Ich sehe das weniger pessimistisch. Bei uns kommt kein Krankenwagen, da kommt gleich der Heli, um kritische Patienten rechtzeitig in die Klinik zu bringen. Das kann lebensrettend sein und ist ein ernormer Luxus, den wir früher nicht hatten.
Noch einmal - es ging mir nicht um diese Fälle - sondern darum, dass Menschen sterben, obwohl ein Bett frei ist!
Das ist in etwa vergleichbar mit einem Notruf, bei der der Sani/der Heli sofort losfahren/-fliegen kann, aber er nicht fährt/fliegt, weil der Patient ein Kassenpatient ist, und statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten 20 Minuten ein Privatpatient einen Notruf absetzt, hoch genug ist, damit der Sani erst einmal nicht losfährt, weil er für den wahrscheinlichen Notruf des Privatpatienten vorsorglich frei gehalten wird (irgendwann wird sich das evtl. tatsächlich betriebswirtschaftlich rechnen).
Wenn ich Dich richtig verstehe, sollten wir uns also erst gar nicht wundern, dass auch der Sanitäter demnächst „aus Budgetgründen“ bei einem eingehenden Notruf nachfragt, ob man Kassenpatient ist, und dann evtl. erst gar nicht losfährt.
So, wie ich Dich kenne, glaube allerdings nicht, dass Du das so meinst! (sorry also für die „etwas“ provokante Aussage)!
Aber es wäre für mich die logische Konsequenz aus Deinem Ansatz.
Dabei darf man nicht vergessen, dass die Vorhaltekosten im Gesundheitswesen bislang allein von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Dass also Krankenwagen und Heli überhaupt erst angeschafft und mit Personal ausgestattet werden, zahlt erstmal die GKV. Insofern wäre es eigentlich konsequent, dass die Gesundheitsinfrastruktur primär für die gesetzlich Versicherten bereit steht und nur wenn sie noch Kapazität frei hat auch Privatpatienten on top versorgt. Oder aber man beteiligt auch die privaten Kassen endlich an den Vorhaltekosten - wird leider ziemlich kompliziert und teuer.
Deutschland. Aber auf dem Land sind die Entfernungen für einen RTW in dringenden Fällen zu lang, deswegen der Heli, der z.B bei einem Schlaganfall routinemäßig angefordert wird. Bei Bergrettung kommt er auch sehr häufig zum Einsatz.
Ich will damit nur verdeutlichen, welchen Aufwand wir in unserem Gesundheitssystem betreiben. Das geht nicht billig.
Auch die GKVen zahlen nach Fällen. Vorhaltekosten tragen die Träger der jeweiligen Systeme, aber legen sie natürlich auf die einzelnen Fälle um.
Mit der letzten Reform werden die Vorhaltekosten zum Teil direkt durch alle Versicherungsträger (GKV und PKV) erstattet, also nicht mehr über die Einzelfälle.
Dann kann es natürlich nicht stimmen … schau mal in das Rettungsdienstgesetz deines Bundeslandes und achte auf die Unterscheidung zwischen Kostenträger und Leistungsträger.
Gerade im ländlichen Bereich gibt es Rettungswachen die bei weitem nicht ausgelastet sind und über eine reine Gebührenrechnung nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Bezahlen muss die Vorhaltung trotzdem jemand.
wundern würde ich mich derzeit schon noch über so eine Vorgehensweise.
Wie das in 10 oder 20 Jahren aussieht, ist aber eine andere Frage.
Da halte ich vieles für möglich.
Aber „nicht wundern“ oder „für möglich halten“ heißt ja nicht „gut finden“.
Den Heli auf Verdacht am Boden zu lassen weil ja jemand anrufen könnte, der besser zahlt, und dabei das Leben des GKV-Patienten zu riskieren, ist selbstverständlich inakzeptabel.
Aber es könnte ja auch heute schon jemand auf die Idee kommen zu sagen, „da reicht auch ein Krankenwagen“?!
Wenn das Niveau der Versorgung in D nicht sinken soll, müssen wir uns alle mächtig anstrengen. Appelle an den Anstand werden da nicht reichen.
Naja, in gewisser Weise passiert das bereits - wenn das Bett xx € in der Vorhaltung kostet, dann bezahlt das der Privatpatient, wenn er das Bett konkret braucht, ebenso - wer also das Bett betriebswirtschaftlich nutzt, ist also egal, sofern sicher gestellt ist, dass der Preis für dieses Bett so kalkuliert ist, dass alle betriebswirtschaftlichen Kosten (und dazu gehören auch die Zeiten eines möglichen Leerstandes) eingerechnet werden.
Aus meiner Sicht ist das Problem aber ein anderes - nehmen wir an, das Bett kostet pro Woche 1000€ - derzeit scheint es sich zu rechnen, statt der 4 Kassenpatienten in 4 Wochen lieber 2 Privatpatienten in 4 Wochen zu versorgen, da jeder Privatpatient nur 250 € bezahlt - und der Privatpatient 600€ Achtung: Zahlen sind rein fiktiv!)
Es lohnt sich in diesem Beispiel also, auf die beiden Privatpatienten zu warten, die statistisch pro Monat reinpurzeln, die 4 Kassenpatienten abzulehnen, und das Bett 2 Wochen (notfalls) leer stehen zu lassen - schließlich könnte es auch sein, das sogar 3 Privatpatienten in einem Monat hereinkommen, dann rechnet es sich noch mehr!
Was bedeutet „inakzeptabel“ in diesem Kontext für Dich genau?
Rein betriebswirtschaftlich ist das OK.
Vor allem dürfte der Nachweis schwer werden, dass intern so gerechnet wird, um daraus Konsewenzen zu ziehen.
Und es stellt sich die Frage, woher das Geld irgendwann herkommen kann - theoretisch von den Versicherten…