Wildnis erleben

Natürlich muss man seinen eigenen Platz in der Wildnis auch behaupten.Das Kämpfen gehört dazu.

Ich sehe es genau umgekehrt, wir sind eins mit der Natur/Universum. Was sonst? Wir kommen doch nicht von außerhalb und sind irgendwann hereingeworfen worden. Es gibt auch die schöne Formulierung von Carl Sagan, wir seien Sternenstaub.

Nein, es ist unser Gehirn, dass uns „vorgaukelt“, es gebe eine prinzipielle Trennung zwischen uns und der Natur.

Ich glaube, die romantische Verklärung besteht darin, zu glauben, die Natur würde uns als Individuum oder als Menschheit irgendwie beschützen. Wir sind zwar Teil der Natur, aber die Natur geht mit ihren Teilen meistens nicht sehr bewahrend und schützend um. Deswegen müssen wir uns gegen andere Teile der Natur ständig behaupten, vor allem gegen Nacktschnecken.

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Das tut sie ja. Die Pflanzen produzieren z.B. den Sauerstoff, den wir atmen.

Aber natürlich sind wir auch potenzielle Beute für verschiedene Tiere.

Das ist kein Beschützen, das ist Co-Evolution.

Nenn es wie du willst, wenn die Pflanzen weg sind, sieht es für uns nicht gut aus.

Die Natur wird irgendwann dafür sorgen, dass wir weg sind. Und die Pflanzen auch. Deswegen beschützt uns die Natur nicht, diese Vorstellung ist ein Anthropismus.

ja.

und das ist auch einer :slight_smile:

„die Natur“ als handelndes Wesen mit einem eigenen Willen gibt es wohl nicht.
Es gibt soundsoviel Milliarden Lebewesen, die alle fressen und sich vermehren wollen.
Wenn es ihnen hilft und wenn sie es schaffen, werden viele von ihnen auch uns fressen.
Oder wir sie.
Grds. beschützt niemand niemanden.
Allenfalls beschützt der Mensch seit einer Weile seine Haustiere (um sie dann großenteils doch zu fressen, abgesehen von Hunden und Katzen) und neuerdings auch Tiere, die er nicht fressen will (Artenschutz).

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ich bin mal vom Wort ausgegangen: „wild“.

und Du meinst, dass dieses Risiko auch nur entfernt dem hier entspricht?

Im Verkehr sterben bei uns jährlich ca. 3000 -4000 Menschen, glaube ich. Von 8 Mio. Das ist nix.
Tote durch Messerstecher? 10 pro Jahr? 20 ?
Tod durch Keime in Kliniken? Keine Ahnung. Ich kenne niemanden persönlich, dem das passiert ist.

Geh mal im März an einen See und such Dir ein Stockentenpaar mit 10 frisch geschlüpften Jungen.
Dann geh zwei Tage später hin. Es sind dann vermutlich nur noch 8 oder 9.
Drei Tage später vielleicht nur noch 6 oder 7.
Am Ende kommen 3 oder 4 durch.
Diese Kindersterblichkeit haben wir in Westeuropa beim Menschen vermutlich das letzte mal vor 1000 Jahren gehabt, wenn überhaupt.

Spinn das mal weiter:
Du hast eine Nachbarin mit 10 Kindern.
Am nächsten Tag triffst Du sie uns es sind nur noch 8.
Eins hat ein Wolfsrudel gerissen, das andere hat ein Hai beim Schwimmen erwischt (kleine Enten werden von Hechten gefressen).
Usw usw
Und das würde dann nicht nur dieser einen Nachbarfamilie so gehen, sondern allen.
Das wäre nicht nur „Wildnis“, das wäre barbarisch, unerträglich, traumatisierend, katastrophal.
Daran würden wir zerbrechen.
Die Vögel legen dann zT 10 neue Eier und versuchen es nochmal.
Auch das ist eine Härte, die über unser Vorstellungsvermögen geht. Behaupte ich mal.

