Bill Gates: grundlegend anderer Ansatz betr. Klimawandel

Gates erläutert, warum er beim Thema Klima grundlegend andere Schwerpunkte setzen will.
Ziemlich spektakulär, wenn man´s genau nimmt.

https://www.gatesnotes.com/three-tough-truths-about-climate

In this memo, I’ve argued that we should measure success by our impact on human welfare more than our impact on the global temperature, and that our success relies on putting energy, health, and agriculture at the center of our strategies.

Langer Text.
Nach meinem Verständnis sagt er (abgekürzt):

  1. Vermeiden können wir den Klimawandel nicht (allenfalls in Nuancen abschwächen)
  2. Wichtig ist daher, die Menschen vor den Folgen bestmöglich zu schützen und auf die Probleme vorzubereiten.
  3. Dabei sieht er neue Technologien als wesentlichen Erfolgsfaktor
  4. Gradmesser des Erfolges ist nicht, ob die Erwärmung ein Zehntelgrad mehr oder weniger beträgt, sondern wie stark die Menschen darunter leiden.
  5. Dabei denkt er zuerst an arme Länder, in denen die Bevölkerung schon jetzt am Limit lebt, und wo jede Verschlechterung den Tod bedeuten kann.

Beispiel:
Bei Überschwemmungen entstehen häufig Seuchen, die zB mit Durchfall verbunden sind.
Sind die Menschen unterernährt und gibt es keine medizinische Versorgung, werden viele sterben.
Sind sie gut ernährt und gesund und gibt es genug Krankenhäuser, wird die Zahl der Toten deutlich geringer sein.
Die Überschwemmungen können wir nicht mehr verhindern, aber die medizinische Versorgung und die Ernährung können wir verbessern.
Diese Vorsorge sollte mindestens so wichtig sein wie Maßnahmen zur Bekämpfung der Erwärmung.

Ich bin seit längerer Zeit der Meinung, dass die Vorsorge gegen die Folgen der Erderwärmung vernachlässigt wird, und bin gespannt, ob Gates´ Idee aufgegriffen wird.

Das ist nicht Gates Idee, das ist längst in der Forschung und climate policy berücksichtigt. Auch die IPPC Berichte beschäftigen sich damit. Es ist immer die Relation zwischen Ereignis und Resilienz einer Gesellschaft und der Natur, die betrachtet wird.

Der Haken ist, wenn die Naturkatastrophe oder die Veränderung und ihr Tempo zu groß sind, können sich Gesellschaften und Natur nicht mehr anpassen, die Grenzen der Resilienz sind dann überschritten.

Der globale Süden leidet jetzt schon sehr, und Entwicklungsprojekte haben auch eine Erhöhung der Resilienz zum Ziel. Das sollte von den high emitter Staaten bezahlt werden, wie in Paris vereinbart und danach konkretisiert wurde. Stichpunkt climate justice. Das gilt auch innerhalb von Staaten: Die Armen können sich weniger vor den Auswirkungen schützen, die Reichen eher.

Was Europa angeht: Klimaforscher sagen, wenn bestimmte Voraussagen über die Nordatlantik Zirkulation wahr werden und sie versiegt, kann sich auch eine technologisch hoch entwickelte Gesellschaft nicht mehr anpassen. Eine Begrenzung der Emissionen ist also sehr in unserem Interesse. Anpassung dann: An Erhitzung oder Abkühlung, plus ständiger Überraschungen? Dürfte schwer werden.

hier die Gegenposition

Eine Rangfolge, was ist unser größtes Problem, um die anderen in der Priorität herunterzusetzen, macht dann keinen Sinn, wenn diese Probleme eng verschränkt sind und nur gemeinsam gelöst werden können.

Bill Gates hat viel Aufmerksamkeit geerntet mit einer Idee, die wahrhaftig nicht neu ist, und von anderen wesentlich tiefer und differenzierter ausgearbeitet worden ist.

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