Wo bleibt die Zuversicht?

Nein, muss man nicht. Vielleicht kann man von „denen“ sogar noch was lernen

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Wie sollte man sich denn engagieren? Die meisten Menschen haben nun mal keine solche Medienwirksamkeit wie prominente Personen, nicht jeder kann so auftreten wie Friedman. Den meisten der 80 Mio Bürger bleibt doch nichts anderes als die Stimmabgabe bei der Wahl.

Klar man kann auf Demos gehen, Omas gegen rechts, Opas gegen rechts usw. Ob das viel hilft?

Das wäre naiver Optimismus, der Problem und Risiken ausblendet. Zuversicht ist kein Wunschdenken, sondern eher ein Denken, das versucht Wünsche wahr werden zu lassen. Das nicht aufgibt angesichts von Schwierigkeiten sondern immer nach Wegen sucht, diese zu überwinden.

Zuversicht heißt für mich, dass die Zukunft kein unveränderliches Schicksal ist, sondern zu einem großen Teil vom der Menschheit gestaltet wird und dass die Menschheit prinzipiell in der Lage ist, die Zukunft positiv zu gestalten. Sie ist u.U., auch in der Lage zu

Ich gebe dabei nicht sehr viel auf kurzfristige Entwicklungen. Wir haben jetzt seit 10 Jahren kein Wirtschaftswachstum. Das nicht schön, nicht weil wir zu wenig produzieren, sondern weil es ein Zeichen stagnierender Produktivität und damit mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit ist. Das ist auch nicht verwunderlich, warum sollten andere Staaten, wie vor allem China, nicht auch in der Lage zu sein, gute Autos zu bauen. Dieser Markt ist für uns bis auf Weiteres tot.

Zudem hat die Politik einige strategische Fehler gemacht. Vor alleme der mangelnde Schutz heimischer Industrien und das Fehlen eine konsistenten, langfristig und strategisch planvoll angelegten Industriepolitik.

Aber auch die chinesischen Bäum werden nicht in den Himmel wachsen, und wir sind bei weitem nicht in allen Bereichen abgeschlagen, wir haben fähige Wissenschaftler und Ingenieure, die weiter für Innovationen sorgen können. Dann kann auch die Produktivität wieder steigen, wie in den Jahrzehnten zuvor.

Und vielleicht kann sich auch die Politik wieder besinnen und ihre Versäumnisse der letzen 20 Jahre korrigieren. Warum nicht?

Es geht doch nicht um einzelne Personen, die @hedi oder die ominösen „anderen“. Andere sind Milliardäre. Solche Aussagen sind zienlich sinnlos.

In der Praxis untere einer statistischen Normalverteilung ist das immer so. In der Theorie - vor allem der Theorie des Kommunismus - aber nichtt. Wenn z.B. jeder ein Einkommen hat, das in einem Band innerhalb des Meridians +/- 40% liegt, gibt es keine Armut nach dieser Definition.

Das mit dem Band habe auch oben beschrieben, als Korridor. Ist weit weg von Kommunismus.
Es ist aber keine Normalverteilung, sondern nach links zu kleinen Einkommen hin geneigt und läuft nach oben lang aus.

Ich habe es dummerweise erst gelesen, nachdem ich geantwortet hatte.

Unser Korridor/Band ist erstmal ein rechnerisches Gebilde. Wie man es in der Praxis erreicht, dass niemand nach unten aus dem Korridor fällt, ist die spannende Frage. Bedingsloses Grundeinkommen von 40% des Meridians wäre - neben dem Kommunismus - eine andere theoretische Möglichkeit.

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Es werden ja nur die Einkommen berücksichtigt, teil nur Vollzeit. Die Leute, die unten landen, ohne arbeiten zu können, zählen nicht mit.
Ein Mindestlohn ist zb eine Maßnahme, die gut funktioniert.
Ich hatte oben aus der Statistik abgeschätzt, dass diejenigen, die Arbeit haben und unter die Grenze fallen, nur einen kleinen Teil ausmachen.
Du kannst ja mal abschätzen, wo der Mindestlohn liegen müsste, um bei dem Median im Korridor zu bleiben :wink:

So viel ich weiß, zählen alle Menschen ab 16 Jahren in der gezeigten Armutsstatistik. Es geht um das Einkommen, also auch Transferleistungen, nicht nur um das Erwerbseinkommen.

So ist es.
@ErnstBGi Du verengst und verschiebst jedes Thema auf Armut und Arme.
Meine Aussage war doch erkennbar auf D als Staat bezogen.
Und als Staat haben wir Luft nach unten.
Was soll da die banale Info, dass das nicht für jede einzelne Person in diesem Staat gilt?
Dieses mantra-artige Pochen darauf, dass es den Armen schlecht geht, hilft niemandem.
Das ist doch letztlich nahezu eine Tautologie.

Tu quoque :roll_eyes:

Ich habe nochmals nachgeschaut. Die Berechnung oben habe ich mit diesen Zahlen gemacht, da geht es um Vollzeit-Erwerbseinkommen:

Es werden aber in der Ökonomie verschiedene Populationen untersucht, bei denen alle möglichen Einkommensarten dabei sind oder nicht. Ein Überblick gibt es hier unter Begriffsverwendungen: Einkommen – Wikipedia.

Es macht ja auch Sinn, dass man vor oder nach Transferzahlungen unterscheidet.

Das hat mitunter seltsame Folgen. Für meine Zuzahlungsgrenze der Krankenkasse wird das Einkommen ohne Transfer genommen, also 1%, weil chronisch krank, von meiner Rente. Mit Sozialhilfe habe ich nach einer Rentenerhöhung nicht mehr zur Verfügung, aber der maximale Zuzahlungsbetrag steigt.

Ich glaube, das wird schwierig, weil es ja auch von der Anzahl der Leute abhängt, die keinen Lohn, sondern Sozialleistungen bekommen, und die ist ja auch wieder, je nach Höhe des Mindestlohns variabel.

Wir reden über zwei verschiedene Statistiken. Ich meinte nicht die Verdienststatistik sondern die Armutsstatistik von hier: Wo bleibt die Zuversicht? - #157 von OberdiUl

Der Median, der sich auf Vollzeitarbeitnehmer bezieht, ist für die Berechnung und den internationalen Vergleich des Mindestlohns relevant und damit auch für das Lohnabstandsgebot.

Wikipedia dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohngesetz_(Deutschland):

Die Anwendung des Medianlohnkriteriums von 60 % zur Festsetzung eines armutsfesten Mindestlohns entsprechend den EU-Richtlinien würde einen Mindestlohn von rund 15 Euro für 2026 ergeben.

Ich bin auf 17€ gekommen, das liegt wahrscheinlich an den Transferzahlungen wie Wohngeld, die beim Bruttoeinkommen zT. mitgezählt werden.

Der Mindestlohn beträgt in Deutschland aktuell 13,90 € und wird 2027 auf 14,60€ angehoben. Er hinkt damit seit Jahren der Inflation hinterher.

Die Tabelle von @OberdiUl zeigt Prozente, aber nicht die entsprechenden Einkommen und nicht die Grundlage der Berechnung. Die Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung ist ein zusammengesetztes Konstrukt.
„Armutsgefährdung“ bezieht sich offenbar auf alle Einkommen, auch Transfer, da hast du @Kalo recht.
„Erheblich materiell und sozial depriviert“ ist ein Kriterium, das die konkrete Lebenssituation abfragt, also nicht am Durchschnitt oder Median orientiert ist.
„Niedrige Erwerbsintensität“ ist ebenfalls ein anderes Kriterium.

20% sind schon ein Anteil der Bevölkerung, der zu denken gibt. Dazu kommen die Bürger und Familien, die zwar zurechtkommen, aber Sorgen wegen der steigenden Preise wie für Mieten, Lebensmittel, Sprit und Heizung haben. Bei denen lässt die Zuversicht durchaus berechtigt zu wünschen übrig. Das geht weit in die Mittelschicht hinein, zumal 50 % keine nennenswerten Rücklagen haben.

Diese Hälfte der Bevölkerung bzw Haushalte sind für die allgemeine Stimmung relevant. Das ist die Abstiegsangst, über die so viel geredet wird. Auch in Umfragen spielen die Lebenshaltungskosten zurzeit eine entscheidende Rolle für die Stimmung.

Die Leute schalten um von Zukunftsplänen auf Überlebensmodus und ihr Geld zusammenhalten. Auch für ihre Kinder ist der Spatz in der Hand das Ziel, Träume vom Aufstieg sind Tauben, die längst weggeflattert sind.

Die Perspektiven für ihre Kinder haben einen noch größeren Einfluss auf ihre Zuversicht als die eigenen, und Aufbruchstimmung bei den Jugendlichen kann eine ganze Bevölkerung unter Strom setzen. Da kommen dann die Pisa-Ergebnisse ins Spiel, und der berechtigte Eindruck, dass der Politik die Kinder und Jugendlichen nicht so wichtig sind.
Der Wegzug von jungen Leuten spielt gerade im Osten eine große Rolle, der Wohnungsmangel für junge Leute in den Städten.

Zuversicht in einer Bevölkerung wird von den Jungen getragen, die eine Zukunft sehen und ihren Platz darin finden wollen.

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Wie kommst du auf 20% ? Ich google 16% unter 60% Median.

Die fokussiert Dich komplett auf die 16 % die als arm oder armutsgefährdet bezeichnet werden. Das zeichnet natürlich eine düstere Stimmung. Ist aus verschiedenen Gründen seit der Wende gestiegen, aber nichts Neues.

Ja, klar.

Hier ist der Befund uneinheitlich, je nachdem welche Altersgruppe der Jungen man fragt und wer fragt.

Junge Generation in Deutschland blickt zuversichtlicher auf die Zukunft der Gesellschaft

Vielleicht hängt das auch davon ab, wie wir - die Älteren - über die Zukunft reden. Wenn man dich oder @ErnstBGi oder sogar @lawandorder hört, kommt alles ganz schlimm. Wenn man @Hedi oder mich hört, besteht durchaus Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Das sind die 20% oben aus @OberdiUl 's Tabelle, also die Kombination der Kriterien. Das sind zb auch Familien, die zwar über 60% verdienen, aber anderweitig so hohe Kosten haben, dass nichts mehr geht.

Ich will gar nicht überall die sozialen Unterschiede betonen, aber es gibt einfach viele Beiträge, bei denen ich denke, wenn es euch geläufig wäre, dann würdet ihr das so nicht schreiben.

Ich habe den Eindruck, dass es viele der Grünen bzw in ihrem Milieu betrifft, und das führt zu falschen Annahmen über die Wirkung von Politik und am Ende zu „gut gemeint…“ oder zu unnötigen Härten, die nichts verbessern.
Ich will das überbrücken. Ich will es verständlich, nachvollziehbar machen.
In letzter Zeit hat sich die Situation durch die Preissteigerungen verschärft, und ich sehe wenig, dass das als Problem angegangen wird, außer ausgerechnet beim Tankrabatt :enraged_face:

Auch der Raum der möglichen Lösungen, die in Betracht gezogen werden, wird anders, wenn man diese Perspektive von unten einnimmt. Das mag zT Populismus sein, aber es gibt auch ernstgemeinte, vernünftige politische Strategien, die hier sehr schnell als Populismus oder sozialistische Spinnereien abgetan werden.
Mir fehlt manchmal etwas die Bereitschaft zur Perspektivenübernahme oder die intellektuelle Neugier, sich in neue Ideen einzulesen.

Es scheint einen Unterschied zu geben zwischen dem, was ich hier im Forum schreibe, und wie ich mich gegenüber anderen Menschen verhalte.
Privat bin ich eine Quelle von Zuversicht. :smiley:

Als Therapeutin war es meine Aufgabe, Wege aus dem Schlamassel zu begleiten und eine hoffnungsvolle Sicht auf die Zukunft möglich zu machen, und meine Kinder musste ich durch sehr schwere Zeiten begleiten. Was haben wir zusammen gelacht.

Meine Art der Zuversicht erkennt die Probleme an und findet einen Weg hinaus oder es leichter zu ertragen, findet Freude an Kleinigkeiten oder schaufelt einen Bereich frei, in dem es Freude gibt.
Das ist es auch, was anderen Zuversicht gibt, mit denen ich spreche: Anerkennen der Probleme und gleichzeitig Hoffnung haben.
Abgesehen davon, dass man nach Tränen so richtig gut lachen kann.

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Das ist vollkommen in Ordnung. Das Thema der Armut ist nicht unwichtig, auch wenn ich, nebenbei gesagt, bezweifle, dass es entscheidend für den Erfolg der AfD ist.

Mich stört hier die Tendenz, so zu tun, als könnte man fast jedes Problem (eine nur leichte Übertreibung) durch eine höhere Besteuerung der Reichen lösen. Ich will aber auch ausdrücklich sagen, dass ich nicht damit einverstanden bin, nur in den unteren Bereichen zu kürzen. Wenn man das macht, muss man auch oben kürzen, bzw Steuren erhöhen. Oder z.B. Steuerfahndung und Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität ausweiten. Da braucht es viel mehr Ausgleich, sonst wird das Gerechtigkeitsgefühl der Menschen gestört. Und davon ernährt sich die AfD.

Die 20% sind nicht nur die armutsgefährdeten, sondern auch die von sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen. Das ging im Verlauf der Debatte unter. Wie du weißt, nehme ich es genau.

Die Preissteigerungen beruhen auf verschiedenen Faktoren, von den unsere Regierung die meisten nicht beeinflussen kann bzw. auch nicht beeinflussen sollte.

Dann lass uns über die reden. Vielleicht steigert das die Zuversicht.

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