Varta ist pleite

Ohne Details zu kennen:
in einer Zeit, in der alles mit Batterie läuft, in der E-Autos den Verbrenner ablösen und Stromspeicher zentrale Bausteine der Energieinfrastruktur sind/werden, geht ein Batterieherstellter in die Insolvenz???
Klingt auf den 1. Blick widersinnig.
Man hat den Eindruck, irgendwas läuft grundlegend schief am Wirtschaftstandort Deutschland.
Aber vielleicht gibts ja „gute“ Gründe?!

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Als Ursachen für die erneute Krise nennt Varta deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine ⁠schwächere ⁠Nachfrage, negative Währungseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines wichtigen Kunden, ⁠die Zusammenarbeit zu beenden.

Damit dürfte Apple gemeint sein. Das amerikanische Technologie-Unternehmen bezieht die wiederaufladbaren Knopfzellen für seine „AirPods“-Kopfhörer künftig aus ⁠China..

Auch die deutschen PV-Hersteller waren irgendwann pleite. Das ist kein Zufall, das ist ein Muster.

China setzt sehr aggresiv darauf, in allen Zukunfsttechnologien das mit weitem Abstand führende Land zu werden. Unsere Regierungen haben dem nichts entgegen zu setzen.

Das sind die schlechten Gründe.

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Tja, im Grunde passiert das, vor das Robert Habeck immer gewarnt hat.

https://www.focus.de/politik/deutschland/handelspolitik-am-klimaschutz-ausgerichtet-habeck-will-weniger-abhaengigkeit-von-china-und-neue-handelspartner_id_179534442.html

Dabei ging es ihm hauptsächlich um die Abhängigkeit von Russland im Bezug auf fossilen Brennstoffen und um die wirtschaftliche Abhängigkeit von China.

Tja, aber …

PS. Genau wie er im Jahre 2024 bereits vor Terror in der Straße von Hormus gewarnt hatte:

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Vor allem haben unsere Firmen dem nichts entgegen zu setzen.

Die sind als allererstes gefragt. Das Management hat aber nur den nächsten Geschäftsjahresabschluss im Sinn. Da gibt es dann die Boni. Was interessiert schon die Firma in 5 oder 10 Jahren. Da ist man vielleicht schon auf einem anderen Posten.

Subventionen gibt es auch bei uns genug.

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in dieser Abstraktheit ist das bekannt.
Aber was müsste die Regierug entgegesetzen?
Wie hätte sie die Varta-Pleite verhindern können?

selbe Frage: was hätte Varta tun sollen?

M.E. haben auch viele Belegschaften und die Gewerkschaften noch nicht begriffen, wie ernst die Lage ist.

Das scheint hier der Knackpunkt zu sein

" Nun endet die Zusammenarbeit offenbar vollständig, obwohl alle unter Hochruck an neuen AirPods-Modellen arbeitet. Nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld setzt Apple künftig auf andere Anbieter. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass vor allem der Preis den Ausschlag gegeben hat."

Varta hatte wohl den ganzen Standort Nördlingen auf Apple ausgerichtet.
Aber die Kosten sind halt hoch bei uns.
Wer kann daran was ändern?

Klar, das böse, unfähige Management ist immer schuld.

Für die Varta-Pleite: vermutlich nichts. Bei Northvolt haben sie es zumindest versucht, hat aber auch nichts genutzt.

An den Lohnkosten kaum. Aber waren es die Lohnkosten? Oder die Energiekosten? Oder die Bürokratiekosten? Keine Ahnung, vielleicht alles zusammen. An den beiden letzten Faktoren könnte man allerdings etwas ändern.

Zum prinzipiellen Teil deiner Frage:

Ich muss gestehen, ich weiß auch nicht, wie wir (EU) gegen China bestehen können. Ein erster Schritt jedenfalls wäre, dass man den Gedanken an aktive Industriepolitik wieder zulässt. Die globale Marktwirtschaft wird es eben nicht richten, vor allem auch, weil China die Industrie sehr stark politisch steuert. Vielleicht muss man da Anleihen nehmen, den europäischen Markt mehr abschottet.

