Wohnungskonzerne enteignen?

Wer will (bzw. fordert) denn das?

Ein Strohmann?

Naja, man hört imer wieder in Interviews eine ganze Latte von "wir haben in der Vergangeheit doch schon folgendes unternommen: … (Und dan folgt eine Aufzählung).

Ob die unternommenen Dinge tatsächlich die Probleme beseitigt haben (also hinreichend waren, oder ob es nur - wenn überhaupt - um Kosmetik ging, muss man dann selbst nachprüfen (wenn man Glück hat, gibts hinterher einen Faktencheck, der aber oft nur sehr wage bleibt, und lediglich die „Maßnahme“ selbst bestätigt, aber leider nur wenig bis nichts über die Effizienz aussagt.

Wenn also die Linke in 4 Jahren befragt wird, was sich denn getan hat, so kann sie vielleicht sich stolz hinstellen, und sagen, dass sie ein Enteignungsgesetz gemacht hat, um der Wohnungsnot Herr zu werden - das das irgendwo zwischen Landgericht und Bundesverfassungsgericht schwebt, und noch gar keine Anwendung gefunden hat, bleibt unerwähnt, oder wird bestenfalls mit dem Optimismus kommentiert, dass das am Ende doch zu einem guten Ende führen wird.

Ich finde es gut, wenn jemand nachweisen kann, was er bereits unternommen hat, und nachweisen, woran es hakt bzw. gescheitert ist, weil man dann an dieser Stelle ansetzen kann.

Ich weiss schon, was Du meinst…

So lange das keine Alibifunktion erfüllt, sondern tatsächlich konzeptionell sinnvoll ist, sollte das auch immer so gemacht werden.

Das gilt sogar für die AfD! Wenn Sie mal die absolute Mehrheit hat, sollte sie sich bei ihren Massenabschiebungen auch dann nicht davon abbringen lassen, nur weil ein paar Gerichte das in unteren Ebenen für verfassungsfeindlich befinden. Erst, wenn letztinstanzlich das Bundesverfassungsgericht diese Abschiebepraxis für nicht zulässig befindet, muss das ein Ende haben.

Was ich meinte war aber, dass die Aktionen von vornherein so konzipiert sind, dass sie weder in der Praxis noch vor Gericht nachhaltig Bestand haben, nur um hinterher taktisch das „böse“ Gericht für das - dann auch letztlich teure - Scheitern verantwortlich machen zu können, halte ich das für problematisch.

Du hast ein paar längere Beiträge als Antwort geschrieben, da bin ich etwas überwältigt.
Ich beginne mal mit diesem.

Wie Investoren entscheiden ist zu einem großen Teil Psychologie, Gruppenphänomene sind da eingeschlossen.
Es ist also durchaus möglich, dass sich eine allgemeine Stimmung entwickelt, nicht in Deutschland zu investieren. Andererseits suchen sie auch Märkte, die ihre Konkurrenten nicht bedienen.
Was ich für wahrscheinlich halte, ist ein Sturm der Empörung, der auch von den USA und Russland unterstützt wird und die Rechtsextremen unterstützt.

Ich habe mal nach einem Präzedenzfall gesucht: Spanien unter dem Sozialisten Sanchez, der seit 2018 dort MP ist.

Der erste Treffer war, er mache Spanien zur nogoArea für Investoren. Das war eine offensichtlich rechtspopulistische Seite mit Impfgeschwurbel etc. Ich würdige die Seite nicht mit einem Link.

Dann vernünftige Quellen, so etwa zeitlich geordnet:

Weniger Arbeitslose, ein höherer Mindestlohn und eine geringe Inflation: Die wirtschaftspolitische Bilanz der Regierung Sánchez kann sich sehen lassen. Doch vor der Wahl interessiert das kaum jemanden.

Spanien ist in diesen Jahren für ausländische Investoren interessanter geworden denn je, das zeigt eine Untersuchung der Stiftung der Sparkassen ­Funcas. Die Direktinvestitionen aus dem Ausland machen 2023 und 2024 rund 3 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, während es in Deutschland nur noch 1 Prozent sind.

Spanien hat sich als Wachstumslokomotive in der Eurozone etabliert.

Ok, Berlin ist nicht Spanien, und mit einer Vergesellschaftung ist Sanchez mW nicht aufgetreten. Aber die politischen Verhältnisse in Spanien scheinen an Kompliziertheit denen in Berlin nicht nachzustehen.

