Das Zeitalter der Zeitungen geht zuende

Heute war ich im Museum der Arbeit in Hamburg. Dort gibt es auch eine Etage über die Geschichte des Drucks.

Daran kann man auch die Geschichte des Zeitungswesens ablesen:

Für die Zeit der Handarbeit im Buchdruck von 1440 bis 1800 stehen ein Gießinstrument zur Herstellung von Buchstaben, ein Setzregal mit Setzkasten und eine besondere museale Rarität, eine hölzerne Spindelpresse aus der Zeit um 1780. Es sind die Gerätschaften, die nahezu 350 Jahre die Arbeit im Grafischen Gewerbe bestimmten.
Solange die Buchstaben einzeln gesetzt werden mussten, war das drucken eines tagesaktuellen Mediums

Es gab schon sehr früh Zeitungen in Europa, aber nicht als Massenmedium - was schon am mangelndem Lesevermögen gescheitert wäre.

Die erste einschneidende Veränderung fand beim Drucken mit der Einführung der Schnellpresse seit 1814 statt. Diese Druckmaschine begann sich in Deutschland um 1840 durchzusetzen. In der Ausstellung ist sie durch ein Exemplar der Firma Bohn & Herber von 1890 vertreten

Die Mechanisierung des Druckes verstärkte die Bestrebungen, auch den Satz zu mechanisieren, leistungsfähige Setzmaschinen gab es erst um 1890. Das Museum präsentiert dazu drei verschiedene Exemplare, eine Zeilensetzmaschine, Typograph, gegenüber einer funktionsbereiten Monotype, also eine Setzmaschine für Einzellettern sowie den gängigsten Typ, die Linotype, ebenfalls betriebsbereit. Den krönenden Abschluss dieser Ausstellungseinheit bildet eine Rarität, eine Rotationsdruckmaschine von 1896, die vor allem für den Zeitungsdruck entwickelt wurde.

Diese Techniken erlaubten es erst, Zeitungen zu niedrigen Preisen und großen Stückzahlen herzustellen. Damit einher wurde natürlich auch der Vertrieb von Zeitungen organisiert.
Da Zeitungen leicht sind, kam es nicht darauf an, ob ein paar Blatt mehr oder weniger verteilt wurden.
Damit konnten sich auch Annoncen und Anzeigen entwickeln, die wiederum die Zeitungen stärkten. Die Zeitungen wurden so zu dem Medium für aktuelle und umfassende Informationen für alle Bereiche des Lebens (Feuilleton, Politik, Kultur, Sport).

Der Verbreitung der Lithographie hatten wir dann auch Zeitungen mit Bildern zu verdanken. Schönen Gruß von BLÖD-Zeitung und Ko.

Und wo stehen wir heute? Im Zeitungskiosk am Bahnhof sind die Regale noch immer voll mit Spezialzeitschriften aller Art. Aber Zeitungen? Also wenn man den SPIEGEL als Wochenzeitung sehen möchte, dann ist das nur noch ein Zombie gegenüber den Ausgaben von vor 20 Jahren.

Klassische Zeitungen werden aussterben, denn der Vertriebsweg, der einer der Hauptkostenfaktoren für Zeitungen war und damit auch ihre Stellung sicherte, entfällt komplett. Damit wird es aber auch vollkommen sinnlos alle möglichen Informationen in einer Redaktion zu sammeln und gemeinsam zu veröffentlichen.

Ich glaube, das es in Zukunft sehr viele unabhängige mehr oder wengier kleine Redaktionen geben wird. Von Medien wie Krautreporter, Piqd, Klimareporter und ähnlichen Formaten.

Informierte Leser sind dann nicht mehr ZEIT-Leser, oder FAZ/TAZ-Leser oder Süddeutsche-Leser. Sie lesen aus ganz verschiedenen Quellen Nachrichten über das gleiche Thema. Was wird das mit unserer Informationskultur machen?

Und noch ein Aspekt, den ich bei Krautreporter und ZEIT-Online aus eigener Erfahrung schildern kann: Die Kommentarspalten werden enorm an Bedeutung gewinnen. Manche Artikel werden erst durch die vertiefenden Informationen und Links in den Kommentaren richtig gut.

Wie sähe wohl eine Gesellschaft aus, in dem man zu jedem Ereignis drei Berichte lesen und mit tausenden Menschen sachlich über die Auswirkungen diskutieren könnte?

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Äh vermutlich ist das eher schwierig. Ich kann es jetzt nicht genau belegen da ich mich eher selten mit Zeitungen Beschäftige.

Mir ist aber schon mal aufgefallen, das der Informationsgehalt manchmal sehr gut ist. Leider ist es aber so, dass mir viele Zeitungen einfach zu teuer sind. Ich frage mich manchmal, ob es sein könnte, dass Zeitungen für Ärmere Menschen überhaupt nicht bezahlbar sind. Also wenn zum Beispiel Bürgergeld Empfänger Zeitungen lesen wollten, vovon bezahlen, wenn das Geld so knapp ist das diese zur Tafel betteln gehen müssen?

Ich findes es schade dass man eigentlich mehere Zeitungen abonnieren muss um gut informiert zu sein, falls das heute überhaupt noch so ist. Das kostet ne Menge Geld.. (von der Bild Zeitung mal abgesehen, die ist schon immer Mist geswesen, aber noch schlimmer geworden)

Information ist ein Grundpfeiler der Demokratie und es kann nicht sein , dass das für arme unbezahlbar ist..

Und ja, ich denke auch dass das bald ausstirbt. Leider ha tder Staat aber nicht für eine Demokratiefreundliche alternative gesorgt, die für alle ohne mühsame sucherei Nutzbar und bezahlbar ist.. Kein wunder dass das niemand liest.. oder zumindest nur wenige..

Die haben wir doch schon jetzt. Naja gut, bei dem Wort „sachlich“ ist natürlich der Engpass.
Aber „persönlich“ geht es schon.

Ja, die Zeitungen sterben und ich werde ihnen keine Träne nachweinen. Mir fehlt eigentlich nur ein vernünftiger Nachrichtenticker. Aber wenn die Zeitungen tot sind, müssen sich dpa und Reuters ein neues Geschäftsmodell überlegen. Dann kriegen wir diesen ticker.

Bei den fachlichen Artikeln kenne ich für jedes Gebiet, das mich interessiert, einen oder mehrere YT-Kanäle, deren Qualität und Detailtiefe um eine Größenordnung besser ist als jedes 3. Programm der ARD, ganz zu schweigen von den Zeitungen.

Allerdings sind die fast alle in Englisch. Gute deutsche Kanäle kenne ich nur ganz wenige. Lohnt sich halt nicht für die paar Mio rein Deutschsprachigen. Ich hoffe, dass in ein paar Jahren die Übersetzer mit Sprachausgabe so gut geworden sind, dass sie eine vernünftige deutsche Sysnchronisation hinkriegen. Muss ja nicht lippensynchron sein.

Da kann ich Dir PIQD sehr empfehlen. Da habe ich in den letzten Wochen einige hervorragende Artikel über LLMs gelesen im Kanal https://www.piqd.de/technologie-gesellschaft. Und die haben auch eine Menge anderer Kanäle.