Merkwürdiger Einwand.
Das Leben ist ungerecht und wird es immer bleiben.
Egal nach welchem -ismus wir unseren Staat organisieren.
Außerdem ist das am Thema vorbei:
es geht darum, dass übersteigertes Gerechtigkeitsstreben dazu führt, dass Probleme ungelöst bleiben, und ob das ein sinnvolles Ergebnis ist.
aber der Staat, der Recht und Gesetz schafft und dessen Einhaltung von den Bürgern fordert, ist verpflichtet, diese Gesetze auch gerecht nach dem Gleichheitsgrundsatz anzuwenden. (Art. 3 GG)
Es geht eben nicht um Gerechtigkeit, sondern um Gleichbehandlung.
Wenn der Staat gesetzlich eine Wehrpflicht (bzw. Ersatzdienst) einführt, muss er alle jungen Menschen einberufen und nicht nur einige. Denn nach welchen Kriterien sollte eine Auswahl passieren? Losverfahren?
Nein, die Verteidigung des Landes scheitert an fehlenden Kapazitäten wie du geschrieben hast: Kasernen und Ausbildern. Wobei man natürlich auch die Wehrpflichtigen zum Bau der der fehlenden Kasernen heranziehen könnte.
es hilft nicht, die Schuld zu verschieben, aber keine Lösung zu haben.
Gut, dann schweitert es an fehlenden Kapazitäten.
Aber die können wir nicht kurzfristig herzaubern, d.h. diese „Erkennntis“ hilft nicht bei der Problemlösung.
Möglich ist aber die Einziehung nur eines Teils der tauglichen Kandidaten.
??? ich vergleiche auch nicht einen beliebigen Job mit der Wehrpflicht.
Ich sage nur, dass es sinnvoll ist, die am besten Geeigneten zu nehmen.
Wiseo soll das bei der Wehrpflicht kein sinnvoller Maßstab sein?
Müssen wir da bewusst die Ungeeigneten nehmen?
Aus gesellschaftlichen Überlegungen könnte man zum Kriegsdienst auch jene heranziehen, die:
arbeitslos sind und so für das Bruttosozialprodukt entbehrlich sind
nicht (mehr) zeugungsfähig oder homosexuell sind und somit für die biologische Arterhaltung entbehrlich sind
viel substanzloses Zeug in sozialen Medien und Onlineforen posten und damit für die intallektuelle Entwicklung entbehrlich sind
Aber da sträuben sich dann schnell die Moralhaare, wobei eine Selektion nach Alter/Geburtenjahrgang und Geschlecht mindestens ebenso diskriminierend ist. Den Status “arbeitslos” hat jeder einzelne mehr oder weniger selbst in der Hand - für sein Geschlecht und Alter kann niemand etwas.
Es geht hier um Gerechtigkeit. Du findest es gerecht, wenn alle jungen Menschen zur Bundeswehr eingezogen werden. Warum nur alle jungen? Warum nicht auch die alten, die noch nicht gedient haben - zum Beispiel die Geburtenjahrgänge 1992 bis 2008 die praktisch nie eine Pflicht hatten?
Was der eine als gerecht empfindet, sieht der andere als ungerecht. Jede Art von Auswahl wird irgendwo als ungerecht gesehen. Nur an die Auswahl nach Alter und Geschlecht (die jungen Männer müssen zum Bund) haben wir uns gewöhnt - empfinden es als normal. Andere Selektionskriterien sind nicht mehr oder weniger willkürlich und diskriminierend. Für die genannten Beispiele lassen sich sogar Argumente finden, dass sie soziologisch besser sind - gerechter sind sie auch nicht.
Man könnte die Probleme des Landes auch miteinander Verknüpfen und so zu unbürokratischen win-win Situationen finden … wie wärs mit “Sozialleistungen nur noch für Gediente”. Dem Antrag auf Arbeitslosengeld/Grundsicherung/Rente ist die Wehrdienstbescheinigung beizulegen - Sozialkassen entlastet, “freiwillige” Wehrdienstleistende stehen schlange.
Eine Lösung wäre z.B. die überzähligen Dienstpflichtigen, die keinen Platz in den Kasernen haben, die Dienstpflicht im Zivilschutz (Feuerwehr/THW) oder im Zivildienst ableisten zu lassen (freuen sich Krankenhäuser und Altenheime). Dann wäre eine Gleichbehandlung im Sinne, dass alle ein Jahr Verzögerung in ihrer zivilen Ausbildung haben, gewährleistet.
Es ist jedenfalls nicht akzeptabel, das jemand, der ein Studium beginnen will, verpflichtend für ein Jahr Wehrdienst leisten soll und ein anderer sein Studium beginnen kann, weil er nicht einberufen wird und somit einen Zeitvorsprung hat.
Doch, tust du, wenn du die Auswahl der Kandidaten an Eignung knüpfst.
(wobei sich dann wahrscheinlich viele als möglichst ungeeignet darstellen würden, um dem Pflichtdienst zu entkommen.)
Anders als bei der freiwilligen Bewerbung auf einen Job kann sich der Verpflichtete dem staatlichen Zwangsdienst nicht entziehen und daher muss eine Gleichbehandlung aller möglichen Kandidaten erfolgen.