Investoren scheinen sich nicht so sehr von Sozialisten abschrecken zu lassen, wenn sie gute Geschäfte wittern. Viel ist Theaterdonner.
Dass ein dramatisches Scheitern in Berlin sehr negative Folgen haben würde, da stimme ich dir zu. Wenn das Projekt still versumpft, weil nicht durchführbar bzw nicht finanzierbar, wäre der Schaden deutlich kleiner.

Ich habe mir den Spaß gegönnt, einen kleinen polemischen Ausflug in die Zukunft zu machen (mit etwas ChatGPT-Hilfe)

Man stelle sich also Berlin einige Jahre nach dem erfolgreichen Volksentscheid vor.
Die Wohnungen sind vergesellschaftet. Die juristischen Verfahren laufen noch. Die ursprünglich versprochenen Entschädigungssummen erweisen sich als zu optimistisch. Der neue öffentliche Wohnungskoloss braucht Kapital. Die Zinsen müssen bedient, die Häuser saniert und die Mieten zugleich politisch niedrig gehalten werden. Im Haushalt fehlen Milliarden.

Und nun trifft dieses Problem auf das politische System Berlins.
Die Linke: „Vergesellschaftung funktioniert – wenn man nur endlich richtig vergesellschaftet“
Für die politische Linke wäre das Scheitern selbstverständlich kein Scheitern des Konzepts.
Es wäre Sabotage.
Die Entschädigung ist zu hoch? Schuld sind Karlsruhe und die Eigentumslobby.
Die Finanzierung wird teuer? Schuld sind die Banken.
Die neue Gesellschaft macht Verluste? Schuld ist die unzureichende Kapitalausstattung durch den Senat.
Die Sanierungen stocken? Jahrzehntelanger Investitionsstau der Privaten.
Die Mieten können nicht weiter sinken? Dann muss das Land eben zuschießen.
Dass irgendwann schlicht Geld fehlt, wäre in diesem Weltbild kein ökonomischer Sachverhalt, sondern mangelnder politischer Wille. Und spätestens dann erschallt der klassische Ruf jeder gescheiterten Großidee: Man hat es eben nicht konsequent genug gemacht.

Für die Berliner Grünen würde es besonders unangenehm.
Ein Teil der Partei hatte die Vergesellschaftung unterstützt und müsste nun erklären, warum aus dem großen gesellschaftspolitischen Befreiungsschlag plötzlich ein Tagesordnungspunkt im Hauptausschuss namens „Kapitalzuführung Gemeinwohl Wohnen Berlin AöR – 1,7 Milliarden Euro“ geworden ist.
Der pragmatische Teil würde vorsichtig darauf hinweisen, dass man zusätzlich auch noch Schulen, Verkehr, Klimaanpassung und Neubau finanzieren müsse. Daraufhin würde der linke Parteiflügel erklären, diese Argumentation sei „neoliberal“.
Die Landesdelegiertenversammlung verabschiedet nach achtstündiger Debatte einen Antrag, wonach gleichzeitig die Mieten sinken, die energetische Sanierungsquote steigen, kein Personal abgebaut, keine Wohnung verkauft, keine Neuverschuldung verursacht und der Neubau massiv beschleunigt werden soll. Mit großer Mehrheit.
Die Finanzierung wird zur weiteren Beratung an eine Arbeitsgruppe überwiesen.

Die SPD: Wir haben immer schon gewarnt – beziehungsweise dafür gestimmt. Die Berliner SPD würde ihre historische Spezialdisziplin perfektionieren: gleichzeitig Regierung, Opposition und unschuldiger Beobachter der eigenen Politik zu sein.
Der rechte Flügel erinnert daran, schon immer skeptisch gewesen zu sein.
Der linke Flügel erinnert daran, schon immer dafür gewesen zu sein.
Die Parteiführung erinnert sich vorsichtshalber an gar nichts.
Anschließend erklärt die SPD, man müsse „die Entscheidung der Berlinerinnen und Berliner respektieren und zugleich verantwortungsvoll mit den finanziellen Rahmenbedingungen umgehen“. Dieser Satz wird anschließend sechs Jahre lang wiederholt.