Naja, nun kriegen Menschenfrauen nie 10 Kinder auf einmal. Irgendwie nicht vergleichbar.

Ich hatte ein Klientin aus Syrien- Kurdin. Die hatte 12 Geburten, davon haben 4 Kinder das Erwachsenenalter erreicht. Ganz ohne Wölfe starben 4 Kinder bei oder kurz nach der Geburt, 2 erreichten nicht das erste Lebensjahr, eines starb mit 6 an einer Krankheit und ein Sohn mit 15 bei einem Verkehrsunfall.

Ich hatte den Eindruck, dass sie es ganz normal fand- bis auf den 15-jährigen Sohn, der beim Verkehrsunfall umkam.
Ich glaube, du gehst sehr stark von hiesigen medizinischen Verhältnissen aus, die bereits 5-Monats- Frühgeburten am Leben erhalten.
In anderen Ländern gibt es diese Medizin entweder gar nicht, oder sie ist so teuer, dass sich der kleine Bürger keine Brutkästen, Säuglingsoperationen und das ganze medizinische Tamtam leisten kann.
Für Frauen aus Afghanistan, Irak, Somalia, Jemen, Syrien aus dem ländlichen Bereich war es ganz normal, dass ein großer Teil ihrer Kinder nicht überlebte. Nur wegen fehlender medizinischer Versorgung- Wölfe und Löwen sind dort nicht so sehr die Ursache für Kindersterblichkeit. Eher noch der Krieg.

Zu den Krankenhauskeimen: „Etwa 45.700 Todesfälle Menschen seien in dem Jahr 2019 im Zusammenhang mit einer Infektion durch antibiotikaresistente Erreger gestorben, schätzen die Forschenden.“ (Immer mehr Resistenzen: Forscher befürchten Todeswelle durch Krankenhauskeime - ntv.de)

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Ich meinte das nicht in dem Sinne, dass die „Liebe Sonne“ uns Lebensenergie schickt und der „liebe Baum“ uns Sauerstoff gibt. Aber es ist trotzdem lebenswichtig, dass dieses passiert.

Das war ja früher so. Wir haben zum Glück durch die Zivilisation einen Zustand geschaffen, in dem wir uns als Normalbürger darüber keine Gedanken machen müssen.

Die Wildnis bei uns in Deutschland besteht aus (für uns Menschen) relativ harmlosen Überresten dessen, was sie mal war, weil die Menschen sie über Jahrtausende beeinflusst haben nach dem Motto „Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“ von Pippi Langstrumpf.

In der Biologie unterschiedet man zwischen „K-Strategen“ und R-Strategen"

Die Buchstaben r für Wachstumsrate und K für Kapazität der Umwelt werden auch zur Beschreibung von Fortpflanzungsstrategien eingesetzt.

" r- und K-Strategen

  • r- Strategie (Wachstumsrate):

    • Arten werden als „Ausbreitungstyp“ bezeichnet

    • leben meist auf/in kurzlebigen Lebensräumen, wie z.B. Aas, Pilze…

    • Wirbeltierbeispiele: Hase, Feldmaus, Kaninchen

      • Ziel: möglichst viele Nachkommen in kurzer Zeit produzieren
  • K-Strategie (Kapazität des Lebensraums):

    • „Platzhaltertyp“, wie z.B. Bäume, Tiere mit langer Brutpflege

    • Beispiele: Elefanten, Wale, Primaten, Menschen aber auch Insektenvölker die große Staaten bilden

      • Ziel: lange Lebensdauer, gut angepasst an K, gleich bleibende Populationsgröße

Wer r- oder K-Stratege ist, muss immer im Verhältnis von zwei Arten gesehen werden. So ist z.B. die Maus im Verhältnis zum Elefanten ein r-Stratege, im Verhältnis zu Bakterien aber ein K-Stratege."

Quelle:Populationsökologie- und wachstum - Ökologie

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Danke für die Klarstellung, das wollte ich auch nicht suggerieren. Der Begriff „sorgen“ sollte nicht dahingehend verstanden werden.