Wir waren da sehr lange sehr naiv, weil wir die Augen vor den absehbaren Folgen verschlossen haben. Für einen kurzfristigen Gewinn haben die Unternehmen ihr Know How nach China transferiert, das hätte der Staat damals untersagen müssen. Z.B. den Verkauf von Kuka stoppen.

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Das zu beantworten ist Sache des Unternehmens. Die kennen den Markt und die Rahmenbedingungen. Jedenfalls sollte es so sein.

Wer sich für Erfolge feiern lässt, muss sich auch die Misserfolge ankreiden lassen. Es ist auch zu billig alles auf den Staat bzw. Die Politik zu schieben. Die Unternehmen wollen doch selbst ihren Kurs bestimmen. Dann müssen sie auch für die Folgen gerade stehen. In guten Zeiten die Aktionäre bzw. Eigentümer beglücken und nicht in die Zukunft investieren ist bei uns weit verbreitet. Gewinne privatisierten und Verluste sozialisieren sagt man dazu. Aber so sollte unser System nicht funktionieren.

Beispiel Siemens. Da habe ich lange gearbeitet. Kommunikations- und Datentechnik. In beidem waren die in der Weltspitze. In beiden Bereichen sind Energiekosten kein großer Faktor. Trotzdem beide Bereiche bis zur Auflösung heruntergewirtschaftet. Beide Bereiche weitgehend durch US Firmen besetzt. Da sind die Lohnkosten aber auch nicht geringer. Also woran hat’s gelegen? Missmanagement! An mir wohl nicht, da war ich ein zu kleines Lichtlein :innocent: .

Wenn die Rahmenbedingungen hier in Deutschland nicht passen, müssen wir die eben verbessern. Nur da will ja auch niemand wirklich ran. Siehst man ja an den Diskussionen hier im Forum wenn es um Sozialleistungen geht. Was die Energiekosten betrifft, werden die auch zu großen Teilen durch andere Unternehmen bestimmt. Ist halt Marktwirtschaft. Aber das kann es ja eigentlich auch nicht wirklich sein, wenn der Industriestrompreis auf dem Level von vor 10 Jahren ist. Öl und Gas orientiert sich am Weltmarkt dem auch andere ausgeliefert sind. Ich war lange im Ausland tätig. Meine Erfahrung: Die dortigen Vorteile bei den Lohnkosten werden zu einem erheblichen Teil durch geringere Produktivität aufgefressen. In reinen Produktionsprozessen mag das anders sein, aber hier kommt die Automatisierung ins Spiel.

Und woran liegt jetzt z.B. der Niedergang der Autoindustrie? Energiepreise sind da auch nicht der Entscheidende Punkt. Lohnkosten sind ein Thema. Aber eher nicht in der hochautomatisierten Fertigung. Wenn es am zu großen Wasserkopf- oder mangelnder Automatisierung liegt, sind wir wieder beim Management. Markt falsch eingeschätzt (E-Mobilität oder China)? - Management.

Aber du kennst die Antwort schon?

VW hat in den Jahren 2010 bis 2025 ca. EUR 47 Mrd. Dividende ausgeschütztet (sagt meine KI).
Wenn ich alleiniger Eigentümer von VW wäre, hätte ich davon noch 46,999 Mrd. auf dem Konto und könnte einige Jahre Durststrecke überstehen und gleichzeitig investieren.
Wenn ich die ganze Diesel/Abgas-Malaise vermieden hätte, hätte ich weitere EUR 32 Mrd. gespart.
Mit dem Geld könnte man vermutlich anders agieren als heute.

Das ist in der Form natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber es steckt ein wahrer Kern drin.
Wenn VW 15 Jahre lang nix ausgeschüttet hätte, wäre der Kurs abgestürzt und irgendein Chinese hätte den Laden billig übernommen (Niedersachsen hätte die 100% Übernahme vermutlich verhindert).
Aber das Grundprinzip ist einfach Mist, dass man als börsennotierter Konzern nur selbständig bleiben kann, wenn man die Aktionäre durch hohe Dividenden bei Laune hält.
Denn dann fehlt das Geld in der Krise, wie jetzt eben.