CDU: endlich ein Problem, das man nicht selbst verursacht hat. Für die CDU wäre die Katastrophe ein Geschenk. Sie müsste keinerlei besonders originelle Wohnungspolitik entwickeln. Sie müsste nur jeden Morgen aufstehen und sagen: „Wir haben davor gewarnt.“
Und leider hätte sie in diesem Punkt möglicherweise sogar recht.
Das hindert sie natürlich nicht daran, gleichzeitig gegen größere Neubauprojekte zu opponieren, sobald irgendwo ein Parkplatz, eine Kleingartenkolonie oder der Blick aus einem Einfamilienhaus betroffen ist.
So könnte die Berliner CDU gleichzeitig verkünden: „Die Vergesellschaftung schafft keine Wohnungen!“ und drei Wochen später: „Diese 2.000 Wohnungen passen nicht in den Charakter des Kiezes.“ Auch das ist Berliner Wohnungspolitik.

AfD: Die Rechnung wird zur Systemfrage.
Und dann kommt der wirklich unangenehme Teil.
Denn wenn gleichzeitig Leistungen gekürzt, Investitionen verschoben und Milliarden für eine vergesellschaftete Wohnungsgesellschaft mobilisiert werden müssen, interessiert sich der populistische Wähler irgendwann nicht mehr sonderlich für Art. 15 GG.

Er sieht nur: Schulen kaputt, Bürgerämter überlastet, U-Bahn unzuverlässig, Wohnungen weiterhin knapp. Und Milliarden für irgendeine AöR.
Nun beginnt die große Vereinfachung. Die AfD erklärt: Die Altparteien haben Berlin ruiniert.
Dass sie selbst keine plausible Lösung für Wohnungsnot, Baukosten oder Stadtfinanzen besitzt, spielt dabei keine große Rolle. Populismus lebt schließlich nicht davon, eine Bilanz lesen zu können. Er lebt davon, jemanden zu finden, der schuld ist.

Und dann das Volk: es hatte Jahre zuvor abgestimmt.
Die Botschaft war wunderbar einfach: Konzerne enteignen. Mieten runter.
Nun kommt die weniger attraktive zweite Hälfte demokratischer Entscheidungen: die Rechnung.
Plötzlich stellt sich heraus, dass die Milliarden nicht „die Konzerne“ bezahlen.
Sie müssen irgendwo im real existierenden Wirtschaftssystem aufgebracht werden.
Jetzt beginnen dieselben Menschen, die Vergesellschaftung verlangt haben, sich darüber zu empören, dass die BVG teurer wird, die Schule nicht saniert wird oder das Schwimmbad geschlossen bleibt.
Und der politische Diskurs erreicht seine endgültige Berliner Reife:
„Warum hat uns das vorher niemand gesagt?“
Darauf antworten diejenigen, die es vorher gesagt haben: „Wir haben es gesagt.“
Worauf die Antwort lautet: Ja, aber ihr wart dagegen.
Damit ist der demokratische Diskurs abgeschlossen.

Die eigentliche Katastrophe wäre vor allem politisch, nicht nur finanziell.
Berlin würde deswegen nicht pleitegehen. Deutschland würde nicht untergehen. Die Häuser würden weiterhin stehen. Aber über Jahre müsste Politik erklären, warum immer weniger frei verfügbares Geld vorhanden ist.
Und genau darin liegt das politische Gift: Niemand demonstriert für die Schule, die wegen einer anderen Ausgabe erst fünf Jahre später gebaut wird, niemand kennt die Sozialwohnungen, die niemals entstanden sind und keiner sieht die U-Bahn-Strecke, deren Planung nie begonnen wurde.
Man sieht nur die jeweils konkrete Kürzung. Und für jede Kürzung gibt es einen Schuldigen.
So verwandelt sich ein wohnungspolitisches Projekt langsam in eine Populismusmaschine.
Links heißt es: „Die Reichen müssen endlich zahlen.“
Rechts heißt es: „Die Altparteien haben das Geld verschleudert.“
Die Mitte antwortet: „Wir brauchen jetzt eine verantwortungsvolle Gesamtstrategie.“
Und 78 Prozent der Bevölkerung antworten: „Ihr seid doch alle unfähig.“

Das Berliner Endstadium:
Nach zehn Jahren könnte die groteske Pointe schließlich darin bestehen, dass fast alle politischen Lager die Vergesellschaftung als Beweis für ihre jeweilige Weltsicht benutzen.
Die Linke sagt: Der Kapitalismus hat die Vergesellschaftung sabotiert.
Die Grünen sagen: Die Umsetzung war nicht ausreichend sozial-ökologisch transformativ.
Die SPD sagt: Wir müssen jetzt nach vorne schauen.
Die CDU sagt: Wir haben immer davor gewarnt.
Die AfD sagt: Systemversagen.

