sagen „Fass die heiße Platte NICHT an“ Es wird dann erst recht die Platte anfassen und sich verbrennen. Du kannst eher sagen:" Die Platte ist heiß, sei Vorsichtig!"
Dann ist die Gefahr des Verbrennens zumindest kleiner. Wenn es ein Überzwerg ist, dann muss es sich halt die Finger verbrennen… Du kannst da eher insofern vorsorge Betreiben dass keine ernste Verbrennung entsteht. Hat viel mehr Lerneffekt..
Man kann nicht alles Vorschreiben, das klappt nicht, eigene Erfahrungen gehören dazu und sind wichtig um eine eigene Meinugn zu haben..
Das nennt man Erziehung zur Mündigkeit. Aber ich will mich nicht über Begriffe streiten.
Haben dir deine Eltern vorgeschrieben, was du denken sollst? Meine haben das nicht getan, trotzdem haben sie mich erzogen, genau wie die Lehrer und eben auch die Medien.
Ich höre mir das an, nehme es zur Kenntnis und entscheide dann, was ich denke.
Dein Beispiel mit Kindern und Herdplatten in allen Ehren und nichts gegen eigene Erfahrung, aber Erwachsene sollten einen Schritt weiter sein. Ich benutze im Auto auch den Sicherheitsgurt, obwohl ich noch nie (klopf,klopf, klopf) die Erfahrung eines schweren Unfalls gemacht habe.
Das gefällt mir, aber so ganz frei ist das menschliche Denken trotzdem nicht.
Ich hoffe, wir können hier ein bisschen zum geistigen Austausch beitragen.
Ich stimme Dir zu, möchte aber Es muss nur klar getrennt werden. betonen.
Die Kritik des oben verlinkten Beitrags setzt ja da an, daß schon die Informationen so selektiv dargestellt werden, daß eine offene Meinungsbildung nicht mehr stattfinden kann. Es geht hier nicht um die (durchaus berechtigten) Kommentarspalten der Medien.
Wenn schon die Fakten nach einem „Erziehungsauftrag“ ausgewählt werden, wird es gefährlich für die Demokratie. Denn solche Berichterstattung fällt den Medien irgendwann auf die Füße und dann haben wir den Salat / die AFD. Anders gesagt: Wenn die einseitige Berichterstattung auffällt, geht die Glaubwürdigkeit verloren.
Die Demokratie lebt ja auch davon, dass es viele verschiedene Zeitungen, Sender usw. gibt. Kein einzelnes Medium ist vollkommen objektiv, alle zusammen schon eher. Freie Presselandschaft eben.
Aber genau da setzt ja die Kritik der Analyse „Die veröffentlichte Meinung“ an:
Panzerlieferungen
Deutet sich auf dieser Ebene eine, milde formuliert, erstaunlich einheitliche Begrenzung der Perspektive auf das globale Geschehen an, tritt die Einheitlichkeit der Berichterstattung und Kommentierung in der Frage der Waffenlieferungen sogar noch deutlicher zutage:
Schon die Mainzer Studie verzeichnet ein in dieser Hinsicht stark vereinheitlichtes Narrativ: »Dies betrifft insbesondere die Bewertung der unterschiedlichen Maßnahmen zur Beendigung des Krieges. Dass die militärische Unterstützung der Ukraine im Allgemeinen und die Lieferung schwerer Waffen im Besonderen in den meisten der untersuchten Medien als deutlich überwiegend sinnvoll und auch als sinnvoller als diplomatische Maßnahmen dargestellt wurden, ist angesichts der schrecklichen Bilder aus der Ukraine und der offensichtlich mangelnden Verhandlungsbereitschaft auf russischer Seite verständlich, überrascht in dieser Deutlichkeit aber dennoch«, resümieren Maurer et al.6
Wir würden sagen: Angesichts von Umfragen über die entsprechenden Auffassungen zum selben Thema in der Bevölkerung, die eben durchgängig ein eher polarisiertes Bild zeigen, ist das gerade nicht verständlich, sondern zeigt die Medienschaffenden in einer spezifischen Diskursgemeinschaft, die eine Auffassung teilt und kommuniziert.
Wenn man die Beiträge zur Form von Planeten im Allgemeinen und der Erde im speziellen untersucht, findet man auch ein stark vereinheitlichtes Kugel-Narrativ.
Und den Sytermedien die über die Zwagsgebühr bezahlt werden, traue ich auch nur nocht bedingt. Oft sind die Medien sehr einseitig geworden und erklären zu wenig. Lieber bereichtet ma nüber jedes einzelne Terroranschlag Opfer irgendwo in der Welt, das scheint wichtiger als die Klimakriese und die eigenen Probleme in Deutschland zu sein.