Lösung??
Spontane Idee:
Es gibt eine gesetzl. Zwangsrücklage für schlechte Zeiten.
Der Staat erhält zusätzlich ein Vorkaufsrecht an den Aktien.
Wenn also ein Chinese bei (wegen der Rücklage) gesunkenen Aktienkursen billig 80% von VW kaufen will, macht der Staat von seinem Recht Gebrauch und erwirbt seinerseits die 80% (oder auch 51%).
Wie das allerdings an der Börse ankommt und ob das mit der Verfassung und dem EU-Recht vereinbar ist …? Keine Ahnung.
Aber die EU könnte so einen Notfallmechanismus vielleicht erschaffen.

Ja. Diese Naivität dürfen wir uns jedenfalls nicht mehr leisten

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@hedi s Aussage ist schon plausibel.
Das Management muss bis zu einem gewissen Maße den nächsten Quartalsbericht im Kopf haben, denn daran hängt der Aktienkurs, und ein zu niedriger Kurs ist gefährlich, weil dann irgndwann die Übernahme durch einen Wettbewerber droht.

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und etwa das fünfache investiert (sagt meine KI). Allerdings das wenigste davon in Deutschland.

Das Problem ist doch eher, dass in die falschen Technologien (und in den falschen Ländern) investiert wird. Der Staat müsste Investitionen in die Zukunftstechnologien lukrativer machen. Unsere Gesellschaft müsste neue Technologien umarmen und nicht erstmal naserümpfend ablehnen. Ich denke an die Proteste gegen Grünheide, gegen ein RZ in Maintal.

Es gibt Gegenbeispiele, Amazon.

Das halte ich für eher kontraproduktiv (Auswirkung auf den Cash Flow), aber das ist eher ein Gefühl, als dass ich es betriebswirtschaftlich seriös begründen könnte.

Immer soll der Staat. Es muss das Eigeninteresse der Unternehmen sein ihre Zukunft zu sichern. Der Staat bietet Abschreibungsmöglichkeiten und sogar in vielen Bereichen Subventionen. Was soll er denn noch machen?

Nach dem Staat rufen wenn investiert werden soll, und wenn die Investitionen Geld einbringen das Geld selbst einstecken und an Eigentümer/Aktionäre ausschütten.

Wie bereits geschrieben: Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren.

Wie oft hat der Staat schon mit Millionen Firmen geholfen ( die haben tlw. sogar weiter Dividenden gezahlt) und letzten Endes ist der Laden doch gescheitert und die Chefs haben sich noch vorher bedient.

Z.B was er bei Airbus gemacht hat. Auch vieles was jetzt im Digitalministerium gemacht wird, geht in die richtige Richtung

Du hast mich falsch verstanden, der Staat soll nicht in erster Linie investieren, sondern Bedingungen schaffen, damit sich die Investitionen lohnen. Sonst wird kein Unternehmen investieren.

Eine immer wichtigere Rolle spielen Start-Ups. Auch hier kann der Staat einiges tun.

Können wir hier auch ohne solche Klischees diskutieren?

Ich habe ihn schon lange auf meiner Leseliste, vielleicht findet man da einige Antworten:

Der Bericht schlägt unter anderem eine Agenda für Wettbewerbsfähigkeit vor, die eine jährliche Finanzierung von 750 bis 800 Milliarden Euro erfordert. Dies entspricht etwa 4 bis 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der EU.[6] Diese Größenordnung sei notwendig, um mit Konkurrenten wie den USA und China mithalten zu können.[7][8] Draghi selbst verglich das Vorhaben mit dem Marshallplan zur Ankurbelung von Wirtschaftswachstum und Integration Europas nach dem Zweiten Weltkrieg.[5]

Als Vergleich wurde der US-amerikanische Inflation Reduction Act (IRA) aus 2021 genannt, welcher rund 400 Milliarden US-Dollar für die amerikanische Wirtschaft bereitstellte. Zusammen mit dem Infrastructure Investment and Jobs Act und dem CHIPS and Science Act wurden damit rund 2 Billionen US-Dollar in die amerikanische Wirtschaft investiert[9]. In China ist die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform für die Wirtschaftsplanung des Landes zuständig. Sie plant ebenfalls verschiedene finanzielle Mittel und Maßnahmen, um die kriselnde[10][11] chinesische Wirtschaft zu stabilisieren und stimulieren[12][13][14].