Der Rechnungshof sagt: 4,8 Milliarden zusätzlicher Finanzierungsbedarf. Und der Berliner Wohnungssuchende öffnet ImmoScout und findet: 1,5 Zimmer, 43 m², 1.380 Euro warm, 687 Bewerber.
Damit wäre das politische Gesamtkunstwerk vollendet:

  • Man hatte einen Wohnungsmangel.
  • Man erklärte ihn zum Eigentumsproblem.
  • Man veranstaltete darüber einen historischen Volksentscheid.
  • Man überführte Milliardenvermögen in Gemeineigentum.
  • Man beschäftigte Gerichte, Parlamente, Banken und Verwaltungen ein Jahrzehnt lang.
  • Man ruinierte darüber mehrere Koalitionen und einen beträchtlichen Teil des politischen Vertrauens.

Und am Ende fehlten immer noch Wohnungen. Das wäre dann nicht der Sieg des Marktes über den Sozialismus oder irgendein anderer ideologischer Kinderkram.
Es wäre etwas viel Banaleres: der Sieg der Knappheit über politische Rhetorik.

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Ich verstehe nicht, warum hier immer die Vergesellschaftung mit Beseitigung des Wohnungsmangels gleichgesetzt wird.
Die Linke will weitere Mietsteigerungen verhindern. Sie behauptet an keiner Stelle, dass durch Vergesellschaftung der Wohnungsmangel beseitigt wird.

Mietsteigerungen von Mieten, die hauptsächlich vom Staat/Kommune bezahlt werden über ALG2 oder Sozialhilfe. Soll Berlin also die immer höheren Mietforderungen von Vonovia zahlen, bis es pleite ist?
Sollen die Geringverdiener (Putzfrauen, Kellner, Fensterputzer, Pizzafahrer, Amazon-Zusteller) alle aufs Land ziehen, weil sie in Berlin nicht mehr ihre Wohnung zahlen können- und auf dem Land dann von Sozialleistungen leben, weil sie keinen Arbeitsplatz mehr haben?
Wer putzt dann Philipp Amthors Büro? Wer serviert Franziska Brantner den fair gehandelten Latte Macchiato mit Mandelmilch in ihren Lieblings- Szene Cafe? Wie wäre es ohne Security im Bundestag und ohne Pflegerinnen in Pflegeheimen.?
Vielleicht sollten einfach mal alle Berliner Geringverdiener, die unter den überhöhten Mieten leiden, eine zweiwöchigen Generalstreik machen.
Solange, bis die ungeputzten Toiletten im Bundestag und auf dem Flughafen stinken, es keine Häppchenplatten mehr bei den vielen „Meetings“ gibt, der Müll durch die Straßen fliegt und Merz sich nicht mehr aus dem Haus traut, weil sein Personenschützer streikt.
Vielleicht kommen sie dann zur Besinnung.

das ist aber entscheidend.
was hat er denn schlimmes gemacht, was die invesoren verschrecken könnte?
Erreichte das das „Abschreckungslevel“ einer Enteignung?
Enteignung ist wirklich die Ursünde für den Unternehmer/Investor.
Einerseits der Vorgang an sich, dann aber auch die wirtschaftspolitische Haltung, die dahinter steckt.
„Von so einer Regierung darfst Du kein wirtschaftsfreundliches Verhalten erwarten.
und auch keinen große wirtschaftlichen Sachverstand.“
Das wäre die Reaktion, die ich erwarten würde.

eben.

mag sein. Aber wo locken denn in Berlin die guten Geschäfte?
da fehlt es doch jetzt schon.
und in einem linksregierten Berlin würde das sicher nicht besser.
Und dann wird die Polizei „defunded“ und der Geheimdienst abgeschafft.
Abschiebungen werden ebenfalls abgeschafft und in der Schule gibt es keine Noten und kein Sitzenbleiben mehr.
Der Zaun um den Görlitzer Park kommt weg und die Kontrollen dort werden eingestellt.
Vom Antisemitismus und den Clan-Kontakten will ich gar nicht anfangen.
Ob diese Details alle stimmen, hab ich nicht geprüft, es ist das, was ich in den letzten Tagen vielfach gelesen/ gehört habe.