Weil die bereits im Berufsleben stehen und es wirtschaftlich nicht tunlich ist, sie aus ihrem Job zu ziehen und damit die Unternehmen zu schwächen, die sowieso schon Probleme haben.
Sinnvoll wäre aber für alle Bürger eine kurze, verpflichtende Zivilschutzschulung (ein Wochenende?) mit Erste-Hilfe Kurs und anderen wissenswerten Fähigkeiten im Katastrophenfall. Schon wegen der zukünftigen, durch den Klimawandel bedingten Starkwetterereignisse. Wäre schon gut, wenn z.B. bei Hitzewellen verpflichtend Zivilschützer einberufen werden könnten, die Senioren und Kranke in Kühlungsräume transportieren oder bei Überschwemmungen Sandsäckeschlepper.
Dann könnten diese Jahrgänge zumindest im Katastrophen oder Kriegsfall verpflichtend für den Zivilschutz einberufen werden.
Fast 50 % aller Arbeitslosen SGB 2 Empfänger sind Ausländer und können daher nicht zum Wehrdienst herangezogen werden. Die anderen deutschen 50% sind entweder alleinerziehende Frauen oder “Aufstocker” dh. Menschen mit Job, deren Einkommen nicht ausreicht. Ich glaube, die Ausbeute wäre da eher gering.
Das ist ein wenig widersprüchlich - denn ein System kann nur funktionieren, wenn es eine Mehrheit derjenigen, die dieses System tragen, für „einigermaßen“ gerecht hält (der Begriff „Gerechtigkeit“ ist hier sehr heikel!) - es „menschelt“ also an diesem Punkt. Insbesondere, wenn „Gerechtigkeit“ sehr auf die eigenen individuellen Belange interpretiert wird. Schließlich ist auch das bloße Funktionieren des Systems bereits ein Gerechtigkeitsfaktor. Denn wenn das System erst gar nicht funktioniert, dann ist es per se ungerecht.
Es könnte also „gerechter“ sein, eine schlagkräftige Bundeswehr aufzustellen, die alle verteidigt, und dabei den ein oder anderen etwas ungerechter zu behandeln, als jedem gerecht zu werden, und damit alle der z.B.: russischen Ungerechtigkeit auszusetzen.
Deswegen wird es mit einem kategorische Imperativ für diesen Begriff „Gerechtigkeit“ in einer so großen Gesellschaft wie der unseren schwierig - auch wenn die Relativierung zugegeben durchaus auch heikel ist.
Hier ist durchaus auch ein Blick in die kleinste gesellschaftliche Einheit, die Familie, durchaus interessant.
Wenn die schwächeren in diesem Konstrukt (das sind i.d.R. die Kinder) ihrer Verantwortung mal nicht gerecht werden (auch Kinder tragen für die Familie eine Verantwortung - vor allem, wenn sie schon etwas größer sind), dann ist es für die Familie als ganzes sicher eher kontraproduktiv, sich als Eltern darauf zurückzuziehen, dann sie es für ungerecht halten, diese Fehler auszubaden, da damit sehr schnell das Gesamtkonstrukt in eine Schieflage gerät, die alle schadet. Sofern das System für erhaltenswert angesehen wird, sollte es also auch Aufgabe von jedem sein, „kleinere Ungerechtigkeiten“ hinzunehmen.
Das ist eine interessante Betrachtungsweise, dass man als Eltern etwas ungerecht finden kann, das die Kinder tun. Ich dachte immer, das wäre umgekehrt…
Nein.
Du stehst offenbar unter dem Zwang, alles möglichst anders zu sehen als die Mehrheit und diesen notorischen Eigensinn als intellektuelle Großtat darzustellen.
Die übergroße Mehrheit der Menschen weltweit findet es normal und sinnvoll, wenn vor allem körperlich gesunde Männer in der jeweiligen Armee dienen.
Der simple Grund dafür ist, dass diese Bevölkerungsgruppe erfahrungsgemäß am besten geeignet ist zu kämpfen.
Die Anforderungen (körperlich gesund) treffen statistisch am häufigsten auf junge Männer zu.
Und Du bist Dir nicht zu schade, daran mit diesem menschenverachtenden Scheissdreck zu zweifeln?!
Wenn man es als menschenverachtend empfindet Menschen unfreiwillig zum Kriegsdienst zu verpflichten, ist Wehrpflicht menschenverachtender Scheissdreck völlig unabhängig davon für welchen Personenkreis das gelten soll.
Aber du bist dir nicht zu schade diesen Scheissdreck mit nationalistisch heroischen Pathos zu propagieren.
Klar ist es ungerecht, wenn ich mich auf Absprachen mit meinem Kind nicht verlassen kann, und dann Dinge tun muss, die ursprünglich anders diskutiert wurden. Ich werde aber trotzdem einspringen, wenn es sein muss (selbst, wenn dabei auch mal eine ungeplante Spontannachtschicht eingelegt wird).
Aber ich werde es tun, und nicht es einfach laufen lassen, und meine Verweigerung damit begründen, dass das andernfalls einfach ungerecht wäre, wenn ich es tue.
Im gefühlte Erleben ist selbstredend das Gefühl von bestehenden Ungerechtigkeiten auf Seiten der Kinder i.d.R. deutlich ausgeprägter (das fängt beim ins-Bett-gehen in jungen Jahren bereits an, auch wenn das meist gar nicht soooo ungerecht, sondern begründet ist :-).