Draghi erwähnt, dass diese Summe teilweise durch private und öffentliche Investitionen gesichert werden könnte, zum Beispiel durch die Ausgabe neuer gemeinsamer Schuldtitel zur Finanzierung wichtiger gemeinsamer Projekte[15].

Der Bericht stellt drei Hauptthesen auf, um nachhaltiges Wachstum für Europa zu generieren:

  1. Aufholen des Innovationsrückstands gegenüber den USA und China, insbesondere im Bereich der Spitzentechnologien;
  2. Die Notwendigkeit eines gemeinsamen Plans für Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit;
  3. Erhöhung der Sicherheit und Verringerung der Abhängigkeit.

Der Bericht geht auch auf die „Hindernisse“ bei der Erreichung dieser Ziele ein:

  1. Europa fehlt es an Fokus. Man formuliere zwar gemeinsame Ziele, untermauere diese aber nicht durch klare Prioritäten und koordinierte Politiken;
  2. Europa verschwendet seine gemeinsamen Ressourcen. Man verfügt gemeinsam über eine hohe Kaufkraft, verteilt diese aber auf eine Vielzahl unterschiedlicher nationaler und europäischer Instrumente;
  3. Europa mangelt es an Koordination, wenn es darauf ankommt.
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so gut sich die Zusammenfassung an vielen Stellen liest, wird mir da wieder unwohl.
Das heißt wohl -verkürzt gesagt- Schuldenmachen wie die USA.
Ob das gut geht?? Die Amerikaner gehen da ein hohes Risiko ein und vertrauen darauf, dass der Dollar so wichtig und unersetzbar ist, dass der Dollar-Staat nicht pleite gehe kann.
Der Euro spielt aber m.W. noch nicht in dieser Liga.

Und „gemeinsame Schuldtitel“ bedeutet Mithaftung Deutschlands für die EU-Schulden.
Ist das mehrheitsfähig?
Ist es ein akzeptables Risiko?
Ich weiß es nicht.
Da stellt sich die alte Frage nach der EU als Bundesstaat.
Wenn sie das wäre, wäre die Frage nach gemeinsamen Schulden beantwortet.
Ist sie aber nicht.
Wollen wir mehrheitlich einen EU-Bundesstaat?
Wollen wir, dass über Deutschland die Mehrheit der EU-Staaten entscheidet, ohne Einschränkung, mit allen Konsequenzen? Ich glaube nicht, dass die Mehrheit das möchte.
Als Fernziel, vielleicht, aber nicht in 3 Jahren o.ä.

Das wird in den nächsten 20 Jahren sowieso nicht passieren, daher ist eine Diskussion darüber müßig. EU als Bundesstaat kann am Ende einer Entwicklung stehen, nicht am Anfang oder der Mitte.

Ist es ein akzeptables Risiko keine Schulden zu machen und dabei unserer Industrie hinterher zu winken?

Mal zur Abwechslung etwas Positives:

https://www.heise.de/news/Chip-Lithografie-Zeiss-baut-deutsche-Herstellung-um-ueber-25-000-m2-aus-11377726.

Ich fände es gut, wenn wir uns gemeinsam das Thema Wirtschaft besser erschließen würden. Ich würde mir aber wünschen, es nicht als „Argumente an die Köpfe klatschen“ zu tun, sondern als gemeinsames Lernen.
Wir könnten den Draghi-Report zusammen lesen, das ist sicher sehr lohnend, aber auch ein paar andere Veröffentlichungen, auf die wir uns einigen können.
Es wäre ein lohnendes Monatsprojekt: „Wirtschaft verstehen“

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Gute Idee, da ich null Schimmer von Wirtschaft habe. Aber wer moderiert das und gibt Input?

Zum Input trage ich gerne bei.
Moderation würde mir schwerfallen.