Auch wenn nur die Hälfte dem Program der Linken entspräche:
Ist das ein Umfeld, das mich als ausländischer Investor zum Investieren in oder gar Umziehen nach Berlin bewegt?

Wie gesagt:

Das gilt für große Teile der Programmatik der Linken.
Es ist der Versuch, die Welt ohne Sachverstand und mit dem Geld anderer Leute zu verbessern.
Der gute Wille mag da sein, das war´s dann aber auch.

brillant. und witzig!
:grinning_face:

Genossenschaften bauen mit den Einlagen der Genossen als Eigenkapital. Aus den Mieten wird der Schuldendienst beglichen, also nicht nur die laufenden Kosten. Zu seiner Mieten muss der Genosse dann noch die entgangenen Zinsen rechnen. Dann ist es oft gar nicht mehr so günstig.

Und wenn die Genossenschaft insolvent wird, sind die Einlagen futsch und auch die die verbilligten Mieten perdu. Wäre bei uns im Dorf fast passiert.

Angeblich hat Vonovia hauptsächlich kostengünstige Wohnungen im Bestand („Schrottimmobilen“ laut @ErnstBGi ).

Ja, deswegen dürfte der Staat damit heillos überfordert sein. Kannst du dir vorstellen, wie ausgerechnet die Berliner Stadtverwaltung 200.000 Wohnung verwalten soll?

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Zum Glück bin ich kein Pädagoge und kann Dummheit beim Namen nennen, wenn ich sie sehe.

ich verwende den Begriff eher empirisch als philosophisch.

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Wenn kein Bedarf besteht, wird die Wohnung keine Rendite bringen.

Sie lassen sie manchmal leer stehen, weil sie wissen, dass sie den Mieter nicht mehr heraus bekommen, wenn sie die Wohnung in 2 Jahren selber brauchen.

Und wie soll das geschehen, ohne dass „Spekulanten“ sehr viele billige Wohnungen bauen? Die Baupreise haben aber in den letzen 5 Jahren wegen steigender Rohstoffkosten um 40% angezogen.

Im Gegenteil. 90% der Menschen halten sich für intelligenter als die unteren 50%.

Angeblich können Gerichte erst dann über die Entschädigungszahlung urteilen nachdem enteignet wurde. Berlin würde bei einer zu niedrigen Entschädigung ein ganz erhebliches Risiko eingehen und u.U. zig Millarden nachzahlen müssen.

Wie @lawandorder schreibt

Viele Argumente, die ich hier lese, haben als Prämisse die Annahmen, dass die Mieten in Berlin wegen der Profite von Immobilienhaien und Aktienspekulanten so hoch sind. Gibt es dafür eine faktische Grundlage?

Wenn Vonovia sich dumm und dämlich verdient, wieso ist die Aktie so stark gefallen und dümpelt seit drei Jahren vor sich hin?

Und weil die Brötchen zu teuer sind, kaufe ich gleich die ganze Bäckerei. Das funktioniert ganz sicher.

Das Sozialwohnungen scheinbar Rendite benötigen, erleichtert nicht gerade das Verständnis für Zuschüsse aus dem Staatshaushalt. Ebensowenig wie das die Vonovia eine Dividende von zuletzt ~7,5 % ausschüttet. ( 1,22,- € / Kurs im Jahresmittel 16,- € ) Dabei aber einen erheblichen Teil seiner Einnahmen mittels staatlicher (Zu-)Zahlungen realisiert. 1. Bauzuschüsse sozialer Wohnungsbau ohne dauerhafte Bindung, 2. garantierte überhöhte wettbewerbsfreie / leistungslose Einnahmen ( Grundsicherung + Wohngeld ), 3. Flüchtlingsunterkünfte sind ein ganz eigenes Fass…

Und wo ist das bisher etwas anderes als sozialisierung der Kosten und privatisierung der Gewinne ?

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Enteignung und Vergesellschaftung sind juristisch beurteilt unterschiedlich. Aber ich fände beide Schwerter in der Praxis nur in extremen Einzelfällen richtig. Dann nämlich, wenn private Eigentürmer in einem erheblichen Ausmaße das Eigentum vernachlässigen und soziale Brennpunkte, z.B. Drogenhandel und Verbrechen, unzumutbare Wohnverhältnisse etc. rund um das Eigentum entstehen.