Es ist nicht wichtig, aber es ist lebensursächlich. Feiner aber wichtiger Unterschied.

Die Natur und die Wildnis regelt sich eigentlich von selbst und sie braucht nicht den Mensch.

Auch die Kreidezeit mit dem Aussterben der Dinosaurier hat unser Planet und die Natur überlebt.

„Fressen und gefressen werden“ gehört nun mal zur Natur und sollte eigentlich das Ökosystem im Gleichgewicht halten.

Ähnlich sehe ich es bei den Wölfen.

Der größte Feind ist eigentlich der Mensch, sogar unter sich selbst.

Meine Urgroßmutter hatte 18 Kinder, dreimal Zwillinge, und die Hälfte (9) haben zwei Weltkriege überlebt.

Und, wenn ich mir so jetzt den durch Menschenhand beschleunigten Klimawandel so anschaue … etc.

Bei Johann Sebastian Bach haben von 20 Kindern nur 10 das Erwachsenenalter erreicht - das war vor 400 Jahren und damals keine besonders ungewöhnlich schlechte Quote…

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Du hast mit Deinem Risiko durch verkehrsunfälle usw argumentiert!
und das bezog sich nicht auf Afghanistan oder das 17. Jhdt, sondern auf SH im 21. Jhdt.

ok, dann nicht vor 1000, sondern 400 Jahren.
aber eben nicht heute in schleswig holstein.
das war doch der ausgangspunkt

Das bedeutet, wir sind heute auch in der Lage, Menschen mit Sauerstoff am Leben zu halten, der nicht von Pflanzen produziert wurde, sondern durch chemische Reaktionen entsteht, die Menschen initiieren. Das ist einerseits tröstlich, aber ich würde nicht für das Überleben der gesamten Erdbevölkerung darauf bauen.

Das bedeutet, dass die Existenz von sauerstoff-produzierenden Pflanzen nicht wichtig ist. Gäbe es sie nicht, gäbe es uns nicht. Das eine ist die Ursachen von dem anderen, aber nichts daran ist wichtig.

Oh, wie liebe ich es, Erbsenscheißerei zu betreiben… :wink:

Das war nur so ein Beispiel - die Zahl hoher Kindersterblichkeit ist vermutlich zeitlich noch weit näher an uns als Bach; ich schätze mal, ca 150 Jahre. Erst seit man verstanden hat, wie der Mechanismus der Infektion funktioniert, und dann auch noch entsprechende Hygiene- und medizinische Möglichkeiten erkannte/entdeckte (Seife, Penicillin), wurde das (auch mit der Säuglingssterblichkeit) dramatisch besser.

Aber ich weiß natürlich, was Du im Kern meinst. Bei uns ist das seit nun vielleicht 5 Generationen kein Thema mehr…

Ich weiß natürlich, was Du im Kern meinst…

Die Natur als Bedrohung im Sinne „gefressen“ werden - und sei es auch nur durch Bakterien Viren (ich weiß schon, Viren fressen nicht) ist bei uns schon lange keine (flächendeckende) Bedrohung mehr.

Der Mensch hat als erstes Lebewesen weltweit den Wettbewerb ums Überleben „gewonnen“ (im Sinne: „für sich entschieden“) - wenn auch mit langfristig verheerenden Folgen :thinking: Zunächst nur für die Mitkonkurrenten - früher oder später wohl auch für den „Sieger“ selbst, da langsam die Ressourcen ausgehen, die wir im Zuge dieses Sieges verbraucht haben.

Die „Natur“ ist also schon lange keine ernst zu nehmende „Konkurrenz“ mehr - aber sie führt durch die von uns selbst hervorgerufene „Ausdünnung“ dazu, dass wir früher oder später wohl selbst auch wieder „ausdünnen“.

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Mir schon, aber ich respektiere, dass es dir nicht wichtig ist.