bieserGu:
Ich glaube, die meisten Menschen sind schon zu Opfer bereit, das Problem ist eher, dass sie keinen richtigen Plan und eine Strategie erkennen, die auch Hoffnung macht, dass es nur ein Tal ist, das zu überwinden ist.
Ich glaube das inzwischen - unter dem Vorbehalt, dass überhaupt ein Problembewusstsein vorhanden ist - auch.
Die Grundlage ist doch erst einmal überhaupt, ein Problembewusstsein zu entwickeln. Und dann gilt es, ein Problem so plausibel anzugehen, dass ein Opfer/ein Verzicht sogar sehr bereitwillig akzeptiert wird, wenn es mit einer Erzählung einher geht, dass die mittel- und langfristigen Folgen eher eine Verbesserung versprechen.
Klar besteht derzeit bei der Vermittlung der Maßnahmen bereits ein Problem.
Wenn man sich die aktuellen „Bedrohungslage“ ansieht, so glaube ich nicht, dass es viele gibt, die tatsächlich damit rechnen, dass wir bald im Kriegszustand mit Russland sind. Ich glaube, dass viele immer noch zu dem Schluss kommen, dass der Krieg zwischen der Ukraine und Russland ein „lokales“ Problem ist, das sogar, sobald man die russische Perspektive des Wunsches nach „Wiedervereinigung“ auch nur in Erwägung zieht (auch wenn das bei näherer Betrachtung so plausibel ist wie eine Wiedervereinigung Deutschlands mit Teilen Polens (Schlesien)).
Warum also viel mehr Geld in Verteidigung stecken als in andere Strukturen (z.B. das Sozialwesen). Hinzu kommt noch, dass wohl viele auch Angst haben, dass gerade durch die uneingeschränkte Unterstützung der Ukraine und die eigene angekurbelte Rüstung eine Gefahr der „Eskalation“ erst einen möglichen Krieg wahrscheinlicher macht.
Das alles führt nicht gerade dazu, dass die Akzeptanz des Geldflusses in die Rüstung plausibel erscheint und damit auf uneingeschränkte Akzeptanz stößt, weil das gar nicht also großes eigenes Problem erkannt wird.
Freilich muss man kritisch überprüfen, ob die heraufbeschworene Gefahr tatsächlich besteht, mithin die Verneiner dieser „These“ nicht sogar im Recht sind.
Beim Klimaschutz haben wir die gleiche Diskussion, ob die späteren Kosten wirklich die aktuellen Investitionen rechtfertigen (auch wenn das wissenschaftlich - übrigens auch wirtschaftswissenschaftlich) besser belegt ist als bei der Aufrüstung, so ist die Zahl der Zweifler des Problemumfangs vermutlich noch höher, womit wir auch hier das Problembewusstsein noch nicht in hinreichendem Maße haben.
Was muss nun passieren, um im Falle der Aufrüstung (gesetzt, die These der Notwendigkeit ist tatsächlich belegbar), das daraus resultierende Problembewusstsein zu stärken und vor allem auch die „Lösung“ (Aufrüstungskosten) als reine Übergangslösung darzustellen. Denn wenn ich das richtig verstanden habe, gilt zwar die 3-5% bis auf weiteres (solange von einem räumlich rel. nahen Nachbarn laut der These so eine Gefahr ausgeht) - das geschaffenen Sondervermögen sollte doch aber eine reine vorübergehende „Anschubfinanzierung“ sein - so wie bei der maroden Infrastruktur auch, die - wenn erst einmal repariert - wieder eine ganze Zeitlang stabil hält, mithin die Kosten auch wieder sinken werden.
Interessante Frage am Rande ist auch, das rechtzeitiges Reparieren immer billiger ist als eine marode gewordene Struktur aufwändig zu sanieren (auch das gilt wieder, egal, ob man die Verteidigung, die Infrastruktur oder das Sozialwesen nimmt).
Die logische Folge müsste sein, dass wir das bei künftigen Investitionen machhaltig berücksichtigen, um dieses temporäre „Über-die-Verhältnisse-Leben“ zu Lasten späterer teurerer Generalsanierungen generell eine Absage erteilen zu können. denn das ist ebenfalls ein Problem, für das viele erst gar kein Problembewusstsein entwickeln.