In dem Fall wäre der Gesichtspunkt, für die Allgemeinheit für mich höher und die Sozialpflichtigkeit des Eigentums verletzt. Alleine der Punkt, dass ein Eigentümer Miteinnahmen nicht investiert und die Wohnsituation als sehr angespannt gilt, ist nicht eine Begründung zur Vergesellschaftung. Das darf nicht sein. Das wäre ein Stück willkürlich nach kommunistischer Gangart. Einen Teil der Miteinnahmen kann der Eigentümer als eigenen Gewinn verbuchen, ein anderer Teil geht kalkulatorisch für die Erhaltung des vertragsgemäßen Gebrauchs drauf. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Er ist für den vertragsgemäßen Gebrauch verpflichtet - muss aber auch nicht zwingend Modernisierungen durchführen, sollte sich die Immobilie auch so noch vermarkten lassen.

Aber der Staat, in der Diskussion das Land Berlin, könnte den privaten Anbietern Modernisierungen anbieten, gefördert mit Landesdarlehen vorschlagen, die verbunden sein würden, mit einer längeren Dauer eines niedrigeren Mietpreises. Erst dann, wenn dadurch auch nicht, eine vertretbare Wohnsituation erreicht werden kann, wäre als aller letzter Schritt eine Enteignung sehr streng gedacht, möglicherweise ein Mittel - eher aber sollten doch vom Staat, hier vom Land Berlin, Lösungen getroffen werden, in denen mit Eigentümern auch in dem Sinne kooperiert wird, dass danach neue modernisierte und öffentlich geförderte Wohnungen entstehen können, ob im Bestand, oder durch Abriss und Neubau, oder unbenutzte Flächen dafür genutzt werden, die die Städte z.B. zurzeit auch in Richtung Freiflächen zur Erhaltung von Grünflächen und Freizeitwerten erübrigen können. Wo gibt es die Lost-Places z.B., sollte sich die Stadt fragen. Diese liegen wahrscheinlich auch häufig in der Peripherie, aber die könnten zu neuen in sich tragenden Wohnviertel werden und per ÖPNV angebunden werden.

Würdest du deine Wohnung dem Staat kostenlos als Sozialwohnung zur Verfügung stellen?

Die Dividende ist auch deswegen relativ hoch, weil der Kurs in den letzten Jahren stark gefallen ist.

Die Investoren haben also zum Teil sehr viel Geld verloren, deswegen muss keiner vor Mitleid zerfließen, aber das gehört auch zum gesamten Bild.

Wohnen ist aus zwei Gründen teuer:

  • In den gefragten Groß- und Universitätsstätten ist der Wohraum knapp und da wir nicht wollen, dass der Staat Wohnraumbezugsscheine vergibt, regelt das der Markt über den Preis.

  • Das Bauen ist in den letzten Jahren wegen stark gestiegener Rohstoffpreise extrem teuer geworden.

Übermäßige Profite von Immobilienspekulanten spielen da eine untergeordnete Rolle.

Über die Höhe der Dividende beschließt jedes Jahr die Aktionärsversammlung.

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ich verstehe diese Fundamentalkritik nicht.
Sie beruht auf einem Miss- oder Unverständnis.
Sagen wir der Staat zahlt mir EUR 100 Sozialhilfe im Monat.
Davon kaufe ich meine Lebensmittel beim Aldi.
Nehmen wir an, Aldi hat eine Umsatzrendite von 5 %.
Dann macht Aldi mit mir monatlich EUR 5 Gewinn.
Ich zahle mit staatlichen Mitteln.
Ist das dann auch Sozialisierung der Kosten und Privatisierung der Gewinne?
Das Argument habe ich bei Aldi und der Sozialhilfe noch nicht gehört.
Vonovia verkauft keine Lebensmittel, sondern vermietet Wohnungen.
Der Mechanismus ist aber derselbe.
Bei Vonovia soll das aber ein Skandal sein, was bei Aldi niemanden stört.
Warum ??

Vermeiden lässt sich das ganze nur, wenn der Staat selber Lebensmittel produziert und Wohnungen vermietet. Dann verdient kein Privater daran.
**Vonovia soll deswegen vergesellschaftet werden. **
Aldi nicht. Warum nicht?