Das nervt langsam dass über jeden blöden Anschlag berichtet wird. Muss mich mal bei der ARD beschwerden, das interessiert eigentlich nicht. Es reicht, einmal pro Woche zusammengefasst davon zu berichten um mehr Zeit für die eigentlichen Themen in den Nachrichten zu haben die jeder guckt, damit endlich wichtige Dinge erzahlt werden und nicht welcher Bauer in China einen Sack Reis vom Anhänger verloren hat..
dafür sind die ÖR Gebühren viel zu hoch das da so ein Mist erzählt wird..
Wer nicht in der Lage ist, sich aus dem riesigen Angebot des ÖRR das für ihn relevante zu finden, braucht sich nicht zu beschweren, dass über Terroranschläge berichtet wird.
Falsch, das ist nicht das Problem, es kann nicht sein das die Nachrichtensendungen voll davon sind und dass man die wichtigsten Infos mühsam hinter diesem Unsinn extra in der Mediathek suchen muss.
Nicht jeder hat die Zeit den ganzen Tag umständlich danach zu suchen. Der Vollzeit Arbeiter muss arbeiten und die Alleinerziehende muss ihre Kinder versorgen und beaufsichtigen. Die Leute können nur optionale Dinge suchen gehen aber nicht alles was eigentlich vordergründig wichtig ist.
Und allein die falsche Reiheinfolge der Schlagzeilen verzerrt schon die Darstellung!
Terroranschläge in unsicheren Ländern wie Afghanistan oder Syrien gehören daher niemals in die erste Schlagzeile!
Die gehören maximal in Schlagzeile 5. Die wichtigsten Inland Nachrichten sollen auch im Fernsehen immer zuerst berichtet werden.
Danach die wichtigsten EU Ausland Nachrichten.
Dann ggf.erst der Terroranschlag in Nicht- EU Ländern. Und auch nur zusammengefasst einmal pro Woche genügt vollkommen, das ist unwichtig. Ist doch eh nix neues.. (jedenfalls für die Tagespresse)
Etliche großen Medien-Player wie Zeitungen sind Wirtschaftsbetriebe, die für eine bestimmte Kunden-/zielgruppe schreiben. Die Zielgruppe wird dabei über Alter, Intellekt, Politische Gesinnung etc. definiert. Auf diese Weise konnte sich in den 90er Jahren der FOCUS als Gegengewicht zum SPIEGEL aus dem Stand etablieren. Man kann das auch sehr gut an Verschiebungen in der Art der Berichterstattung erkennen. Die WELT hat einen Transformationsprozess (vermutlich noch nicht abgeschlossen) hinter sich, der bewusst journalistische Standards ignoriert und mit Polemik, Ungenauigkeit usw. arbeitet. Sie ist in Teilen bereits auf dem Weg, die bevorzugte Zeitung der AfD-WählerInnen zu werden.
Wobei die Bedeutung der Printmedien insgesamt deutlich abnimmt, weil man für die einfache Bestätigung seiner Vorurteile eben keine Zeitung mehr braucht…
Die Berichterstattung wird v.a. dann einseitig, wenn man immer die gleichen Quellen nutzt, z.B. nur seine regionale Tageszeitung liest. Seit dem erstarken der AfD ab ca. 2013 habe ich subjektiv sogar den Eindruck, dass sich viele Qualitäts-Medien ernsthafter um ausgewogene und korrekte Berichterstattung bemühen - weil ihnen ja auch jeden Fehler gleich via Internet-Shitstorm unter die Nase gerieben wird. Auch die „Lügenpresse-Vorwürfe“ haben da zu höherer Sensibilität geführt, wie ich meine.
Ganz schwierig - um mal um Verständnis für „die Medien“ zu werben - finde ich alleine den Aspekt der Auswahl. Welcher Bericht, welches Thema findet seinen Weg in die Zeitung, in die Nachrichten, in einen Social-Media-Beitrag? Mir gefällt diese Auswahl häufig nicht, ich würde andere Akzente viel lieber gesetzt sehen. Wenn aber die Tagesschau oder eine ähnlich prominente Sendung den Anspruch zu erfüllen hat, ALLE Zuschauerinnen abzuholen, dann müssen sie leider auch Lottozahlen, Bundesliga-Ergebnisse, „harmlose“ Unwetter-Bilder und Todes-, Geburts- und Heiratsfälle des europäischen Hochadels bringen. Lassen die das hingegen alles weg, ist zwar Martin Spieler zusammen mit ein paar Millionen anderer zufrieden, aber 15 mio. schauen dann grundsätzlich gar nicht mehr zu (by the way: Ich schaue keine Tagesschau). Und diese fehlenden Zuschauer nehmen dann auch die gut gemachten und wichtigen Beiträge, die sie ansonsten nebenbei konsumieren würden, gar nicht mehr auf. Weil sie dann z.B. RTL-Nachrichten schauen, wo der Hochzeit von xy dann 5 Min. eingeräumt werden.
Eine sehr gute wissenschaftliche Auseinandersetzung mit „Vergessenen Welten und blinden Flecken“ wird hier in 4 Minuten kurz zusammengefasst: