Das ist erst Orientierung, wenn entweder meine persönliche, naturwissenschaftlich nicht begründbare Präferenz mich nach rechts oder links gehen lässt, oder eine sozialwissenschaftliche Studie die gesellschaftliche Präferenz ermittelt, oder politisch die Mehrheit deswegen nach links oder rechts geht, weil ihnen eine politische Partei es ihnen plausibel gemacht hat - naturwissenschaftlich gibt es keine Präferenz, da es naturwissenschaftlich egal ist.
Ich finde das deswegen wichtig, weil ohne die Berücksichtigung sozialer Aspekte jenseits naturwissenschaftlicher Erkenntnis nicht verständlich ist, warum wir Entscheidungen treffen (im individuellen wie im politischen), die naturwissenschaftlich langfristig zu für den Menschen/ die Menschheit katastrophalen Szenarien führt.
Die methodischen Schwierigkeiten sind klar, aber unterstellst du pauschal absichtliche Verfälschung der Ergebnisse durch geschickte Fragestellungen? So verstehe ich den Begriff der Manipulation.
Das ist schon klar, die Präferenz muss aus dir selbst kommen.
Die Naturwissenschaft hilft dir nur dabei, die Konsequenzen besser einschätzen zu können, um die Entscheidung besser treffen zu können.
Wenn du z.B. in deinem Beispiel mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kannst, dass da tatsächlich Pilze auf der Wiese sind, die du dir ausgeguckt hast, fällt die Entscheidung, dahin zu gehen, leichter.
Deswegen stimmt auch die Ausgangsthese und die dort beschriebene Definition des wissenschaftl. Konsenses nicht. Mai Thi kann schön erklären, aber sie hat ihre Grenzen, und sie wurde und wird m.E. zu unkritisch beklatscht.
„Wissenschaftlicher Konsens“ bedeutet faktisch durchaus, dass eine Mehrheit der Wissenschaftler dahintersteht, d.h. die zugrundeliegende Methodik als geeignet anerkennt.
Andernfalls hieße das, dass jeder Wissenschaftler seine Methodik für die einzig richtige und damit seine Ergebnisse für den „wissenschafltichen Konsens“ erklären kann.
Das kann ersichtlich nicht funktionieren.
Wenn es keine Mehrheit für eine bestimmte Sichtweise gibt, dann gibt es halt keinen wK.
Da hilft es nicht, wenn Mai Thi (oder wer macht das?) bestätigt, dass „die Puzzleteile zusammenpassen“, dass „die Ergebnisse von unterschiedlichen Methoden ein konsistentes Bild ergeben“ und dass bestimmte Studien „Stark und aussagekräftig“ sind.
Wenn diese Bestätigung nicht von der Mehrheit der relevanten Wissenschaftler kommt, ist sie wenig wert und begründet jedenfalls keinen „Konsens“.
Mai This Standpunkt setzt voraus, dass sie (oder wer sonst?) weiß, was konsistent und aussagekräftig ist, und dass sie (oder wer sonst?) dann sagt, welche Studie oder Meinung den „Konsens“ darstellen sollte/darf/muss.
Das bedeutet, einen Konsens per Dekret festzulegen, wenn es ihn tatsächlich nicht gibt.
Das ist eine gefährliche Vorstellung von „Wissenschaft“, die eher an autoritäre Systeme erinnert.
Man sollte dann besser sagen, dass es keinen wK gibt. Das wäre ehrlicher und nicht manipulativ.
Ja, hier äußert sie sich dazu:
„Wenn ihr nur eins aus diesem Buch mitnehmt, dann, dass wissenschaftliche Ergebnisse wenig aussagen, solange ihr nicht die Methode kennt, mit denen diese Ergebnisse erstellt wurden.
Zur Wissenschaft gehört, dass nicht jede Studie gleich Studie, nicht jeder Beleg gleich Beleg ist. Evidenz kann knallhart oder nachgiebig schwammig sein. Und ohne diese Einordnung kann man auch nicht evidenzbasiert argumentieren. In diesem Buch haben wir unterschiedliche Begriffe kennen gelernt, mit denen man Evidenz einordnen kann: Meta-Analysen, Kohortenstudien, randomisierte kontrollierte Studien, statistische Signifikanz, p-Hacking, HARking, Effektgrößen, Korrelationskoeffizienten, Präregistrierung von Studien - wenn solche wissenschaftlichen Begriffe Bestandteile unserer Allgemeinbildung wären, würden sich viele unnötige Streitfragen bereits von selbst auflösen.“
Was könnten unsere Kinder in Bezug auf unser seltsames Wesen und warum es nicht besser wurde, lernen/verstehen - die Naturwissenschaft hat darauf keine Antwort.
Die Sozialwissenschaft vielleicht.
Ich kenne das Buch nicht - klingt auf jeden Fall sehr interessant! Die Autorin muss auf jeden Fall, wenn das Buch auch diese Aspekte beleuchten will, sozialwissenschaftliche Aussagen mit berücksichtigen/analysieren.
Na ja, es gibt durchaus Aussagen, die man als naturwissenschaftlichen Konsens bezeichnen kann - etwa, dass der Klimawandel menschengemacht ist - genauso wie das Massenaussterben. Je nach verwendeter Methodik und den Ausgangsparametern steigt der Meeresspiegel etwas mehr oder etwas weniger - ebenso die Temperatur. Aber man kann zumindest bei diesen Dingen durchaus von wissenschaftlichem Grundkonsens sprechen. Das ist aus mehreren Gründen wichtig:
die Leugner dieser Zusammenhänge sind definitiv keine seriösen Gesprächspartner.
Auf diesem Grundkonsens kann man dahingehend aufbauen, dass man die Ausgangs-Parameter der konkreten Prognosen bewusst konservativ in Bezug auf das Endergebnis wählt (also den best case konstruiert), und sich dann sozialwissenschaftlich die Frage stellt, was alleine das schon für eine Gesellschaft wie unserer konkret bedeutet.
Zur Beantwortung der Frage, warum die letzten 2 Generationen - obwohl der grundsätzliche Zusammenhang schon bekannt war - sich trotzdem so seltsam lethargisch verhalten haben, ist damit immer noch nicht beantwortet - hier ist Psychologie und/Genforschung zusätzlich nötig.
„Wissenschaftlicher Konsens entsteht stattdessen durch die „Mehrheit“ der Daten, die wissenschaftliche Evidenz.“
Wenn immer mehr Evidenz zu einer Theorie gefunden wird, dann steht auch die bald die Mehrheit der Wissenschaftler dahinter. Wenn es hingegen keine Evidenz gibt, gibt es auch keine Mehrheit.
Man kann sicher nicht alle Wissenschaften über einen Kamm scheren. Bei den Naturwissenschaften, wie vor allem Physik, geht es
nur um Evidenz, experimentelle Bestätigung durch mehrere Labore, Prüfung der Daten durch viele Wissenschaftler. Bei den Sozialwissenschaften ist es eher wie du sagst. Da stehen sich oft zwei oder mehrere Schulen, nachmal erbittert, gegenüber
Ich rede wieder von den Naturwissenschaften: Da geht es definitiv nicht im Mehrheiten, viele Experimente sind extrem aufwendig, die werden nicht von einer Mehrheit der Wissenschaftler durchgeführt, sondern nur von einigen spezialisierten Laboren. Die Konsistenz der Ergebnisse der lässt sich meistens anhand der mathematischen Modelle objektiv bewerten.
In diesem Buch haben wir unterschiedliche Begriffe kennen gelernt, mit denen man Evidenz einordnen kann: Meta-Analysen, Kohortenstudien, randomisierte kontrollierte Studien, statistische Signifikanz, p-Hacking, HARking, Effektgrößen, Korrelationskoeffizienten, Präregistrierung von Studien
Diesen Begriffen nach zu urteilen, geht es Mai This anscheinend hauptsächlich um medizinische Studien. Hier haben wir es weniger mit exakt kontrollierten Experimenten wie in der Physik und Chemie, sondern mit Beobachtungsstudien oder Interventionsstudien zu tun, die oft nur sehr interpretierbare Korrelationen als Resultat haben.
Hier haben wir oft eine Situation, bei der eine schlecht zusammengeschusterte Studie eine zweifelhaftes Resultat liefert, dass dann in den Medien relativ kritiklos vervielfältig wird. Dabei schreibt ein Journalist vom anderen ab, kaum einer hat anscheinend die zu Grunde liegende Studie gelesen oder kann ihre Relevanz einschätzen.
mir ging es darum, dass die Mehrheit die Methodik hinter der Studie/dem Forschungsergebnis akzeptieren muss, auch in der Naturwissenschaft. Ohne Betrachtung der Methode kann man nicht von „Evidenz“ sprechen und es dürfte auch keinen Konsens geben.
Die Präzision in den Naturwissenschaften ist nach meiner Erfahrung nicht selten Scheinpräzision. Man wendet bestimmte normierte Verfahren an und erhält entspr. Ergebnisse.
Ob und wieweit die die Realität widergeben, ist manchmal (?) Glücksache.
Ich kenne das im Zusammenhang mit Schadstoffmessungen im Boden oder bei den Herstellungsprozessen in Chemiewerken.
Niemand weiß mit völliger Sicherheit, was da jeweils drin ist (das geben die Gutachter und Sachverständigen privat auch zu).
Aber die Gutachten rechnen bis auf Mikrogramm die Schadstoffwerte aus, und die Gerichte treffen auf dieser Basis weitreichende Entscheidungen, zB ob jemand für Millionen sein Grundstück sanieren muss oder ob er sich strafbar gemacht hat.
Das heißt aber, dass man nicht sagen kann, dass in jedem Fall die schiere Menge an Evidenz (=Studien usw.) aussagekräftig ist, wenn und soweit die Methodik nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Und wer beurteilt die Methodik?
Im Zweifel doch wieder die Mehrheit der Wissenschaftler.
Aber auch die liegt mal falsch.
Eigentlich kann man es nur negativ sagen:
Auch die Mehrheit und der wK können irren.
Sei vorsichtig und immer ein bisschen skeptisch.
Und sei noch skeptischer bei Einzelmeinungen, die sich gegen die Mehrheit richten
Wie man es macht, man istnie 100%ig sicher, siehe Corona:
die Mehrheit der Mediziner hat sich auch mal geirrt,
aber das ist kein Grund, den Wodargs und anderen zu glauben.
Eigentlich läuft es auf eine Wahrscheinlicheitsbetrachtung hinaus:
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrheit recht hat, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Gegenstimme recht hat.
Aber sag das mal Galilei
Die Methodik können alle beurteilen, die sich damit auskennen.
Natürlich gibt es bei jedem Ergebnis eine Irrtumswahrscheinlichkeit, die bei einer Veröffentlichung mit angegeben werden sollte, je nach dem, wo man veröffentlicht. Es sind also auch die Verlage, die mit den von ihnen eingesetzten peer-reviewern eine Auswahl treffen.
Auch den Naturwissenschaften liegen immer begrenzte Erkenntnismöglichkeiten zugrunde. Die Newtonsche Mechanik konnte ihre Ungenauigkeit damals nicht messen, u.a. weil sie keine Verfahren kannte, die Lichtgeschwindigkeit zu messen.
Ich würde das aber nicht Scheinpräzision nennen, sondern die zu einem Zeitpunkt gültigen Grenzen der meschlichen Erkenntnisfähigkeit.
Dein Beispiel zielt auf etwas anderes
Das beruht zwar auf Wissenschaft, ist aber keine Wissenschaft, das ist Messtechnik. Da muss man natürlich das Messverfahren beachten und sollte auch die jeweilige Präzision der Ergebnisse benennen.
Im Idealfall bildet sich die Mehrheit im wissenschaftlichen Diskurs. Die Mehrheit ist also nicht Ursache der Anerkennung, sondern Folge.
Es gibt aber leider genügend Fälle, in denen ein Wissenschaftler, der sich in der Vergangenheit Meriten und Autorität in dem Fachgebiet erworben hat, den Daumen hebt oder senkt. Das kann neue Erkenntnisse um Jahre oder Jahrzehnte aufhalten.
Sogar ständig, das ist der Lauf der medizinischen Forschung, Medizin ist nicht nur Naturwissenschaft, sie ist (sollte sein) zwar evidenzbasiert, wird aber selten mit der stringenten Evidenz der Physik arbeiten können, dazu ist ihr Untersuchungsgegenstand viel zu komplex.
Das ist eine Frage, wie man abergläubisch definiert - es ist ein immer noch weit verbreiteter Aberglaube, das die vorhandenen Ressourcen quasi unbegrenzt sind, und daher Einschränkungen in Bezug auf den Ressourcenverbrauch nicht notwendig wären.
Zwar rechnet und die Wissenschaft seit Jahrzehnten erfolgreich vor, dass dem nicht so ist. Die Konsumenten verhalten sich aber bislang weder freiwillig so, wie es die Naturwissenschaft vorrechnet, noch wählen sie Parteien, die dies umsetzen wollen - getreu dem Motto: der Mensch existiert seit 380000 Jahren - er kann gar nicht aussterben, oder die Wahrscheinlichkeit ist quasi vernachlässigbar, dass dies demnächst passiert.
Auch die „Technikabergläubigkeit“, dass sich für jedes Problem schon eine Lösung finden lässt (z. B. Der prognostizierte Meeresspiegelanstieg und dessen sozialwissenschaftliche Folgen - wobei wir da schon eine Betrachtung jenseits der Naturwissenschaft haben), wird weitgehenst durch den modernen Aberglauben konterkariert.
Die Frage müsste also heißen, warum wir immer noch in dieser modernen Form des Aberglaubens anhängen.
Wie würdest Du diese Frage beantworten?
Die Wissenschaft rechnet uns nicht vor, wie wir uns verhalten sollen, sie rechnet uns nur die Konsequenzen unseres Verhaltens vor. Trotzdem gibt es Menschen, die immer noch rauchen und saufen.
Das nennt man empirische Evidenz oder, wie der Kölner sagt, „et it noch immer jut jejange“
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mensch demnächst ausstirbt ist auch extrem gering. Und ob er nach demnächst ausstirbt, berührt uns herzlich wenig.
Zumindest für die meisten. Daran glaube ich als Optimist.
Meistens über einen sehr überschaubaren Zeitraum:
Wer einen Spiegel zerbricht, hat 7 Jahre Pech, wer zwischen Weihnachten und Neujahr Wäsche aufhängt, verliert im folgenden Jahr eine Person aus dem Haushalt durch Tod.
Jetzt sind diese Glaubenssätze jetzt nicht mehr so verbreitet, ich vermute, weil zu oft das Gegenteil eingetreten ist.
Habe aber den Eindruck, dass die Esoterik inzwischen in sehr viele Köpfe eingezogen ist und in meinen Augen auch nichts weiter als Aberglaube ist. Wenn man allein den momentanen Hype über die „Rauhnächte“ betrachtet. Oder dieses „Achtsamkeitsgedöns“ in Psychotherapie und Beratung, dessen religiöse Grundlagen auch nie hinterfragt werden.