Der Staat kann jederzeit Wohnungen bauen und vermieten, er hat die Aufgabe aber in der Vergangenheit zunehmend auf Private übertragen. Und dafür soll jetzt Vonovia bluten und „bestraft“ werden? Das ist nicht logisch.
Und wenn der Staat Wohnungen vermietet, warum stellt er keine Lebensmittel her?

Der Hass auf Vonovia beruht nicht auf Logik und Fakten.
Die Vergesellschaftung ist nicht logisch, sondern ideologisch motiviert.

xxxxxxxxx

Vonovias Aktionäre tun mir leid.
Ich würde mich grün und blau ärgern, wenn ich so eine Scheiß-Aktie gekauft hätte.
Mit einem simplen ETF auf den Dow Jones oder Dax hat man in der Zeit viel Geld verdienen können.
Bei Vonovia haben die Aktionäre in den letzten 10 Jahren jährlich 3,3% Verlust gemacht, wenn die KI sich nicht vertan hat
Kann das jemand prüfen (mir einer „anständigen“ KI)?

Das sagt die google-KI dazu:

Die Gesamtrendite (der sogenannte Total Return) der Vonovia-Aktie über die letzten zehn Jahre erzählt eine dramatische Geschichte. Sie zerfällt in zwei völlig gegensätzliche Phasen: den steilen Aufstieg im Immobilienboom und den anschließenden drastischen Absturz durch die Zinswende.

Wer vor genau zehn Jahren eingestiegen ist und bis heute (Oktober 2026) durchgehalten hat, blickt auf eine negative Bilanz:

  • Reine Kursentwicklung: Vor zehn Jahren notierte die Vonovia-Aktie bei rund 28,13 Euro. Heute steht sie nach anhaltenden Marktkorrekturen bei nur noch rund 16,74 Euro. Das entspricht einem reinen Kursverlust von rund -40,5 %. [1, 2]
  • Gesamtrendite (inkl. Dividenden): Da Vonovia in dieser Zeit jedes Jahr kontinuierlich Dividenden ausgeschüttet hat, wurden die Kursverluste abgefedert. Rechnet man alle ausgezahlten Dividenden hinzu (und geht davon aus, dass diese reinvestiert wurden), liegt die jährliche Gesamtrendite (CAGR) über die letzten 10 Jahre bei ca. -3,32 % pro Jahr. [1, 2]

Auch hier wieder:
der Hass auf Vonovia und seine Aktionäre ist nicht logisch zu begründen.
Die Gesellschaft stellt günstigen Wohnraum zur Verfügung, den offenbar sonst niemand bieten kann.
Die Aktionäre haben in den letzten 10 Jahren unterm Strich nichts verdient, sondern Geld verloren.
Die Hoffnung, dass ausgerechnet das Land Berlin unter Führung der Linken das besser oder billiger macht, halte ich für unbegründet (um stärkere Worte zu vermeiden).
Aber wenn sie sich das zutrauen, sollen sie halt bauen und kaufen, was sie können.
Wenn sie bewiesen haben, dass sie es können, reden wir weiter.
Aber bitte bis dahin nicht das Land Berlin existenzgefährdenden Risiken aussetzen.
Das ist Casino-Sozialismus :slight_smile: (mal was neues)

Es geht nicht um Vonovia. Dahinter steckt die Ablehnung unseres Systems, die es nicht nur auf der rechten Seite gibt. Es geht nicht um die Enteignung eines Konzerns, es geht um die Abschaffung des Kapitalismus, das wollen die Linken aber nicht so offen zugeben, weil ihnen dann zu Recht die DDR um die Ohren geschlagen wird.

Vonovia bietet sich als Schwachstelle im System an, weil es mit einem tatsächlichen Problem schön populistisch verknüpft werden kann.

Ich hatte mal Aktien von „Deutsche Wohnen“. Damals dachte ich mir, dass das eine gute Firma sei, wäre, weill "Wohnen " positiv besetzt war. Als ich dann mal einen Bericht im Ferrnsehen darüber gesehen habe (da gab es auch ziemlich üble Zustände), wollte ich nicht mehr dazu gehören, habe verkauft und stattdessen in den Spar- und Bauverein Hannover investiert. Leider ist dort aber die Anzahl der Genossenschaftsanteile begrenzt.

Kapitalismus abschaffen - aber was dann?
meinst Du, die wollen wirklich den guten alten Sozialismus einführen, mit allem drum und dran?