Ich bin mir nicht sicher, ob wir dasselbe meinen, wenn wir von Gendern sprechen.
Für mich ist Physiker:innen einfach eine bequeme Abkürzung für Physiker und Physikerinnen, oder Bürger:innen für Bürger und Bürgerinnen usw.
Dass ich gelegentlich Wert darauf lege, beide zu nennen, liegt an meinem Sprachempfinden und dem, was ist ausdrücken möchte.
Es werden inzwischen ein paar weitere Abkürzungen bzw Ausdrücke benutzt und auch empfohlen, teilweise auch gefordert, von denen ich etliche für sehr lästig, teilweise unpraktikabel oder auch nicht für zielführend halte. Und dass ich bei Druck bockig reagiere, habe ich ja schon geschrieben.
Für mich ist das ein breites Spektrum mit vielen Abstufungen, auch unterschiedlich in gesprochener und geschriebener Sprache und in den jeweiligen Situationen.
Ich habe auch bereits erlebt, dass ich Fremdheitsgefühle in Gruppen entwickelt habe, die mir eigentlich nahestanden, auch weil Sprachregelungen gefordert wurden.
Aber: Wenn das gesamte Spektrum als Wahn oder Schwachsinn bezeichnet wird, kann ich mich nur schwer damit auseinandersetzen und argumentieren.
Einerseits billigst du der Sprache eine große Macht zu, andererseits lehnst du kleine Gewohnheiten ab, die beide Geschlechter sichtbarer machen können und damit auch(!) dazu beitragen können, dass sie in einem Minderheitenkontext oder bei Machtgefälle mehr Berücksichtigung finden. Da geht es um Gedanken, Stereotype und Einstellungen, die realen Veränderungen vorausgehen.
Vielleicht kann ich das Thema auch etwas leichter nehmen, weil ich etwas im Windschatten bin. Da kommt etwas ins Spiel, was auch ich als Ideologie sehe und erlebe: Menschen werden als Mitglied einer Gruppe, für die sie nichts können, als schuldig angesehen, oder sie werden beschämt. Das ist toxisch, und wenn Wut daraus entsteht, muss man sich nicht wundern.
Ich vermute, dass dies auch beim Gendern eine Rolle spielt, wenn (besonders) Männer an den Pranger gestellt werden.
Die Gefühle, die am Pranger entstehen, kenne auch ich. Ob meine Überlegungen wenigstens teilweise auf dich passen, weiß ich natürlich nicht. Aber Wut ist meist etwas persönliches.